51. Die Piratenstämme von Mindanao und Sulu.

Unter obiger Bezeichnung fasse ich jene mohammedanischen Malaienstämme

zusammen, welche an der Westküste von Mindanao, am Rio Grande de

Mindanao, den beiden grossen Seen südlich von diesem Strome an der

Laguna de Malanao, an der Küste des Panguil-Busens, in einigen

Dörfern an der Nordwestküste Mindanao's zwischen Zamboanga und

Misamis und welche ferner die Küstenbevölkerung der grösseren und die

Gesammtbevölkerung der kleineren Sulu-Inseln bilden. Sie werden von

den Spaniern je nach ihrem Aufenthaltsorte als Joloanos, Camucones

(Bewohner der Inseln südwestlich von Tawi tawi), Tirones (Bewohner

der Inseln zwischen Tawi tawi und Borneo), Moros de Balabac, Samales

(Bewohner der Inseln südlich von Basilan), Basilanes, Jacanes (auch

auf Basilan), Illanos oder Ilanos (an der Baia Illana), Lutaos (bei

Zamboanga), Malanaos (am See Malanao), Mindanaos (Mündungsgebiet des

Rio Grande und die Küste Ost-Mindanao's von Pollok bis zur Südspitze

der Insel), Tegurayes oder Tinivayanes (Flussgebiet des Rio Grande

de Mindanao) bezeichnet.

Sie sind Mischlinge von den in den diesbezüglichen Ländern

erbgesessenen Visayer- oder (auf Mindanao zum Theile) Manobos-,

Mandayas-, Subanos-Stämmen und von den von Borneo und den Molukken

her einfallenden mohammedanischen Stämmen. Balabac ist von Borneo her

mit dieser neuen Bevölkerung versehen worden. Gerade als die Spanier

unter Legazpi, 1565-1572, sich des Archipels bemächtigten, machten

sie einer grossartigen, continuirlichen, wenn auch geräuschlosen

und friedlichen Invasion von Borneo-Malaien ein Ende, damals waren,

wie Morga, Fr. Gaspar de S. Augustin, Fray Juan de la Concepcion

uns melden, in allen Theilen der Philippinen, mit Ausnahme der

nördlichen Landschaften Luzons, Borneaner nicht nur als Kauffahrer,

sondern auch als mohammedanische Proselytenmacher und Stifter neuer

Dynastien und Reiche thätig. Die Vasallenfürsten der Sultane von

Manila und Tondo waren alle Borneaner, sowie vielleicht ihre Herren

selbst. Noch 1585 (Brief des Bischofs Salazar in den Cartas de

Indias, Fol. 651) zahlten die Bewohner der Calamianen den Spaniern

und dem Sultan von Borneo zugleich Tribut. Nach Argensola, Combés,

Fr. Juan &c. hat Mindanao seine mohammedanische Bevölkerung durch

Einwanderung von Ternate erhalten, wie denn auch im XVI. und Anfang

des XVII. Jahrhunderts die Sultane von Mindanao und Buhayen in

einem gewissen Abhängigkeitsverhältnisse zu den Sultanen von Ternate

standen, welches sich erst löste, als letztere sich den Holländern

unterwarfen und in den Kämpfen zwischen letzteren und den Spaniern

eine bedeutende Einbusse an Macht und Gebietsumfang erlitten. Am

gemengtesten erscheint die Bevölkerung von Sulu. Die Nachrichten

von Dalrymple [37], Crawfurd1, Hunt1 und Forrest widersprechen zum

Theil sehr jenen Nachrichten, welche uns die spanischen Historiker

des XVI. und XVII. Jahrhunderts bringen. Es ist zu bedauern, dass

W. Koner in seiner Monographie des Sulu-Archipels (Erdk. 1867, II, 105

f.) nur englischen und holländischen Quellen gefolgt ist, denn jene

spanischen mönchischen Geschichtsschreiber bringen sehr zuverlässige

Nachrichten, die meist von Missionären ihrer Orden stammten, welche

lange Jahre in jenen Ländern zugebracht hatten, ja Combés war selbst

geraume Zeit in Mindanao thätig. Auch die französischen, englischen

und holländischen Quellen weichen sehr voneinander ab. Das eine aber

scheint sicherzustellen, dass die heutigen Dattos oder Feudalfürsten

Sulu's von Mindanao, indirect also von Ternate herstammen, einige

Dattos stammen auch von Butuan ab, letzteres aber war auch von

Ternate her colonisirt und dann die maurische oder Moslimbevölkerung

von den Spaniern verjagt worden [38]. Doch schon vor dieser Invasion

hatten auf jener Hauptinsel Sulu sich auch Javanen (Bastian V, 275;

man vgl. auch Koner 123) gezeigt, auch kamen einmal Einwanderer aus

Johore (Bastian, l. c.). Vermischungen mit Dayaks sollen auch Statt

gefunden haben (Novara-Reise, Ethnogr. Theil 32), was vielleicht auf

eine Vermengung mit Dayaksclavinnen zu deuten ist. Eine Zeit hindurch

(vor Magallanes) gehörte die Insel auch zum Reiche Bandjermassing von

Borneo und erhielt von dort auch Zuzug (Koner 122). Übrigens dürften

die heutigen Sulus und Mindanaos physisch sich gar nicht von den

Visayern unterscheiden, denn seit Jahrhunderten haben sie Tausende

von Visayern von ihren Raubzügen aus den Philippinen heimgebracht,

welche bei ihnen, man kann es ruhig sagen, zu 95% blieben und mit

ihnen zu einem Volke verschmolzen. In Sulu selbst dürfte auch eine

verhältnissmässig nicht unbeträchtliche und historisch nachweisbare

Vermischung mit Chinesen Statt gefunden haben, indem diese seit dem

XVII. Jahrhundert sich in der Hauptstadt zu einer fluctuirenden, nur

aus Männern bestehenden Handelscolonie niederliessen, deren Mitglieder

gewiss ebensogut mit eingeborenen Weibern Kinder zeugten, wie in

den spanischen Philippinen. Die anderen fremdartigen Beimengungen

sind gar nicht der Rede werth, die Zahl der arabischen Prediger und

der spanischen, mejicanischen und peruanischen Renegaten des XVI.,

XVII. und XVIII. Jahrhunderts war eine zu geringe, als dass sie einen

Einfluss auf die Rassenbildung hätte äussern können.

Was ihr Äusseres anbelangt, so sind sie von mittlerer Körpergrösse mit

normalem Brustkorbe und schlanker Taille; der Kopf ist rund und klein,

die Augen sind von dunkler Farbe und horizontal und weit gespalten,

die Lippen sind schmal, die Nase ist stumpf geformt, die Hautfarbe

ist gelblichfahl; die Kopfhaare--welche von den Männern meist rasirt

werden--weisen eine tiefschwarze Farbe auf und sind rauh anzufühlen,

die Augenbrauen sind spärlich, dasselbe gilt vom Barte, der oft

gänzlich fehlt; bemerkenswerth ist noch die Sitte, die Zähne schwarz

zu färben, auch fällt auf, dass die Beine meist säbelförmig auswärts

gebogen sind (Garín 126).

Alle diese mohammedanischen Piratenstämme, diese "Moros" der Spanier,

haben ausser der Religion ein gemeinsames charakteristisches Merkmal,

das sie scharf von den übrigen Malaienstämmen der Philippinen scheidet,

und das ist die Feudalverfassung. Nur an der Bai von Manila fanden die

Spanier Legazpi's ähnliche Verhältnisse, doch hier war eben bereits

fremder, speciell borneanischer Einfluss im Spiele.

Was zunächst die Feudalverfassung anbelangt, so zerfallen alle die

ehemaligen und zum Theile noch existirenden Sultanate von Sulu,

Mindanao, Buhayen, Butig, Sibugney &c. in eine grosse Anzahl von

kleinen Lehensfürstenthümern, deren Chefs den uns schon bekannten

Namen Datto führen. Selten herrscht ein Datto über mehr als ein Dorf,

und beständig fanden neue Gründungen von solchen Datto-Herrschaften

Statt und zwar in der Weise, dass ein Datto- oder Sultans-Sohn mit

einigen Sclaven auf einen Piratenzug auslief und mit den geraubten

Sclaven eine neue Niederlassung in einer noch unbewohnten Gegend

oder Insel gründete, welche durch neue Sclavenjagden immer neuen

Zuwachs erhielt. Die Dattos sind die eigentlichen Herren gewesen,

neben denen der Sultan nur die Rolle des primus inter pares spielte,

ohne deren Einwilligung er auch nicht den geringsten politischen Act

vornehmen durfte. Combés, Dampier, Forrest, Sprengel, Deguignes,

Renouard de St.-Croix, Koner, Barrantes und Pazos haben darüber

manches interessante Detail veröffentlicht, von welchem ich hier das

Interessanteste und Wichtigste hervorheben will, wobei ich mich nur

auf die Verhältnisse im Sultanate Sulu und dem von Mindanao (jetzt

der spanische District Cotta-bató) beschränke.

In beiden Ländern war das Sultanat erblich, doch gab es keine geregelte

Thronfolge, sondern der Sultan besass das Recht, sich seinen Nachfolger

aus seinen nächsten Nachkommen und Verwandten zu erwählen, doch

übten die Dattos dabei ein Anerkennungsrecht aus. In Mindanao giebt

es folgende Adelsstufen: Tuam, so viel wie Herr, Junker; Orancaya so

viel wie Magnat und Cachil gleich Prinz von königlichem Geblüte. Auf

Sulu ist diese Hierarchie eine viel verwickeltere, der Sultan geniesst

mehrere Titulaturen und zwar immer Maulana, so viel als Majestät;

ist er der Enkel eines Sultans, so führt er noch den Titel Paduca,

ist er der Sohn eines solchen, so fügt er noch den Titel Majarasin,

d. h. der Reine und Erhabene, hinzu. Der Thronfolger in Sulu heisst

Rajá-Muda. Einzelne Dattos bilden eine Art Ministercollegium: der

Grossvezier (Datto Interino der Spanier), der Generalissimus der

Landtruppen und Kriegsminister (Datto Realao), der Oberstlandrichter

(Datto Mitsainguir). Wird ein grosser Kriegszug unternommen, so tritt

an die Spitze der Streitkräfte der Pauliman, Orancaya oder Salicaya,

je nachdem zu Lande oder zu Wasser, oder zu Wasser und zu Lande

der Krieg geführt werden soll. Jeder Datto hat einen Grossvezier,

der Monabe genannt wird.

Der Sultan versammelt in allen wichtigen Angelegenheiten die Dattos

um sich, um ihre Einwilligung einzuholen. Auf allen Vertragsurkunden

müssen die Unterschriften der Dattos neben die des Sultans gesetzt

werden, sonst wäre der Vertrag ungültig.

Da die Macht und das Ansehen der Dattos vornämlich nur auf der

Zahl der Sclaven beruhte, so suchten sich die Mindanaos und Sulus

durch grossartige Piratenzüge, welche mitunter sich bis nach Banka

und Billiton erstreckten, vorzugsweise aber gegen Celebes und

die Philippinen gerichtet waren, solche zu verschaffen. Schon vor

Ankunft der Spanier stand die Piraterie in schönster Blüthe (Mas I,

28). Geführt von Renegaten überfielen sie mit ihren leichten und

seichtgehenden Schiffen die Küstenniederlassungen, verbrannten die

Dörfer, vernichteten das auf den Feldern stehende Getreide, hieben

die Fruchtbäume um und schleppten die Dorfbewohner in die Sclaverei,

lange bevor die tiefgehenden spanischen Kriegsschiffe zur Rettung

anlangen konnten. Von je drei Gefangenen erhielt der Datto, der die

Expedition ausrüstete, zwei, einer gebührte der Mannschaft. Man kann

sich einen Begriff von der Ausdehnung dieser Piratenzüge machen,

wenn man erfährt, dass diese Piraten in 30 Jahren 20 000 Gefangene

in den Philippinen allein gemacht hatten (Jagor, Reisen 180). Selbst

die Einführung von seichtgehenden Dampfkanonenbooten befreite die

Philippinen nicht von dieser Plage. "Die leichten, flachen, sehr stark

mit Ruderern bemannten Boote (der Piraten) sind so geschwind, dass nur

die schnellsten Dampfer ihnen folgen können, diese verrathen sich aber

schon aus grosser Ferne an ihrer Rauchsäule, so dass die nur wenige

Fuss über das Wasser ragenden und folglich in sehr geringer Ferne

unsichtbaren Pancos gewöhnlich vollauf Zeit haben, zu entwischen"

(Jagor, Reiseskizzen 86). Auch die wiederholten Expeditionen, mit

welchen früher die Spanier diese Piratennester durch Niederbrennen zu

vernichten suchten, halfen Nichts, es bemerkte hierüber schon in der

ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts ein spanischer Stabsofficier

im Kriegsrathe zu Manila: "Sie (die Piraten) verändern die Lage einer

Stadt mit derselbigen Leichtigkeit, wie wir den Ankerplatz eines

Schiffes, und es liegt ihnen wenig daran, sie zehn Leguas weiter oben

oder weiter unten neu zu begründen, denn überall finden sie Berglehnen

zum Feldbau, gutes Schiffsbauholz, Nipa-Palmen zum Dachdecken und

Mangel-Sümpfe, um sich bei drohender Gefahr zu verbergen" (Fr. Juan

XIII, 378). Man vergleiche übrigens über die Schwierigkeit, sie

in ihrem eigenen Lande zu bekämpfen, die gute Bemerkung in Pazos,

Joló, p. 378. Erst durch die Eroberung Sulu's und die kostspielige

Occupation des Mündungsgebietes des Rio Grande de Mindanao ist die

Piraterie einigermaassen, aber nicht gänzlich unterdrückt worden.

Der Islam ist zwar die herrschende Religion, an der seine Bekenner

mit fanatischem Eifer hängen, aber die Vorschriften des Korans

werden nur oberflächlich erfüllt, der Genuss des Schweinefleisches

und spirituöser Getränke ist allgemein. Auf Sulu heisst die höchste

geistliche Autorität Sarif (Scherif), dann folgt der Jabdi und

endlich die Panditás. Die Polygamie gestattet natürlich der Islam,

gewöhnlich aber begnügt sich auch der Vornehme mit einem Weibe, Koner

will hierin den Einfluss der gefangenen Christinnen bemerken. Bei

diesen Piratenstämmen ist der Knechtsdienst, den der Bräutigam seinem

Schwiegervater in spe bei den Tagalen und Visayern zu leisten hat,

nicht gebräuchlich. Der Bräutigam kauft die Frau von ihrem Vater für

Schiffe, Kanonen, Feuerwaffen, Munition &c.; ist der Schwiegervater

ein nobler Mann, so giebt er seiner Tochter eine aus ähnlichen Dingen

bestehende Mitgift. Am Vorabende der Hochzeit führt der Pandit die

Brautleute jedes in ein besonderes Häuschen, wo sie sich beide festlich

schmücken. Am anderen Tage geleitet der Pandit unter Trommelwirbel

den Bräutigam in das Häuschen seiner Braut, welche unter Zeugen,

besonders Flaggen, verborgen liegt. Der Pandit wiederholt drei

Mal die Frage, ob der Bräutigam jenes Weib zu ehelichen wünsche,

welches unter dieser Hülle sich befände. Kaum hat der Bräutigam

diess bejaht, so springt die Braut aus ihrem Verstecke hervor und

läuft davon, verfolgt von dem Bräutigam und den Gästen. Hat der

Bräutigam oder vielmehr Gatte sein Weibchen eingeholt, so zieht er

sich auf ein einsames Plätzchen zurück, um sofort das matrimonium zu

einem consumatum zu machen. Diese Ceremonie ist nur beim Einholen

der legitimen Frau--"Dayana" genannt--üblich. Die Sittenlosigkeit

ist bei der affenartigen Geilheit dieser Piraten zügellos, und die

Zustände, wie sie Dampier in Mindanao fand, sind auch bis heute sich

gleichgeblieben. Das Abtreiben der Leibesfrucht findet sehr häufig

Statt (Garín 176).

Bei schweren Erkrankungen [39] suchen die Panditen durch Recitiren von

Koransuren und Gebeten den Patienten zu heilen. Stirbt ein Vornehmer,

so werden Kanonenschüsse abgefeuert und vor dem Hause desselben

Trommeln geschlagen und mit verschiedenen Musikinstrumenten ein

höllisches Concert angestimmt. Der Todte wird, nachdem der Priester ihn

gewaschen, in ein weisses Kleid gehüllt und angethan mit seinem Kris

in einer Kiste unter grossem Spectakel begraben. Die Hinterbliebenen

tragen zum Zeichen der Trauer einen weissen Turban und verbringen

acht Tage mit Wehklagen auf dem Grabe des Dahingeschiedenen. Die

Panditen beten noch länger, bis zu 40 Tagen, und werden dann von den

Hinterbliebenen reichlich beschenkt.

Der Ackerbau obliegt den Sclaven (Sácopes) und umfasst Reis, Mais,

Camote und verschiedene Gemüse, auch Cacao wird gepflanzt, Cocoswälder

bilden aber den Hauptreichthum. Der Viehstand weist Pferde, Rinder,

Büffel, Ziegen, Hühner und Tauben auf.

Die Bauart der Hütten unterscheidet sich nicht von der der Tagalen und

Visayer, nur werden dieselben mit Vorliebe direct über dem Wasser

erbaut. Bambusstege führen von einem Hause zum andern, so dass

durch Wegziehen derselben jedes Haus isolirt im Wasser dasteht. Am

Lande pflegen sie feste Forts aus Palissadenzäunen, welche durch

Korallenblöcke vor Kanonenkugeln gesichert sind, zu errichten.

Die Tracht besteht aus Jacke, weiten Hosen, einem Turban oder einer

fezähnlichen, aber aus leichterem Stoffe verfertigten Mütze. Auch die

Weiber tragen, wenigstens auf Sulu, Hosen (Garín 124), auf Mindanao

aber auch Röcke. Die Dattos führen schön bemalte Schilde mit sich,

als Waffen dienen Feuergewehr, Bogen und Pfeil, Lanze, Kris und

ein gegen das Ende zu breiter werdendes krummes Schwert. Seltener

sind Panzer aus eisernen Maschenhemden, oder aus zusammengefügten

Muschelschalen oder Büffelhaut verfertigt, manche schützen den

Körper durch den Cambut, einen dicken Gürtel aus grober Baumwolle,

der mehrmals um den Leib herumgeschlungen wird. Die meisten begnügen

sich mit dem Schutze, den ihnen ihre Schilde gewähren, welche aus

hartem Holz, das mitunter noch mit Büffelleder überzogen ist, in

zweierlei Grössen verfertigt werden; die runden Schilde decken nur

den halben, die eckigen den ganzen Körper, letztere werden auch an den

Bordwänden der Schiffe aufgerichtet, um als Brustwehr zu dienen. Die

Landbefestigungen und Schiffe sind mit zahlreichem (meist geraubtem)

Geschütz des verschiedenartigsten Calibers versehen, doch wissen die

Piraten sie nicht gut zu bedienen.

Ohne Compass schwärmen sie mit ihren leichten Schiffen bis nach

Singapore hin. Ihre Fahrzeuge zeichnen sich alle durch besondere

Schnelligkeit und geringen Tiefgang aus, einen Kiel besitzen nur die

Panco, Guban und Garay genannten Schiffsgattungen. Der Panco hat die

Form und den Tonnengehalt einer flachen Küstenbrigantine und hat,

wie alle Schiffe dieser Piratenstämme, keinen einzigen Nagel oder

Eisenbestandtheil aufzuweisen. Die übrigen Boote, Salisipans, Barotos,

Lancans, Vintas, Dalamas, sind nur aus einem ausgehöhlten Baumstamm

verfertigt und mit Ausliegern--"Batangas"--versehen. Alle Schiffe

sind auf Fortbewegung durch Ruder eingerichtet, letztere--Gayong

genannt--haben die Form der Ruder europäischer Galeeren. Das

Steuerruder ist bei den grösseren Schiffen mitunter in derselben Weise

und Form angebracht, als diess bei europäischen Schiffen der Fall

ist, meistentheils sind es aber blos zwei oder ein Schaufelruder am

Buge. Die Mastbäume sind dreigetheilt in eine Spitze zusammenlaufend,

ähnlich den drei Stützen der Malerstaffelei. Die Segel sind stets

viereckig und das Segelzeug bunt gefärbt.

Pazos (Joló 7) schliesst seine Beschreibung ihrer Schiffe mit folgenden

Worten: "Der leichte Bau ihrer Fahrzeuge ermöglicht bei ihrem geringen

Gewichte und seichtem Tiefgang eine schnelle Fahrt; wenn sich die

Piraten verfolgt sehen, so segeln sie kaltblütig, weil für sie ohne

Gefahr, durch die gefährlichsten Klippenreihen durch, wohin ihnen

auch die kleinsten Kanonenboote nicht folgen können, und falls einmal

(innerhalb der Klippen oder am Strande) die Seichtigkeit des Wassers

die Weiterfahrt unmöglich macht, dann wirft sich die Mannschaft einfach

in's Wasser und schleift das Boot in's tiefere Wasser oder trägt es

selbst auf seinen Schultern dahin, worauf die Bemannung wieder an Bord

steigt und ruhig seine Fahrt fortsetzt, auf diese Weise nur zu oft

die Verfolgung, welche unsere Kreuzer anstellen, illusorisch machend".

Sie sind leidenschaftliche Tabakraucher und Betelkäuer, aber diese

Reizmittel genügen ihnen nicht, sie rauchen auch Opium aus langen

Rohrpfeifen (Garín 127; Pazos 205). Unter den Betel wird gewöhnlich

Opium, ja auch Theriak gemengt (Garín I, 27). Musik und Tanz wird

gepflegt, letzterer wird gewöhnlich nur von Mädchen [40], Sclavinnen,

zumeist zur Ergötzung der Dattos aufgeführt. Ihnen eigenthümliche

Instrumente sind der Agun oder Agon und Culintangang (Ilustr. del

Oriente 1877, n. 10, p. 4), der Agun ist nichts Anderes als eine

metallene, auf einer Seite offene Kugel, während der Culintangang

aus mehreren geschlossenen Metalldecken besteht, welche mit zwei

Holzklöppeln geschlagen werden.

Die Industrie reducirt sich auf Schiffsbau, Waffenschmiedekunst und

grobe Hauswebewaaren, dagegen ist der Handel blühend. Besonders Sulu

ist der Hauptsitz der Trepang- und Perlfischerei, sowie des Handels mit

Salangan-Schwalbennestern, Ambra und Schildkrotschalen. Die Chinesen

concentriren den Handel ganz in ihre Hände. Der schwungvolle Handel,

welchen die Sulus und Mindanaos durch Verkauf der gefangenen Christen

in Batavia betrieben, hat bereits im vorigen Jahrhundert aufgehört.

Sie lassen nicht nur Hähne, sondern auch Büffel gegeneinander kämpfen.

Versuch einer Ethnographie der Philippinen · 第 66 / 80 题