Die Manobos sind ein in fast allen Theilen der Insel Mindanao
wohnhafter heidnischer Stamm. Ihre Wohnsitze sind die Bergwildnisse
südlich von Dapitan (Cavada II, 197), dann durch christliche
Visayer-Niederlassungen vom Meere getrennt in den Bergen südlich von
Iligan, Cagayán (de Mindanao), Butuan und in den Thälern, welche die
bei den letztgenannten Städtchen mündenden Flüsse in ihrem Laufe bilden
(Semper, Skizzen a. v. St.; Cavada a. v. St.). Im Süden reichen sie bis
zu dem Meerbusen von Davao (Cavada II, 221, 222), wo sie hauptsächlich
am östlichen Gestade wohnen, während am linken sich nur einzelne
Niederlassungen finden. Sie reichen im Westen bis in die Nähe von
Cotta bató (Jagor 44; Cañamaque 43). Doch muss man bei diesen Angaben,
soweit sie nicht, wie von Semper als Augenzeugen, sichergestellt sind,
sich sehr reservirt verhalten, denn Manobos (Varianten: Manabos,
Manobas) ist in Mindanao zu einem Collectivnamen für heidnische
Bergstämme geworden [36]) (Waitz V, 56; D. Claudio Montero y Gay,
in dem Bol. de la Sociedad geográfica de Madrid I, n. 4, p. 322).
Die Manobos erinnern in ihrem äusseren Habitus etwas an Chinesen
(Semper, Skizzen 59). Sie leben in ganz kleinen Horden, welche
gewöhnlich nur aus dem Häuptling -- Bagani genannt -- und den Brüdern
seiner Frauen sich zusammensetzen (l. c. 60). Ihre Hütten stehen
auf hohen Pfählen (l. c.), ebenso die Scheunen und Vorrathshäuser,
welche mitten in den Feldern stehen (l. c. 61). Die Manobos im
Norden treiben Ackerbau, und zwar sind Gegenstände desselben Tabak,
Mais, Camote und insbesondere Reis, welch' letzteren sie in solcher
Fülle ernten, dass sie im Stande sind, ganze Bootsladungen an die
christliche Küstenbevölkerung zu verkaufen (l. c. 60). Ausserdem
obliegen sie dem Dalag-Fischfang mittelst Fischreusen und Netzen
(l. c. 47). Die Manobos, welche am Meerbusen von Davao wohnen,
scheinen keinen Ackerbau zu treiben, sondern sich nur vom Fischfange
und Wurzeln, ja im Nothfalle selbst von ekelhaften Reptilien zu
nähren (Cavada II, 223). Die ackerbauenden Manobos sind deshalb
nicht sesshaft; sobald ihr nie gedüngter Ackerboden erschöpft ist,
verlassen sie ihre Niederlassung und gründen sich an einer anderen
günstigen Stelle ein neues Heim (Semper, Skizzen 62). Sie leben in
Polygamie, doch gilt nur eine Frau als die legitime, der die anderen
zu gehorchen haben (l. c. 60). Jede Frau hat eine Hütte für sich, in
welcher sie mit ihren Kindern und den ihr zugewiesenen Sclaven lebt
(l. c.). Da die Feldarbeit nur auf den Schultern der Frauen, Kinder
und Sclaven ruht, so besteht in der grösseren Zahl derselben auch
der grössere Reichthum des Mannes (l. c.). Ihre Waffen sind Lanzen,
Schilde, Dolche und Schwerter (Semper, Skizzen 62), die Manobos von
Davao wissen auch meisterhaft Bogen und Pfeil zu gebrauchen (Cavada
II, 223). Ihre Religion und die Sucht, Sclaven zu erwerben, reizt
sie zu beständigen Kriegen und Fehden. Sie haben einen ähnlichen
Ahnencultus wie die übrigen Malaien Luzons und der Philippinen
(Semper 61), überdiess kennen sie noch andere Götter. "So halten
sie den Donner für die Sprache des Blitzes, den sie in der Gestalt
eines abenteuerlichen Thieres verehren; wenn der Blitz auf die Erde
niederfährt und in die Bäume einschlägt, so soll das Thier, nach ihrer
Meinung, mitunter einen seiner Zähne darin stecken lassen" (Semper,
Skizzen 61). Der Caiman wird von ihnen heilig gehalten (l. c.), welche
Verehrung dieses Thier einst auch von den heidnischen Tagalen genoss
(Mas, hist. I, 15). Bezeichnend ist der Name Diuata (Semper, Skizzen
62), der einem ihrer Götter zukommt, es ist dieses Wort gleichlautend
mit der Ahnen-Benennung der Visayer. Der Diuata ist der Gott der
Erntefeste, man erinnere sich an die religiösen Festlichkeiten,
welche die Igorroten zur Erntezeit den Anitos darbringen. Dem Diuata
werden Schweine geopfert und, wie bei den Igorroten, an das Opfer eine
grosse Schmauserei geknüpft (Mas, pobl. 29). Hochverehrt wird auch
der Kriegsgott Tagbusau (Semper 62). Nach beendigter Ernte ziehen
die Manobos, wenn die eingeholten Auspicien glückverheissend sind,
auf den Kriegspfad. Der Bagani, der als Priester des Tagbusau auch
"dessen Talisman" mitträgt, sucht mit seinen Leuten den Feind
im Morgenschlummer zu überrumpeln oder hinterrücks im Walde zu
überfallen. Alle Erwachsenen werden niedergemetzelt, die Weiber und
Kinder aber in die Sclaverei abgeführt (l. c. u. Cavada II, 223). Ihre
Bestialität äussert sich sogar in einer Art von Cannibalismus:
"Ist der Feind glücklich niedergeworfen und getödtet, so zieht er
(der Bagani) ein heiliges, nur diesem Dienste geweihtes Schwert,
öffnet der Leiche die Brust und taucht die Talismane des Gottes, die
ihm um den Hals hängen, in das rauchende Blut ein. Dann reisst er das
Herz oder die Leber heraus, und verzehrt ein Stück davon als Zeichen,
dass er nun seine Rache an dem Feinde befriedigt habe. Dem gemeinen
Volk wird es nie gestattet, Menschenfleisch zu kosten; es ist das
Vorrecht aber auch die Pflicht des fürstlichen Priesters" (Semper,
Skizzen 62). Die Schädel der erschlagenen Feinde werden nach Hause
mitgenommen, aber nicht nach der bei den Kopfjägern Luzons üblichen
Sitte aufbewahrt (Semper, l. c.). Einen der Gefangenen pflegen sie nach
glücklich erfolgter Heimkehr gleichsam als Dankopfer dem Tagbusau auf
grausame Weise abzuschlachten (Mas, pobl. 40, Semper, l. c.). Wie bei
den Negritos wird auch hier jeder Todesfall durch einen Mord eines
armen arglosen Wanderers, dem sie im Walde auflauern, wettgemacht
(Mas, pobl. 39). Die Manobos der Provinz Surigao scheinen nicht mehr
so blutdürstiger Natur zu sein (Cavada II, 206). Ihre Kopfzahl bei
Butuan wird auf 10 000 Seelen geschätzt (Jagor, Reisen 322). Mas
(pobl. 14) betrachtet sie als Seitenzweig der Igorroten, wohl nur
mit Bezugnahme auf ihre Kriegslust und Fressgelage.