38. Manobos.

Die Manobos sind ein in fast allen Theilen der Insel Mindanao

wohnhafter heidnischer Stamm. Ihre Wohnsitze sind die Bergwildnisse

südlich von Dapitan (Cavada II, 197), dann durch christliche

Visayer-Niederlassungen vom Meere getrennt in den Bergen südlich von

Iligan, Cagayán (de Mindanao), Butuan und in den Thälern, welche die

bei den letztgenannten Städtchen mündenden Flüsse in ihrem Laufe bilden

(Semper, Skizzen a. v. St.; Cavada a. v. St.). Im Süden reichen sie bis

zu dem Meerbusen von Davao (Cavada II, 221, 222), wo sie hauptsächlich

am östlichen Gestade wohnen, während am linken sich nur einzelne

Niederlassungen finden. Sie reichen im Westen bis in die Nähe von

Cotta bató (Jagor 44; Cañamaque 43). Doch muss man bei diesen Angaben,

soweit sie nicht, wie von Semper als Augenzeugen, sichergestellt sind,

sich sehr reservirt verhalten, denn Manobos (Varianten: Manabos,

Manobas) ist in Mindanao zu einem Collectivnamen für heidnische

Bergstämme geworden [36]) (Waitz V, 56; D. Claudio Montero y Gay,

in dem Bol. de la Sociedad geográfica de Madrid I, n. 4, p. 322).

Die Manobos erinnern in ihrem äusseren Habitus etwas an Chinesen

(Semper, Skizzen 59). Sie leben in ganz kleinen Horden, welche

gewöhnlich nur aus dem Häuptling -- Bagani genannt -- und den Brüdern

seiner Frauen sich zusammensetzen (l. c. 60). Ihre Hütten stehen

auf hohen Pfählen (l. c.), ebenso die Scheunen und Vorrathshäuser,

welche mitten in den Feldern stehen (l. c. 61). Die Manobos im

Norden treiben Ackerbau, und zwar sind Gegenstände desselben Tabak,

Mais, Camote und insbesondere Reis, welch' letzteren sie in solcher

Fülle ernten, dass sie im Stande sind, ganze Bootsladungen an die

christliche Küstenbevölkerung zu verkaufen (l. c. 60). Ausserdem

obliegen sie dem Dalag-Fischfang mittelst Fischreusen und Netzen

(l. c. 47). Die Manobos, welche am Meerbusen von Davao wohnen,

scheinen keinen Ackerbau zu treiben, sondern sich nur vom Fischfange

und Wurzeln, ja im Nothfalle selbst von ekelhaften Reptilien zu

nähren (Cavada II, 223). Die ackerbauenden Manobos sind deshalb

nicht sesshaft; sobald ihr nie gedüngter Ackerboden erschöpft ist,

verlassen sie ihre Niederlassung und gründen sich an einer anderen

günstigen Stelle ein neues Heim (Semper, Skizzen 62). Sie leben in

Polygamie, doch gilt nur eine Frau als die legitime, der die anderen

zu gehorchen haben (l. c. 60). Jede Frau hat eine Hütte für sich, in

welcher sie mit ihren Kindern und den ihr zugewiesenen Sclaven lebt

(l. c.). Da die Feldarbeit nur auf den Schultern der Frauen, Kinder

und Sclaven ruht, so besteht in der grösseren Zahl derselben auch

der grössere Reichthum des Mannes (l. c.). Ihre Waffen sind Lanzen,

Schilde, Dolche und Schwerter (Semper, Skizzen 62), die Manobos von

Davao wissen auch meisterhaft Bogen und Pfeil zu gebrauchen (Cavada

II, 223). Ihre Religion und die Sucht, Sclaven zu erwerben, reizt

sie zu beständigen Kriegen und Fehden. Sie haben einen ähnlichen

Ahnencultus wie die übrigen Malaien Luzons und der Philippinen

(Semper 61), überdiess kennen sie noch andere Götter. "So halten

sie den Donner für die Sprache des Blitzes, den sie in der Gestalt

eines abenteuerlichen Thieres verehren; wenn der Blitz auf die Erde

niederfährt und in die Bäume einschlägt, so soll das Thier, nach ihrer

Meinung, mitunter einen seiner Zähne darin stecken lassen" (Semper,

Skizzen 61). Der Caiman wird von ihnen heilig gehalten (l. c.), welche

Verehrung dieses Thier einst auch von den heidnischen Tagalen genoss

(Mas, hist. I, 15). Bezeichnend ist der Name Diuata (Semper, Skizzen

62), der einem ihrer Götter zukommt, es ist dieses Wort gleichlautend

mit der Ahnen-Benennung der Visayer. Der Diuata ist der Gott der

Erntefeste, man erinnere sich an die religiösen Festlichkeiten,

welche die Igorroten zur Erntezeit den Anitos darbringen. Dem Diuata

werden Schweine geopfert und, wie bei den Igorroten, an das Opfer eine

grosse Schmauserei geknüpft (Mas, pobl. 29). Hochverehrt wird auch

der Kriegsgott Tagbusau (Semper 62). Nach beendigter Ernte ziehen

die Manobos, wenn die eingeholten Auspicien glückverheissend sind,

auf den Kriegspfad. Der Bagani, der als Priester des Tagbusau auch

"dessen Talisman" mitträgt, sucht mit seinen Leuten den Feind

im Morgenschlummer zu überrumpeln oder hinterrücks im Walde zu

überfallen. Alle Erwachsenen werden niedergemetzelt, die Weiber und

Kinder aber in die Sclaverei abgeführt (l. c. u. Cavada II, 223). Ihre

Bestialität äussert sich sogar in einer Art von Cannibalismus:

"Ist der Feind glücklich niedergeworfen und getödtet, so zieht er

(der Bagani) ein heiliges, nur diesem Dienste geweihtes Schwert,

öffnet der Leiche die Brust und taucht die Talismane des Gottes, die

ihm um den Hals hängen, in das rauchende Blut ein. Dann reisst er das

Herz oder die Leber heraus, und verzehrt ein Stück davon als Zeichen,

dass er nun seine Rache an dem Feinde befriedigt habe. Dem gemeinen

Volk wird es nie gestattet, Menschenfleisch zu kosten; es ist das

Vorrecht aber auch die Pflicht des fürstlichen Priesters" (Semper,

Skizzen 62). Die Schädel der erschlagenen Feinde werden nach Hause

mitgenommen, aber nicht nach der bei den Kopfjägern Luzons üblichen

Sitte aufbewahrt (Semper, l. c.). Einen der Gefangenen pflegen sie nach

glücklich erfolgter Heimkehr gleichsam als Dankopfer dem Tagbusau auf

grausame Weise abzuschlachten (Mas, pobl. 40, Semper, l. c.). Wie bei

den Negritos wird auch hier jeder Todesfall durch einen Mord eines

armen arglosen Wanderers, dem sie im Walde auflauern, wettgemacht

(Mas, pobl. 39). Die Manobos der Provinz Surigao scheinen nicht mehr

so blutdürstiger Natur zu sein (Cavada II, 206). Ihre Kopfzahl bei

Butuan wird auf 10 000 Seelen geschätzt (Jagor, Reisen 322). Mas

(pobl. 14) betrachtet sie als Seitenzweig der Igorroten, wohl nur

mit Bezugnahme auf ihre Kriegslust und Fressgelage.

Versuch einer Ethnographie der Philippinen · 第 53 / 80 题