Der Junge sah ihn dreist an und sagte stramm: »Nein.«

Peter öffnete die Tür zum Schulzimmer und rief Paul heraus.

Er stellte dem großen Jungen den kleinen gegenüber und fragte diesen:

»Ist der hier gestern bei euch in den Wiesen gewesen?«

»Ja,« sagte Paul.

»Weißt du's ganz gewiß? Hast du ihn selbst gesehen?«

»Ja.«

»Dann gehe wieder in die Schulstube.«

Als Paul die Tür hinter sich geschlossen hatte, packte der Lehrer den

großen Jungen im Kragen, warf ihn über den Stuhl und schlug ihn, so

fest er konnte und solange seine Kraft vorhielt.

Dann riß er ihn wieder in die Höhe und fragte mit heiserer Stimme und

außer Atem: »Wer war der andere?«

Der Junge biß sich auf die Lippen und schwieg.

»Was, du willst auch noch trotzen?« schrie Peter in Wut. »Willst du's

mir sagen oder nicht?«

»Nee,« sagte der Junge.

Da packte Peter eine namenlose Wut. Er griff dem Jungen an die Kehle,

warf ihn auf den Boden und schlug mit dem Eichenstock auf ihn los,

gleichgültig, wohin er traf. Dabei kreischte er: »Du sagst es mir, und

wenn ich dich totschlagen soll.« Der Junge stieß und schlug und biß um

sich, aber gegenüber dem immer rasender werdenden Zorn des Erwachsenen

war er machtlos. Endlich gab er den Namen seines Kameraden preis.

Da ließ Peter von ihm ab, stürzte in die Schule, riß Swieberts Georg

aus der Bank. Wie der sich sträubte, packte er ihn ins lange Haar, und

als er ihn endlich vor den Bänken hatte, schlug er blindlings auf ihn

ein.

Endlich mußte er erschöpft innehalten. Da sah er, daß eben die letzten

Kinder sich entsetzt zur Tür hinausdrängten. Einige Knaben waren durch

das Fenster gegangen und hatten dabei eine Scheibe zertrümmert. Peter

ließ sein Opfer los und wankte keuchend an die Tür. »Hierbleiben!«

schrie er mit heiserer Stimme, aber kein Kind wandte sich um. Von einer

wilden Panik erfaßt, flüchtete die ganze Schar davon.

Peter ging in die Schulstube zurück. Er war allein. Swieberts Georg

hatte sich durch das Fenster davongemacht.

Er sank auf einer Schulbank zusammen und preßte die Hände gegen die

Schläfen, in denen das Blut hämmerte. So saß er und stierte eine Weile

gedankenlos vor sich hin. Dann fühlte er plötzlich ein Würgen in der

Brust und im Halse und wurde von einem schrecklichen Hustenanfall

gepackt. Es schüttelte ihn, daß ihm das heiße Blut im Gesicht glühte

und die Augen aus ihren Höhlen traten.

Als der furchtbare Anfall ein wenig nachließ, wankte er in seine Stube

und warf sich auf sein Bett.

Allmählich kehrte ihm die Besinnung wieder. Da griff er sich in die

Haare, und in ihm rief es: Was hast du gemacht? Was hast du gemacht? Er

fühlte eine tiefe Scham und wühlte den Kopf in die Kissen. So lag er

lange.

Ein neuer Hustenanfall riß ihn in die Höhe, noch schrecklicher als

vorhin. Er hatte das Gefühl, als könnte jeden Augenblick in seiner

Brust etwas zerreißen.

Als er sich endlich ermattet in das Bett zurückfallen ließ, kam es

ihm zum Bewußtsein, daß er schwer krank war. Seit jenem kalten Trunk

und seit jenem nächtlichen Rennen zum Arzt hatte er sich ganz gesund

nicht mehr gefühlt. Seit längerer Zeit hatte er einen quälenden Husten,

dessen Anfälle ihn sehr ermatteten. Er dachte an das bedenkliche

Gesicht des Amtsphysikus nach der Untersuchung seiner Lungen. Kein

Zweifel, es war dieselbe Krankheit, an der seine Mutter so jung

gestorben war, die nun auch in ihm ihr langsames Zerstörungswerk

verrichtete. Dieser Gedanke war ihm in dem letzten Jahre hier und da

wohl schon gekommen, aber er hatte ihn, ausgenommen die Stunden, in

denen er besonders innig an seine Tote dachte, immer wieder schnell

davongescheucht. Das tat er heute nicht, sondern mit einer Art

grausamer Wollust ging er ihm nach. Wenn der Husten ihn packte und

schüttelte, wartete er auf einen Blutsturz und war beinahe enttäuscht,

daß er ausblieb.

Es wurde Mittag. Er spürte keinen Hunger und hatte schon beschlossen,

auf die Mahlzeit zu verzichten. Aber da erwachte sein Trotz.

Das konnten sie ihm im Dorf als Schwäche, als Bekenntnis eines

Schuldgefühls auslegen. Er biß die Zähne aufeinander, das wollte er

nicht. So raffte er sich auf, wusch sich, brachte das Haar in Ordnung,

nahm seinen Stock zur Hand und ging erhobenen Hauptes, aufrecht, durch

das Dorf nach dem Hofe, der ihn heute zu speisen hatte.

Als er in das Haus trat, kam ein Dienstmädchen und wies ihn in eine

kleine Altenteilerstube, die er sonst noch nicht betreten hatte. Hier

trug sie ihm schnell und scheu das Essen auf. Sonst hatte er hier, wie

in allen Häusern, mit der Familie am Tisch die Mahlzeit eingenommen.

Er begann zu essen. Aber er brachte nur mit äußerster Anstrengung ein

wenig hinunter. Als er sich eine Zeitlang gequält hatte, nahm er ein

Stück Fleisch und einige Kartoffeln, wickelte sie in Papier und steckte

sie in die Tasche. Er wollte den Leuten nicht verraten, wie dieser

Morgen ihn mitgenommen hatte. Aus demselben Grunde setzte er die Füße

hart auf und schlug die Türen kräftig zu, als er das Haus verließ.

Auf dem Hofe sah er sich einmal um. Aus den Fenstern blickten ihm

feindselige Gesichter nach.

Auf der Dorfstraße sah er in der Ferne Clas Mattens daher kommen.

Er freute sich, diesen zu treffen und ihm gegenüber sein Verhalten

rechtfertigen zu können. Dieser konnte vielleicht dann auch die anderen

wieder zur Vernunft bringen. Aber kurz bevor sie einander begegnen

mußten, bog der Bauer auf ein Gehöft ab. Und als Peter vorbei war

und sich umblickte, sah er, daß jener das nur getan hatte, um eine

Begegnung zu vermeiden. Jetzt ging er schon seines Weges auf der

Dorfstraße weiter.

Den ganzen Nachmittag wurde er von widerstreitenden Gedanken hin- und

hergeworfen. Bald lobte er sich, daß er den Bubenstreich so gründlich

geahndet hatte. Bald wieder machte er sich schreckliche Vorwürfe,

weil er sich so vergessen hatte. Bald glaubte er, in einem heiligen,

gerechten Mannesstolz aufgelodert zu sein. Und dann wieder schämte er

sich tief vor sich selbst. Bald hob er den Kopf, als ob er Kraft in

sich fühlte, der ganzen Welt zu trotzen, um darauf wieder den Tod

herbeizuwünschen, der ihn aus dem Kampf entrücken sollte. Ein wie

trotziges, und denn doch wieder bis zum Äußersten verzagtes Ding das

Menschenherz ist, das erfuhr er in diesen Stunden gründlich.

Am Abend kam der Knecht des Gemeindevorstehers und brachte ihm einen

Brief. Dieser enthielt die kurze Aufforderung des Superintendenten, am

nächsten Morgen um acht Uhr vor ihm zu erscheinen.

Peter schlief die Nacht über leidlich, fühlte sich am andern Morgen

erquickt und war geneigt, seine Sache als eine Kleinigkeit anzusehen.

Auch die Wanderung durch die frische Morgenluft tat ihm wohl, und als

er bei der Wohnung seines Vorgesetzten anlangte, fand er beinahe Freude

daran, sich vor diesem zu verantworten.

Als er in seine Studierstube trat und ihm wie gewöhnlich die Hand zur

Begrüßung reichen wollte, wurde er durch eine Handbewegung und durch

ein kurzes »Setzen Sie sich« auf einen Stuhl verwiesen.

»Ich habe Sie in einer sehr unangenehmen Sache herzitieren müssen,«

begann der Superintendent, nachdem er seine Pfeife in die Ecke gestellt

hatte. »Es waren einige Hausväter Ihres Dorfes bei mir, um im Namen der

ganzen Schulgemeinde Beschwerde über Sie zu führen. Sie wissen wohl

warum.«

»Jawohl,« sagte Peter klar und bestimmt, »weil ich ihren sauberen

Jungens die Prügel gegeben habe, die sie doppelt und dreifach verdient

hatten. Haben meine Verkläger das auch gesagt?«

»Ich habe natürlich den Ursachen der Züchtigung nachgeforscht, und da

sind sie damit herausgekommen. Die Männer geben selbst zu, daß es eine

Dummheit von den Kindern war.«

»Eine Dummheit? ~Ich~ meine, eine Bosheit.«

»Nun ja, ich gebe Ihnen gerne zu, es war kein schönes Stück, und eine

mäßige Züchtigung war da wohl am Platze. Immerhin muß man bedenken, es

handelt sich um Kinder. Bei ruhigem Blute besehen, war's schließlich

doch wohl nur ein unschuldiger Kinderstreich.«

»Herr Superintendent, ich muß Ihnen in aller Ehrerbietung

widersprechen. Ich kenne meine Missetäter ganz genau. Von ›kindlicher

Unschuld‹ kann bei denen wohl nicht gut die Rede sein. Ich bin auf

dem Lande, nur vier Stunden von hier, groß geworden. Und wenn ich

auch von jeher meine eigenen Wege gegangen bin, so weiß ich doch

sehr gut, was bei unseren vierzehnjährigen Jungens von dem, was Sie

›kindliche Unschuld‹ nennen, zu halten ist. Aber ich würde nicht viel

daraus gemacht haben, wenn nicht durch diesen Streich gerade ein Kind

betroffen wäre, das in meiner Schule und im Dorfe schon seit langem

einen schweren Stand hat, weil es begabter, zarter, empfindlicher ist,

als die ganze andere Gesellschaft. Andere Mädchen meiner Schule hätten

in solchem Falle vielleicht halbverschämt gekichert. Aber Lina Döhler

ist darüber krank geworden. Darum, was anderen gegenüber vielleicht

nur ein dummer Jungensstreich gewesen wäre, das war bei diesem Kinde

einfach eine Gemeinheit.«

»Es will mir scheinen, mein Lieber, daß die Bauern auch in dem anderen

Beschwerdepunkt nicht ganz unrecht haben, daß Sie parteiisch wären

und nicht alle Kinder mit dem gleichen Maß mäßen. Was bewegt Sie, die

Tochter des Schusters vorzuziehen?«

»Vorziehen? Ich bin mir nicht bewußt, sie vorgezogen zu haben. Ich

versuche nur, jedes Kind nach seiner Eigenart zu behandeln. Das muß

ich freilich sagen, ich bin froh und dankbar, daß ich diese Schülerin

in meiner Schule habe. Ein solches Kind ist für den Lehrer nicht

nur eine Freude, sondern geradezu ein Segen. Es zwingt ihn, sich

zusammenzureißen und sein Bestes zu geben. Es bewahrt ihn davor, ein

seichter Schwätzer zu werden ...«

»Also Ihr Pflichtgefühl ist nicht stark genug, um Sie davor zu

bewahren? Dazu brauchen Sie eine kleine niedliche Larve mit

dunkelbraunen Augen?«

»... Herr Superintendent!«

»Wir schweifen zu weit ab. Ich habe Ihnen einige Fragen vorzulegen, die

Sie mir kurz beantworten wollen. Warum schenken Sie diesem Kinde das

Lernen des Katechismus?«

Peter sah seinen Vorgesetzten betroffen an und schwieg.

»Als ich im letzten Herbst Ihre Schule revidierte, ertappte ich dieses

Mädchen darauf, daß sie zwei wichtige Fragen des Katechismus nicht

konnte. Ich gab Ihnen auf, das Kind nachsitzen zu lassen. Man sagt mir,

Sie wären dieser dienstlichen Weisung nicht nachgekommen. Wie steht's

damit?«

»Die Leute haben Ihnen recht berichtet.«

»Haben Sie denn im Hause das Kind das Versäumte nachholen lassen?«

»Nein,« sagte Peter kurz.

»Warum nicht?« fragte der Superintendent scharf.

Peter schwieg.

»Na, dann will ich's Ihnen sagen. Außer einem anderen Grunde, der

heimlich mitgespielt haben mag: weil Sie den Schuster mehr fürchten als

mich, Ihren Vorgesetzten.«

»Nein, Herr Superintendent,« sagte Peter, indem er sich aufrichtete,

»sondern, weil ein Mädchen wie Lina Döhler es nicht nötig hat, die

Pflichten gegen sich selbst aus dem Katechismusgeschwätz auswendig zu

lernen.«

Der Superintendent schlug mit der Hand auf den Tisch und rief:

»Unerhört! Sie aufgeblasener Schulmeister Sie, der seine ganze Weisheit

in einem Winter auf dem Seminar aufgesammelt hat, Sie wagen, unseren

altehrwürdigen, bewährten Katechismus zu beschimpfen? Unerhört! Ja,

wenn Sie ihn selbst nur besser kennten und beherzigten! Gerade in den

Sätzen, um die es sich bei Ihrer geliebten Schülerin damals handelte,

war, soweit ich mich erinnere, die Rede von ›Mäßigung aufwallender,

heftiger Gemütsbewegungen‹. Hätten Sie sich diese Worte hinter die

Ohren geschrieben, statt in ihrem schulmeisterlichen Dünkel darüber zu

Gericht zu sitzen, dann hätten Sie sich nicht soweit vergessen können,

in blinder Wut mit einem Eichenknüppel um sich zu schlagen und zu

schreien: Ich schlage dich tot. Sie können Gott danken, daß es nicht

wirklich zu einem Totschlag gekommen ist. ~Ihr~ Verdienst war das

jedenfalls nicht! Schämen Sie sich! Sie haben alle Ursache, die großen

Worte, die Sie hier geführt haben, zu lassen und sich einmal gründlich

zu demütigen. Na, nun husten Sie man nicht auf einmal so!«

Peter hatte während der letzten Sätze seines Vorgesetzten einen

Hustenanfall bekommen, der fast eine halbe Minute anhielt. Als er

wieder Ruhe hatte, sagte er gequält: »Herr Superintendent, verzeihen

Sie, ich bin schwer krank. Ich glaube, meine Krankheit ist auch mit

schuld daran, daß ich mich so vergessen habe.«

»Ach was! ~Sie~ krank? Sie haben sich in Solten tüchtig

herausgemacht und sehen geradezu blühend aus. Solche faulen

Entschuldigungen kann ich nicht gelten lassen. Wegen Ihrer Jugend und

Unerfahrenheit will ich jedoch von weiteren Schritten absehen, erteile

Ihnen aber wegen gröblicher Ueberschreitung des Züchtigungsrechtes

und wegen Ungehorsams gegen einen Befehl Ihres Vorgesetzten hiermit

eine scharfe Rüge. Außerdem lege ich Ihnen auf, mir binnen drei Tagen

zu berichten: erstens, daß Sie die Väter der von Ihnen mißhandelten

Kinder um Verzeihung gebeten haben, und zweitens, daß die Tochter

des Schusters die Katechismusstücke, um die es sich bei der Revision

handelte, inzwischen gelernt hat. Innerhalb sechs Wochen haben Sie

weiter zu berichten, daß sie alles nachgeholt hat, was sie dank Ihrem

freundlichen Entgegenkommen bisher hat versäumen dürfen. Endlich möchte

ich Sie noch ersuchen, im dienstlichen Verkehr mit mir sich eines

angemesseneren Tones zu befleißigen. Sie hätten heute öfter als einmal

verdient, an die Luft gesetzt zu werden. Sie können jetzt gehen.«

Der Rückweg nach Solten wurde Peter sauer. Er mußte sich mehrere Male

an einen Baum lehnen.

Zum Mittagessen ging er nicht in das Dorf. Der Reihetisch hätte ihn

heute zu Westermann geführt, und dem wollte er lieber doch nicht unter

die Augen treten. Er blieb auf seinem Zimmer und aß ein wenig von dem

Brot, das die Häuslingsfrau, die ihm die Morgenmilch besorgte und sein

Zimmer aufräumte, für ihn mitzubacken pflegte.

Und dann kamen wieder die unendlich langen Nachmittagsstunden. Eine

Arbeit, die ihm über sie hinweggeholfen hätte, vorzunehmen, war er

nicht imstande. Er lag auf seinem Bett und mußte grübeln und grübeln.

Grübeln über das Geschehene, wie gestern. Und grübeln, was nun werden

sollte. Und dabei wurde er auch von den widerstreitendsten Gedanken

hin und her geworfen. Bald war er entschlossen, dem Vorgesetzten zu

trotzen, was auch daraus werden mochte. Dann wieder erwog er dessen

Forderungen, und überlegte, wie er sie erfüllen könnte. Zu einem festen

und dauernden Entschluß kam er nicht.

Als er lange so einsam sich gequält hatte, kam ihm der Gedanke: Wenn

du doch nur ~einen~ Menschen hättest, mit dem du dich beraten

könntest. Aber mit wem?

Mit Clas Mattens? Ja, es war gut mit ihm zu reden und zu beraten,

solange man im Dorfe lieb' Kind war. Es war interessant und lehrreich,

ihm zuzuhören, wenn er in seiner sachlichen und humorvollen Weise

von den Dingen des bäuerlichen Lebens sprach. Aber für das, worum es

sich jetzt handelte, fehlte ihm jedes Verständnis. Da war er einfach

der Bauer, der mit den Bauern durch dick und dünn ging. Und diese

alle hielten fest zusammen. Peter fühlte, daß er die Dorfgemeinde

geschlossen gegen sich hatte. Und er empfand auch, dieser Gemeingeist

war so stark, daß er selbst von den wohlwollendsten Männern unter

diesen Umständen keine gerecht abwägende Beurteilung seiner Sache

erwarten dürfte.

Da dachte er an den Schuster. Wie seine Kinder in der Schule, so

nahm er selbst in der Dorfgemeinde eine Ausnahmestellung ein. Ob

er sich einmal mit ihm beraten sollte? Der Mann hatte ja auch die

Menschen gegen sich gehabt und Kämpfe durchgemacht. Und um seinet-

und seiner Familie willen war er, Peter, ja auch in diese böse Lage

hineingekommen. Ohne Lina und Paul hätte er alle seine Lebtage in

Solten so friedlich Schule halten können, wie der alte Wencke in

Wehlingen. Sollte er versuchen, sich bei ihm Rat zu suchen? Nein, der

Mann war doch zu wunderlich. Der redete dann wieder seine Sprache

Kanaans und wollte alle Schwierigkeiten mit schönen Bibelsprüchen lösen.

Aber je länger Peter grübelte und sich quälte, desto größer wurde

sein Verlangen, einen Menschen, ein Menschenantlitz zu sehen und ein

Menschenwort zu hören. Und endlich schrieb er ein paar Zeilen an

den Schuster, in denen er ihn dringend bat, ihn noch heute abend zu

besuchen. Diese übergab er dem Kinde seiner Aufwärterin, nebst einem

Paar Stiefel, die besohlt werden mußten.

Der Weg bis zur Wohnung des Mannes nahm zehn Minuten in Anspruch. So

glaubte er, ihn in einer halben Stunde erwarten zu können ...

Eine ganze Stunde war schon vergangen, und noch immer wartete er

vergebens. Da nahm er, um die Zeit hinzubringen, seine Geige, stimmte

sie sehr sorgfältig und begann zu spielen. Aber die gute Freundin war

diesen Abend kalt und teilnahmlos. Sie machte wohl ihre Töne, aber es

war keine Seele darin.

Fast hart warf er das Instrument auf den Tisch. Nach einem Menschen

sehnte er sich, nach einem Menschenauge und Menschenwort.

Endlich -- es war inzwischen völlig dunkel geworden -- wurden draußen

Fußtritte laut, und nach umständlichem Fußreinigen vor der Haustür trat

der Erwartete ein. »'Abend, Herr Lehrer haben mich herbestellt,« sagte

er förmlich und steif. »Was wünschen der Herr Lehrer von mir?«

»Ach bitte, nehmen Sie doch Platz,« sagte Peter, »und lassen Sie mich

erst Licht anzünden.«

Als die Lampe brannte, fing er an, unruhig und gesenkten Hauptes in der

Stube hin und her zu gehen.

»Der Herr Lehrer sieht sehr angegriffen aus,« sagte der Besucher.

»Kein Wunder, ich habe auch schreckliche Stunden hinter mir, die ich

meinem schlimmsten Feinde nicht gönnen möchte,« sagte Peter, vor dem

Manne stehenbleibend.

»Ja,« sagte der Schuster und nickte still vor sich hin, »des Menschen

Zorn tut nicht, was vor Gott recht ist.«

Der erste Bibelspruch! dachte Peter.

Er fuhr fort, die Stube zu durchmessen. Plötzlich blieb er wieder vor

seinem Gaste stehen: »Was soll ich machen? Raten Sie mir!«

»Sie müssen sich demütigen,« sagte der andere einfach.

»Ach, gedemütigt bin ich heute genug. Ich war beim Superintendenten.«

»Das nützt nichts. Sie müssen sich selbst demütigen ... vor Gott und

Menschen ...«

»Vor Gott?«

»Ja, das ist die Hauptsache.«

»Ja, mein Lieber, Sie reden immer so viel und schön von Gott, als ob

Sie mit in seinem Rate säßen. Nun hören Sie mal zu, aber erschrecken

Sie nicht zu sehr. Wir wollen mal ganz ehrlich sein. Was hilft es, sich

und anderen Menschen was vorzumachen? An Ihren ›lieben Gott‹ glaube

ich gar nicht. Ich habe auch wohl mal geglaubt, aber eine schreckliche

Nacht meines Lebens hat mir meinen Glauben hingemordet.«

»Soo? ... Das ist vielleicht gut.«

»Das ist gut?«

»Ja.«

»Warum?«

»Was Sie da verloren haben, war der wirkliche Gott gar nicht. Das war

nur ein Götze, den Sie sich selbst in ihrem kindlichen Unverstand

zurechtgemacht hatten, und meinten dann, dieser arme Götze könnte und

müßte Ihnen nun alle irdischen und sündlichen Wünsche erfüllen. Und

als er das nicht tat, warfen Sie ihn über Bord ... Wer den lebendigen

Gott einmal gefunden hat, der kann ihn nicht wieder verlieren.«

»Wer ist denn dieser lebendige Gott?«

»Der Vater unseres Herrn Jesu Christi.«

»Das habe ich tausendmal gehört, und bin damit nichts klüger als

vorher.«

»Lieber Herr Lehrer, ich weiß von meiner Lina, daß Sie unseren Herrn

nicht verachten, daß Sie ihn auch liebhaben. Nun, der hat gesagt:

Philippe, wer mich siehet, der siehet den Vater.«

»Aber wie macht man's denn, daß man in ihm den Vater sieht?«

»Das muß Gott uns blinden Menschen offenbaren. Niemand kennet den

Vater denn nur der Sohn, und wem es der Sohn will offenbaren. Und

niemand kennet den Sohn denn nur der Vater, und wem es der Vater will

offenbaren.«

»Ja, so jagt ihr uns ewig im Kreise herum, ihr klugen Schriftgelehrten

...«

»Wissen Sie was, Herr Lehrer? Ich freue mich herzlich, daß Sie in diese

Not hineingekommen sind.«

»Darüber freuen Sie sich?«

»Sie sagten vorhin, Sie hätten in einer schrecklichen Nacht Gott

verloren. Und ich sage Ihnen, in einer noch schrecklicheren Nacht der

Seele werden Sie den lebendigen Gott wiederfinden. Wenn der Wellen

Macht in der trüben Nacht will des Herzens Schifflein decken, da wird

er seine Hand nach Ihnen ausstrecken.«

»Verstehen Sie sich auch aufs Prophezeien?«

»Nein, aber ich weiß, Sie werden die Last, die Sie sich selbst

aufgeladen haben, nicht eher los werden, als bis Sie sie auf Gott

geworfen haben.«

»Soo? Das meinen Sie ...«

»Sie gehören überhaupt zu den Menschen, die nicht ohne Gott sein

können. Sie haben auch schon in Ihren Kinderjahren Stunden gehabt, wo

Sie ihm nicht ferne waren.«

»Woher wissen Sie das?«

»Das weiß ich nicht. Das fühle ich. Was ich aber wirklich fühle, das

ist mir viel gewisser, als was ich mit dem Kopfe weiß. Sehen Sie, Herr

Lehrer, bei welchen Menschen muß ich an das Wort des Apostels Paulus

denken: Der Glaube ist nicht jedermanns Ding. Und bei welchen an das

Wort des Kirchenvaters Augustin: Du hast uns zu dir geschaffen, und

unser Herz ist unruhig, bis es ruhet in dir. Das unruhige Herz haben

Sie schon. Schon lange haben Sie das Herz, das da dürstet nach dem

lebendigen Gott wie ein dürres Land. Und seine Ruhe wird es noch finden

...«

»Ja, wenn sie's mit Erde zudecken ...«

»Nein ... schon früher ... vielleicht schon gar bald ...«

»... Na ja ... aber ich habe Sie nicht hergebeten, um mit ihnen über

theologische Spitzfindigkeiten zu streiten und mir Ihre Ahnungen

erzählen zu lassen. Ich wollte Sie in meiner schwierigen Lage um Rat

fragen.«

»Darüber sprechen wir ja auch nur.«

»Na ja, aber nun etwas anderes! Ich war heute vor den Superintendenten

geladen. Dieser, Ihr besonderer Freund, verlangt von mir, daß ich

hingehen und die Eltern der bösen Buben um Verzeihung bitten soll.«

»Da hat der Herr recht. Ich sagte ja auch vorhin schon, Sie müßten sich

demütigen, auch vor den Menschen.«

»Aber wo bleibt da meine Achtung im Dorf? Wie kann ich mich dann noch

als Schulmeister sehen lassen?«

»Wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöhet werden.«

»Ach ja, Ihre Bibelsprüche kenne ich auch.«

»Aber Sie verstehen Sie noch nicht recht ... Ihre Stellung als Lehrer

haben Sie durch Ihre Raserei selbst zunichte gemacht. Die können Sie

nur wieder gewinnen, wenn Sie es ehrlich aussprechen, daß Ihnen das,

was geschehen ist, ehrlich leid tut.«

»Das ist aber nicht so leicht ...«

»Nein, für den alten Adam nicht.«

»... Und was der Superintendent dann noch verlangt, geht Sie besonders

an. Ich soll Ihre Lina zwingen, den Katechismus zu lernen.«

»Das dulde ich nicht, daß dieses Buch in mein Haus kommt.«

»Wenn ich nun aber Ihre Tochter tagtäglich nachsitzen lasse und auf

diese Weise zwinge?«

»Das ist Ihre Sache, die Sie mit Ihrem Gewissen abmachen müssen. Ich

könnte es ja nicht hindern. Ich und mein Haus, wir wollen dem Herrn

dienen. Aber ich sage meinen Kindern auch immer, daß sie in der Welt

vieles sehen, hören und lernen müssen, was dem Herrn nicht zur Ehre

ist. Das müßten Sie sehen, als sähen sie es nicht, hören, als hörten

sie es nicht. Was in den Kopf hineingeht, das verunreinigt den Menschen

nicht. Wenn's nur nicht ins Herz eingeht! Und davor bin ich bei meiner

Lina nicht bange.«

»Warum sprechen Sie eigentlich immer in biblischen Ausdrücken?«

»Soo? Tue ich das? Dann muß das wohl davon kommen, daß ich viel in der

Bibel lese.«

»Deshalb halten viele Menschen Sie für einen Heuchler.«

»Das mögen Sie tun. Der Mensch sieht, was vor Augen ist, aber Gott

siehet das Herz an ...«

»Ach, was sitzt so ein armer Schulmeister dazwischen ...!«

»Nicht bloß die Schulmeister, wir alle sitzen arg dazwischen in dieser

bösen Welt ...«

Sie schwiegen. Draußen schlug der Hofhund an und riß wütend an der

Kette.

Der Schuster horchte auf. »Ist da jemand vor dem Fenster?« fragte er

leise.

»Och, wer sollte da sein ...« sagte Peter gleichgültig. Aber in

demselben Augenblick zuckten sie beide zusammen. Mit scharfem Geklirr

und Gekrach war ein faustdicker Stein durch das Fenster dicht an Peters

Kopf vorbeigeflogen, und an der Wand, ein Stück Kalkbewurf mit sich

reißend, zur Erde gefallen. Draußen entfernten sich eilige Schritte.

Peter ging hin, nahm den Stein auf und sagte bitter, ihn in der Hand

wägend: »Wenn dieser eine halbe Elle mehr nach rechts geflogen wäre,

dann wäre alle Not auf einmal zu Ende.«

»Herr Lehrer!« rief der Schuster erschrocken, »so dürfen Sie nicht

reden.«

»So hassen sie mich,« sagte Peter und drückte den Stein verzweifelnd

vor die Stirn.

»Das hat ein böser Bube getan,« sagte der andere, »deshalb dürfen Sie

nicht an den Menschen verzweifeln!«

»So und so ähnlich habe ich die Menschen immer gekannt ...«

»Herr Lehrer, ich weiß wohl, wie tief das sündliche Verderben ist, das

seit Adams Fall in der menschlichen Natur steckt. Aber wirklich, so

schlecht sind die Menschen nicht.«

»Die gegen mich anders waren, kann ich an den Fingern abzählen, und

behalte noch einige Finger übrig ...«

»Herr Lehrer, Sie lästern Gott, wenn Sie so sprechen.«

»Kann ich dafür, wenn er die Menschen nicht besser geschaffen hat? Wenn

er seiner Schöpfung keine bessere Krone hat aufsetzen können?«

»Herr Lehrer, Sie wissen nicht, was Sie reden.«

»Bitte, gehen Sie!«

»Es wird mir schwer, Sie in diesem Zustande allein zu lassen ...«

»Aber ich will und kann von der ganzen Bande, die sich Krone

der Schöpfung nennt, keinen mehr vor Augen sehen. Hören Sie,

~keinen~!«

»... Dann muß ich ja gehen ... Aber ich werde diese Nacht daheim für

Sie beten.«

»Tun Sie, was Sie nicht lassen können. Was Sie in Ihrem Hause machen,

geht mich nichts an.«

»Gott ... befohlen,« sagte der Schuster bewegt und streckte Peter die

Hand hin. Dieser zögerte erst, dann berührte er sie flüchtig mit seiner

Linken.

Der Mann sah ihm in die irren, glühenden Augen und bat sanft: »Lieber

Herr Lehrer, bitte, gehen Sie gleich ins Bett. Nicht wahr, das

versprechen Sie mir?«

»Wenn Sie nur erst hinaus sind!« sagte Peter, erregt mit dem Fuße

aufstampfend.

Da ging der Mann. Draußen hallten seine Schritte, und der Hund schlug

an. Dann verhallten die Schritte und der Hund kroch wieder in seine

Hütte, die hohl schnurrende Kette nachschleifend.

Nun atmete Peter auf und ließ sich schwer auf seinen Stuhl fallen. Da

horchte er auf. Was war das wieder für ein Geräusch? ... Jetzt war's

still. Plötzlich fiel ihm ein, das ganze Dorf ringsum steckte voll von

Menschen, Menschen. Hinweg! Da draußen, in der Heide, da sind keine

Menschen. Er nahm hastig Mütze und Stock und taumelte hinaus.

Aah, wie das wohltut, so ein kühler Nachtwind, nach der dumpfen

Stubenluft ... Wenn mir nur keiner begegnet. Ach nein, die schlafen

alle. Die Art hat es gut. Des Tags über arbeiten sie sich müde, und des

Abends kriechen sie in ihre Butzen, zu zweien oder zu mehreren. Jeder

hat welche, die zu ihm gehören. Und das ganze Dorf gehört zusammen.

Da versteht einer den anderen, und jeder findet am anderen Rückhalt.

»Wi sünd alltohopen gode Lüe,« sagt Clas Mattens. Ha! ... Da brennt

ein Licht! ... Ach ja, da wohnt der Schuster. Der gute Narr ... er

will diese Nacht für mich beten. Wie damals: Herr, bringe auch unseren

lieben Schulmeister aus der Finsternis zum Licht, ha! ... Wie das

gleich anstrengt, wenn der Weg ein wenig bergan steigt. Das Herz rast,

wohl hundertzwanzig Schläge in der Minute ... Ach, der schreckliche

Husten ... So, nun geht es wieder ... Hier hören die Äcker auf, die

Heide fängt an. Wie das duftet ... Ach ja, es ist August, die Heide

blüht ... Und da oben glühen die Sterne ... Mutter, was waren das für

glückliche Zeiten, als du da oben noch an den goldenen Himmelsfenstern

saßest! Mutter, wo bist du? Kannst du deinem verlorenen Kinde nicht

nahe sein in diesen schrecklichen Stunden? Hier geht es, in dunkler

Nacht, durch die öde Heide, den Tod in der Brust, von den Menschen

gehaßt, und muß sich selbst verachten. Und du hast so kalte, tote Augen

... Zum goldenen Tore? ... Ha! ... Einst leuchtete es vor uns, und das

Herz war all seines Suchens und Sehnens so froh, nun ist's verschlungen

in Nacht und Grauen ... Das war alles, alles Lüge ... Das Grab ist tief

und stille, und schauerlich sein Rand, es deckt mit dunkler Hülle ein

unbekanntes Land ... Vielleicht auch einen Ort der Qual, voll Heulen

und Zähneklappen ...? Ach einen Ort mit mehr Qual als diese »schöne

Erde« kann's ja gar nicht geben. Hier stoßen sie einen mit Füßen,

werfen einen mit Steinen ... machen fromme Redensarten, und es steckt

nichts dahinter ... Aber nein, mach' dir selbst nichts vor! Du selbst

bist Störer deiner Ruh, du zogst dir selbst dein Leiden zu ... Ja, so

ist's ... Und das ist das Schlimmste ... Das Allerschlimmste ... Das

bringt einen so herunter ... Das jagt einen in die Nacht hinaus ...

So weit schon? Da ist ja die Mergelgrube ... Wie die Füße schwer sind

... ein wenig liegen und ruhen. Ah, wie das wohltut ... Da unten,

zwischen den hohen, steilen Wänden, blinkt das tiefe Wasser ... War es

nicht hier? ... Ja, hier haben sie vor Jahren ein armes Menschenkind

herausgezogen, dem des Lebens Bürde zu schwer geworden ... hinterm

Zaun liegt's begraben in Brundorf ... Wenn sie morgen wieder einen

herausziehen ... niemand würde eine Träne weinen ... niemand ...

»Der elende Selbstmörder« würden sie sagen und ein Grab hinterm Zaun

graben, wo der Weg drüber hingeht ... Aber was schadet das ... es sind

ja Menschen ... wen sie im Leben von sich gestoßen haben, der braucht

ja auch nicht im Tode bei ihnen zu liegen. Warum langsam und qualvoll

hinsiechen ... wem geschieht damit ein Gefallen ... Vier Schritte

weiter gekrochen, ein Sturz, ein kurzer Kampf, und alles ist vorbei

............. Ja es ist das Beste ... »Ich eile von der schönen Erde

hinab in dieses dunkle Haus.« Noch einen Blick zurück ... Was ist das

für ein heller Stern dort über der Höhe? Ach so, es ist das Licht im

Hause des Frommen ... »Ich werde diese Nacht für Sie beten ...« Da

unten ist Ruhe ... So, jetzt nur noch ein wenig Übergewicht und ... Was

hat der Mann für einen anderen zu beten ... Zu wem betet er denn? ...

Gott! ... bist du? So gib mir Antwort! ... Der Nachtvogel schreit --

denn er ist. Das Gras säuselt -- denn es ist, Aber du? -- -- -- -- --

-- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- Wie kommt

es denn aber, daß, solange Menschen atmen, Menschen an ihn glauben?

Wie kommt es, daß der da auf dem Berge an ihn glaubt? ... Er sagt,

Jesus Christus ist der Weg zu Gott. Aber da sind wir gleich wieder

mitten in der Ungewißheit. Die einen sagen, der ist ein irrender,

schwacher Mensch gewesen und am Kreuze an seinem Gott verzweifelt.

Und die anderen sagen, er ist der Sohn Gottes, lebet und regieret in

Ewigkeit ... Ja, als wir in den Büchern deiner Jünger von dir lasen,

da hob deine Gestalt sich groß und herrlich vor uns. Da wurde uns, als

könntest du uns das wahre Leben schenken, wonach wir uns sehnten, und

uns helfen, die Welt zu überwinden, mit ihrer Lust und ihrem Leid ...

Und Karfreitags haben wir unter deinem Kreuze gestanden ... und haben

gesungen: All Sünd hast du getragen, sonst müßten wir verzagen, erbarm

dich unser, o Jesu. Ja, das war einmal -- -- -- -- Das war einmal -- --

-- -- -- -- -- -- -- Oder? -- -- -- -- -- Oder? -- -- -- -- -- -- -- --

* * * * *

* * * * *

* * * * *

Es wurde ihm, als ob die tiefsten Tiefen seines Wesens, Seelentiefen,

die er bis auf diese Stunde in sich nicht einmal geahnt hatte,

wunderbar durchwärmt würden. Und diese Wärme entband Kräfte,

ungekannte, ungeahnte Seelenkräfte des Lebens ... eines Lebens, das

fühlte er bei seinen ersten heimlichen Regungen, nach dem er sich lange

gesehnt hatte.

Er sprang plötzlich auf seine Füße. Nein, nein, nein, nein! Da unten in

dem dunklen Wasser war sein Ziel nicht. Er mußte weiter wandern. Dem

goldenen Tore zu ... Durch die grauenvolle Nacht fing es nun wieder an

vor seiner Seele zu schimmern.

Und die schon am Ziel waren, seine Toten, die ihm Wegweiser und

Wandergenossen geworden, jetzt sahen sie ihn wieder mit lebenden,

liebenden Augen an. Es war, als hätten auch sie aus einer

geheimnisvollen Quelle des Lebens und der Liebe Leben und Liebe

getrunken ...

Und die Menschen ... Er konnte jetzt nicht an die denken, die ihm Böses

getan auf seinem Wege. Er mußte derer gedenken, die ihm Liebe erwiesen,

und fand ihrer eine ganze Reihe, mehr als er früher je gedacht hätte,

von seinen Kindestagen an bis auf die letzten Stunden ... Er war am

Hause des Schusters angelangt, in dem das Licht jetzt auch gelöscht

war. Da blieb er einen Augenblick nachdenklich stehen, und als er

seinen Weg fortsetzte, nickte er still vor sich hin.

Er ging jetzt die Dorfstraße entlang und dachte an die Schwierigkeiten

und Wirrnisse, in die er hineingeraten war. Wo waren sie geblieben?

Was war einfacher, als morgen in dieses und in jenes Haus zu gehen

und zu sagen, daß das Geschehene ihm herzlich leid täte? Und was das

andere betraf? Was war leichter, als dem Superintendenten kurz und klar

hinzuschreiben, für die Behandlung seiner Schülerin in Sachen des

Katechismus nehme er, der Lehrer, die volle Verantwortung auf sich, und

er halte es für eine Ungerechtigkeit, jene für etwas büßen zu lassen,

was er selbst gefehlt habe, wenn es eine Verfehlung sei.

Zu Hause angekommen, zündete er ein Licht an. In der schwachen

Helligkeit, die dieses um sich verbreitete, sah er die Bilder des

Harfenspielers und Mignons. Da nahm er das Licht und hielt es nahe

heran und las die Verse und nickte dazu, langsam und nachdenklich und

froh. Wie einer, der über einem Rätsel, das ihn nicht losließ, lange

gesonnen hat und nun sich endlich auf dem Wege sieht, es zu lösen ...

Dann ging er zu Bett. Was er in den letzten Stunden Schreckliches

erlebt hatte, lag wie ein halbvergessener grausiger Traum hinter ihm.

Und vor ihm leuchtete, lockender und heller und näher denn je: das

goldene Tor ...

* * * * *

Von einem Geräusch an der Haustür erwachte er. Einige Kinder standen

vor der Schule und begehrten Einlaß. Mit Schrecken sah Peter, daß es

gleich sieben Uhr war, und kleidete sich eiligst an.

Als er vor die Tür trat, sah er, daß kaum die Hälfte der Schulkinder

versammelt war. Da sagte er ihnen, sie möchten vorläufig nach Hause

gehen, um neun Uhr wiederkommen und die noch fehlenden Kinder auch

mitbringen. Als die Schulkinder sich zerstreut hatten, ging Peter ins

Dorf und geradeswegs nach Westermanns Hofe. Er traf den Bauern auf der

Diele vor den Kühen. Dieser starrte ihn verwundert an. Aber Peter ging

schnell auf ihn zu und sagte, es täte ihm aufrichtig leid, daß er sich

so vergessen hätte, und er bäte ihn um Verzeihung.

Wenn ein Bauersmann etwas Unangenehmes auf dem Herzen hat, was

herunter soll, macht er meist erst viele allgemeine Redensarten und

kommt dann ganz zuletzt und wie beiläufig mit der Hauptsache heraus.

Ähnliches mochte Westermann auch vom Schulmeister erwartet haben, und

inzwischen hätte er sich wohl eine Antwort überlegt, die dem Groll,

den er gegen den Schulmeister hegte, entsprochen hätte. Aber diese

Art Peters, so mit der Tür ins Haus zu fallen, verwirrte ihn und er

brachte stockend etwas heraus wie: Das wäre schon gut, und er selbst

hätte mit dem großen Jungen ja auch oft seine Not, und Prügel müßten

sein; nur zuschanden dürfe man so'n Kind doch nicht schlagen. Na,

der Schulmeister wäre noch jung und hitzig, und hätte nun ja wohl

eingesehen, wie weit er gehen dürfe, und mit den Jahren kühlte das Blut

sich auch mehr ab, und der Mensch würde besinnlicher. Zuletzt fragte er

Peter, ob er mit ihm frühstücken wollte. Der nahm das Anerbieten an,

und die beiden setzten sich zusammen in die Dönze und aßen Brot und

Sülze und tranken einen kleinen Köm dazu. »Dat wi nu jümmer gode Lüe

bliewt,« sagte der Bauer, indem sie anstießen.

Auch bei Swiebertsbauer ging's Peter ganz gut. »Ick heww't ja glieks

seggt,« meinte dieser trocken, »he schöll Barken nehmen und kene Eken.

Eken sünd för so wat nich wussen.«

Peter ging auch zu seinem alten Freunde Mattens und erzählte ihm mit

Freuden, nun wäre alles wieder gut. »Würklich?« fragte dieser und

kratzte sich im Nacken, »Scholmester, Scholmester, wat heww ick van

sin'twegen för Nackensläg krägen düsse Dag'! Oh, wo mi dat freut! Kumm

rin, darup möt wi'n lütten Köm nehmen.«

Peter dankte. Er hätte schon bei Westermann einen getrunken.

»Bi Westermann?« fragte Mattens erstaunt. »Deuker ja, wenn ~de~

Mann enen utgiwwt, denn is't würklich alles wedder god. Scholmester,

ick freu mi nu doch wedder, dat ick em in de Iserbahn ankaschiert heww.«

Um neun Uhr hatte Peter seine Schule vollzählig beisammen. Die Kinder

hatten die Einladung bestellt, er selbst hatte unterwegs eingeladen,

was er getroffen hatte, und wie ein Lauffeuer war die Kunde durchs Dorf

gesprungen, der Schulmeister wäre wieder vernünftig geworden und hätte

mit seinem ergrimmtesten Feinde gefrühstückt.

Als Peter in die Schulstube trat und alle Blicke halb neugierig,

halb ängstlich auf sich gerichtet sah, war es ihm nicht möglich, den

Unterricht in der üblichen Weise zu beginnen und zu tun, als ob nichts

geschehen wäre.

»Meine lieben Kinder,« begann er bewegt.

Die Kinder machten verwunderte Gesichter. Diese Anrede war ihnen fremd,

und noch mehr ihr Ton.

»Ihr seid mir vorgestern alle davongelaufen. Aber ich mache euch keinen

Vorwurf daraus. Es war meine Schuld ... Des Menschen Zorn tut nicht,

was vor Gott recht ist. Aber ihr werdet mich, will's Gott, nie wieder

so sehen, wie ihr mich gesehen habt ... Wie sagt doch Gott zu dem

Brudermörder Kain? ›Die Sünde ruhet vor der Tür. Aber laß du ihr nicht

ihren Willen, sondern herrsche über sie.‹ So ist's bei mir, und bei

euch, bei uns allen. Gott helfe uns, daß wir über sie herrschen können.

Und wenn sie uns einmal überrumpelt, daß wir wieder aufstehen. Und nun

laßt uns unseren Morgengesang singen: Aus meines Herzens Grunde, die

ersten beiden Verse.«

Die Kinder setzten voll und kräftig ein, und Peter sang das Lied mit

einem freudig bewegten Herzen, wie in seinem ganzen Leben nicht.

Nur bei den ersten Strophen des zweiten Verses mußte er vor innerer

Bewegung schweigen: »Daß du mich hast aus Gnaden in der vergang'nen

Nacht vor Gefahr und allem Schaden behütet und bewacht.«

Und dann fing er an, zu unterrichten. Er hatte eigentlich gefürchtet,

er würde nach solcher Nacht dafür zu müde sein. Jetzt wunderte er sich,

wie ihm die Gedanken zu und die Worte von den Lippen strömten. So hatte

er in seinem ganzen Leben noch nicht unterrichtet, so hatten die Kinder

noch nie an seinem Munde gehangen. Was er ihnen heute gab, das stand

nicht in den Büchern, die er vor der Schule zur Vorbereitung schnell

eingesehen hatte, das nahm er aus seinem Eigensten und Tiefsten. Zwar

störten ihn einige Hustenanfälle. Aber wenn er sie überwunden hatte,

war er gleich wieder voll Freudigkeit und Kraft, fortzufahren.

Als es Mittag war, entließ er die Kinder. Wie er den sich zur Tür

Hinausdrängenden nachsah, fiel ihm plötzlich der Vers von Mignons Bilde

ein: »So laßt mich scheinen, bis ich werde.«

Da jauchzte sein Inneres auf. Was er so lange geschienen, das war

er heute geworden: ein Schulmeister, ein wirklicher Meister der

Schule. All seine bisherige Schulmeisterei erschien ihm plötzlich als

Scheinkram, Wortgeplärr, Karrendienst. In diesen drei Stunden erst war

er der Herrlichkeit seines Berufes ganz inne geworden. Er hatte nicht

nur kleine Finger gesehen, die Buchstaben schreiben lernen wollten,

blaue Äuglein, die sie wiederzuerkennen sich mühten. Er, der Gewordene,

hatte die Nähe junger Seelen gefühlt, die wachsen und werden wollten ...

Als er vom Mittagessen aus dem Dorf zurückkam, setzte er sich sofort

hin, um dem Superintendenten zu schreiben. Er zeigte ihm an, daß er

mit den betreffenden Hausvätern Rücksprache genommen habe und die

Sache erledigt sei. Was die die Tochter des Schusters betreffende

Forderung seines Vorgesetzten anbeträfe, schrieb er diesem ehrerbietig

und bestimmt in dem Sinne, wie er sich schon in der Nacht darüber klar

geworden war, daß er ihr nicht nachgekommen sei und nicht nachkommen

werde. Den Brief schickte er gleich durch einen Jungen an seine Adresse.

Der Superintendent machte beim Lesen dieses Briefes seines jüngsten

Schulmeisters verwunderte Augen. Aber seinem Lebensgrundsatz, sich vor

aufwallenden, heftigen Gemütsbewegungen aus Pflichtgefühl gegen sich

selbst zu hüten, blieb er auch in dieser Sache treu. Er verfolgte

sie auch nicht weiter. Beim hohen Konsistorium war für den alten

Landeskatechismus nicht mehr viel zu machen. Da hatte der Wind sich

in den letzten Jahren auch gedreht. Außerdem verriet ihm der Ton des

Briefes, daß er hier nicht einen servilen Kriecher und Jajabruder vor

sich hatte, sondern einen aufrechten Menschen, einen, der über Nacht

etwas wie ein Charakter geworden war. Dieses war sein erster Eindruck

beim Lesen des Briefes. Bald ging ihm freilich ein besseres Licht auf.

Der junge, ungefestigte Schulmeister war natürlich auch ein Opfer der

Verführungskünste des pietistischen Schusters geworden.

Am Abend dieses Tages, um die Stunde, da gestern der Schuster bei ihm

gewesen war, kam Peter auf den Gedanken, den Mann, gegen den er jetzt

eine tiefe Dankbarkeit empfand, zu besuchen. Aber als er länger darüber

nachdachte, unterließ er es doch. Was sollte er ihm sagen? Ihm saß das

Herz nicht so auf der Zunge wie jenem. Er konnte über das, was er in

tiefster Seele erlebte, nicht zu anderen Menschen sprechen.

* * * * *

In der nächsten Zeit fühlte Peter, wie seine Kräfte allmählich

nachließen. Aber der befreite, von einer neuen Kraft getragene Geist,

belebt durch die neugewonnene Freude am Beruf, hielt den hinsiechenden

Leib noch längere Zeit aufrecht und gewann ihm, nach Zeiten allzu

großer Schwäche, noch manche Stunde freudigen und kraftvollen Wirkens

ab. Ein Wort Jesu wurde ihm in dieser Zeit vor anderen lieb und

wertvoll: Ich muß wirken, solange es Tag ist. Es kommt die Nacht, da

niemand wirken kann. Peter war froh und dankbar für jeden Tag seines

dem Ende zueilenden Lebens, den er durch Willenskraft noch für den so

spät in seiner Herrlichkeit erkannten Beruf gewinnen konnte.

Bis Mitte November gab er den Unterricht noch einigermaßen vollständig,

wenn er auch häufig gezwungen war, die Stunden umzulegen und die

Kinder verhältnismäßig viel mit Schreiben und Rechnen zu beschäftigen.

Von da an mußte er die Kinder nach zweistündigem Unterricht, den er

zuletzt nur noch sitzend erteilte, heimschicken. Seine Kraft war dann

völlig erschöpft, und er brachte die übrigen Stunden des Tages, meist

fiebernd, im Bett zu.

Die Dorfleute taten, was sie konnten. Jetzt, nachdem sie ihren

Schulmeister erzogen und zur Vernunft gebracht hatten, mochten sie

ihn recht gern. Da er nicht mehr zu den Mahlzeiten in die Häuser

gehen konnte, schickten die Bauernfrauen ihm das Essen ins Haus, und

die guten legten nach dem Schlachtfest eine frische Wurst bei, oder

schlugen trotz der Eierknappheit ihm eins extra in die Suppe, um ihren

guten Schulmeister, wenn's möglich wäre, recht bald wieder auf die

Beine zu bringen, oder ihm doch eine Freude zu machen. Die Kinder

der Häuslingsfrau, die bei Peter aufwartete, lebten in diesen Wochen

herrlich und in Freuden.

Peter hoffte noch immer, bis Weihnachten den zweistündigen Unterricht

aushalten zu können. Aber am Montag der Weihnachtswoche mußte er

liegenbleiben und den Kindern zurufen, daß sie nach Hause gingen. Er

hörte, wie sie sich langsam und still entfernten, wie die Schritte der

letzten Nachzügler auf dem Hofe verhallten. Sein Tagewerk war getan.

Der Kranke, der von der Häuslingsfrau nur mangelhaft verpflegt und

bedient wurde, hatte auf seinem einsamen Krankenlager manche schwere

und trübe Stunde durchzumachen.

Hin und wieder kam einer von den Dorfleuten zu Besuch. Claus Mattens

stellte sich gleich am ersten Tage ein. Er erzählte dies und das, aber

Peter merkte bald, daß der Mann etwas Besonderes auf seinem Herzen

hatte. Das kam denn zuletzt auch herunter. Peter könnte, so meinte

der Bauer, ja nicht selbst hingehen und sein fälliges Gehalt holen.

Ob er ihm den Weg abnehmen sollte? Und ob er nicht von dem Gelde so

viel behalten könnte, daß Peters Sachen, bis auf den Tisch etwa,

bezahlt wären? Peter gab seine Zustimmung. Da war der Freund sichtlich

erleichtert, machte noch einige nette Scherze und wünschte beim

Weggehen gute Besserung.

So kam der Tag vor dem Fest heran. Es war dicke Schneeluft, und der

Kranke hatte viel unter Atemnot zu leiden, bis nach Mittag die Luft

klarer wurde.

Gegen Abend kam der Schuster. Er entschuldigte sich, daß er nicht

schon eher einmal vorgesprochen hätte. Aber zu Weihnachten wollte alle

Welt in neuen Stiefeln gehen, und grad' eben hätte er das letzte Paar

abgeliefert.

Der Besucher blickte in den Ofen, und fand das Feuer erloschen. Er sah

sich im Zimmer um. Es war seit mehreren Tagen nicht gekehrt. »Herr

Lehrer,« sagte er, »es wäre besser, wenn Sie nach Hause reisten. Hier

kriegen Sie ihr Recht nicht.«

»Nach Hause?« fragte Peter schmerzlich. »Ich kann nicht nach Hause.

Meine Mutter ist tot, und die enge Kate ist voll kleiner Kinder. In all

der Unruhe halte ich's nicht aus.«

»Aber Sie können hier doch nicht allein liegenbleiben.«

»Ach, es wird wohl nicht lange mehr dauern.«

»Das steht in Gottes Hand ... Herr Lehrer, darf ich mir eine Bitte

erlauben?«

»Und?«

»Kommen Sie zu uns!«

»Zu Ihnen?« fragte Peter verwundert.

»Ja, sehen Sie, wir haben selbst viel Schweres durchgemacht und

verstehen uns wohl ein wenig auf das Krankenpflegen. Und es ist auch

besser für Sie. Da kommen manchmal Stunden, wo einer sich nach dem

Wort und Gesicht eines anderen Menschen sehnt. Unser Heiland ist

in Gethsemane auch immer wieder aufgestanden und zu seinen Jüngern

gegangen.«

Peter sah den Mann einen Augenblick an. Dann streckte er die weiße,

abgezehrte Hand aus und ergriff die harte, braune Pechhand des

Schusters, die er stumm mit warmem Druck festhielt.

»Dürfen wir Sie holen?« fragte der andere wieder.

Peter nickte. »Gott vergelt's Ihnen, was Sie an mir tun, und ... schon

getan haben ...«

Der Mann sah dem Kranken ein paar Sekunden tief in die Augen, als ob er

in seiner Seele lesen wollte. Dann ging er.

Nach einer guten Stunde kam er zurück, begleitet von ein paar Männern,

in denen Peter Häuslinge des Dorfes erkannte. An der Art, wie der

Schuster mit ihnen verkehrte, merkte er, daß sie zu denen gehörten, die

jener »Brüder« zu nennen pflegte. Das wunderte Peter; denn sie waren

von ganz anderer Art als der Schuster und lebten still für sich hin,

ohne irgendwie hervorzutreten.

Die Männer legten ihn mit dem Bett auf eine mitgebrachte Tragbahre,

verhüllten ihn sorgfältig gegen die Winterkälte und trugen ihn sorgsam

durch das Dorf.

Als endlich die Bahre hingestellt und von den Decken befreit wurde,

riß Peter die Augen weit auf. Vor ihm stand ein Christbaum, im Schmuck

seiner brennenden Lichter. Und um ihn her standen Lina und der kleine

Paul, und noch ein kleines Mädchen, und ein Jüngstes hockte auf dem Arm

der Mutter, und die Kinder sahen bald in den hellen Lichterbaum, und

bald auf den kranken Gast. »Singt mal, Kinder,« sagte der Vater, und

Lina schlug den Arm um Paulbruder, und sie sangen zusammen zweistimmig

das Weihnachtslied, das Peter in den letzten Wochen sie gelehrt:

»Stille Nacht, heilige Nacht.« Dann setzte der Schuster sich die dicke

Hornbrille auf und las das Evangelium von der Geburt des Heilands,

und die Kinder, in deren dunklen Augen die Lichter des Tannenbaumes

glänzten, hörten andächtig zu, und die Männer standen mit den Mützen in

den Händen und schauten ernst und still drein.

Als der Hausvater das Buch geschlossen hatte, sagte er: »So, Kinder,

nun drückt die Lichter vorsichtig aus und geht in die andere Stube,

daß der Herr Lehrer Ruhe hat. Und du, Mutter, sorgst wohl, daß er

noch etwas Warmes zu essen kriegt. Und ji beiden gaht noch mal in dat

Scholhus und bringt den Scholmeister sin Kram her, dat wi em dat recht

gemütlich maken könnt.«

»Ok de beiden Biller an de Wand,« sagte Peter leise, »und min Vigelin'.

Dat dor man nix an passiert!«

»Herr Lehrer, Sie können sich auf meine Freunde verlassen,« beruhigte

der Schuster den Kranken.

Als Peter ein wenig genossen hatte, kamen die Männer schon zurück. Der

Schuster mußte die Bilder über seinem Bett befestigen, Mignon links,

den Harfenspieler rechts. Dazwischen fand die Geige ihren Platz, so,

daß der Kranke sie ohne große Anstrengung erreichen konnte. Dies waren

ihm die liebsten Besitztümer. Die Anordnung des übrigen überließ er den

anderen.

Bald hatten sie ihn verlassen, und im Hause wurde es still. Aber Peter

konnte noch lange nicht einschlafen.

Es war ja der erste Weihnachtsabend, den er im Leben gefeiert; in

der Stube war noch der Harzduft des ersten Christbaums, in dessen

Lichterglanz er geschaut hatte. Wie schade, daß das alles so schnell

vorübergegangen war, fast ehe er sich recht hatte besinnen können!

Nein, noch nicht einschlafen, noch eine Weile liegen und sich still

weiter freuen ...

Bald holte er sich die Genossin seiner Leiden und Freuden heran, seine

Geige. Stillfroh spielte er mit den Fingern auf dem einsamen, dunklen

Krankenlager die lieben, alten Weihnachtsweisen, die um dieselbe

Stunde wohl durch Hunderttausende froher, heller Christenhäuser

schallten. So schlummerte er zuletzt ein, die treue Freundin im Arm und

stille Weihnachtsfreude im Herzen.

Es folgten schwere Tage und Wochen für den Kranken. Manche Stunde blieb

ihm nichts als stillhalten und leiden. Aber im tiefsten Grunde blieb er

immer froh und dankbar. Denn er konnte leiden unter treuer Liebe Hut

und Pflege.

Was hatte der arme Junge in einem kurzen Leben von Liebe erfahren!

Eine dunkle Erinnerung aus den ersten Lebensjahren sagte ihm, daß er

einmal warm in Mutterarmen geruht hatte. Dann der kurze Maimond seines

Lebens, da sein ganzes Wesen in Liebe aufgeblüht war. Dann noch die

Freundlichkeit des Musiklehrers auf dem Seminar. Sonst war er ohne

Liebe und einsam seine Straße gezogen. Nun hatte der dunkle, stürmische

Tag doch noch seinen stillen, lichten Abend. Über den letzten Wochen

seines zur Neige gehenden Lebens lag der warme Glanz treusorgender

Liebe.

Wie gut sie alle im Hause sich auf die Behandlung des Kranken

verstanden! Wenn es dem Leidenden lästig wurde, Menschen um sich zu

haben, brauchte er es gar nicht zu sagen. An irgendwelchen Anzeichen

merkten sie das und verließen leise das Zimmer. Und wenn er sich nach

Gesellschaft sehnte, so dauerte es auch meist nicht lange, bis jemand

kam.

Der Schuster sprach am liebsten über geistliche Dinge, und seine

Gesellschaft konnte dem Kranken am ehesten drückend werden. Es blieb

eben zwischen den beiden der Gegensatz zwischen rheinischer und

niedersächsischer Art. Bei dem lebhaften Rheinländer ging es ganz

nach dem Wort: Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über. Der

schwerfällige Niedersachse dagegen mußte sein Bestes und Tiefstes

keusch im Busen verschließen. Er mochte und konnte nicht darüber reden.

Diese Schweigsamkeit und das Fehlen eines Echos machte den Schuster

manchmal bedenklich, ob es mit dem Seelenheil seines Pfleglings schon

recht bestellt sei, und er sprach immer wieder über alles, was ihm dazu

nötig schien. Peter lag dann meist mit geschlossenen Augen und nickte

von Zeit zu Zeit, wenn ein Gedanke darunter war, den er als Baustein

seines inneren Werdens, das in diesen Leidenszeiten nicht ruhte,

gebrauchen konnte, oder ein Wort, das ihm für die dunklen Nachtstunden

Trost versprach. Der gute Schuster brachte aber auch manches zutage,

was Peter höchst wunderlich vorkam, ja was ihn wohl geradezu abstieß.

Denn ganz konnte der Schriftgelehrte hinter der Schusterkugel die

Finger von dem heiklen Gebiet der Theologasterei nicht lassen.

Am liebsten war ihm Linas Gesellschaft. Wenn das Mädchen an seinem

Bett saß, das feine Gesichtchen über die Handarbeit gebeugt, wenn

sie ihn fragend anblickte, ob er einen Wunsch hätte, wenn sie seinen

fiebernden Lippen zu trinken reichte, dann konnte er sein Leiden fast

vergessen. Hatte sie ihn so eine Zeitlang durch ihre stille Gegenwart

erfreut, fühlte er meistens den Wunsch, ihre liebe Stimme zu hören.

Dann bat er sie, ihm etwas vorzulesen, bald ein Stück aus der Heiligen

Schrift, bald ein Gedicht, das ihm lieb geworden war, oder wonach er

sonst gerade Verlangen trug. Dann lag er meist mit geschlossenen Augen;

und wenn er auch oft zu schwach war, um den Inhalt des Gelesenen in

sich aufzunehmen, so tat ihm doch der Klang ihrer Stimme schon wohl.

Am Abend seines kurzen Tagewerks war es ihm eine stille Freude, daß

er fast zwei Jahre an dieser lieblichen Menschenknospe Gärtnerdienste

hatte tun dürfen.

Eines Nachmittags in der Dämmerung, als sie an seinem Bett saß und ihm

lange vorgelesen hatte, ergriff er ihre Hand und hielt sie lange fest.

»Die dritte,« kam es zuletzt leise über seine Lippen.

»Wie, Herr Lehrer?« fragte das Kind.

»Ach, Lina, ich dachte an etwas. Habe ich etwas gesagt?«

»Ja, Sie sagten: Die Dritte.«

»Ach so, ja; ja, ich dachte an etwas ...«

Er hatte daran gedacht, daß das Kind, dessen Hand er in der seinen

fühlte, die dritte gewesen war in der Reihe der Frauengestalten, die

ihm den Weg gezeigt hatten. Das letzte und, wie er empfand, tiefste und

innerste Werden, das er erlebt hatte, konnte er sich ohne die Arbeit

und Vertiefung, wozu ihn dieses Kindes Wesen gezwungen, gar nicht

denken.

Die Frau des Schusters hielt es nicht, wie ihr Mann, mit vielen Worten.

Dafür aber war sie die verständnis- und liebevollste Pflegerin. Wenn

sie ihm das Bett machte, wenn sie ihm das Essen brachte und dem

Appetitlosen freundlich zusprach, oder wenn sie ihn bei zu großer

Schwachheit fütterte wie ein kleines Kind, immer hatte der Kranke das

Gefühl, von Mutterhänden gepflegt zu sein. Ganz so, dachte er, würde

seine eigene Mutter es auch machen, wenn sie noch lebte.

Peter sann in einsamen Stunden viel über sein Leben nach. Und da

fiel es ihm auf das Gewissen, daß er einst mit einem so pietätlosen

Wort von seinem Vater gegangen war. Er bat den Schuster, diesem von

seiner Krankheit zu schreiben und ihn zu bitten, daß er seinen kranken

Sohn einmal besuchte. Nach drei Tagen kam Harm Eggers an. Peter

hatte sich vorgenommen, wegen jener häßlichen Abschiedsszene ihn um

Verzeihung zu bitten. Aber er kam nicht dazu. Denn kaum hatte der Vater

das abgezehrte Gesicht des Sohnes gesehen, so brach er in wildes,

krampfartiges Schluchzen aus. Peter war tief ergriffen, daß dem Vater

sein Leiden so zu Herzen ging, und fühlte auch, daß die kindliche Liebe

trotz allem in seinem Herzen noch nicht erstorben war. Als aber der

Vater sich gar nicht fassen konnte, sah er ihm scharf in die Augen und

merkte, daß der Alkohol an diesem Gefühlsausbruch nicht unschuldig war.

»Vader!« sagte er tieftraurig. Da fing dieser an, ihm zu versichern,

daß er an seiner Krankheit keine Schuld habe. Die hätte er ganz allein

von seiner Mutter geerbt. Aber er würde wohl bald wieder besser werden,

denn er, der Vater, wäre so gesund, und die ganze Familie, und Trina,

und die Geschwister wären alle so gesund, und Peters Urgroßvater wäre

beinahe neunzig Jahre alt geworden und hätte alle Zähne mit in den Sarg

gekriegt. Peter hatte sich gequält zur Wand umgedreht, und als der

Vater im Weggehen ihn einlud, die Osterferien zu Hause zu verleben,

antwortete er nicht. Die nächsten Stunden waren sehr schwer für den

Kranken. Er mußte noch einmal seine verlorene, elende Jugendzeit in der

Erinnerung durchleben und konnte den ganzen Tag keine Menschen um sich

haben. Und auch in den nächsten Tagen kam immer wieder ein bitteres

Gefühl über ihn, daß er so von dem Menschen, der ihm das Leben gegeben,

hatte Abschied nehmen müssen.

Und dann, Anfang März, kam der Tag der letzten Kämpfe.

Als der Schuster an diesem Morgen an sein Bett trat, sagte der Kranke,

matt zu Mignons Bilde deutend:

»Ich eile von der schönen Erde hinab in jenes feste Haus.«

»Herr Lehrer, diese Erde schön?« fragte der andere erschreckt. »Ein

rechtes Jammertal ist sie.«

»Ja ... ja ... ein Jammertal ... und doch wunderschön ...«

Über die bleichen Zügen ging wie ein stilles Leuchten die Erinnerung

glücklicher Tage.

»Und doch ... schön,« sagte er noch einmal.

»Herr Lehrer,« sagte der Schuster dringlich und voll Angst, »Sie stehen

vor den Toren der Ewigkeit. Ich bitte Sie um Ihrer Seelen Seligkeit

willen, denken Sie an das eine, was not tut, denken Sie an Gott und

unsern Heiland!«

»Ich danke ihm ... daß die Erde ... so schön war ...«

»Nein, nein, nicht rückwärts schauen, sondern vorwärts. ... Der Apostel

Paulus schreibt ...«

Der Kranke schüttelte abwehrend den Kopf und sagte leise: »Ich weiß, an

wen ich glaube ...«

Da ließ der Mann von ihm ab und beschränkte sich darauf, für seine

Seele still zu beten.

Als die Sonne untergehen wollte, warf sie einen letzten Schein auf die

Fenster der stillen Krankenstube, daß sie tief goldig erglänzten.

Da öffnete der Sterbende, der schon lange bewußtlos gelegen hatte, die

Augen und flüsterte leise: »Marie!«

Der Schuster erschrak und wandte sich zu seiner Frau: »Immer noch diese

weltlichen Gedanken! Daß so ein junges Blut gar nicht von der Welt

loskommen kann ... Herr, zeige ihm dein Heil!«

Wieder machte der Sterbende langsam und weit die Augen auf und wandte

sie dem Lichte zu. Sie schienen in unendliche Fernen zu schauen. Und

diese blassen Lippen öffneten sich und hauchten: »Das ... goldene ...

Tor ...«

»Er ist doch auf dem rechten Wege,« flüsterte der Schuster, und über

sein Gesicht ging eine stille Freude, »... er sieht schon die Tore

Jerusalems, der hochgebauten Stadt, von ferne leuchten ...«

»Und nun ist er angekommen,« sagte er nach einer Weile.

* * * * *

Zu der Beerdigung kamen der Vater, die Stiefmutter und die ältesten

Geschwister auf einem geliehenen Wagen angefahren. Aus Solten sandte

jedes Haus zwei zum Trauergefolge. Auch die ganze Schuljugend folgte;

jedes Kind trug einen Tannenkranz.

Der alte Superintendent hatte seit Weihnachten einen Adjunkten und war

froh, diesem das Begräbnis übertragen zu können. Als die Gemeinde vom

Grabe sich in die Kirche begeben hatte, verlas der junge Pastor nach

der Sitte zunächst den von einem Lehrer der Nachbarschaft verfaßten

Lebenslauf, der die äußeren Lebensdaten des Verstorbenen in stereotyper

Form aufzählte. Dann legte er das Blatt zur Seite und fuhr fort: »Was

wir eben gehört haben, andächtige Trauerversammlung, ist von dem Leben

unseres Entschlafenen das, was vor aller Augen liegt. Sein wirkliches

Leben, das Leben, das sich in dem Tiefsten und Eigensten abspielt, das

kennt wohl kein Mensch, die nächsten Angehörigen nicht ausgenommen. Ich

habe den Entschlafenen auf seinem letzten Lager einige Male besucht

und hätte gern einen Blick in sein inneres Leben, seine Entwicklung,

sein Werden und Wachsen getan. Aber er hat mir diesen Blick nicht

verstattet. Er durfte es wohl nicht, weil die Zartheit und Keuschheit

seiner Seele es ihm verbot. Ich habe aber den Eindruck gewonnen, daß

er in der Stille viel Leid erfahren und schwere Kämpfe hat durchmachen

müssen, und daß er gesiegt hat in der Kraft dessen, durch den wir

Christen die Welt überwinden wollen. In dem Lebensalter, in dem er von

uns gegangen ist, sind die meisten von uns noch gar nichts. Aber ich

glaube, er ist hingegangen nicht als ein Unreifer, sondern als ein

Reifer, der ganz in der Stille durch beides, Liebes und Leides, was der

Lenker seines Lebens ihm geschickt, etwas geworden ist zu seines Gottes

Ehre. Vielleicht sind solche Menschen, die nichts aus sich machen,

unerkannt und manchmal auch wohl verkannt ihren Weg gehen, still suchen

und sich sehnen, still lieben und leiden, still glauben und hoffen,

wachsen und werden, kämpfen und siegen, gerade die besten unseres

Geschlechts und Gottes liebste Kinder ...«

* * * * *

Nach Beendigung der Feier kehrten die Verwandten in das Sterbehaus

zurück. Sie wollten der Einfachheit halber Peters Hinterlassenschaft

gleich auf dem Wagen mitnehmen. Als sie diese zusammensuchten,

verteilte die Stiefmutter gleich die einzelnen Kleidungs- und

Wäschestücke an ihre anwesenden größeren Kinder. »Düsse Mütz,« sagte

sie, »kannst du man updrägen, Vader.« Und Harm Eggers paßte sie

gehorsam auf. Die Schulbücher sollten die Jüngsten in der Schule

verreißen; wo man mit den gelehrteren bleiben wollte, mußte sich später

finden. »Wat fangt wi mit de Vigelin' an?« fragte Trina. Der Schuster

bat, sie zum Andenken an den Toten behalten zu dürfen. »Wat will he

utgewen?« Zwanzig Silbergroschen bot der Mann. »Nee, ünner'n Daler

geiht dat Ding nich weg,« erklärte Trina bestimmt. Der Schuster legte

schweigend den Taler auf den Tisch. Die Bilder an der Wand blieben ihm

ohne Entgelt, da sie nicht als zur Erbmasse gehörig erkannt wurden.

Reich mit Beute beladen fuhr die trauernde Familie davon. Trina

berechnete gerade den Gesamtwert des Erbes, da hielt der Wagen an.

Clas Mattens war ihm mit seinem Schein in den Weg getreten und erhob

Anspruch auf den Tisch. Es gab eine häßliche Szene, aber der Schein

und des Bauern Hartnäckigkeit behielten den Sieg. Mit geschmälertem

Erbe zog die Familie trauernd weiter.

Die Schustersleute ließen die Zimmerwand, an der Peter seinen letzten

Kampf gekämpft, wie sie war. In der Mitte hing seine treue, nun auch

verstummte Geige. Links schaute Mignon sehnsuchtsvoll träumerisch in

die Ferne:

So laßt mich scheinen, bis ich werde,

Zieht mir das weiße Kleid nicht aus!

Ich eile von der schönen Erde

Hinab in jenes feste Haus.

Rechts saß der Alte über der Harfe gebückt und raunte zu ihren müden

Klängen:

Wer nie sein Brot mit Tränen aß,

Wer nie die kummervollen Nächte

Auf seinem Bette weinend saß,

Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte!

Über den dreien aber hing ein Stück gelblichen, starken Papiers, das

mit schlichten schwarzen Buchstaben bedruckt war. Diese schlichten

schwarzen Buchstaben waren der Jubelruf und Triumphgesang eines Mannes,

der auch ein Lebensbezwinger und Weltüberwinder war:

Gott sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unseren Herrn Jesum

Christum!

Fußnoten:

[1] Warte nur.

[2] Erde.

[3] Husten.

[4] Brust.

[5] Qualen.

[6] leer.

[7] gieße.

[8] gekostet.

[9] Art.

[10] ziehen

[11] in Ordnung

[12] kocht

[13] Aufwartung

[14] vermieten

[15] unterkriechen

[16] Brüder und Schwestern

[17] damit ist sie sehr zufrieden

[18] getroffen.

[19] schlägt.

[20] sofort.

[21] sonst.

[22] leihen

[23] betrunken

[24] schwermütig

[25] Worte

[26] Wurst

[27] warte nur

[28] verdrossen

[29] durchgehauen

[30] draußen

[31] rate

[32] gilt

[33] oberste

[34] Häuslinge

[35] gebräuchlich

[36] Himmel

[37] hoffen

[38] dazu lernen

[39] Entzweischlagen

[40] Rücken

Das goldene Tor · 第 12 / 12 题