Laurence Sterne: Gesammelte Schriften.
Vier Bände. 8°. Halbleder.
Tristram Schandis Leben und Meynungen.
Nach der Übertragung von Johann Joachim Bode herausgegeben von Otto
Julius Bierbaum. Neun Teile in drei Bänden. 12°. 3.--4. Tausend. 499,
464 und 367 Seiten.
Yoricks empfindsame Reise.
Übertragen von Johann Joachim Bode. 12°. 3.--4. Tausend. Zwei Bände in
einem. 153 und 141 Seiten.
Sterne ist ganz genau der Geburtsort des modernen englischen Humors,
nicht des klassischen Humors des absolutistischen Englands, der in
Shakespeare seine höchste Höhe erreicht, sondern des sentimentalen
Humors des bürgerlichen Englands (es ist interessant, daß das deutsche
Wort »empfindsam« als Wiedergabe des englischen «~sentimental~»
anläßlich der Übersetzung von Sternes »Empfindsamer Reise« von Johann
Joachim Bode geprägt und seither deutsches Sprachgut geworden ist.
Es drückt sich darin aus, daß Sterne der Schöpfer eines ganz neuen,
bürgerlichen Gefühles ist).
_Hermann Hesse_ schrieb über diese Sterne-Ausgabe: Nun kommt also auch
Sterne dazu. Gewiß lag er längst deutsch vor, aber ich muß zugeben,
daß diese alte Bodesche Übertragung wirklich in Klang und Geist etwas
Kongeniales und Wahlverwandtes mit dem Originale hat, und was den
Neudruck betrifft, so hat der Verlag Georg Müller damit ein Prachtstück
geliefert. Für Freunde außergewöhnlich hübscher Bücher tut sich hier
ein Lustgarten auf.
Die Ausgabe wurde in altertümlicher Fraktur gedruckt. Als Format wurde
ein zierliches Oktav gewählt. Gebunden wurden die Bändchen in Halbfranz
nach einem Entwurfe von Paul Renner.
Tobias George Smollet: Roderich Random.
Ein Seitenstück zum Gil Blas. Nach der W. Ch. S. Myliusschen
Übersetzung herausgegeben von Marianne Trebitsch-Stein. Zwei Bände.
12°. In Halbfranz gebunden.
_Wiener Allgemeine Zeitung_: Ein neuer Band der von Otto Julius
Bierbaum begründeten Bücher der Abtei Thelem, ein literarischer
Leckerbissen, ein Buch, das als Zeitdokument interessiert und
unterhält. Ein Seitenstück zum »Gil Blas« nennt es der Autor, aber
wo der Franzose nur unterhält und die Kritik hinter lächelnder
Wohlgelauntheit verbirgt, gibt Smollet unerbittliche Wahrheit, ehrliche
Entrüstung. Neben den weiten Möglichkeiten, die der Roman Smollets
satirischen Absichten bot, lockten ihn die abenteuerlichen Fahrten,
die er selbst erlebt hatte, die wechselvollen Geschicke, die ihn in
allen Weltteilen umhergeschleudert hatten, deren lebendiger Atem das
Werk so frisch bewegt und es vor dem Veralten bewahrte. Marianne
Trebitsch-Stein hat mit viel Sorgfalt die Ausgabe vorbereitet und
in der Einführung eine Geschichte des Smolletschen Romans gegeben,
die in ihrer umfassenden Gründlichkeit schon eine kleine englische
Kulturgeschichte jener Zeit ist.
Tobias George Smollet: Peregrine Pickle.
Nach der W. Ch. S. Myliusschen Übersetzung herausgegeben von Rudolf
Kurtz. Zwei Bände. 12°. In Halbfranz gebunden.
_Walter Scott_: Es findet sich zwischen »Roderich Random« und
»Peregrine Pickle« ein Unterschied, den man oft zwischen dem ersten und
zweiten Werke eines Verfassers, der mit glücklichen Erfolge aufgetreten
ist, finden wird. »Peregrine Pickle« ist vollendeter, sorgfältiger
ausgearbeitet; man bewundert darin eine größere Verschiedenheit von
Abenteuern und Charakteren als im »Roderich Random«. Allein dieser ist
mit einer gewissen Ruhe und Natürlichkeit geschrieben, die nicht im
gleichen Maße im »Peregrine Pickle« anzutreffen ist. Wenn aber auch
Smollet die Einfachheit seines ersten Romanes dem zweiten nicht gegeben
hat, geben wollte oder konnte, so entschädigt doch »Peregrine Pickle«,
ohne eine Spur von Abnahme der Kräfte des Verfassers zu verraten, durch
eine viel reichere Sammlung von Gestalten und Verhältnissen als sein
Vorgänger.
Henry Fielding: Tom Jones.
Roman. In der Übersetzung von J. J. Bode. Herausgegeben und eingeleitet
von Johannes von Guenther. Drei Bände. 8°. In Halbfranz gebunden.
Henry Fieldings »Tom Jones«, die Geschichte eines Findlings, ist
der berühmteste und wohl auch der beste englische Roman des 18.
Jahrhunderts. Er durfte in den Büchern der Abtei Thelem nicht fehlen,
nachdem die Leser mit Smollets Meisterwerken bekannt gemacht wurden.
Das Krasse und Rohe in Smollets Manier erscheint hier gemildert
zugunsten einer versöhnlicheren Wirkung; das Derb-Komische Smollets
wurde hier zum Ewig-Heiteren, ohne dabei an komischer Wirkung
einzubüßen. Frisches und wahres Leben bietet dieses ewig junge Buch,
das entstanden ist (wie s. Z. der »Don Quijote«), um den weinerlichen
und rührseligen Sentimentalisten jener Zeit die wahre und ungenierte
Poesie einzubleuen. Der reizende Humor des Romans wurde am besten von
der alten Übersetzung J. J. Bodes wiedergegeben, die hiermit ihre
fröhliche Auferstehung feiert.
Lord Chesterfields Briefe an seinen Sohn.
Auf Grund der ersten deutschen, hier verbesserten Ausgabe in Auswahl
herausgegeben und eingeleitet von Hans Feigl. Mit dem der ersten
englischen Ausgabe beigegebenen Porträt Chesterfields. Zwei Bände. 12°.
In Halbfranz gebunden.
_O. A. H. Schmitz_ im »Tag«: Was der »Cortigiano« für die Renaissance
ist, bedeuten diese Briefe für das 18. Jahrhundert. Will man
die Gestalt Lord Chesterfields, die aus seinen Briefen mit der
wünschenswertesten Deutlichkeit in ihren Umrissen hervortritt, richtig
fassen, so wird man sagen müssen: Er hat, wie alle nach Vollkommenheit
strebenden Menschen, eine Menge freundlicher menschlicher Dinge
unterdrückt, die dieser Vollkommenheit im Wege gestanden hätten, als
Unbefangenheit, Harmlosigkeit, Naivität und dergleichen. Die von ihm
erstrebte Vollkommenheit hat er dagegen durchaus erreicht. Er war ein
Mann von großem Wissen und weitreichender Belesenheit, gleichzeitig ein
tüchtiger Staatsmann und einer der glänzendsten Vertreter der äußeren
Kultur des 18. Jahrhunderts.
Robert Louis Stevenson: Südseenachtgeschichten / Die Schatzinsel.
Zwei Bände.
Die Einbände entwarf Charlotte Christine Engelhorn.
Die meisten deutschen Leser kennen nur die »Schatzinsel« und haben die
unbestimmte Vorstellung, daß Stevenson ein Jugendschriftsteller war,
dessen Werke sich erstaunlich lange frisch erhalten haben. Wäre er nur
das, so wäre es schon sehr viel, denn Jugend läßt sich dauernd nur
von dem ansprechen, was selbst innerlich jung und bilderreich ist. In
Wahrheit beruht die Wirkung Stevensons auf einer großen menschlichen
Überlegenheit und einer damit verbundenen naiven Fabulierfreudigkeit,
wie sie in unserem gehetzten Jahrhundert kaum mehr vorkommt.
Walter Savage Landor: Erdichtete Gespräche.
Deutsch von E. von Schorn. (Sammlung Lebenskunst Band 8.) 8°. 404
Seiten.
_Der Tag, Berlin_: Diese erdichteten Gespräche sind ein berühmtes
Buch der Weltliteratur, das seine erzählenswerten Schicksale gehabt
hat, bevor und nachdem es weltberühmt geworden ist. Der Autor
dieser Gespräche, deren Inhalt die ganze Weltgeschichte umfaßt,
ist kein ausgeklügelt Buch, sondern ein Mensch mit mehr als einem
Widerspruch gewesen. Die vorliegende Übersetzung bringt einige der
berühmtesten Gespräche, wie das zwischen Alexander dem Großen und dem
Ammonspriester, Elisabeth und Maria, Katharina II. und der Fürstin
Daschkow, Pitt und Canning, die schon eine hinreichende Vorstellung von
dem reifen Geist und der Kunst Landors geben.