15. Ilongoten (Ilongotes).

Die Ilongoten, auch Ilungut oder Ylungut genannt, wohnen in den

Provinzen Nueva Vizcaya, Isabela und Príncipe, streifen aber auch

nach Nueva Écija herüber. Die Cordillere zwischen Baler und Casiguran

ist ihr Hauptsitz. Nach einer durch die Liebenswürdigkeit des Herrn

Hofrathes Dr. A. B. Meyer mir zur Ansicht geliehenen Photographie

sind ihre Augen langgeschlitzt und schief gestellt. Oberlippe und

Kinn haben einen Bartanflug. Das Haar wird auch von den Männern lang

getragen; es wird in einen Zopf geflochten, der oft bis zu den Hüften

reicht. Ihre Kleidung besteht nur aus dem auch bei den Igorroten

üblichen Lendengewand. Den linken Unterarm zieren eng aneinander

(spiralförmig?) gefügte Ringe, offenbar aus Metalldraht. Semper

(Skizzen 138) charakterisirt sie mit folgenden Worten: "Sie gehören

mit zu den wildesten Stämmen des Landes, und sie stehen mit den

Christen sowohl, wie mit den nahe wohnenden Negritos in beständiger

Fehde". Sie sind leidenschaftliche Kopfjäger (Mas, pobl. 28; Semper,

Erdk. XIII, 251). Sie bekämpfen nicht nur die Negritos und fremden

Stämme, ein Dorf gegen das andere steht feindlich auf, um die kostbare

Schädelbeute zu erjagen. Auf eigenen Instrumenten werden die blutigen

Trophäen heimgetragen und an der Thüre des Siegers aufgehängt. Ähnlich

wie bei anderen Bergstämmen Luzons wird die Rückkehr einer siegreichen

Kopfjägerbande mit grossen Festlichkeiten und Tänzen gefeiert. Semper

(l. c.) nimmt die Ilongoten gegen den Vorwurf des Cannibalismus in

Schutz.--Ihre Religion besteht in einem Ahnencultus (Semper, Erdk. X,

265). Über ihre Zahl ist mir nichts Näheres bekannt, am 2. Mai 1851

zählte man in Nueva Vizcaya 252 erwachsene und 255 noch im Kindesalter

stehende friedliche Ilongoten. Die Ilongoten der Provinz Isabela

leben im Augenblicke im Frieden mit den Spaniern, doch trauen ihnen

diese nicht.

Versuch einer Ethnographie der Philippinen · 第 30 / 80 题