Und jetzt fühlte Ernst diesen forschenden Blick auf sich ruhen.

Er drückte keinerlei Interesse für seine Person aus, nichts als

unbezwingliche Wißbegierde. Es sah aus, als möchte sie bloß um jeden

Preis ergründen, wie er eigentlich innerlich zusammengesetzt war. Und

zugleich bemerkte er ein fast unsichtbares ironisches Lächeln auf ihren

Lippen.

Pastor Hallin war sehr unbehaglich zumut. Er sagte sich selber, er

habe ja doch nicht gelogen. Es war wirklich seine Überzeugung, die

er da ausgesprochen hatte; und er freute sich darüber, daß er sie

ausgesprochen hatte.

Dennoch stand er auf und wechselte den Platz; und dabei konnte er es

nicht hindern, daß er tief errötete.

Ende

Fischers Bibliothek

zeitgenössischer Romane

Dritter Jahrgang

(Oktober 1910-September 1911)

1. Bd. Th. Fontane, Irrungen Wirrungen

2. Bd. Björnstjerne Björnson, Mary

3. Bd. Gabriele Reuter, Frauenseelen

4. Bd. Laurids Bruun, Van Zantens Insel der Verheißung

5. Bd. Sophie Hoechstetter, Passion

6. Bd. Knut Hamsun, Redakteur Lynge

7. Bd. Hermann Bahr, Theater

8. Bd. Gustaf af Geijerstam, Pastor Hallin

9. Bd. Bernhard Kellermann, Yester und Li

10. Bd. Felix Hollaender, Das letzte Glück

11. Bd. Jonas Lie, Auf Irrwegen

12. Bd. J. Wassermann, Der niegeküßte Mund

Jeden Monat erscheint ein Band

Gustaf af Geijerstam

Gesammelte Romane in fünf Bänden

Fünf Bände in schöner, gediegener Ausstattung mit einem Porträt des

Dichters. Entwurf des Einbandes von E. R. Weiß. Geheftet 12 M, in

Leinen gebunden 15 M.

1. Bd.: Einleitung / Auf der letzten Schäre / Das Geheimnis des

Waldes / Kristins Myrte / Sammel / Alte Briefe / Frau Gerdas

Geheimnis.

2. Bd.: Das Haupt der Medusa / Die Komödie der Ehe.

3. Bd.: Das Buch vom Brüderchen / Frauenmacht.

4. Bd.: Karin Brandts Traum / Gefährliche Mächte.

5. Bd.: Die Brüder Mörk / Die alte Herrenhofallee.

Mit dieser neuen Ausgabe seiner Werke wohnt Geijerstam mitten unter

uns. Man hat ihn in Deutschland verstanden. Diese Sammlung seiner Werke

-- rein äußerlich, bei schöner Ausstattung und sehr billigem Preise,

die denkbar beste Vereinigung von Volks- und Bibliotheksausgabe --

ist Beweis dafür. Den Geijerstam, den man braucht, hat man in dieser

Auswahl ganz. Sie findet ihre literarische Rechtfertigung zudem in

einer Einleitung von Friedrich Düsel, und diese Einführung gibt eine

seelisch eindringliche, man könnte beinahe sagen, erschöpfende Analyse

von Geijerstams künstlerischer Persönlichkeit ... In Geijerstam kündigt

sich eine neue Weltanschauung an, noch viel zu unentwickelt, um in den

Rahmen von zehn Geboten gefaßt zu werden, doch aber recht eigentlich

die Weltanschauung des Menschen, der nicht die Kraft, dafür aber die

Zartheit seiner eigenen Empfindungen besitzt. -- Eine neue Frucht der

Erkenntnis gleißt aus der grünen Blätterpracht dieser Erzählungen!

Aus dem Stamm des sozialen Mitleidens ist sie erwachsen. Menschen mit

verfeinerten Empfindungsorganen werden danach greifen und werden -- wie

das immer war -- beides daraus schmecken: Tod und Leben.

(Frankfurter Zeitung)

_Das Buch vom Brüderchen_

Wir haben es hier mit einem wundervollen, tief melancholischen Buch

der Liebe und Ehe zu tun, das ein bedeutender Dichter geschrieben hat.

Das Buch ist reich an lyrischen Stimmungen, ja es ist eigentlich nur

eine Kette von solchen, und durchpulst von dem echtesten Empfinden. Es

sind die Aufzeichnungen eines glücklich-unglücklichen Mannes, der ein

schönes, kluges und geliebtes Weib besitzt und drei Kinder, nach deren

jüngstem dieses Buch benannt worden ist.

Dieses keusche, zarte, liebenswerte Buch sollten alle lesen: die Alten

und die Jungen. Besonders die jungen Mädchen sollten es lesen, anstatt

der verlogenen Liebesgeschichten, die zumeist ihre Lektüre bilden. Und

dann die Mütter. Dieses Buch ist wie eine kleine Bibel. Es ist reich an

allem Guten und Heiligen. Es ist reich an tiefen mystischen Beziehungen

zwischen Mensch und Mensch, und die Natur -- Schweden und seine Schären

und das Meer -- steht leuchtend und groß darin auf. Das Buch ist ein

Kunstwerk und ein Werk des Lebens zugleich. So sollen gute Bücher sein.

(Rheinisch-Westfälische Zeitung, Essen)

_Nils Tufvesson und seine Mutter_

Der dämonisch gräßliche Stoff, Mord und Blutschande, ist mit einer

Festigkeit und Sicherheit angefaßt, die von Anfang an beruhigend

wirken. Ohne der mächtigen Spannung verlustig zu gehen, verfolgt

man schon beim ersten Lesen den reinen, schönen Aufbau und großen

Stil des Werkes mit ungetrübter Wonne, wozu die ganz vorzügliche

Übersetzung viel beiträgt. Daß hinter dem Künstlerischen ein

herzlicher, liebenswerter Mensch voll Feinheit und Güte steht, ist

auch hier wie in allen Büchern Geijerstams die Hauptsache. Ihm stehen

immer die sittlichen Probleme jedes Konfliktes obenan, und so ist

Nils Tufvesson ihm unter der Hand aus einer düsteren Mordgeschichte

zu etwas ganz anderem geworden. Die Hauptsache ist nicht der Mord,

noch seine Entdeckung, noch seine Bestrafung, sondern das hinreißend

dargestellte Erwachen des beleidigten Rechtsgefühls in einer ganzen

Dorfgemeinde. In Nils’ Hof liegt eine Leiche und soll begraben werden.

Man ahnt und fühlt, daß da ein Verbrechen begangen ist. Niemand hat

ein persönliches Interesse daran, jeder fürchtet sich auch davor,

in Gerichtsverhandlungen und dergleichen verwickelt zu werden. Und

doch darf die Leiche nicht unter den Boden. Das Bewußtsein, daß etwas

Gräßliches geschehen ist, lastet über dem Dorfe und wächst zu einem

Druck, der unerträglich wird, bis eine erste zage Stimme sich erhebt

und im Namen des ganzen Volkes zum Ankläger wird. Das hat Geijerstam

mit einer Einfachheit und Größe dargestellt, welche vielleicht die Höhe

seiner Kunst bedeutet. Das ernste, schöne Werk wird ihm ohne Zweifel

Tausende von neuen Lesern gewinnen.

(Neue Zürcher Zeitung)

_Frauenmacht_

Nachdem Gustaf af Geijerstam in seinem vorigen Buch Nils Tufvesson

grauenhafte Gefühle der Verirrung zu Konflikten von ergreifender und

entsetzlicher Tragik gesteigert hatte, kehrt er in seinem letzten

Roman Frauenmacht zu einer wundersamen, verfeinerten Innigkeit der

Gefühle zurück, die uns sein schönes Buch vom Brüderchen so lieben

läßt. Frauenmacht ist ein rührender Akkord der Schwermut. Es ist die

Erzählung eines Unglücklichen, dessen Schicksal es ist, daß ihm sein

Leben hindurch stets kurzes Glück zu langen Schmerzen ausschlägt.

Es sind Stellen in dem Buch, die sind zum Jubeln, und Stellen von

einer Schönheit der Wehmut, wie sie wohl nur der Verfasser des Buches

vom Brüderchen schreiben kann. Das Buch ist reich an allem Guten und

Heiligen, es ist reich an großen mystischen Beziehungen zwischen Mensch

und Mensch, und die Natur -- Schweden mit seinen Schären und das Meer

-- steht groß und leuchtend darin auf. Hier ist ein inniges Kunstwerk,

durch das man nicht hindurchgeht, ohne bereichert und beglückt zu

werden.

(Norddeutsche Allgemeine Zeitung, Berlin)

_Wald und See_

Geijerstam versenkt sich mit Liebe in die dunklen Tiefen einfältiger

Menschenseelen; er erzählt von den stummen Tragödien derer, denen

kein Gott gab, zu sagen, was sie leiden. Seine schwerblütigen,

tiefempfundenen mit ihrem Boden so eng verwachsenen nordischen Bauern

wissen kaum, daß sie leiden, geschweige denn warum. Aber sie können

sich auch nicht an die bunte Oberfläche der Sinnenwelt halten, wie

die sonnenbegünstigten Südländer. Die Härte ihres Klimas weist sie

beständig von außen nach innen. Und sie tragen schwer an dem vielen,

was sie innerlich durchleben müssen, ohne es nennen oder verstehen zu

können. Geijerstam besitzt die große fromme Ehrfurcht vor der Natur.

Er erblickt ahnend das Walten ihrer geheimnisvollen Mächte und spürt

ihnen demütig nach. Vor dem Unerforschlichen steht er verstummend

still. Wer dem Leben so tief in die Rätselaugen sieht wie Geijerstam,

dem enthüllt sich das Interessanteste gerade im Alltäglichsten, während

unsere vielen unechten Interessantheiten sich ihm zeigen als das, was

sie sind: billiges Spielzeug für große Kinder.

(Die Zeit, Wien)

_Karin Brandts Traum_

Ein Lebenssiegerbuch, wie selten in unserer Literatur der Ohnmacht

und Schwäche! Es ist, als ob von Geijerstam immer mehr und mehr alles

Überflüssige abfiele, alles, was dekorativ ist und Füllwerk. Er wird

einfacher mit jedem Buch. Klar und rein hebt sich der Kern heraus.

Dieser neue Roman sieht sich zuerst beinahe ärmlich an. Ein schlichtes

Menschenschicksal, das nicht über die Alltäglichkeit hinausging, wird

erzählt. Aber dann quillt aus der Schlichtheit ein Reichtum auf. Man

fühlt deutlicher und eindringlicher der Schlichtheit zweites Gesicht:

die Echtheit. Da ist keine Mache mehr, kein Aufputz, kein Künsteln

mit den narkotischen Mitteln der Unehrlichen im Romangewerbe. In

Geijerstams Romankunst ist Ehrlichkeit, Leben, Wahrheit. Erst wenn man

sich so aller blendenden Äußerlichkeiten begibt, kann man so innerlich

werden wie der Autor von Karins Traum.

(Münchener Post)

_Gefährliche Mächte_

Der Roman „Gefährliche Mächte“ bietet uns Geijerstams tiefste,

gedankenreichste Schöpfung. Wieder beschäftigt sich der Eheprediger mit

dem Problem der Ehe. Wieder behandelt er die Hauptlehre seines Lebens,

daß wir uns selber nicht, geschweige denn einen anderen erkennen,

daß wir alle im Dunkeln herumirren. Heller und lauter, ernster und

nachdrücklicher aber erhebt Geijerstam diesmal seine Stimme. Die

beiden großen alltäglichen Tragödien des menschlichen Lebens, den

Zusammensturz ehelichen Glückes und die Tragödie des Verkanntseins,

der Vereinsamung verschmilzt er zu einer ergreifenden Einheit. Klänge

nicht überall seine alles begreifende, alles verzeihende Menschenliebe

hindurch, so könnte das Buch als eine niederschmetternde Anklage die

Freude am Leben aus unserem Herzen verjagen.

(Allgemeine Zeitung, München)

_Das ewige Rätsel_

Das Problem der Ehe, das Problem der Geschlechter -- das „ewige

Rätsel“ -- wird hier von einer ganz neuen Seite und mit neuen Mitteln

behandelt. Dieser Roman enthält, abgesehen von einer sehr spannenden,

aber kurzen Episode, fast gar kein Geschehen im Sinne der epischen

Kunst. Es ist alles Psychologie, spinnwebdünnes seelisches Ereignis...

Mit unendlich feiner, subtiler Kunst hat Geijerstam das innerste

Verhältnis zwischen Mann und Weib geschildert. Er hat aus dem Problem

der Ehe das weitere, größere Problem herausgelöst, das Problem der

Fremdheit der Menschen zueinander.

(Pester Lloyd)

_Die alte Herrenhofallee_

In diesem letzten Roman, den uns der schwedische Dichter hinterlassen

hat, behandelt er noch einmal das Problem der Ehe, dem er in der

„Komödie der Ehe“ mit feinem psychologischen Tasten nachgegangen war.

Die Umwelt verlegt Geijerstam in eine längst vergangene Zeit, „noch

ehe der Ton der Dampfpfeife das Rauschen der schwedischen Wälder

durchschnitt“. Durch die alte Herrenhofallee ist einst eine Vorfahrin

der Heldin seiner Erzählung ihrem Gatten davongefahren, und dieser

hat alsbald, um jede äußere Spur, die ihn an seinen Unglückstag

erinnert, zu vertilgen, die alte Allee umhauen lassen -- ein Symbol,

das gleichsam mit vererbender Schicksalskraft im Leben der Heldin

wiederkehrt. Es ist ein abgeklärtes Können, eine von einer ausgeprägten

dichterischen Persönlichkeit geführte Objektivität, die in allem

Geschehenen die seelischen Fäden erkennt und auflegt.

(Breslauer Morgenzeitung)

Werke von Gustaf af Geijerstam

Das Haupt der Medusa. Roman. 6. Tausend. Geh. M 3.50, geb. M 4.50

Das Buch vom Brüderchen. Roman einer Ehe. 18. Tausend. Geh. M 3.50,

geb. M 4.50

Die Komödie der Ehe. Roman. 8. Tausend. Geh. M 3.50, geb. M 4.50

Nils Tufvesson und seine Mutter. Bauernroman. 4. Tausend. Geh. M

3.50, geb. M 4.50

Frauenmacht. Roman. 8. Tausend. Geh. M 3.--, geb. M 4.--

Wald und See. Novellen. 4. Tausend. Geh. M 3.50, geb. M 4.50

Kampf der Seelen. Roman. 4. Tausend. Geh. M 3.50, geb. M 4.50

Alte Briefe. Novellen. 4. Tausend. Geh. M 3.50, geb. M 4.50

Karin Brandts Traum. Roman. 8. Tausend. Geh. M 3.-- geb. M 4.--

Gefährliche Mächte. Roman. 6. Tausend. Geh. M 4.--, geb. M 5.--

Die Brüder Mörk. Roman. 4. Tausend. Geh. M 3.50, geb. M 4.50

Das ewige Rätsel. Roman. 6. Tausend. Geh. M 3.--, geb. M 4.--

Die alte Herrenhofallee. Roman. 6. Tausend. Geh. M 3.50, geb. M 4.50

Druck der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig

Pastor Hallin · 第 17 / 17 段