Der Entschluß läßt ihn den Bankdienst mühelos ertragen, daß die

kleinlichen Zwischenfälle spurlos an ihm herunterrinnen, wie Wasser am

Fell des Seehunds. Wie lange denn noch ...

Schwer aber beginnt von neuem der Gedanke an den Vater zu drücken. Wie

wird der den Plan aufnehmen, wie wird die Auseinandersetzung ausfallen?

Keinen Augenblick zweifelt Fritz daran, daß sein junger Wille diesmal

obsiegen muß. Doch möchte er dem Alten die Niederlage nicht im Bösen

beibringen. Innerlich, das weiß er von Mailand her, innerlich wird der

Vater wohl dasselbe wünschen -- Universitätsstudium. Aber er kennt

auch den jähen Starrsinn des Kraftmenschen, der sich dem, was er für

Auflehnung hält, eisern verschließt, auch wenn es sich mit seinen

Wünschen deckt. Vorsicht also und jede unnütze Schärfe vermeiden --

aber wie soll das in Briefen möglich sein? Die Nachrichten von Hause

kommen spärlich und wenig gehaltvoll. Auf dem starken Elfenbeinpapier

stehen feingestochen die weichen Schriftzüge der Mutter, doch ein P.

d. im oberen oder unteren Eck des Bogens zeigt an, daß „Papa diktiert“

hat. Ermahnungen, Vorschriften, Verbote ... Arbeiten, Sparen ... „Wir

dulden natürlich nicht ...“ wie freudlos alles! Kein Wort von dem Leben

da drüben, in dem alten Haus unter vielen häßlichen Häusern, mit den

weiten Feldern im Hintergrund ... Selten einmal ein Brief von Gretl,

gütig, zärtlich, doch sie auch seltsam gehemmt in allem, was das Leben

zu Hause anging. Leidet sie unter der steten Nähe der lebensfremden

alten Leute, oder hat sie die Kraft gefunden, der greisenhaften Trübsal

den jungen Willen zur Freude entgegenzusetzen, wie Gitta? Gretl und

Gitta! Der Schwester fehlte wohl Gittas harte Kraft. Die ließ sich ihr

Schicksal aufbürden und trug es stumm und ohne Klage, mit dem gütigen,

treuen Lächeln um die Lippen, das er so gut kannte. Gretl! -- Und Fritz

merkt beschämt, daß er in den Auslandsjahren die Schwester innerlich

vernachlässigt hat, in den letzten Monaten besonders. Wortreiche

Schilderungen der Ritte und Jagden, der fremden Weiten -- mußte er sie

damit nicht eher gequält haben, sie, die in trübster Kleinstadt einen

leeren Alltag lebte? Und nie ein Wort der Klage, kein Schatten von

Neid, immer nur freundliches Miterleben. -- Treue Schwester!

Die Brüder, mein Gott, die Brüder! Felix der Musterhafte, hoher

Verwaltungsbeamter, und Max, nach wilden Reiterjahren, im Generalstab

-- erhabene Würdenträger! Immerhin, es gab Erinnerungen -- die

Löwenjagd, und Haschilipani Maschitzki Baribatzki -- man sollte die

beiden wieder einmal sehen! -- Im Frühsommer stand ihm der erste

Europaurlaub zu, das wußten die Eltern durch den Herrn Rat, und der

Vater hatte ihm erlaubt, die vier Wochen zu Hause zu verbringen: „Wir

haben nichts dagegen ...“ Er kam nicht los von dem majestätischen

Herrscherstil, und dabei gedachte er sicherlich mit dem weitgereisten

Jüngsten zu prunken, auf seine Art. Armer alter Mann --, der kaum sich

selbst, geschweige denn dem Sohne eine Freude einzugestehen wagte! Der

graue Himmel da oben, Nebel und Regen ...

Der Urlaub ließ sich im letzten Augenblick mit der Kündigung verbinden

-- er konnte abreisen, um nicht wiederzukehren, und drüben, drüben,

wenn er erst mit dem Vater Auge in Auge sprechen konnte, da fand sich

wohl die Möglichkeit, alles zu erklären, ihn in Güte umzustimmen, wenn

Umstimmung nötig war ...

Und so soll es sein: Bei Antritt des Urlaubs wird gekündigt. Die Bank

kannte ohnedies keine Kündigungsfrist. Wer gehen mußte, der bekam seine

drei Monate Gehalt in die Hand, wer gehen wollte, dem wurde die Türe

weit aufgemacht und damit Gott befohlen! -- Wochen nur noch bis dahin,

die es zu nützen gilt!

77

Wolkenloser Frühling. Auf den Feldern wuchern meterhoch die jungen

Halme. Gegen den Wüstenrand zu wird das dunkle Grün lichter,

schütterer, verliert sich in kümmerlichen Hälmchen. Im Herbst aber wird

das neue Stauwerk einsetzen, wird die zeugenden Wasser des Stromes

weiter in das durstige Land hineinpressen, die Sakkîjen, Schaddûfs und

die archimedischen Schnecken, da und dort wohl schon dampfgetriebene

Drehpumpen, werden sie über Bodenschwellen heben, weiterdrücken,

weiter ins Land. Und wieder wird ein neues Stück Wüste seine stolze

Keuschheit verlieren, wird Frucht empfangen müssen und gebären. --

Die Wachteln, Bekassinen und Wildtauben sind aus dem Süden gekommen,

sammeln letzte Kräfte zu dem Flug über das weite Meer. Wißt ihr nicht,

ihr Wanderer, daß an den Inselküsten erbarmungslose Feinde euch

erwarten? Daß viele Tausende in Stecknetzen, in Lockgarnen, in Fallen

aller Art, oft unter rohen Knüppeln elenden Tod finden müssen, ehe die

kühlen Ährenfelder des Nordens euch aufnehmen? Wißt ihr das nicht? Seht

doch den Überfluß ringsum: Warum wollt ihr die reiche Tafel verlassen?

Lockt es euch so übermächtig, das Rauschen der Bäche und der Wälder,

die Glocken aus alten Zwiebeltürmen über abendliches Land klingen zu

hören? Geht ihr Wanderer -- Glück auf euren Weg! Bald folge ich euch!

* * * * *

An einem Morgen liegt feiner weißer Dunst über dem Himmel. Die Sonne

blickt glanzlos, als matte Scheibe, gibt keinen Schein. Unerträgliche

Spannung in der Luft -- die Menschen kriechen müde, reizbar durch den

schattenlosen Tag: Chamsîn!

Hier in der Stadt zeigt er nur noch das bleiche Grinsen, zu dem sein

Antlitz nach tobender Wut erstarrt ist; nur ein letzter Hauch seines

sengenden Atems weht jetzt durch die Straßen. Wieviel Leben aber magst

du draußen in der Wüste vernichtet haben, die dir wehrlos untertan ist?

Wieviel Grabhügel hast du über erstickten Menschen, über Tragtieren,

über Nomadenzelten getürmt, verblasen und nochmals getürmt? Wieviel

Mordlust hast du geweckt, wieviel lasterhafte Brunst entfacht, Vater

des Bösen, Teufelsatem, Chamsîn? --

Nun kommt die heiße Zeit. Die Sandstürme folgen einander in kurzen

Pausen, scheuchen Schlaf und Ruhe. Die letzten Touristen fliehen eilig.

Die Stadt wird sommerlich still. Kutscher und Eseltreiber sind demütig

auf bescheidenen Verdienst erpicht. Der halbflüssige Asphalt hemmt

klebrig jeden Schritt. --

Draußen die Wüste, windstill in trockener Glut. Die Hitze legt sich

eng um den Körper, wie ein Gewand. Ein langer Abschiedsritt durch

die Hügel und Täler des Mokkhattam. Weit draußen im Wadi Dukla, im

Windschutz eines Felsblockes, der Abdruck eines kleinen nackten Fußes

im hartblätterigen Sand: Gitta! Da liegt er schon lang hingestreckt,

das Gesicht in die schlanke Fährte gepreßt, tastet mit zuckenden Lippen

die Umrisse nach: Gitta, Gitta! Und die kleine weiße Narbe glüht.

Vorbei auch das! -- Fritz steht wieder fest auf beiden Beinen und

umfaßt mit einem langen Blick das tausendfarbige Sandmeer: Laß mich

dich trinken, fremde Schönheit, erfülle mich mit deinem Licht, daß

es mir graue Tage unter einem Himmel erhellen mag, der deine Farben

nicht kennt. Von dorther kam ich, aus grauen Nebeln -- dorthin muß ich

zurück! Auch dort liegt ein Geheimnis auf dem Grund der Dinge, in Wald

und Bächen, und in den flachen Feldern noch, die sich endlos dehnen.

Doch ist es süß und tief, birgt fruchtbaren Frieden, nicht Tod und

Qualen, wie dein glühender Schoß, du prunkende Fremde!

78

Fritz steht im Zimmer des Direktors: schwere, englische Ledermöbel,

reiche Teppiche, ein großer Marmorkamin. Starker Duft von Mokka

und feinem Tabak. -- In dem breitlehnigen Kippstuhl hinter dem

Doppelschreibtisch ein Mann mit großen, festgeschnittenen Zügen,

klaren Augen unter hoher Stirn ... Fritz steht wartend und grübelt:

Wann hat er den Raum zum erstenmal betreten, war das gestern oder vor

zehn Jahren? -- Und er sieht sich im Geiste wieder als den Neuling,

frisch aus Mailand, ehrfürchtig schaudernd noch von den Eindrücken der

Seereise und der neuen Würde des „Europäers“ -- und ungeliebt -- o

Gitta!

Da ist auch die klingende Stimme -- der Direktor sieht von seinen

Unterschriften auf: „Was haben Sie auf dem Herzen?“ -- Fritz stottert

sein Begehren hervor: kein Urlaub -- Abschied, Entlassung ... Studien

vollenden ... Und die Größe des Entschlusses läßt seine Stimme zittern.

Auch merkt er plötzlich, daß er den gütigen, wortkargen Mann da auf

eigene Art geliebt hat. -- Der Direktor hat ihn zu Ende gehört und sagt

nach kurzem Schweigen: „Ich hab’s mir wohl gedacht, daß Sie im Bankfach

nicht glücklich werden -- übelnehmen kann ich’s Ihnen nicht! Also --

viel Glück zu Ihrem Entschluß -- ich lege Ihnen gewiß nichts in den

Weg!“

Fritz fühlt sich maßlos ergriffen von den paar einfachen Worten,

meckert aus zugewürgter Kehle Dank und die Bitte, von der Kündigung

nichts nach Europa zu berichten. „.. Mein Vater ist alt -- ich kann

mich brieflich schwer mit ihm verständigen ..“ -- „Na, hoffentlich geht

es mündlich um so leichter,“ kommt es gutmütig zurück. „Also nochmals

-- viel Glück -- und machen Sie’s gut!“

79

Die Eingeborenenviertel prangen im Schmuck von ungezählten bunten

Wimpeln, edlen Teppichen und Stickereien, zu Ehren des Frühlingsfestes

Cham-El-Nessîm. Fritz kehrt froh und farbensatt von einem weiten

Gang durch die alte Stadt zurück und merkt mit leiser Überraschung,

daß bei seinem Eintreten die laute Runde am Abendtisch in drückendes

Schweigen verfällt. Vergebens sucht er ein Gespräch in Gang zu bringen;

selbst die Stiftung einer Abschiedsbowle verfängt nicht. Nur stummes

Kopfschütteln und seltsame Blicke sind die Antwort. Endlich erhebt sich

Herr Lustig und fordert ihn mit einem Augenwink auf, ihm zu folgen.

Fritz wittert einen der üblichen Scherze und wappnet sich zu schlauer

Abwehr. Doch Herr Lustig schließt die Zimmertüre, beginnt stockend

und verwirrt zu sprechen: „Es sind Nachrichten gekommen .. der Vater

...“ Dann starrt er Fritz ängstlich, fast flehend an, als sollte der

ihm die Fortsetzung erlassen. Doch Fritz schweigt. Herr Lustig beginnt

abermals, stößt nach kurzem Zögern hervor: „Der Vater ist tot!“ --

„Wessen Vater?“ fragt Fritz, immer noch völlig verständnislos. „Ihr

Vater!“ murmelt Herr Lustig. -- „Mein Vater? Der war ja gar nicht

krank .. das ist ja ...“ dumm gelogen, will er sagen. Doch er besinnt

sich: +den+ Scherz erlaubt sich keiner! Ein Mißverständnis also, das

rasch aufgeklärt werden muß! -- „Woher haben Sie die Nachricht?“

fragt er rauh. Und Herr Lustig beginnt sich erschreckt von dem

Verdacht zu reinigen, er habe eine solche Mitteilung etwa leichtfertig

gewagt. Mit der Abendpost ist ein Brief für Fritz gekommen und eine

schwarzgeränderte Todesanzeige. Die wurde, da der Umschlag offen war,

aus reiner Neugierde gelesen. Um nun die Wirkung des Versehens zu

mildern -- zweifellos ein Versehen --, habe er sich auf Wunsch der

Tafelrunde entschlossen ... einige vorbereitende Worte ... in der

besten Absicht ...

„Wo sind die Briefe?“ flüstert Fritz. Und Herr Lustig zieht sie aus der

Rocktasche, bleibt einen Augenblick unschlüssig stehen, geht dann auf

Zehenspitzen hinaus. Die Tür klappt zu.

Fritz entfaltet das schwarzgerahmte Blatt mit fliegenden Händen. Da

steht es -- Name -- Titel -- Orden -- nach kurzem, schwerem Leiden ...

Vor sieben Tagen gestorben! Und er hat diese sieben Tage ahnungslos

gelebt, hat sein bißchen Dienst gemacht, Spaziergänge, Ritte, hat

gelesen, geplaudert, gegessen, geschlafen -- gestern, heute, vor einer

halben Stunde noch, als der Vater längst schon in der Erde lag?

Der Vater gestorben -- und hat wohl noch in den Tod das alte Bild

des Jüngsten mitgenommen -- schlimmer noch: Die Kündigung, auf

eigene Faust, doch in der festen Absicht unternommen, vor dem Vater

dafür einzustehen -- nun wird sie zur Heimlichkeit, zur nie wieder

gutzumachenden! -- Er hätte den Vater sehen, sprechen, ihm die Wandlung

beweisen müssen ... zu spät!

Nach kurzem, schwerem Leiden ... Der Vater war krank, und man hat ihm,

dem Sohn, nichts geschrieben; er ist gestorben, und man überläßt es

dem Zufall, ob der Sohn nicht durch eine gedruckte Todesanzeige davon

erfährt -- wer durfte ihm das tun? Und erstickende Wut steigt in die

Kehle. -- Da fällt sein Blick auf den zweiten Brief, der die steile

Mädchenschrift der Schwester zeigt. -- Am Todestage aufgegeben -- die

Karte zwei Tage später ... Sie haben nicht daran gedacht, daß die Post

in Genua gesammelt wird ... Ein Mißverständnis noch im Tode ...

Da kommen die Tränen.

* * * * *

Die Schwester schreibt kurz, sichtlich unter dem unmittelbaren Eindruck

des Hingangs: Der Vater habe jede Nachricht von seiner Erkrankung

ausdrücklich verboten ... keine unnütze Aufregung gewünscht ... dann

das Ende so plötzlich ... Die arme Mama ... „In wenig Wochen bist Du ja

hier -- ich hatte so viel von dem Wiedersehen gehofft -- nun findest Du

ihn nicht mehr ...“

Wo ist nun die Herrengebärde, der Sieg des jungen Willens -- wozu nun

alle Einkehr, alle Selbstbesinnung, da +er+ nicht mehr davon erfährt?

Und einen Augenblick scheint ihm der Abschied von der Bank, nun, da

er sich widerstandslos und selbstverständlich vollziehen könnte, fast

verleidet. Doch bei allem Schmerz merkt er den eitlen Trotz, der den

verlorenen Widerpart vermißt, und zwingt ihn wütend nieder: Soll dies

letzte Jahr umsonst gelebt sein, soll Gitta umsonst um mich geweint,

gelitten haben? -- Nicht dem Vater, ob lebend oder tot, zuliebe oder

zuleide, auch Gitta nicht -- +mir selbst habe ich mich zu beweisen+!

-- --

80

Ein weißes Schiff zieht durch die Hafeneinfahrt, läßt das lehmige

Brackwasser hinter sich, gewinnt das blaue, sonnige Meer. Fritz

steht im Heck, über den Schaumwirbeln der Schraube, sieht die hellen

Strandhäuser mit den Palmen und Büschen ihrer Gärten langsam unter den

Horizont versinken. Das Lotsenboot jagt unter kräftiger Brise zum Lande

zurück. Endlich nur weit im Süden, Meer und Himmel trennend, ein dünner

gelber Strich: Afrika! Ein letzter Blick noch -- vorbei!

Des Schiffes Bug zeigt nach Norden.

Ernst W. Freißler

Schwefelblüte

Novelletten. 2. Auflage

+Hamburgischer Korrespondent+: Diese kleinen, teilweise schon im

Simplicissimus erschienenen Geschichtchen sind in dieser Einfachheit

so spannend und unterhaltend geschrieben, daß man bedauert, sie so

schnell durchgelesen zu haben. Jede einzelne von ihnen zeigt Freißler

als amüsanten Plauderer, der die Schwächen, Fehler und Launen seiner

Mitmenschen in geradezu diabolischer Weise bespöttelt. Den Banausen

und Philistern versetzt er manchen Schlag. Trotzdem er voller Ironie

und Sarkasmus steckt, weist er doch auch dem echten Humor seinen Platz

an und entwirft harmlos ulkige Bilder. Die Knappheit der Handlung

und des Stils werden den Leser erfrischen. Versteht der Verfasser es

doch, durch seine glänzende Dialektik zu überzeugen und mit einzelnen

Novelletten Hypochonder zum Lachen zu bringen.

+Breslauer Zeitung+: Ernst W. Freißler ist als E. W. Günter aus dem

„Simplicissimus“ bekannt. Nun hat er sein Pseudonym gelüftet und

seine kleinen psychologischen Feuilletons und die geistreichen,

ironischen Menschenporträts, die man von ihm bereits kannte, gesammelt.

„Schwefelblüte“ nannte er diesen Band, der eine nachdenkliche Stunde

vermittelt. Freißler hat glänzende Mittel. Er verfügt über eine

stilistische Gewandtheit, die ihn interessant darstellen läßt, aber

auch über einen sprachlichen Reichtum, dem glänzender Arabeskenzierat

bei der Abrundung und Ausschmückung seiner novellistischen Bilder

gelingt.

+Saale-Zeitung, Halle+: Der Verfasser gibt Genrebilder mannigfaltigster

Art. In diesen knappen Bildern zeigt sich die Begabung Freißlers am

deutlichsten. Ein mit wenigen Strichen scharf umrissener Hintergrund,

vor dem die mit kraftvoller Hand gezeichnete Studie sich markant abhebt.

Albert Langen, Verlag in München

Ernst W. Freißler

Der Hof zu den Nußbäumen

und andere Novellen

8. Auflage

+Literarisches Echo, Berlin+: Freißler vereinigt in dem schmucken

Bändchen ein paar ernste und heitere Erzählungen. Die lustige Wirkung

verdankt er seiner satirischen Sehschärfe und einem ironischen

Erzählerton, der voll reizender Bosheiten steckt, weil er sich

mit anscheinender Biederkeit gibt ... All diese Dinge erzählt

Freißler unterhaltend, gewandt, auf das Psychologische bedacht,

unterschiedlicher Töne fähig und mit guter Herausarbeitung des Effekts.

+Schlesische Zeitung, Breslau+: Mit raffinierter Wortkunst drängt er

seine Geschichten zuweilen in kleinste feuilletonistische Formate

zusammen und erzielt dabei auch ohne unerwartete Schlußpointen

nachhaltige Wirkungen.

+Die Post, Berlin+: Freißler erlebte den Krieg. Er suchte ihn geistig

und seelisch zu begreifen und gibt nun die Bilder seines Schauens

wieder. Seine Erzählungen sind vertieft und doch auch lebendig und

frisch, sie zeigen Freißlers Gestaltungskraft, wie die Fähigkeit zu

einer treffenden Satire.

+Breslauer Zeitung, Breslau+: Kurze Erzählungen, in denen der unter dem

Namen E. W. Günter bekannt gewordene Mitarbeiter des „Simplicissimus“

mit seiner reifen stilistischen Kunst und psychologischen Schärfe,

die zuweilen -- wie in der Erzählung „Der Patriot“ -- zu satirischer

Charakterschilderung sich zuspitzt, zum Teil Probleme behandelt, die

aus kriegerischen Erlebnissen sich ihm aufgedrängt.

+Vossische Zeitung, Berlin+: ... „Die Familie“ und „Die fremde Frau“

auch „Der Sturm“ zeigen sichere Beobachtung, festen Griff, kühlen Blick

ins Menschliche. Streben, aus der Kleinheit des Geschehens in den

Zusammenhang der ganzen Welt zu münden, gewissermaßen im abgesprungenen

Splitter die Totalität darzulegen -- dieses Streben des echten

Novellisten wird erfreulich sichtbar.

+Tagespost, Graz+: In diesem Bändchen gibt der aus dem früher

erschienenen Buche „Schwefelblüte“ bestens bekannte Autor eine Anzahl

Novellen, ernsten und heiteren Charakters, die Proben einer gereiften

Kunst darstellen.

Albert Langen, Verlag in München

Joseph Conrad

Der Nigger vom „Narzissus“

Roman. 2. Auflage

Deutsch von Ernst Wolfgang Günter

+Das literarische Echo, Berlin+: Hier wird die Fahrt der Brigg

„Narzissus“ geschildert von einem, der dabei war. Conrad kennt

die Menschen, die da aus aller Herren Länder zu einer Fahrt

zusammengewürfelt werden zu der sonderbaren Kameraderie, wie sie

nur an Bord möglich ist, in dem ungesprochenen Gelübde, dem stummen

Glaubensbekenntnis, das die Besatzung eines Schiffes verbindet. Seine

Menschen +leben+, und er +sieht+ sie. Das +sind+ die Heimatlosen,

Unbehausten, jeder mit der Tragik, die ihm erlaubt ist. Kinder und

verrucht, weichherzig und roh, fromm und vom Glauben an seltsame

Gewalten erfüllt. Da ist kein Zug verzeichnet, alles ist echt und

salzig.

Mit den Augen des Westens

Roman. 2. Auflage

Deutsch von Ernst Wolfgang Günter

+Leipziger Neueste Nachrichten+: Stofflich zeigt sich eine nicht

unbedeutende Verwandtschaft mit Dostojewski, der auch seine Probleme

aus dem unergründlichen Thema der verbrecherischen Seele geholt hat.

Hier wird ein junger, russischer Student geschildert, der ganz durch

Zufall mit einem von der Polizei gesuchten Mörder zusammenkommt; ihn

erst beschützend, dann verratend von der Behörde als Spitzel engagiert

wird, aber schließlich den hohen Entschluß faßt, diese innerlich

unwahre und bedrückende Existenz zu enden. Zu feinen psychologischen

Beobachtungen und Anmerkungen bietet solche Handlung natürlich

reichlich Gelegenheit, und vor allem die packende und überzeugende

Darstellung der seelischen Wandlung des Helden vermögen lebhaft zu

interessieren. Eine auffallende Vertrautheit mit dem Charakter des

russischen Volkes und Landes machen den Roman wertvoll.

Albert Langen, Verlag in München

Joseph Conrad

Das Duell

Novellen. 3. Auflage

Deutsch von Ernst Wolfgang Günter

J. E. Flecker

Hassan

Schauspiel in fünf Akten

Deutsch von Ernst W. Freißler und Herbert Alberti

Flecker führt uns in seinem Werk in das Bagdad Harun al Raschids, des

Prächtigen. Mit stärkster dichterischer Kraft ist der Zauber jener

versunkenen Zeit erfaßt und gestaltet, jenes seltsame, berückende

Gemisch aus Märchen und grausamster Wirklichkeit, aus reichster

Pracht und erbärmlichstem Elend, aus Gold und Blut, aus Hymnen und

Wehklagen, aus Wollust und Tod. Dabei ist Harun, der Märchenfürst, ganz

neuartig gesehen, ohne jede Anlehnung an irgendwelche Überlieferung,

als selbstgerechter Alleinherrscher, der in willkürlichem Spiel mit

Menschenleben künstlerischen Genuß sucht und findet. Hassan, der Held,

wird ein Opfer der fürstlichen Spiellaune, wird aus niederstem Stande

emporgehoben zu einem Tag voll Pracht und Glanz, zu einem strahlenden

Tag, dessen Abend ihn gestürzt, gedemütigt, in tiefster Erniedrigung

findet. Wie Hassan dies Schicksal trägt, wie er, dem Erliegen nahe,

doch noch zu innerer Erlösung und Befreiung kommt, das bildet, neben

zwei seltsam verwobenen Liebesgeschichten, den Inhalt des Werkes.

Albert Langen, Verlag in München

Druck von Hesse & Becker in Leipzig

Einbände von E. A. Enders in Leipzig

Junge Triebe: Roman · 第 18 / 18 段