Die Ilongoten, auch Ilungut oder Ylungut genannt, wohnen in den
Provinzen Nueva Vizcaya, Isabela und Príncipe, streifen aber auch
nach Nueva Écija herüber. Die Cordillere zwischen Baler und Casiguran
ist ihr Hauptsitz. Nach einer durch die Liebenswürdigkeit des Herrn
Hofrathes Dr. A. B. Meyer mir zur Ansicht geliehenen Photographie
sind ihre Augen langgeschlitzt und schief gestellt. Oberlippe und
Kinn haben einen Bartanflug. Das Haar wird auch von den Männern lang
getragen; es wird in einen Zopf geflochten, der oft bis zu den Hüften
reicht. Ihre Kleidung besteht nur aus dem auch bei den Igorroten
üblichen Lendengewand. Den linken Unterarm zieren eng aneinander
(spiralförmig?) gefügte Ringe, offenbar aus Metalldraht. Semper
(Skizzen 138) charakterisirt sie mit folgenden Worten: "Sie gehören
mit zu den wildesten Stämmen des Landes, und sie stehen mit den
Christen sowohl, wie mit den nahe wohnenden Negritos in beständiger
Fehde". Sie sind leidenschaftliche Kopfjäger (Mas, pobl. 28; Semper,
Erdk. XIII, 251). Sie bekämpfen nicht nur die Negritos und fremden
Stämme, ein Dorf gegen das andere steht feindlich auf, um die kostbare
Schädelbeute zu erjagen. Auf eigenen Instrumenten werden die blutigen
Trophäen heimgetragen und an der Thüre des Siegers aufgehängt. Ähnlich
wie bei anderen Bergstämmen Luzons wird die Rückkehr einer siegreichen
Kopfjägerbande mit grossen Festlichkeiten und Tänzen gefeiert. Semper
(l. c.) nimmt die Ilongoten gegen den Vorwurf des Cannibalismus in
Schutz.--Ihre Religion besteht in einem Ahnencultus (Semper, Erdk. X,
265). Über ihre Zahl ist mir nichts Näheres bekannt, am 2. Mai 1851
zählte man in Nueva Vizcaya 252 erwachsene und 255 noch im Kindesalter
stehende friedliche Ilongoten. Die Ilongoten der Provinz Isabela
leben im Augenblicke im Frieden mit den Spaniern, doch trauen ihnen
diese nicht.