Über dem Geschichtlichen und Wirtschaftlichen darf bei Graupen die
reine Mitgift der Natur nicht vergessen werden, _die Landschaft_,
in die es hineingestellt ist. Sie ist von besonderem Reiz. Denn die
Graupener Schlucht ist in erster Linie das Ergebnis eines gewaltigen
Einsturzes, bei dem rechts und links von der stehengebliebenen Kuppe
des Mückenberges weit größere Teile einer Porphyrplatte abbrachen
und donnernd in die Tiefe stürzten, so daß ihre grün überwucherten
Trümmer heute die Graupener Schlucht wie mit einem schirmenden Mantel
umgeben. So zeigt die Schlucht, der mittäglichen Sonne voll geöffnet,
aber vor den rauhen Nord- und Ostwinden geschützt, in ihrer unteren
Hälfte ein fast südliches Wachstum: in den Gärten blühen die feinsten
Rosen, gedeihen alle Sorten von Edelobst. Wer eben noch auf der Höhe
des Mückenberges die zerzausten Wetterfichten im rauhen Winde stöhnen
hörte, der freut sich beim Niederstiege nach Graupen der linden Luft,
die sich ihm entgegendrängt, der traubenschweren Weinrebe, die sich ans
Hausgemäuer schmiegt und der majestätischen Walnußbäume, die rings um
die malerischen Ruinen der Rosenburg aufragen. Diese Trümmer erzählen
aber auch eine eindringliche Geschichte von schwerer Not und bitterm
Leid, das die deutsche Bevölkerung der alten Bergstadt getragen und im
treuen Verein mit den deutschen Brüdern, die vom Gebirgswall helfend
niederstiegen, abgewendet hat ...
[Illustration:
(Aufnahme von Walter Möbius, Dresden)