Die Zambalen oder Tinos bewohnen den mittleren und südlichen Theil
der Provinz Zambáles, doch sind sie als wilde Bergstämme in geringer
Zahl auch in den nördlichsten Theilen von Bataán anzutreffen. Erst zu
Ende des XVII. und im Anfange des XVIII. Jahrhunderts gelang es den
Spaniern mehr durch den Eifer der Missionäre als durch Waffengewalt
sie zu unterwerfen, obgleich noch heute ein nicht unbeträchtlicher
Theil dieses blutdürstigen Stammes in den Bergwildnissen entweder
volle Unabhängigkeit behauptet oder durch Zahlung einer geringen
Geldsumme sich die Freiheit sichert.
Die Zambalen zur Zeit der Conquista trugen das Haar bis auf eine
frei herabwallende Locke geschoren (Morga-Stanley 269), von ihrer
sonstigen Tracht wird Nichts erwähnt. Ihre Waffen waren Lanze, Schild,
Messer und Pfeile, welche sie gut zu brauchen wussten. Sie lebten in
Polygamie (Cañamaque, Filipinas 226). Grössere Hausthiere, nämlich
Büffel (?), Rinder und Pferde erhielten sie erst durch die Missionäre
(Cañamaque, Filipinas 134), Ackerbau scheint weniger als die Jagd
getrieben worden zu sein, was vielleicht auf eine starke Beimischung
von Negritoblut hinweist. Andererseits erwähnen Buzeta und Bravo,
dass sie ein dem tagalischen ähnliches Alphabet besessen hätten,
was für eine höhere Culturstufe spricht. Ihre Dörfer wurden nur von
10-30 Familien bewohnt und bildeten jedes einen Staat für sich, so
dass wir hier derselben staatlichen Zersplitterung begegnen, wie bei
den Tagalen. Die Häuptlinge waren bejahrte Leute, welche nur einen
geringen Einfluss auf ihre Untergebenen auszuüben vermochten. Die
einzelnen Dörfer waren in beständige Fehden miteinander verwickelt,
eine Folge ihrer eigenthümlichen Sitten. Starb nämlich Jemand, so
legten seine Hinterbliebenen Trauer, d. h. eine schwarze Kopfbinde
an, welche sie nicht eher ablegen durften, als bis sie Jemanden
getödtet hatten, was an eine ähnliche Sitte der Negritos lebhaft
erinnert. Dann wurde die Binde abgelegt und die Trauer mit einem
Saufgelage beendet. Ein Mord oder Todtschlag innerhalb eines und
desselben Tribus wurde entweder mit Gold oder Silber gesühnt oder
es wurde der Familie ein Sclave oder Negrito (Cañamaque, Fil. 128)
gegeben, um als Sühnopfer abgeschlachtet zu werden.
Die Zambalen waren wie noch jetzt die Dayaks wüthende Kopfjäger,
je mehr Köpfe erschlagener Feinde ein Zambal von einem Kriegszuge
heimbrachte, desto höher stand er im Ansehen der Seinen, wodurch
ihre angeborene Mordlust noch mehr gesteigert wurde (Cañamaque,
Filipinas 126). Sie stiegen deshalb von den Gebirgen in die Ebenen
der benachbarten christlichen Provinzen und lauerten Reisenden auf
oder suchten zur Nachtzeit sich an die Dörfer heranzuschleichen. Die
Schädel der Erschlagenen benutzten sie angeblich (Mozo 86) als
Trinkgefässe. Auf einer Art Trophäe, welche sie beständig mit sich
herumtrugen, machten sie die Zahl der erbeuteten Schädel ersichtlich
(Cañamaque, Fil. 127). Nach P. Juan Ferrando (Historia de los
P. P. Dominicos en las Islas Filipinas in Cañamaque, Filipinas 124)
pflegten die Zambalen in ihrer Gier nach Feindesschädeln jeden Menschen
zu tödten, der nicht gerade zu ihrem Stamme gehörte, und führten
dann um die Schädel "satanische" Tänze auf; Ähnliches berichtet Mozo
(l. c.), indem er erwähnt, dass sie die abgeschlagenen Köpfe zur
Verherrlichung ihrer Feste heimschleppen. Durch diese Kopfjägerei
unterscheiden sie sich auffallend von den Tagalen und Pampangos,
welche diese Sitte nicht kannten.
Die Religionen der alten Tagalen und Zambalen waren nicht, wie Buzeta
und Bravo berichten, identisch, aber doch sehr ähnlich. Sie kannten
einen obersten Gott ("Malyari"), zwei minder mächtige Hauptgottheiten
Acasi und Manglobag und eine Anzahl Diiminores. Der Priesterstand
spielte bei ihnen eine wichtigere Rolle als bei den übrigen Malaien
der Philippinen. Der Hohepriester oder Papst ("Bayoc") weihte den
einzelnen Gottheiten unter langen Ceremonien die Priester. Nach
Ferrando (Cañamaque, Fil. 129) spendete der Bayoc auch--wenn gleich
selten--eine Art Taufe mit Schweineblut, wie denn auch hier, wie
überall in diesem Archipel, das Schwein als das den Göttern angenehmste
Opferthier galt. Die heiligen Feste arteten in Orgien aus. Wie viele
von diesen Bräuchen sich noch heute bei den unabhängigen Zambalen
(den "Cimarrones" oder "Infieles" [12]) erhalten haben, ist mir
unbekannt. Sie leben in kleinen Dörfchen (Rancherías), deren Häuptlinge
(Reyes oder Reyezuelos) den Verkehr mit den spanischen Behörden
vermitteln. Sie leben von erlegtem Wilde, Honigwaben und Bataten
(Camote), deren Anbau ihnen erst durch die Spanier bekannt wurde. Reis
kaufen sie von ihren christlichen civilisirten Brüdern und bezahlen
ihn mit den von den Chinesen hochgeschätzten Bezoarsteinen und Tabak,
den sie heimlich bauen und in der Nachtzeit in die christlichen Dörfer
einschmuggeln [13]. Die meisten Horden stehen zu den Spaniern auf dem
Kriegsfuss, wohl hauptsächlich aus dem Grunde, weil die spanischen
Finanzwächter ihre Tabakpflanzungen vernichten, doch scheint ihre
Mordlust und Kopfjägerei längst erloschen zu sein, sie sind froh,
wenn man ihnen Ruhe giebt.
Die christlichen Zambalen weisen dieselbe Tracht auf wie die Tagalen,
deren Agricultur und Industrie auch die ihre ist, wenn auch letztere
noch in den Kinderschuhen liegt. Ein Rest alter heidnischer Sitte
zeigt sich bei den Leichenfeierlichkeiten. So lange die Leiche im
Sterbehause liegt, werden alle Eintretenden mit Speise und Trank
reichlich bewirthet, und ungenirt zeigt sich allenthalben unter den
Gästen frohe Lustbarkeit. Auch bei dem eigentlichen Begräbnisse
herrscht keine Trauer, nur das gemiethete Klageweib heult in
ohrzerreissenden Tönen hinter dem Sarge (Cañamaque, Recuerdos I, 21
u. f.). Ob der Ahnencultus bei den christlichen Zambalen sich ebenso
erhalten hat wie bei den Tagalen, ist mir unbekannt geblieben.
Es scheint nicht als ob die Zambalen sich als besonderer Dialektstamm
werden erhalten können, die zahlreichen Einwanderer von Ilócos drohen
vermöge ihrer activen Kraft diesen an und für sich schwachen Stamm
ganz in sich aufzusaugen, wie diess in Bataán durch die Tagalen
geschehen ist.