34. Manguianen (Manguianes).

Unter dem Namen Manguianen sind die halbwilden Malaien-Stämme zu

verstehen, welche das Innere der grossen Insel Mindoro und (nach

Cavada II, 127) auch die Gebirgswildnisse der Inseln Romblon und Tablas

bewohnen. Ob sie ein eigener Zweig der philippinischen Malaien sind,

lässt sich nach den zwar zahlreichen, aber dürftigen und sich vielfach

widersprechenden Notizen, die uns von diesen Wilden Nachricht geben,

gar nicht entscheiden. Das eine aber scheint mir sicher zu stehen,

dass sie mit den Tagalen Nichts gemein haben und wohl eher als

ein besonderer Zweig der Visayer aufgefasst werden könnten, aber

eben nur könnten. Es könnte leicht sein, ihre Existenz auf ähnliche

Weise zu deuten, wie diess bei den Vicol-Heiden geschehen ist. Der

Ansicht, die in Waitz V, 61, entwickelt wird, wonach die Manguianen

"wenige, den Angriffen der Piraten [30] entgangene Flüchtlinge sind,

die von den Urbewohnern (welchen?) des Centralgebirges verschieden

zu sein scheinen", kann ich unmöglich beipflichten, wie Jeder, der

die Geschichte der Philippinen vom Beginn der spanischen Occupation

an genau studirt hat. Nach der Allgem. Historie XI, 393, wären sie

eine Bastardrasse von Negritos und (Visayer-?) Malaien, was also

den Ursprung dieser Manguianen auf ähnliche Weise erklären würde,

wie jenen der Vicol-Heiden. Die Manguianen waren seiner Zeit in der

gelehrten Welt sehr genannt, indem Careri (p. 42) von ihnen nach

den Berichten der Jesuiten erzählte, sie hätten vier bis fünf Zoll

lange Schwänze. Gemelli-Careri berichtet überhaupt von ihnen, dass

sie bis auf eine dürftige Bedeckung der Schamtheile nackt gingen,

und ihre Wohnungen nach der Jahreszeit veränderten, weil sie sich

blos von wildwachsenden Früchten nährten. Den Christen verkauften

sie Wachs, wofür sie Nägel, Messer, Nadeln und Zeug erhielten. Es

ist diess ein Bild, das, auch auf Negritos angewendet, vollkommen

treffend wäre, und dennoch ersieht man, dass Careri sie scharf von

den Negritos zu trennen weiss. Auch Fray Juan de la Concepcion VII,

11, spricht von ihrer starken Zahl, welche in der jüngsten Zeit auf

30 000 Köpfe veranschlagt wird (Cavada II, 37). Im Äusseren sollen

die Manguianen den (eigentlichen?) Malaien ähnlich sein (Waitz V,

100, nach Journal III, 758).

Die Manguianen von Mindoro zerfallen wieder in kleinere Stämme,

welche die Namen Buquit, Tadiaban, Bungon &c. führen. Einige dieser

Stämme stehen in friedlichem Verkehre mit den Christen, andere aber,

besonders jene tief im Innern des Landes, fliehen vor jeder Berührung

mit den christlichen Küstenbewohnern (Cavada II, 37). Die Manguianen

von Romblon lieben ein herumschweifendes und müssiges Leben und

rauben den Christen Vieh (Cavada II, 127). Die Manguianen von Mindoro

bestatten noch jetzt, wie alle philippinischen Malaien in den Tagen

ihrer Unabhängigkeit, ihre Todten in Höhlen, am bekanntesten ist als

solche Grabstätte eine grosse Höhle an der Ostküste der Insel (Semper,

Erdk. XIII, 95).

Versuch einer Ethnographie der Philippinen · 第 49 / 80 题