ANHANG.

Die maritimen Entdeckungen der Spanier im Archipel der Philippinen.

Fernando Magallanes erreichte am 16. März 1521 die Insel Jomonjol in

der Surigao-Gruppe und wurde so der Entdecker der Philippinen, denen

er den Namen S. Lazarus-Archipel verlieh, doch hat diese Benennung

wenig Anklang gefunden, und wir werden sehen, dass diese so reiche

Inselgruppe bis zum Empfange des heutigen Namens von den Spaniern

gewöhnlich "Islas de Poniente" genannt wurde, d. h. die Inseln des

Westens, während sie die Portugiesen die "Islas del Oriente", d. h. die

Inseln des Ostens, hiessen. Magallanes trat mit den Bewohnern Jomonjols

in freundlichen Verkehr, setzte aber, sobald seine Kranken sich ein

wenig erholt hatten, seine Reise fort, auf welcher er die grosse

Insel Leyte und zwar die Südostküste entdeckte, zwischen welcher und

der kleinen Insel Panaon er zu dem Inselchen Limasaua [47] gelangte,

deren Radjah ihn freundlich aufnahm. Von dort begab er sich nach Butuan

an der Nordküste von Mindanao. In Butuan zog er genaue Erkundigungen

über die grosse Insel ein, insbesondere über die Ostküste derselben,

deren Namen Caraga sein Chronist Pigafetta in Calagan verzerrte. Da

aber in Mindanao keine Lebensmittel aufzutreiben waren, so kehrte

Magallanes nach Limasaua zurück, deren Radjah sich ihm selbst als

Lootsen erbot, um die Spanier nach dem Centrum der Visayer-Inseln,

nach Cebú zu führen. Die Expedition brach also unter der Führung des

Radjahs auf und segelte zunächst nach Norden, entlang den Gestaden

Leyte's. Diese grosse Insel führt bei Pigafetta zwei Namen, der

südliche Theil wird dort Ceylon, der nördliche nach einem Orte der

Westküste Baybay genannt. Von Baybay wandte sich die Expedition nach

Westen, erreichte die kleine Inselgruppe der Camotes, segelte dann

Südwest und gelangte so zur Insel Cebú [48] und nach Passirung des

Canales, welcher Cebú von der Insel Mactán trennt, nach der wichtigsten

Stadt jener grossen Insel, welche ebenfalls Cebú hiess.

Da es nicht meine Aufgabe ist, eine Geschichte der Fahrt Magallane's zu

geben, sondern nur die auf die Philippinen bezüglichen Entdeckungen

kurz zu registriren, so sei erwähnt, dass nach dem unglücklichen

Ende des kühnen Magallanes seine Expedition sich nach der Westküste

von Bohol wandte und von dort zwischen der Südspitze von Negros und

der Insel Siquijor ihre Richtung gegen Südwesten nahm. Die Spanier

entdeckten einen neuen Theil der Mindanaoküste und zwar jenen,

welcher westlich von Dapitan beginnt und ungefähr bei der Punta Gorda

endigt. Nach dem im Osten der Punta Gorda befindlichen Cap Quipit

nannten sie die ganze Strecke, die sie vielleicht für eine besondere

Insel ansahen, Isla de Quipit ó Quepindo. Dann folgte die Entdeckung

von Palawan, welches von den Spaniern Paragua genannt wird; die Spanier

entdeckten ferner auf ihrer abenteuerlichen Flucht von Borneo Sulu

(Hauptinsel), die Südküste von Mindanao und die Serangani-Inseln,

von wo aus sich die Reste der Magallanes-Expedition nach den Molukken

wandten und somit das Gebiet der Philippinen verliessen.

Durch diese spanische Expedition wurden die Portugiesen auf die

Philippinen aufmerksam, sie schickten einzelne Schiffe dahin ab,

welche aber keine neuen Entdeckungen machten. In Spanien hatte man

sich inzwischen entschlossen, eine neue Expedition nach den Molukken

auslaufen zu lassen, nachdem ein in Elvas und Badajóz tagender

Congress spanischer und portugiesischer Geographen und Seefahrer

resultatlos auseinandergegangen war; der Congress hatte über die

Frage entscheiden sollen, ob die Molukken zum spanischen oder zum

portugiesischen Weltantheil gehörten. Die neue Expedition bestand aus

sieben baskischen Schiffen, welche unter dem Befehle des Johanniters

Don Fray García Jofre de Loaisa standen, zu dessen eventuellem

Nachfolger der erste Weltumsegler Don Juan Sebastian de Elcano bestimmt

war. Nach schweren Verlusten erreichte die Expedition die Südsee, wo

rasch hintereinander Loaisa und Elcano starben; den Oberbefehl übernahm

nun Toribio Alonso de Salazar, welcher, nach kurzem Aufenthalte in

den Ladronen, am 8. October 1526 die Islas de Poniente erreichte und

zwar an der Ostküste von Mindanao. Salazar wurde so der Entdecker der

Caraga-Küste. Er lief in den Hafen von Liangan ein, starb aber bald,

worauf der muthige Baske Martin Iñiguez (Yañez) de Carquizano Chef der

Expedition wurde. Carquizano versuchte nach Cebú zu gelangen, widrige

Winde hinderten ihn daran, und so begab er sich nach den Molukken,

wo er mit seinen Leuten gegen die Portugiesen kämpfte. Salazar soll

den Islas de Poniente zuerst den Namen "Philippinen" beigelegt haben,

doch ist diess ein Irrthum. So war durch Loaisa's Expedition nur die

Ostküste von Mindanao entdeckt worden.

Eine Expedition nach den Islas de Poniente und den Molukken

sollte bald darauf Neu-Spanien verlassen. Auf Befehl Kaiser Karl's

V. rüstete der glorreiche Eroberer von Méjico D. Fernando Cortés in

dem kleinen pacifischen Hafen Neu-Spaniens Zacatula oder Civatlanejo

eine Flotte von drei Schiffen aus, welche unter der Führung des

D. Alvaro de Saavedra am 31. October 1527 auslief. Da das Hauptziel

dieser Expedition der Molukken-Archipel war, so berührte Saavedra

nur flüchtig die Philippinen und zwar an der Ostküste von Mindanao,

von wo er nach den Molukken aufbrach, so dass diese Expedition nicht

in der Lage war, neue Entdeckungen in dem Archipel zu machen. Von

den Molukken aus versuchte Saavedra zwei Mal ohne Erfolg durch das

Stille Meer nach Méjico zurückzukehren, wobei Sulu von den Spaniern

wieder aufgesucht wurde.

Durch den Vertrag von Zaragoza vom Jahre 1529 entsagte Kaiser Karl

V. seinen Ansprüchen auf die Molukken, und da die Islas de Poniente

nach den damaligen Anschauungen ziemlich werthlos erschienen,

so hörten alle Versuche von spanischer Seite auf, sich mit der

Entdeckung und Colonisation dieses Archipels zu befassen. Die

Portugiesen selbst waren zu sehr mit den Molukken beschäftigt, als

dass man in den Regierungskreisen an eine nähere Durchforschung des

Archipels gedacht hätte, nachdem die Spanier aus diesen Theilen der

Welt verdrängt waren. That auch der portugiesische Staat nichts, so

versuchten es doch Privatleute, für ihren Glauben und die Herrschaft

ihres Vaterlandes Propaganda zu machen. Ein portugiesischer Edelmann,

Francisco de Castro, hatte bereits auf Mangcassar in Celebes als

Missionär gewirkt, ohne selbst Priester zu sein. 1531 kam er nach

der Insel Mindanao und bekehrte dort einige Fürsten, darunter den

Radjah von Butuan, zum Christenthume [49]; es mögen auch noch andere

Portugiesen auf dieser Insel geweilt haben, jedenfalls ist aber die

Entdeckungsgeschichte der Philippinen durch sie nicht bereichert

worden. Die Portugiesen machten sich bald darauf in Mindanao

unmöglich, indem der portugiesische Capitän Pinto nach Abschluss

eines Freundschaftsvertrages mit dem Radjah der Insel Surigao auf

dessen Unterthanen Jagd machte, worauf die empörten Eingeborenen den

verrätherischen Sclavenjäger zur schleunigen Heimkehr nöthigten. Die

Jesuiten und Portugiesen behaupten, dass zu Anfang der vierziger

Jahre des XVI. Saeculums der berühmte Apostel der Indier, Franciscus

Xaverius auf Mindanao das Christenthum gepredigt hätte, was aber aus

triftigen Gründen bezweifelt wird [50]; jedenfalls hat er zur weiteren

Aufdeckung Mindanao's nichts beigetragen.

Einer von den Officieren des Loaisa, der wackere baskische Capitän

D. Andrés de Urdaneta kehrte erst 1536 nach Spanien von den Molukken

zurück, wo er unter den Fahnen des Sultans von Tidore rühmlich gegen

die Portugiesen gefochten hatte. Dieser tüchtige Seemann und Haudegen

suchte dem Kaiser Karl die Wichtigkeit der halbvergessenen Islas de

Poniente hervorzuheben, welche nach seiner Vorstellung die Spanier für

die Cession der Molukken entschädigen sollten. Eingehend wies Urdaneta

nach, dass die Islas de Poniente innerhalb des spanischen Weltantheils

lägen, während die Portugiesen das Gegentheil behaupteten. Wenn

auch Karl damals mit wichtigeren Angelegenheiten beschäftigt war, so

versäumte er es nicht, dem Rathe von Indien eine genaue Prüfung der

Vorschläge Urdaneta's anzuempfehlen. Da der berühmte amerikanische

Conquistador D. Pedro de Alvarado ohnehin sich mit dem Plane trug,

einen Zug durch das Stille Meer nach China zu unternehmen, und

dieser spanische Held über eine hinreichende Anzahl von Schiffen und

Soldaten gebot, so gab der Kaiser ihm den Befehl, nach den Islas de

Poniente aufzubrechen, jedoch sollte er unter keiner Bedingung die

Molukken oder irgend welche andere Besitzung der portugiesischen Krone

berühren, noch auch in die Streitigkeiten der eingeborenen Fürsten

und Portugiesen sich mengen. Alvarado begann auch sogleich sich

zu rüsten; schon schien Alles zum Auslaufen bereit, als die Indier

der Provinz Jalisco sich empörten. Alvarado zog gegen sie zu Felde,

aber ein Sturz vom Pferde machte seinem abenteuerlichen Leben ein Ende.

Da das Geschwader segelfertig war, so beschloss der Vicekönig von

Méjico, D. Antonio de Mendoza, es auch nach dem Tode des designirten

Befehlshabers auslaufen zu lassen. Der Vicekönig trug das Commando

zunächst dem in Méjico angelangten Urdaneta an, da aber dieser

erklärte, die an die Führung der Expedition geknüpften Bedingungen und

Vorschriften nicht annehmen zu können, so wurde der Oberbefehl einem

Verwandten des Vicekönigs anvertraut, dem Ruy Lopez de Villalobos, von

dem der alte Waffengefährte des Cortés, Bernal Diaz de Castillo, sagt:

"que sabia mucho de alturas y del arte de navegacion". Da, wie erwähnt,

Alvarado seinen Zug bis nach China hatte ausdehnen wollen, so hatte

er dementsprechend eine grosse Zahl von Schiffen zusammengebracht;

der Vicekönig wollte das Ziel der Expedition auf die Islas de Poniente

beschränken, und weil ohnediess der Aufstand in Jalisco der Flotte

einen Theil der Besatzung entzog, so erhielt Villalobos den Befehl,

sich nur die besten unter den Schiffen Alvarado's auszusuchen, was

denn auch geschah.

Am 1. November 1542 verliess Villalobos den mejicanischen Hafen

Navidad (Natividad) mit fünf Schiffen und 370 Mann. Am 2. Februar

1543 erreichte er die Ostküste Mindanao's und landete in der

Caraga-Bucht. Bernardo de la Torre, Commandant der Landtruppen

der Expedition, gab Mindanao [51] den Namen Cesarea zu Ehren des

Kaisers. Sein Versuch, auf den an der Südspitze Mindanao's liegenden

Sarangani-Inseln eine Niederlassung zu gründen, misslang wegen Mangel

an Lebensmitteln. Die Portugiesen auf den Molukken erhielten hiervon

Kunde und schickten einen Gesandten ab, welcher von Villalobos

die sofortige Räumung des gesammten Archipels forderte, weil er

zum portugiesischen Weltantheil gehöre. Der durch eine grosse

Anzahl erhaltener Vorschriften in seinem freien Thun und Lassen

behinderte Villalobos schickte hierauf ein Schiff nach Neu-Spanien

zurück, um neue Instructionen zu holen, aber dasselbe musste durch

widrige Winde genöthigt umkehren. Villalobos verliess in Folge der

eintretenden Hungersnoth die Sarangani-Inseln und suchte nach Cebú

zu gelangen. Jetzt begann eine wahre Odyssee für diese unglückliche

Expedition, welche beständig mit widrigen Winden und Mangel an

Lebensmitteln zu kämpfen hatte. Umsonst schickte Villalobos von Butuan

aus Schiffe nach Bohol und anderen Inseln, die Spanier schwebten

beständig in der Gefahr, den Hungertod zu erleiden. Zwei seiner

Brigantinen gelangten nach der Insel Sámar und zwar an die Ostküste

derselben, welche damals Ibabáo genannt wurde, während der westliche,

gegen Leyte gewendete Theil den Namen Sámar schon führte, welcher

heute der ganzen Insel zukommt, während der Name Ibabáo vollständig in

Vergessenheit gerathen ist, obwohl im XVII. Jahrhundert die ganze Insel

auch Ibabáo genannt wurde. Die Spanier des Villalobos nannten die Insel

nach dem Radjah von Ibabáo Tendaya (oder Tandaya), Villalobos gab ihr

aber nach dem Infanten Don Felipe den Namen Filipina, ohne jedoch den

Namen auf den ganzen Archipel auszudehnen, wie gewöhnlich angenommen

wird. Noch am 15. Juli 1552 nennt Fray Nicolas de Witte in einem an

den Kaiser selbst gerichteten Schreiben die von Magallanes entdeckten

Inseln "Islas de Poniente" [52], was er gewiss nicht gethan hätte,

wenn jener Archipel nach dem Sohne und Thronerben des Kaisers benannt

worden wäre. Die Bezeichnung Neu-Castilien, welche Villalobos den

heutigen Philippinen gab, gerieth ebenso schnell in Vergessenheit, wie

der Name Islas de San Lazaro, den ihnen Magallanes verliehen hatte. Die

Unmöglichkeit, Lebensmittel zu erlangen oder Cebú zu erreichen, zwangen

schliesslich nach langen Irrfahrten den spanischen Admiral, mit dem

Reste seiner Leute nach den Molukken aufzubrechen und den Portugiesen

halbverhungert sich zu ergeben, nachdem ein Versuch misslungen war,

ein Schiff in südlicheren Breiten (längs Neu-Guinea) nach Neu-Spanien

um Succurs zu senden. Der Befehlshaber dieses Schiffes, der seekundige

Mönch Fray Gerónimo de S. Estévan y Jimenez, gab angeblich Neu-Guinea

den noch heute gebräuchlichen Namen. Die auf Sámar durch Schiffbruch

zurückgebliebenen Spanier wurden durch Schiffe des Sultans von Tidore

nach den Molukken gebracht.

Nach dieser unglücklichen Expedition verlor Kaiser Karl V. alle Lust,

sich weiter mit den Islas de Poniente zu beschäftigen, sie hatten ihn

nur Blut und Geld gekostet, ohne auch nur einen Ersatz für die auf ihre

Entdeckung verschwendeten Opfer zu bieten; erst als sein Sohn Philipp

II. zur Regierung gelangte, begann man am spanischen Hofe sich wieder

der Islas de Poniente zu erinnern. Es ist nur zu wahrscheinlich,

dass Urdaneta es war, der den König auf jenen entlegenen Erdtheil

aufmerksam machte. Philipp entschloss sich im Jahre 1558 nochmals, den

Versuch zu unternehmen, die Islas de Poniente zu erobern, er richtete

ein in den schmeichelhaftesten Ausdrücken verfasstes Schreiben [53]

an Urdaneta, in welchem er ihm mittheilte, dass der Vicekönig von

Neu-Spanien den Befehl erhalten hätte, nach den Islas de Poniente

(also Philipp kennt den Namen Philippinen nicht) eine Expedition

auszusenden, und dass es der Wunsch des Königs wäre, dass Urdaneta

an diesem Zuge Theil nehme. Urdaneta war inzwischen Augustinermönch

geworden, und aus seinem Kloster in der Stadt Méjico schickte er dem

Könige als Antwort auf dessen Schreiben ein ausführliches Memorial

über die Schifffahrt in der Südsee und den ihm bekannten ostasiatischen

Gewässern. Der Vicekönig hatte gleichzeitig den Befehl zur Ausrüstung

jener Expedition erhalten, es stand ihm die Auswahl der Befehlshaber,

der Schiffe und Mannschaft frei; die Richtung und Ausdehnung der Fahrt

aber, kurz die ganze Direction der Unternehmung sollte dem erfahrenen

Fray Andrés Urdaneta überlassen bleiben, der den Titel eines "Protector

de Indios" erhielt. Auf Vorschlag des Urdaneta wurde sein Landsmann,

der Baske Don Miguel Lopez de Legazpi zum Chef der Expedition ernannt,

auch die Mannschaft der aus fünf Schiffen bestehenden Flotte bestand

grösstentheils aus seekundigen Basken.

Am 21. November 1564 verliess die Expedition die Küste Neu-Spaniens;

am 9. Januar 1565 wurden die Ladronen erreicht und am 13. Februar

die erste Philippine, die kleine Insel Suluan, südlich von Sámar,

der Legazpi den Namen Buen Señal (das gute Omen) gab. Da es nicht in

meiner Absicht liegt, eine Geschichte der spanischen Eroberung der

Philippinen zu geben, sondern mich nur mit der kurzen Registrirung der

Entdeckungen zu beschäftigen, so erwähne ich, dass Legazpi zunächst

Sámar aufsuchte und zwar den südlichen Theil, er nennt die Insel:

"Ibabáo". Von dort wandte er sich nach Leyte und landete bei dem uns

schon durch Magallanes bekannten Inselchen Panaon. Da die Expedition

trotz aller freundlichen Bemühungen die in die Bergwildnisse sich

flüchtenden Eingeborenen zur Lieferung von Lebensmitteln nicht bewegen

konnte, so entschloss sich Legazpi, am 14. März nach Mindanao zu

gehen, entweder nach Butuan oder der Insel Camiguin, widrige Winde

verschlugen ihn aber nach dem damals sehr schwach bevölkerten [54]

Bohol, so dass er auch hier keine Lebensmittel auftreiben konnte,

zumal auch hier die Eingeborenen sich mit den Spaniern in keinen

Verkehr setzten. Legazpi schickte nun das schnellste seiner Schiffe,

den S. Juan, unter Capitän Isla nach Butuan, um mit dem Fürsten dieses

Landes einen Freundschaftsvertrag abzuschliessen und Lebensmittel und

Zimmt dort einzukaufen. Ehe noch Isla von seiner glücklichen Fahrt

nach Butuan zurückgekehrt war, hatte Legazpi durch Vermittelung eines

Steuermannes aus Borneo sich mit den Häuptlingen von Bohol befreundet

und mit dem vornehmsten derselben Blutsfreundschaft (beide tranken

gegenseitig ihr Blut) geschlossen. Legazpi schickte den Piloto Mayor

der Flotte, Don Estévan Rodriguez, in Begleitung des borneanischen

Steuermannes, mit geringer Bedeckung mit einem kleinen Fahrzeuge ab,

um Cebú zu recognosciren und die Route dorthin sicherzustellen. Als

dieses Schiff lange ausblieb, wurden zwei spanische Soldaten auf

einem Boote der Eingeborenen dem ersteren nachgeschickt, sie kehrten

mit der Nachricht zurück, dass von dem ersten Fahrzeuge nichts zu

erblicken wäre, dagegen brachten sie die frohe Kunde, dass Cebú von

Reichthümern strotze, bald darauf traf Rodriguez ein und bestätigte

diese Nachrichten, auch Capitän Isla langte mit reicher Ladung an. Das

kam zur rechten Zeit, denn schon hatten Hungersnoth und Enttäuschung

(man fand nirgends Gold) die Leute unzufrieden gemacht und selbst unter

dem Officierscorps den Wunsch nach einer Rückkehr nach Neu-Spanien

hervorgerufen, Legazpi hatte sich genöthigt gesehen, einen Kriegsrath

einzuberufen, der erst nach langen und stürmischen Debatten sich für

das Bleiben entschied.

Am 22. April verliess Legazpi Bohol, statt aber direct nach Cebú

zu gelangen, wurde er nach Dapitan an der Nordküste von Mindanao

verschlagen, wo ihm der Fürst desselben, Pagbuya, erst die Piloten

gab, welche die Expedition glücklich nach dem Hauptorte Cebú's

brachten, wo Legazpi's Schiffe am 27. April 1565 Anker warfen und

zwar in der Ensenada de Mandave. Dort gründete Legazpi eine spanische

Niederlassung, die er zuerst S. Miguel de Cebú nannte, deren Name er

aber bald darauf in "Villa de Santísimo Nombre de Jesús" umänderte, als

ein Soldat die Statue eines Jesuskindes fand, die wahrscheinlich von

Magallanes' Leuten zurückgelassen worden war. Fray Andrés de Urdaneta

kehrte hierauf mit dem besten Schiffe nach Neu-Spanien zurück, um den

Vicekönige den Bericht über den Stand der jungen Colonie zu erstatten

und um Verstärkungen und Nachsendungen zu fordern [55].

Auch in Cebú litten die Spanier Mangel an Lebensmitteln, denn die

Eingeborenen bauten nicht mehr als sie selbst brauchten, und das

nach Neu-Spanien abgegangene Schiff hatte die wenigen Vorräthe

vollständig erschöpft. Legazpi schickte den Capitän Goyti ab,

um Lebensmittel aufzutreiben, Goyti wurde so der Entdecker von

der Westküste von Cebú und den gegenüberliegenden Gestaden von

Buglás, das er nach seinen schwarzen Bewohnern die Isla de Negros

(Neger-Insel) nannte. Im folgenden Jahre (1566) gelangte der Oberst

Mateo de Sauz bis nach Panay, als er Reis einkaufen wollte, bei

dieser Gelegenheit besuchte er die Westküste von Negros. Derselbe

Sauz (ebenfalls ein Baske) entdeckte noch in demselben Jahre die

Nordküste der Isla de Baybay (Nord-Leyte), die Inseln Bilaran und

Panamao, sowie den nördlich von der Juanico-Strasse gelegenen Theil

von der Westküste Sámars. Der unermüdliche Sauz begab sich noch in

demselben Jahre und zwar zum zweiten Male nach Butuan, und besuchte

auch die Ostküste Mindanao's, deren nördliche Strecke er Küste Coavit

(nach dem heute Cavit geschriebenen Cap) benannte, dort stiess er

aber mit einem portugiesischen Schiffe zusammen, denn die Portugiesen

waren gekommen, um durch Güte oder Gewalt die Spanier zur Räumung der

heutigen Philippinen zu zwingen. Die Portugiesen erschienen auch in der

Nähe von Cebú, kehrten aber wieder nach den Molukken zurück, da sie die

Spanier stärker vorfanden, als ihnen berichtet worden war. Im März 1567

wurde die Entdeckung von Panay durch den Capitän de la Haya vollendet.

In demselben Jahre schickte Legazpi ein Schiff nach Neu-Spanien ab,

welches einen genauen Bericht des spanischen Generals an seinen König

zu überbringen hatte. In diesem Briefe nennt Legazpi den ganzen von

ihm bisher entdeckten Archipel "Islas Filipinas", welche Benennung

noch heute allgemein üblich ist. Die Inselgruppe, welche Cebú, Bohol,

Leyte, Sámar, Negros und Panay umfasst, also jenen Archipel, welchen

die Spanier Islas Visayas heute nennen, bezeichnete er mit dem Namen

Islas de Pintados, weil die Eingeborenen sich den Leib zu bemalen

pflegten. Der Name Pintados für die Visayer [56]-Inseln und deren

Bewohner erhielt sich bis in den Anfang des XVIII. Jahrhunderts. Das

Jahr 1568 brachte wenig neue Entdeckungen, weil die Spanier, von

einer portugiesischen Flotte in Cebú angegriffen, Mühe hatten, sich

des plötzlichen Angriffes zu erwehren.

Da Cebú zu wenig Lebensmittel producirte, so verlegte Anfang 1569

Legazpi sein Hauptquartier nach dem reichen Panay und zwar an die

Nordküste dieser Insel, wo die heutige Provinz Capiz sich befindet,

von da an jagt eine Entdeckung die andere. Der Sevillaner Edelmann

D. Luis Henriquez de Guzman entdeckte und eroberte die Inseln Masbate,

Burías und Ticao, von dort gelangte er nach der Landschaft Albay,

dem südlichsten Theile Luzons, er war also der erste Spanier,

welcher die grösste Insel der Philippinen betrat, und das betone

ich ausdrücklich, weil man oft der Ansicht begegnet, die Entdecker

Luzons wären Goyti und Salcedo gewesen [57]. Ihn begleitete auf

diesen Zügen der Augustiner Fray Alonso Jiménez. Die vollständige

Unterwerfung dieser Gebiete führte unmittelbar darauf der Capitän

D. Andrés de Ibarra aus. Damals führte Albay den Namen Ibalon oder

wurde wenigstens so von den Spaniern genannt.

Zur selben Zeit unternahm der heldenmüthige Enkel Legazpi's, Don

Juan de Salcedo, an der Spitze von 30 Spaniern und 500 Eingeborenen

eine Expedition nach der den Spaniern noch unbekannten grossen Insel

Mindoro, deren Küsten er befuhr; er entdeckte noch überdiess die

Insel Lubang und kam auf diese Weise in die unmittelbarste Nähe der

Bay von Manila.

Inzwischen hatte Legazpi den Befehl vom König erhalten, den gesammten

Archipel der Philippinen der spanischen Krone zu unterwerfen, deshalb

trachtete er vor Allem darnach, Manila's sich zu bemächtigen, dessen

Kaufleute und Schiffe er in Mindanao wie den Pintados getroffen

hatte und von dessen Reichthume sich die Spanier überschwengliche

Vorstellungen machten. Während er sich mit den Rüstungen zu

diesem Zuge und dem Aufbau seiner Befestigungen in dem zu einer

Ciudad (kgl. Freistadt) erhobenen Cebú (Santísimo Nombre de Jesús)

beschäftigte, wurden der Maestre de Campo (Oberst) Goyti und Juan

Salcedo mit mehreren Schiffen und 120 spanischen Soldaten und

zahlreichen "Pintados" abgeschickt, um Luzon, insbesondere Manila,

zu recognosciren (1570).

Die Expedition erreichte Luzon an den Küsten der heutigen Provinz

Batangas, welche damals Comintana genannt wurde, hier trennten

sich die beiden Führer, Goyti segelte nach Norden und wurde so der

Entdecker der herrlichen Bai von Manila, Salcedo aber entdeckte den

grossen Binnensee von Bombon, in dessen Mitte auf einer kleinen Insel

der niedrige aber unheilvolle Vulcan von Taal sich befindet. Damals

war das kurze Flüsschen, welches die Laguna de Bombon mit dem Meere

verbindet, tief genug, um den seichtgehenden Schiffen Salcedo's

das Einlaufen in den See zu gestatten. Als aber Salcedo mit den

Umwohnern der Lagune in Kampf gerieth und selbst verwundet wurde,

zog er sich zurück und vereinigte sich erst vor Manila mit Goyti. In

Manila wurden die Spanier plötzlich überfallen, woran vielleicht

portugiesische Wühlereien Schuld trugen, wenigstens fand man nach

der Erstürmung des hölzernen Forts des Sultans von Manila einen

Portugiesen, welcher die Artillerie befehligt hatte. Ich glaube,

dass jener Portugiese kein Agent seines Vaterlandes gewesen ist, die

dürftigen Nachrichten gestatten den Schluss, dass er ein Deserteur

oder Renegat gewesen sei. Nach der Züchtigung der verrätherischen

Eingeborenen kehrten Goyti und Salcedo nach Panay zurück.

1571 erschien Legazpi in der Bai von Manila und gründete dort an der

Mündung des Pasig die Hauptstadt der Philippinen, von welcher aus bald

Expeditionen nach allen Seiten ausgingen, um Luzon oder Neu-Castilien,

wie es Legazpi nannte, zu unterwerfen. Goyti drang in die Landschaft

Pampanga vor und unterwarf sie der spanischen Krone, damals verstand

man unter dem Namen Pampanga auch die heutigen Provinzen Bulucán,

Nueva Écija und La Infanta, jedoch kam Goyti nicht bis an die Ostküste

Luzons, das war Salcedo vorbehalten. Dieser kühne Conquistador

segelte den Pasig hinauf und wurde so der Entdecker der wunderbar

schönen Laguna de Bay, deren Gestade er seinem Könige zinspflichtig

machte. An der Laguna erfuhr Salcedo, dass jenseits der Berge, welche

im Osten und Südosten den See umgeben, Gold zu finden wäre. Salcedo

brach sofort dahin auf, zwar missglückte sein erster Zug, er musste

beim Vulcan Mahayhay oder Banahao wieder umkehren, aber mit frischen

Verstärkungen versehen gelang es ihm, unter grossen Schwierigkeiten die

Ostküste Luzons, die sogenannte Contracosta, zu erreichen, worauf er

die Küsten von Camarínes [58] bis zur Bai von S. Miguel befuhr und die

Goldminen von Paracale und Mamburao entdeckte; beinahe gleichzeitig

war die Insel Tablas, dann die luzonische Landschaft Calilaya (das

heutige Tayabas) von spanischen Truppen unterworfen worden. Auch die

Cuyos- und Calamianes-Inseln sowie das nördliche Palawan (Paragua)

waren inzwischen entdeckt und unterworfen worden.

1572 brach Salcedo mit einem kleinen Geschwader von malaiischen

Fahrzeugen aus Manila auf, um die nördlichen Küsten Luzons und die

Ausdehnung dieser Insel überhaupt kennen zu lernen. Salcedo umsegelte

ganz Nord-Luzon, entdeckte die Landschaften Zambales, Pangasinán

(Lingayen), Ilócos und Cagayán und gab den Vorgebirgen Bogeador und

Engaño ihre noch heute üblichen Namen. Auf der Fahrt längs der Ostküste

entdeckte er die Insel Polillo. In der Bucht von Amanto endete diese

abenteuerliche Expedition, Salcedo kehrte auf dem Landwege und über

die Laguna de Bay nach Manila zurück, wo inzwischen sein Grossvater

Legazpi im August 1572 gestorben war. Labezares, ebenfalls ein

Baske, wurde jetzt Interims-Gouverneur, er schickte im Jahre 1573

den Salcedo nach Camarínes ab, um dieses von Salcedo selbst entdeckte

Land der spanischen Krone zu unterwerfen, was ihm rasch gelang, wobei

auch die gesammten westlichen Küsten von Camarínes entdeckt wurden

(durch Cap. Chaves), so dass jetzt die Küste Luzons in ihrer gesammten

Ausdehnung bekannt wurde, hauptsächlich durch Salcedo. Damit war die

Aera der grossen Entdeckungen in den Philippinen zu Ende, es blieb

nur die Nachlese übrig. Figueroa besuchte 1578 die einzelnen Inseln

des Sulu-Archipels, und von Cagayán drangen die Spanier wenige Jahre

später nach den Babuyanen vor. Damit war die Entdeckung der Philippinen

abgeschlossen und weitere Forschungsreisen konnten sich nur mehr mit

den Binnenlandschaften des Archipels befassen.

Fassen wir kurz das oben Erwähnte zusammen, so gelangen wir zu

folgenden Resultaten, wenn wir die einzelnen Theile der Philippinischen

Inseln der Reihe nach durchnehmen.

A. Surigao-Inseln:

entdeckt von Magallanes 1521 und zwar die Insel Jomonjol, die Inseln

Caburao, Siargao, Bucas und Dinagat von der Expedition unter Villalobos

1543. Die Insel Suluan wurde schon von Magallanes entdeckt, aber erst

1565 von Legazpi näher erforscht. Legazpi verlieh ihr auch den Namen

Buen Señal.

B. Visayer-Inseln oder Islas de Pintados.

1. Sámar: Ältere Namen sind Tendaya oder Tandaya, Achan, Camlaia,

Filipina und Ibabáo. Letztere Benennung erhielt sich am längsten,

wurde aber Anfangs auf den östlichen Theil der Insel beschränkt,

während die westlichen Gestade Sámar oder Samal genannt werden. Im

XVII. Jahrhundert dient als Gesammtbezeichnung für die Insel der

Name Islas de Ibabáo, wohl zu unterscheiden von dem Ausdrucke Costa

Ibabáo, womit nur die Ostküste in dieser Zeit bezeichnet wurde; im

XVIII. Jahrhundert gewinnt erst der Name Sámar Oberhand, und heute

ist selbst der Name Ibabáo vergessen, die anderen Namen haben nur eine

Eintagsexistenz gehabt, in französischen Werken des XVII. Jahrhunderts

nur fand ich den Namen Tendaya und Filipina noch lange Zeit hindurch

erhalten. Obwohl es nicht unwahrscheinlich ist, dass Magallanes

wenigstens von der Ferne die Südspitze von Sámar erblickte, so sind mit

Sicherheit nur zwei Schiffe von Villalobos' Expedition (1543) als die

ersten europäischen Schiffe nachzuweisen, welche Sámar, und zwar die

südlichen und östlichen Gestade besuchten. Die übrigen Küsten desselben

wurden erst 1566-1570 von den Spaniern der Legazpi'schen Expedition

aufgefunden; speciell der an der Bernardino-Strasse gelegene Theil

und die benachbarte Insel Capul wurden erst 1570 vom Capitän Ibarra

aufgesucht und genau durchforscht.

2. Leyte mit Panaon, Limasaua, den Camotes, Bilaran, und

Panamao. Pigafetta nennt den nördlichen Theil von Leyte Isla de

Baybay, den südlichen Ceylon oder Seilani, weshalb noch in späteren

nicht-spanischen Werken, welche ihre Kenntniss der Philippinen aus

Pigafetta schöpften, die Insel Leyte den Namen Ceylon de Pigafetta

führt, eine Benennung, die den spanischen Historikern selbst der

älteren Zeit unbekannt ist. Magallanes besuchte die südlichen Hälften

der Ost- und Westküste. Der übrige Theil der Küste wurde von Sauz

1566 besucht.

Die kleine Insel Panaon wurde 1521 von Magallanes entdeckt, desgleichen

Limasaua, welches Mazava oder Massaua genannt und gelegentlich auch

Dimasaua oder Dimausava (Dimasaba, Limasaba, Limasava) geschrieben

wurde. Auch die Camotes-Gruppe, zwischen Leyte und Cebú, ist eine

Entdeckung des Magallanes, während die nördlich gelegenen Inseln

Bilaran und Panamao von dem Basken Sauz entdeckt worden sind.

3. Bohol (oder Bojol geschrieben, weil die Eingeborenen das spanische

j mit dem h-Laute oft verwechseln). Bohol wurde von den ersten

Conquistadoren auch Pohol oder Pool genannt. Bohol wurde von der

Expedition des Magallanes in seinen westlichen und östlichen Theilen

entdeckt. Die Südküste wurde erst von den Schiffen des Villalobos

genauer untersucht (1543), und der mittlere Theil der Nordküste 1565

von Legazpi's Leuten betreten.

4. Siquijor oder Fuego. Die Westküste dieses Eilandes wurde von

Carvalho 1521 gesehen, die übrigen Theile unter Legazpi 1565 und 1566.

5. Cebú mit Mactan. Cebú wird von den ersten Entdeckern Zubu, Çubu,

Subu, auch mit t am Ende: Zubut &c. geschrieben, bei den Eingeborenen

führte es den Namen Sogbu. Im XVII. und XVIII. Jahrhundert finden wir

die Orthographie Zebu oder Çebu. Der grösste Theil der Westküste wurde

von Magallanes selbst und nach seinem Tode von Carvalho entdeckt. Eine

andere Strecke der westlichen Gestade entdeckte Legazpi 1565 selbst,

den Rest sowie die Ostküste seine Officiere, insbesondere Goyti.

6. Negros. Negros wurde von den Visayern Buglás genannt, der spanische

Name hat jedoch den eingeborenen vollständig verdrängt. Der südlichste

Theil mit der Punta Bombonon wurde jedenfalls schon von Carvalho

1521 gesehen, doch lässt sich diess nicht mit voller Sicherheit

behaupten. Die Ostküste wurde 1565 von Goyti, die Westküste von Sauz

und anderen spanischen Officieren des Legazpi 1566 entdeckt.

Versuch einer Ethnographie der Philippinen · 第 75 / 80 题