Der Name Glashütte hat nichts mit der Erzeugung von Glas zu tun, er
bezeichnet einen Ort, wo Glaserz oder Glasköpfe (bestimmte Arten von
Silber- und Eisenerz) verhüttet werden. Glashütte ist im fünfzehnten
Jahrhundert am Nordrande der das Müglitztal begleitenden Bergbauzone
entstanden. Die sächsischen Herzöge waren die besonderen Gönner der
kleinen Bergorte: Georg der Bärtige gab dem Orte 1506 Berg- und
Stadtrecht und betrieb dort aus eigenen Mitteln seit 1511 den Bau einer
etwa 1535 vollendeten Kirche. Eins ihrer großen Fenster enthält in
guter Glasmalerei das herzoglich-sächsische Wappen und das des Meißner
Bischofs Johann X. von Maltitz, der die Kirche 1539 persönlich weihte.
Es war ein letzter Versuch, die Stadt bei der alten Kirche zu erhalten.
Denn schon 1521 hatte der Pfarrer Jakob Seydler ein Weib genommen und
die evangelische Predigt eingeführt. Herzog Georg glaubte, dies als
Grundherr nicht dulden zu dürfen und ließ den Pfarrer zum geistlichen
Gericht vor den Bischof nach Stolpen bringen. Die Sage berichtet sogar,
dieser habe ihn im Kerker erwürgen lassen. Aber dem Bischof Johann VII.
von Schleinitz war solch ein Ketzergericht offenbar unangenehm und
er ließ Seydler entwischen. Noch 1539, als der Herzog gestorben und
sofort im ganzen Land die Reformation durchgeführt worden war, ließ
die Gemeinde Glashütte laut der Kirchenrechnung ihrem unterdes wohl
etwas heruntergekommenen ehemaligen Pfarrer eine Spende reichen. Die
Glashütter Kirche verwahrt in einer Truhe ein gesticktes geistliches
Gewand; aber es ist vielleicht gar nicht aus katholischer Zeit, sondern
von solchen evangelischen Christen gestiftet, die ihren Pfarrer
wenigstens einmal im Jahr, etwa beim Weihnachtsfest, in einer farbig-
und goldschimmernden Amtskleidung sehen wollten. Ich habe dergleichen
Brauch auch in der Niederlausitz, z. B. in Altdöbern, gefunden. Auf der
schönen messingenen Taufschüssel steht am Rande der Spruch: »Allzeit
Wart Geluck« (Immer warte auf das Glück). Das bezieht sich zunächst
auf die Heilswirkung der Taufe, auf jene geistige Wiedergeburt, die
der eigentliche Inbegriff des Wortes »Renaissance« ist, dann aber
vielleicht auch auf den zu erwartenden Segen des Bergbaues, der in
Glashütte schon früh zu wünschen übrig ließ. Läßt doch auch die für den
kleinen Ort sehr stattliche und wohlausgestattete Martinskirche auf die
damals unter den Bergbauenden verbreitete Ansicht schließen, daß die
Himmlischen, mit Altären und Messen gut versorgt, dafür auch in der
Tiefe vollgültige Erze wachsen lassen würden nach dem Spruch:
»Es grüne die Tanne, es wachse das Erz,
Gott schenk uns allen ein fröhliches Herz.«
[Illustration:
(Aufnahme von Walter Möbius, Dresden)