2. Chinesische Mestizen.

Die Mischlinge von Chinesen und Malaiinnen wurden früher Mestizos

de Sangley genannt, jetzt beginnt dieser Name allmählig durch die

Bezeichnung Mestizos chinos verdrängt zu werden. Diese Mischlinge

sind kräftig gebaut und besitzen die väterliche Sparsamkeit und

Gewerbfleiss, weshalb ein grosser Theil des Kleinhandels, ja selbst

der Bankgeschäfte (im kleinen Umfange) in ihren Händen ruht. In Tracht

und Gewandung nähern sie sich den vornehmen Indiern oder spanischen

Mestizen, von der Mutter haben sie die leidenschaftliche Vorliebe für

den Tabak und das Buyokauen geerbt, vom Vater aber stammt ihr Hang

zum Opiumrauchen her (Cañamaque, Recu. II, 195). Wo die chinesischen

Mestizen in grösserer Anzahl zusammen wohnen, bilden sie autonome

Gemeinden, wie die Chinesen. Bei ihnen genügen 25 bis 30 Tributos

zur Constituirung eines Baranguay. Vor 1783 zahlten sie denselben

Tribut wie die Indier, damals aber wurde er um das Doppelte erhöht,

und seit jener Zeit zahlen sie Abgaben, welche stets höher sind

als die der Indier, aber niedriger als jene der Chinesen. Ihre Zahl

ist eine verhältnissmässig grosse, sie bilden den Bürgerstand der

Philippinen, im Gegensatze zu den Weissen und deren Abkömmlingen,

von denen die ersteren den militärischen oder bureaukratischen, die

letzteren den Landadel darstellen. 1842 zählte man 240 000, 1850 180

000, 1867 210 816 chinesische Mestizen, wobei zu bemerken ist, dass

man diesen Zahlenangaben kein unbedingtes Vertrauen schenken darf,

denn bei der Volkszählung werden nur die Tributos, wenigstens bis

vor Kurzem, gezählt; ein Tributo ist aber die Steuer, welche zwei

erwachsene Personen, quasi ein Ehepaar, zusammen entrichten, es sind

also die Kinder, die erwerbsunfähigen und über 60 Jahre alten Personen

bei der Tributzahlung nicht berücksichtigt, weil sie von der Zahlung

des Tributes befreit sind. Um nun die Bevölkerungsziffer herzustellen,

multipliciren die spanischen Statistiker die Zahl der Tribute mit

4-1/2, manche mit 5, andere mit 6, wodurch die oft widersprechenden

Zahlenangaben hinreichend aufgeklärt sind. Nach meinen mühseligen

und langwierigen Untersuchungen verhält sich im Allgemeinen die Zahl

der spanischen Mestizen (diese zahlen keinen Tribut) zu jener der

chinesischen durchschnittlich wie 1:16, nach älteren Daten berechnet,

da in der neueren Zeit die spanischen Mestizen nicht mehr besonders

in den Censuslisten geführt werden.

Versuch einer Ethnographie der Philippinen · 第 69 / 80 题