Abb. 13 =Altes Haus in Graupen=]

Über dem Geschichtlichen und Wirtschaftlichen darf bei Graupen die

reine Mitgift der Natur nicht vergessen werden, _die Landschaft_,

in die es hineingestellt ist. Sie ist von besonderem Reiz. Denn die

Graupener Schlucht ist in erster Linie das Ergebnis eines gewaltigen

Einsturzes, bei dem rechts und links von der stehengebliebenen Kuppe

des Mückenberges weit größere Teile einer Porphyrplatte abbrachen

und donnernd in die Tiefe stürzten, so daß ihre grün überwucherten

Trümmer heute die Graupener Schlucht wie mit einem schirmenden Mantel

umgeben. So zeigt die Schlucht, der mittäglichen Sonne voll geöffnet,

aber vor den rauhen Nord- und Ostwinden geschützt, in ihrer unteren

Hälfte ein fast südliches Wachstum: in den Gärten blühen die feinsten

Rosen, gedeihen alle Sorten von Edelobst. Wer eben noch auf der Höhe

des Mückenberges die zerzausten Wetterfichten im rauhen Winde stöhnen

hörte, der freut sich beim Niederstiege nach Graupen der linden Luft,

die sich ihm entgegendrängt, der traubenschweren Weinrebe, die sich ans

Hausgemäuer schmiegt und der majestätischen Walnußbäume, die rings um

die malerischen Ruinen der Rosenburg aufragen. Diese Trümmer erzählen

aber auch eine eindringliche Geschichte von schwerer Not und bitterm

Leid, das die deutsche Bevölkerung der alten Bergstadt getragen und im

treuen Verein mit den deutschen Brüdern, die vom Gebirgswall helfend

niederstiegen, abgewendet hat ...

[Illustration:

(Aufnahme von Walter Möbius, Dresden)

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XIII, Heft 3-4 · 第 50 / 69 题