Unter dem Namen Manguianen sind die halbwilden Malaien-Stämme zu
verstehen, welche das Innere der grossen Insel Mindoro und (nach
Cavada II, 127) auch die Gebirgswildnisse der Inseln Romblon und Tablas
bewohnen. Ob sie ein eigener Zweig der philippinischen Malaien sind,
lässt sich nach den zwar zahlreichen, aber dürftigen und sich vielfach
widersprechenden Notizen, die uns von diesen Wilden Nachricht geben,
gar nicht entscheiden. Das eine aber scheint mir sicher zu stehen,
dass sie mit den Tagalen Nichts gemein haben und wohl eher als
ein besonderer Zweig der Visayer aufgefasst werden könnten, aber
eben nur könnten. Es könnte leicht sein, ihre Existenz auf ähnliche
Weise zu deuten, wie diess bei den Vicol-Heiden geschehen ist. Der
Ansicht, die in Waitz V, 61, entwickelt wird, wonach die Manguianen
"wenige, den Angriffen der Piraten [30] entgangene Flüchtlinge sind,
die von den Urbewohnern (welchen?) des Centralgebirges verschieden
zu sein scheinen", kann ich unmöglich beipflichten, wie Jeder, der
die Geschichte der Philippinen vom Beginn der spanischen Occupation
an genau studirt hat. Nach der Allgem. Historie XI, 393, wären sie
eine Bastardrasse von Negritos und (Visayer-?) Malaien, was also
den Ursprung dieser Manguianen auf ähnliche Weise erklären würde,
wie jenen der Vicol-Heiden. Die Manguianen waren seiner Zeit in der
gelehrten Welt sehr genannt, indem Careri (p. 42) von ihnen nach
den Berichten der Jesuiten erzählte, sie hätten vier bis fünf Zoll
lange Schwänze. Gemelli-Careri berichtet überhaupt von ihnen, dass
sie bis auf eine dürftige Bedeckung der Schamtheile nackt gingen,
und ihre Wohnungen nach der Jahreszeit veränderten, weil sie sich
blos von wildwachsenden Früchten nährten. Den Christen verkauften
sie Wachs, wofür sie Nägel, Messer, Nadeln und Zeug erhielten. Es
ist diess ein Bild, das, auch auf Negritos angewendet, vollkommen
treffend wäre, und dennoch ersieht man, dass Careri sie scharf von
den Negritos zu trennen weiss. Auch Fray Juan de la Concepcion VII,
11, spricht von ihrer starken Zahl, welche in der jüngsten Zeit auf
30 000 Köpfe veranschlagt wird (Cavada II, 37). Im Äusseren sollen
die Manguianen den (eigentlichen?) Malaien ähnlich sein (Waitz V,
100, nach Journal III, 758).
Die Manguianen von Mindoro zerfallen wieder in kleinere Stämme,
welche die Namen Buquit, Tadiaban, Bungon &c. führen. Einige dieser
Stämme stehen in friedlichem Verkehre mit den Christen, andere aber,
besonders jene tief im Innern des Landes, fliehen vor jeder Berührung
mit den christlichen Küstenbewohnern (Cavada II, 37). Die Manguianen
von Romblon lieben ein herumschweifendes und müssiges Leben und
rauben den Christen Vieh (Cavada II, 127). Die Manguianen von Mindoro
bestatten noch jetzt, wie alle philippinischen Malaien in den Tagen
ihrer Unabhängigkeit, ihre Todten in Höhlen, am bekanntesten ist als
solche Grabstätte eine grosse Höhle an der Ostküste der Insel (Semper,
Erdk. XIII, 95).