Übersetzt von Heinrich Steinitzer

Copyright 1925 by Georg Müller Verlag

A.-G., München / Printed in Germany

Es war 1664, um den Anfang des September, als ich gesprächsweise von

meinen Nachbarn hörte, daß die Pest in Holland von neuem ausgebrochen

wäre. Sie war dort im vorhergehenden Jahre sehr heftig aufgetreten,

besonders in Amsterdam und Rotterdam, wohin sie nach einigen aus

Italien, nach andern aus der Levante mit Waren, die die türkische

Flotte heimgebracht hatte, eingeschleppt worden war. Noch andere

behaupteten, sie wäre von Kandia oder Zypern gekommen. Nun, woher sie

kam, wollte wenig bedeuten, aber darin, daß sie wieder nach Holland

gekommen war, stimmten alle überein.

Damals gab es bei uns noch keine gedruckten Zeitungen, um Gerüchte

und Neuigkeiten zu verbreiten, die dann durch die Phantasie der

Leute weiter ausgeschmückt wurden, wie es nach meiner Erfahrung

seither der Brauch geworden ist. Neuigkeiten erfuhr man durch die

auswärtigen Korrespondenzen der Kaufleute; sie verbreiteten sich dann

auf mündlichem Wege weiter, aber natürlich nicht gleich über das

ganze Land, wie es jetzt der Fall ist. Trotzdem scheint die Regierung

ganz genau unterrichtet gewesen zu sein. Sie hielt mehrere Sitzungen

ab, um über die Mittel zu beraten, das Herüberkommen der Seuche zu

verhindern, aber dies alles wurde ganz heimlich betrieben. Daher

geriet das Gerücht allmählich wieder in Vergessenheit, und die Leute

hielten dafür, daß es sie eigentlich nicht viel anging und hoffentlich

gar nicht wahr wäre. Bis gegen Ende November oder Anfang Dezember

zwei Männer, angeblich Franzosen, in Longacre oder am obern Ende der

Drurylane-Straße an der Pest starben. Die Leute, bei denen sie gewohnt

hatten, versuchten es soweit als möglich zu verheimlichen, da aber

durch das Geschwätz der Nachbarschaft doch etwas herumgekommen war,

erfuhren auch die Staatssekretäre davon. Sie ließen es sich angelegen

sein, Nachforschungen anzustellen, und schickten, um die genaue

Wahrheit zu erfahren, zwei Ärzte und einen Wundarzt in das betreffende

Haus zur Untersuchung. Da durch diese überzeugende Merkmale der

Krankheit bei beiden Leichen festgestellt wurden, gaben die Ärzte ihr

Urteil öffentlich ab, daß sie an der Pest gestorben waren. Dies ging

an den Kirchspielschreiber weiter, der es dem Magistrat behändigte. In

dem wöchentlichen Sterblichkeitsregister wurde es dann in der üblichen

Weise abgedruckt:

Pest: 2. Verseuchte Kirchspiele: 1.

Die Leute wurden darüber sehr bestürzt und gerieten in der ganzen Stadt

in Aufregung, um so mehr, als in der letzten Dezemberwoche noch ein

anderer Mann in demselben Hause und an der gleichen Seuche starb. Dann

aber hörte man ungefähr sechs Wochen nichts mehr, und als niemand mehr

ein Zeichen der Ansteckung zeigte, hielt man dafür, daß die Seuche

erloschen wäre. Aber darauf, ich glaube um den 12. Februar herum, starb

noch ein Mann in einem andern Hause, aber in dem gleichen Kirchspiel

und unter denselben Anzeichen.

Nun richtete sich das Augenmerk aller nach jenem Teile der Stadt,

und da die wöchentlichen Register eine stärkere als die gewöhnliche

Sterblichkeit in dem Kirchspiel von St. Giles anzeigten, begann sich

der Verdacht zu regen, daß die Pest unter der Bevölkerung an diesem

Ende der Stadt herrsche, und daß schon viele daran gestorben wären,

wenn man auch Sorge getragen hätte, die Öffentlichkeit darüber so

viel als möglich im unklaren zu lassen. Dieser Glaube setzte sich in

den Köpfen der Leute fest, und nur wenige trauten sich noch, durch

Drurylane oder eine der andern verdächtigen Straßen zu gehen, wenn sie

nicht durch besondere Geschäfte dazu gezwungen wurden.

Mit der Zunahme in den Sterblichkeitsregistern stand es folgendermaßen:

die wöchentliche Durchschnittszahl betrug in den Kirchspielen von St.

Giles in the Fields, und St. Andrew, Holborn, von 12 zu 17 oder 19 in

jedem, wenig darunter oder darüber. Aber von dem ersten Auftreten der

Pest an im Kirchspiel von St. Giles stieg sie ganz erheblich, bis auf

23 und 24, ja 25 im Kirchspiel von St. Andrew.

Eine gleiche Zunahme machte sich in den Kirchspielen von St. Bride

bemerkbar, die einerseits an das Kirchspiel von Holborn und das von St.

James, andererseits an das weitere Ende von Holborn grenzen. In diesen

beiden Kirchspielen betrug die Durchschnittssterblichkeit von 4 zu 6

und 8 in der Woche, während sie nun auf 12 und 13 stieg.

Außerdem geriet das Volk in große Unruhe durch die Beobachtung, daß die

wöchentliche Sterblichkeit ganz im allgemeinen stark zunahm, und das zu

einer Jahreszeit, da sie gewöhnlich recht mäßig war.

Die wöchentliche Durchschnittssterblichkeit belief sich auf etwa 240

bis zu 300. Letztere Zahl mußte schon als hoch gerechnet werden. Jetzt

aber zeigten die Register ständig bei weitem höhere Zahlen, von 291

in der letzten Dezemberwoche bis zu 474 in der Woche vom 17. bis 24.

Januar.

Diese Zahl war wirklich erschreckend und höher als irgendeine seit dem

letzten Auftreten der Seuche im Jahre 1656.

Doch dies alles ging wieder vorüber. Das Wetter war kalt, und der

Frost, der im Dezember begonnen hatte, hielt sich sehr streng bis

gegen Ende Februar bei schneidendem, wenn auch nicht heftigem Winde.

Die Sterblichkeitsquote ging von neuem herunter, und man hielt die

Gefahr für so gut als vorbei. Nur in St. Giles blieb die Sterblichkeit

andauernd hoch. Von Anfang April an stand sie auf 25 die Woche, stieg

dann aber vom 18. bis 25. auf 30, davon 2 Todesfälle an der Pest und 8

am Fleckfieber, was nach der Ansicht der Leute ein und dasselbe war.

So stieg auch die allgemeine Sterblichkeit am Fleckfieber von 8 in der

vorigen auf 12 in der eben erwähnten Woche.

Darüber gerieten wir von neuem in Bestürzung, und die Leute wurden von

schrecklichen Vorahnungen erfaßt, um so mehr, als das Wetter jetzt

umschlug und warm wurde, und der Sommer vor der Türe stand. Aber die

nächste Woche brachte neue Hoffnungen: die Sterblichkeitsrate war

niedrig und lautete alles in allem nur auf 388, darunter kein Pestfall

und nur 4 Fälle von Fleckfieber.

Aber die folgende Woche ging’s wieder aufwärts. Die Seuche verbreitete

sich in 2 oder 3 andere Kirchspiele, nämlich nach St. Andrew, Holborn

und St. Clement-Danes, und zum außerordentlichen Schrecken der inneren

Stadt gab es auch einen Todesfall in der eigentlichen City, im

Kirchspiel von St. Mary-Wool-Church, d. h. in der Bearbinder-Straße,

nahe am Stocks-Markt. Im ganzen starben 9 an der Pest und 6 am

Fleckfieber. Allerdings ergab die Untersuchung, daß der Franzose,

der in der Bearbinder-Straße gestorben war, früher in Longacre, in

der Nähe der verseuchten Häuser gewohnt hatte und aus Furcht vor der

Seuche umgezogen war, ohne eine Ahnung davon zu haben, daß er bereits

angesteckt war.

Es war nun schon Anfang Mai, doch das Wetter war veränderlich und

ziemlich kühl, und so hatten die Leute noch immer etwas Hoffnung. Was

sie besonders ermutigte, war, daß die innere Stadt frei blieb. Von

ihren 97 Kirchspielen gab es nur in 54 Todesfälle, und wir trugen uns

mit der Hoffnung, daß die Seuche sich hauptsächlich auf die Bevölkerung

an jenem Ende der Stadt beschränken möchte und nicht weitergehen würde.

Besonders auch, weil die nächste Woche, vom 9. bis 16. Mai, nur 3

Todesfälle brachte, davon keinen innerhalb der inneren Stadtbezirke.

Auch in St. Andrew starben nur 15, eine sehr niedrige Zahl. In St.

Giles freilich gab es 32 Todesfälle, aber nur einen an der Pest, so daß

das Volk sich wieder beruhigte. Auch die Gesamtsterblichkeitsquote war

sehr gering, 343 zu 347 in der vorangehenden Woche.

Einige Tage hielten unsere Hoffnungen an, aber nur einige Tage. Denn

das Volk ließ sich nun nicht mehr täuschen. Man durchsuchte die

Häuser und sah, daß die Pest wirklich überallhin gekommen war, und

daß sie täglich eine Menge Opfer forderte. So war’s nun mit allen

Beschönigungen zu Ende und konnte nicht mehr verheimlicht werden. Mit

einem Schlage zeigte sich, daß die Ansteckung sich nach allen Seiten

verbreitet hatte und allen Hoffnungen, sie einzudämmen, spottete.

Im Kirchspiel von St. Giles war die Seuche schon in mehrere Straßen

gedrungen und ganze Familien lagen an ihr danieder. Demgemäß war denn

auch die Sterblichkeitsziffer der nächsten Woche. Zwar wurden nur 16

Todesfälle an der Pest festgestellt, aber das war alles ausgemachter

Schwindel. In St. Giles starben alles in allem 40, davon die meisten

ohne jeden Zweifel an der Pest, obwohl sie unter andern Krankheiten

aufgeführt wurden. Die Gesamtzahl der Sterbefälle erreichte nur 385,

darunter jedoch 14 an der Pest und ebenso viele am Fleckfieber, und

wir waren davon überzeugt, daß in dieser Woche 50 von der Seuche

dahingerafft worden waren.

Das nächste Register vom 23. zum 30. Mai brachte 17 Pestfälle, aber in

St. Giles starben 53, eine erschreckende Zahl! Wenn man auch bei nur

9 davon die Pest zugab, zeigte doch eine genauere Nachforschung, die

auf Befehl des Lordmayors von den Friedensrichtern vorgenommen wurde,

daß in Wirklichkeit 20 mehr in diesem Kirchspiel an der Pest gestorben

waren, die man unter Fleckfieber und andere Krankheiten eingereiht oder

gar ganz verschwiegen hatte.

Doch dies waren Kleinigkeiten, verglichen mit dem, was gleich darauf

folgte. Denn nun setzte die Hitze ein, und von der ersten Juniwoche

an verbreitete sich die Seuche in entsetzlicher Weise. Die Zahl der

Todesfälle schwoll an, wobei freilich oft Fieber und Fleckfieber als

Ursachen angegeben wurden. Denn wer nur die Wahrheit verheimlichen

konnte, tat es, um nicht von den Bekannten und Nachbarn geächtet zu

werden und auch, um der Absperrung der Häuser durch die Behörden zu

entgehen, eine Maßregel, die damals zwar noch nicht in Kraft war, aber

angedroht wurde und schon in der bloßen Vorstellung die Leute mit dem

äußersten Entsetzen erfüllte.

Während der zweiten Juniwoche begrub man im Kirchspiel von St. Giles,

wo der Herd der Verseuchung lag, 120, von denen dem Register nach nur

68 an der Pest gestorben waren. Jeder sprach es aber offen aus, daß

es wenigstens 100 gewesen sein müßten, gemessen an der gewöhnlichen

Sterblichkeitsziffer.

Bis zu dieser Woche war die City frei geblieben, abgesehen von dem

schon erwähnten Franzosen. In all ihren 97 Kirchspielen war außer ihm

kein Mensch an der Pest gestorben. Jetzt gab es dort 4 Opfer, eins in

der Wood-Straße, eins in der Fenchurch-Straße und zwei in der Krummen

Gasse. Southwark war noch ganz unberührt, wie überhaupt auf dem andern

Ufer noch niemand der Seuche erlegen war.

Ich selbst wohnte außerhalb Aldgate, etwa mittenwegs zwischen der

Aldgate-Kirche und den Whitechapeler Schlagbäumen, auf der linken oder

nördlichen Seite der Straße. Da die Seuche diesen Teil der Stadt noch

nicht erreicht hatte, waren wir recht beruhigt. Am andern Ende der

Stadt war aber die Bestürzung überaus groß, und die wohlhabenderen

Leute, besonders der Adel und die Vornehmen aus dem Westen, hasteten,

mit ihren Familien und ihrer Dienerschaft aus der Stadt zu kommen.

Noch auffälliger war das in Whitechapel. In der breiten Straße, wo ich

wohnte, war wirklich nichts zu sehen als Wagen und Karren, beladen mit

Hausgeräte, Weibern, Dienstmädchen, Kindern u. a. m., Kutschen voll von

Leuten der besseren Klassen, Reiter, die sie begleiteten -- alles auf

der Flucht. Dann erschienen wieder leere Wagen und Karren, Diener mit

Pferden, die anscheinend zurückkamen oder noch weiteren Nachschub holen

sollten. Dazwischen zahllose Leute zu Pferde, manche allein, andere mit

Bediensteten, alle mit Gepäck beladen und für die Reise ausgerüstet,

wie aus ihrem Aussehen hervorging.

Das war wohl ein trauriger und schauerlicher Anblick, den ich von

Morgens bis zur Nacht vor Augen hatte (denn sonst war wirklich nichts

Merkwürdiges zu sehen), und der mich mit recht trüben Vorahnungen des

Elends erfüllte, das über die Stadt kommen würde, und des jämmerlichen

Zustandes derjenigen, die zurückblieben.

Diese Flucht hielt einige Wochen hindurch in der gleichen Stärke

an. Zur Wohnung des Lordmayors konnte man nur unter äußersten

Schwierigkeiten gelangen, so stauten und drängten sich dort die

Menschen, um Pässe und Gesundheitsbescheinigungen für die Weiterreise

zu erhalten, denn ohne solche gab es keine Erlaubnis, die Städte

auf dem Wege zu passieren oder in einem Gasthause zu übernachten.

Da nun bisher noch niemand in der City, der eigentlichen inneren

Stadt, an der Seuche gestorben war, gab der Lordmayor ohne weiteres

Gesundheitsbescheinigungen an alle, die in den 97 Kirchspielen wohnten,

und eine Weile auch an die Bevölkerung der angrenzenden Distrikte.

Diese Flucht dauerte, wie gesagt, einige Wochen, d. h. den ganzen Mai

und Juni hindurch, besonders auch, weil das Gerücht von einer kommenden

Verfügung der Regierung sprach, alles Reisen durch Schlagbäume und

Schranken auf den Straßen zu verhindern. Zudem hieß es, daß die Städte

an den Hauptstraßen die Leute von London nicht mehr passieren lassen

wollten, aus Angst vor der Ansteckung, die sie mit sich brächten. Dabei

waren diese beiden Gerüchte gänzlich grundlos, wenigstens vorläufig,

und nur in der Phantasie der Menschen entstanden.

Auch ich begann mir ernstlich zu überlegen, was ich selbst tun und

mit mir anfangen, ob ich mich zum Bleiben in London entschließen oder

gleich den meisten meiner Nachbarn mein Haus zuschließen und fliehen

sollte. Ich spreche darüber so ausführlich, weil es für die, die

künftig vielleicht einmal in die gleiche schlimme Lage kommen und

sich derselben Entscheidung gegenübersehen, von einiger Bedeutung

sein mag, und daher soll mein Bericht eher ein Fingerzeig für ihre

Handlungsweise, als eine Geschichte meiner eigenen Handlungen sein,

angesehen, daß es ihnen auch nicht die Bohne verschlagen dürfte zu

wissen, was aus mir wurde.

Zwei wichtige Dinge hatte ich in Betracht zu ziehen: einerseits die

Fortführung meines Geschäftes, das nicht unbedeutend war, und in dem

mein ganzes Geld steckte, andererseits die Erhaltung meines Lebens in

dieser Unglückszeit, die, wie ich wohl vorhersah, über die ganze Stadt

kommen würde, und die meine Angst noch ins Ungemessene vergrößerte.

Der erste dieser beiden Gesichtspunkte war für mich von erheblichem

Belang. Mein Geschäft war das eines Sattlers, und da es der Hauptsache

nach nicht in einem Ladengeschäft bestand, sondern im Handel nach

den englischen Kolonien in Amerika, steckte mein Geld zum größten

Teile in den Händen der dahin exportierenden Kaufleute. Ich war zwar

Junggeselle, hatte aber einen Haufen von Leuten, die ich im Geschäft

brauchte, ein Haus, einen Laden, Lager voll von Waren -- und dies

alles sich selbst zu überlassen, wie es unter den jetzigen Umständen

nun einmal nicht anders ging, ohne Aufseher oder eine richtige

Vertrauensperson, hieß nicht nur mein Geschäft aufs Spiel setzen,

sondern mein ganzes Vermögen und alles, was ich auf der Welt mein eigen

nannte.

Damals befand sich ein älterer Bruder von mir in London, der einige

Jahre früher von Portugal dahin gezogen war. Mit diesem beriet ich

mich, und seine Antwort war in drei Worten dieselbe, die bei einer ganz

anderen Gelegenheit gegeben worden war, nämlich: Herr, rette dich!

Kurz, er war dafür, daß ich mich aufs Land begeben sollte, was zu tun

er auch selbst mit seiner Familie entschlossen war. Er wiederholte,

was er im Ausland gehört hatte, daß das beste Mittel gegen die Pest

wäre, vor ihr davonzulaufen. Meine Befürchtungen wegen des Verlustes

meines Geschäftes, meines Geldes und meiner Außenstände, widerlegte

er mit denselben Gründen, die ich selbst für mein Bleiben ins Feld

führte, indem er mein Vertrauen auf den Schutz Gottes in Hinsicht

auf die Erhaltung meines Lebens meiner Angst vor dem Verlust meiner

Habe gegenüberstellte. »Wäre es nicht vernünftiger,« meinte er, »ein

ebensolches Vertrauen in Gott zu setzen, wenn es sich um die Erhaltung

deines Vermögens handelt, als dich einer so fürchterlichen Gefahr

auszusetzen und ihm die Erhaltung deines Lebens anheimzustellen?«

Ich konnte nicht einmal als Gegenargument ins Feld führen, daß ich

nicht wüßte, wohin ich mich wenden sollte, da ich mehrere Freunde und

Verwandte in Northhamptonshire besaß, woher unsere Familie stammte;

außerdem wohnte in Lincolnshire meine einzige Schwester, die mich mit

Freuden aufgenommen hätte.

Mein Bruder, der seine Frau und seine zwei Kinder nach Bedfordshire

vorausgeschickt hatte und ihnen zu folgen entschlossen war, drang in

mich, mich auch davonzumachen. Einmal wollte ich ihm schon nachgeben,

konnte mir aber damals kein Pferd verschaffen. Denn obwohl es noch

Menschen in London gab, kann man doch sagen, daß die Pferde daraus

verschwunden waren. Wochenlang war in der ganzen Stadt kein einziges

Pferd zu mieten oder zu kaufen. Dann entschloß ich mich wieder, mit

einem Diener zu Fuß auszuziehen, die Gasthäuser zu vermeiden und ein

Soldatenzelt mitzuführen, um im Freien zu übernachten, was bei dem

warmen Wetter ohne Fährlichkeit geschehen konnte. Wirklich machten’s

auch viele so, besonders solche, die während des früheren Krieges

gedient hatten, und ich muß sagen: hätten’s alle, die auswanderten,

so gemacht, so wäre die Pest nicht in so zahlreiche Provinzstädte

hinausgetragen worden, wie es tatsächlich zum großen Schaden und

Verderben unzähliger Menschen geschah.

Aber dann ließ mich der Diener, den ich hatte mitnehmen wollen, im

Stiche, da ihn die Zunahme der Seuche entsetzte und er im unsichern

war, wann ich mich auf den Weg machen würde. So lief er auf eigene

Faust davon, und vereitelte, für den Augenblick wenigstens, meine

Absichten. Überhaupt kam, so bald ich mich zur Abreise entschlossen

hatte, immer irgend etwas dazwischen, daß ich sie wieder aufgeben

mußte, und darüber, daß nämlich solche Hindernisse vom Himmel gesandt

werden, möchte ich doch etwas sagen, wenn es auch eine Abschweifung

bedeutet.

Eines Morgens, als ich über diese Sache nachsann, wurde es mir ganz

einleuchtend, daß, da nichts ohne das Eingreifen oder die Zulassung

der göttlichen Macht geschieht, auch diese Hindernisse eine besondere

Bedeutung haben müßten. Es zwang mich förmlich zu überlegen, ob darin

nicht ein augenscheinlicher Hinweis auf den Willen Gottes liege, daß

ich nicht abreisen solle. Daran schloß sich der Gedanke, daß, wenn

Gott wirklich mein Bleiben wolle, er auch sicherlich die Macht hatte,

mich mitten in all der Gefahr und trotz des drohenden Todes am Leben

zu erhalten. Und daß andererseits meine Flucht entgegen all dieser

Hinweise, an deren göttliche Natur ich glaubte, nichts anderes war als

eine Flucht vor Gott, dessen Hand mich erreichen konnte, wo und wann es

ihm beliebte.

Solche Gedanken warfen alle meine Entschlüsse wieder um, und als ich

wieder zu meinem Bruder kam, sagte ich ihm, daß ich bleiben und mein

Los dort erwarten wolle, wohin mich Gott gestellt habe, und daß mir

dies in Anbetracht alles dessen, was ich eben ausgeführt habe, auch

meine Pflicht scheine.

Obwohl mein Bruder selbst ein sehr frommer Mann war, lachte er doch

über das, was ich Fingerzeige des Himmels genannt hatte, und hielt

mir mehrere Geschichten von »solchem dummdreisten Volk« vor, wie er

sich ausdrückte, das mir ähnlich wäre. Freilich sollte ich es als

ein Eingreifen der himmlischen Macht betrachten, wenn ich etwa durch

Krankheit verhindert würde, London zu verlassen. Dann könnte ich

mich ruhig der Leitung meines Schöpfers überlassen, der nach seinem

Gutdünken mit mir verfahren würde, und die Entscheidung, was die

Vorsehung über mich verhängt habe und was nicht, wäre nicht schwer zu

treffen. Daß ich es aber als einen Fingerzeig Gottes betrachte, daß ich

kein Pferd zu mieten kriegen könne oder mein Diener, der mich auf der

Reise begleiten sollte, weggelaufen war, wäre lächerlich, angesehen ich

zur gleichen Zeit meine Gesundheit und meine Körperkräfte behalten

hätte, auch noch andere Diener besäße, und somit leicht ein oder zwei

Tage zu Fuß wandern könne. Und da ich außerdem ein Gesundheitszeugnis

hätte, könnte ich nach meinem Belieben dann auf der Strecke ein Pferd

mieten oder auch die Post nehmen.

Dann fuhr er fort, mir von den heillosen Folgen zu erzählen, die

sich aus dem Glauben der Türken und Mohammedaner in Asien und andern

Ländern, wo er gewesen war, ergäben (denn mein Bruder war als Kaufmann

vor einigen Jahren, wie ich schon berichtet habe, aus dem Ausland

zurückgekehrt und hatte sich zuletzt in Lissabon aufgehalten), und wie

sie in der Überzeugung, daß das Schicksal jedes Menschen unabänderlich

vorherbestimmt und festgelegt wäre, ohne Bedenken in verseuchte Orte

zögen und mit angesteckten Leuten verkehrten, was eine wöchentliche

Sterblichkeit von 10 oder 15000 zur Folge hätte, während die Europäer

und christlichen Kaufleute, die sich absperrten und abseits hielten, im

allgemeinen der Ansteckung entgingen.

Durch solche Gründe machte mein Bruder meine Entschlüsse wieder

wankend, ich begann nun doch an die Abreise zu denken und bereitete

mich dementsprechend vor, denn die Seuche hatte sich nun in der ganzen

Umgegend verbreitet, die Register wiesen eine Sterblichkeit von 700

die Woche aus, und mein Bruder sagte mir, er wage nicht mehr länger

zu bleiben. Ich bat ihn noch um einen Tag Bedenkzeit, und da alles so

gut als möglich vorbereitet war, auch in Hinsicht auf mein Geschäft,

und denjenigen, dem ich die Sorge für meine Angelegenheiten übergeben

wollte, hatte ich wenig mehr zu tun als einen letzten Entschluß zu

fassen.

An diesem Abend ging ich schwer bedrückt nach Hause, unentschieden

und ohne zu wissen, was ich tun sollte. Ich hatte mich für den Abend

frei gemacht, um alles noch einmal ernstlich zu überdenken, und

war ganz allein. Damals hatten schon die Leute, wie in allgemeiner

Übereinstimmung, die Gewohnheit angenommen, nach Sonnenuntergang ihr

Heim nicht mehr zu verlassen, worüber ich später noch mehr zu sagen

haben werde.

In der Einsamkeit dieses Abends versuchte ich, mir erst darüber klar

zu werden, welche Handlungsweise mir die Pflicht vorschrieb. Ich

führte mir wieder die Gründe vor Augen, die mein Bruder vorgebracht

hatte, um mich zur Abreise zu bewegen, und stellte ihnen mein eigenes

lebhaftes Gefühl gegenüber, das fürs Bleiben sprach: die Umstände, die

aus der besonderen Art meines Berufes hervorgingen, die Pflicht, mir

meine Waren und mein Geld zu erhalten, die gewissermaßen mein Vermögen

ausmachten, dann auch die Winke, die mir nach meiner Überzeugung vom

Himmel zugekommen waren und für mich eine Art von Leitung bedeuteten.

Dabei fiel mir ein, daß ich, wenn ich einen offenbaren Wink zum Bleiben

erhalten würde, diesen gleichzeitig als ein Versprechen der Erhaltung

meines Lebens betrachten dürfe, als Lohn meines Gehorsams.

Dieser Gedankengang lag mir; meine Gedanken neigten sich mehr als

je dazu, zu bleiben, und wurden durch eine heimliche Sicherheit

unterstützt, daß ich vor dem Tode bewahrt werden würde. Ich blätterte

in der Bibel, die vor mir lag, und während ich meinen Geist mit

ungewöhnlichem Ernste auf das richtete, was mir fragwürdig schien,

rief ich: »Ich weiß nicht, was ich tun soll, Herr, leite du mich!« und

dabei hörte ich auf, in der Bibel zu blättern, beim 91. Psalm, und

indem mein Auge auf den zweiten Vers fiel, las ich bis zum siebenten,

den aber nicht, und schob dafür den zehnten ein, folgendermaßen: Der

spricht zu dem Herrn: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf

den ich hoffe. Denn er errettet mich vom Strick des Jägers und von der

schädlichen Pestilenz. Er wird dich mit seinen Fittigen decken, und

deine Zuversicht wird sein unter seinen Flügeln. Seine Wahrheit ist

Schirm und Schild, daß du nicht erschrecken müssest vor dem Grauen des

Nachts, vor den Pfeilen, die des Tages fliegen, vor der Pestilenz, die

im Finstern schleichet, vor der Seuche, die im Mittag verderbet. Ob

tausend fallen zu deiner Seite, und zehntausend zu deiner Rechten, so

wird es doch dich nicht treffen. Ja, du wirst mit deinen Augen deine

Lust sehen, und schauen, wie es den Gottlosen vergolten wird. Denn der

Herr ist deine Zuversicht, der Höchste ist deine Zuflucht. Es wird dir

kein Übels begegnen, und keine Plage wird zu deiner Hütte sich nahen. --

Ich brauche dem Leser kaum zu sagen, daß ich mich von diesem

Augenblicke an entschloß, in der Stadt zu bleiben und mich ganz der

Güte und dem Schutz des Allmächtigen zu überlassen, ohne irgendeine

andere Zuflucht zu suchen. Da meine Tage in seinen Händen waren, war

er imstande, mich in einer Zeit der Seuche wie in guten Zeiten zu

erhalten. Wenn es ihm nicht richtig schien, mich zu bewahren, war ich

doch in seinen Händen, und es war seine Sache, mit mir nach seinem

Gutdünken zu verfahren.

Mit diesem Entschluß ging ich zu Bett, und der nächste Tag bestärkte

mich weiter darin, denn die Frau, der ich mein Haus und alle meine

Angelegenheiten hatte übergeben wollen, fiel in Krankheit. Und ich

selbst erhielt einen Wink von derselben Seite, denn auch ich befand

mich am folgenden Tage recht wenig wohl. Hätte ich also auch fortgehen

wollen, so wäre ich dazu nicht imstande gewesen. Mein Unwohlsein

dauerte drei oder vier Tage, und damit war mein endgültiger Entschluß

zum Bleiben gefaßt. Ich nahm daher Abschied von meinem Bruder, der sich

nach Dorking begab, in Surrey, und dann weiterhin nach Buckinghamshire

oder Bedfordshire, nach einer Zufluchtsstätte, die er für seine Familie

entdeckt hatte.

Es war eine sehr böse Zeit, um krank zu sein, denn von jedem, der

klagte, hieß es, er habe die Pest, und obwohl sich bei mir keinerlei

Symptome dieser Seuche zeigten, war ich doch nicht ohne Angst, da

ich starke Schmerzen im Kopf und Magen verspürte, daß ich wirklich

angesteckt worden wäre. Doch nach etwa drei Tagen begann es mir besser

zu gehen, in der dritten Nacht schlief ich gut, schwitzte etwas und

erwachte recht erfrischt. Die Furcht vor der Ansteckung verließ mich

mit der Krankheit, und ich ging wie gewöhnlich meinen Geschäften nach.

Alle Gedanken an Flucht waren mir aber vergangen, und da mein Bruder

nun auch fort war, gab es über diesen Gegenstand keine Überlegungen

mehr, weder mit ihm noch mit mir selbst.

Es war jetzt Mitte Juli, und die Pest, die hauptsächlich am andern

Ende der Stadt gewütet hatte, in den Kirchspielen von St. Giles, St.

Andrew, Holborn und gegen Westminster zu, begann sich nun nach Osten

auszudehnen, gegen den Stadtteil, wo ich wohnte. Merkwürdigerweise

ging sie nicht in gerader Linie vor, denn die City, d. h. die innere

Stadt, war noch immer verhältnismäßig unverseucht, und auch über dem

Fluß, in Southwark, war noch nicht viel zu spüren. Obwohl in dieser

Woche im ganzen 1268 starben, davon wahrscheinlich über 900 an der

Pest, trafen auf die innere Stadt nur 28 und nur 19 auf Southwark, das

Lambeth-Kirchspiel eingeschlossen, während in den Kirchspielen von St.

Giles und St. Martin in the Fields allein 421 starben.

Es war zu beobachten, das sich die Seuche hauptsächlich in den äußeren

Kirchspielen hielt, die sehr dicht bevölkert waren, besonders von

armen Leuten. Dort fand die Seuche einen besseren Boden als in der

City, worüber später mehr. Es war also, wie gesagt, zu beobachten,

daß die Seuche auf uns zu kam, durch die Kirchspiele von Clerkenwell,

Cripplegate, Shoreditch und Bishopsgate, welch’ letztere beiden

an Aldgate, Whitechapel und Stepney grenzen. Dort entfaltete sie

später ihre äußerste Wut und Heftigkeit, als sie in den westlichen

Kirchspielen, wo sie ausgebrochen war, schon nachgelassen hatte.

Es war sehr seltsam, daß in dieser Woche, vom 4. bis zum 11. Juli im

Kirchspiel von Aldgate nur 4, in dem von Whitechapel nur 3 starben und

in Stepney nur 1, während die Seuche in den beiden Kirchspielen von St.

Martin und St. Giles in the Fields nahe an 400 hinwegraffte.

Auch in der nächsten Woche, vom 11. bis 18. Juli, starben auf der

ganzen Seite von Southwark nur 16 bei einer Gesamtsterblichkeit von

1761.

Aber das änderte sich bald, und besonders Cripplegate und Clerkenwell

wurden betroffen, so daß in der zweiten Augustwoche in Cripplegate

allein 886 beerdigt werden mußten, und in Clerkenwell 155. Davon waren

in Cripplegate wohl 850 an der Pest gestorben; in Clerkenwell gab das

Register selbst 145 Pestfälle zu.

Während des Monats Juli, als unser Stadtteil im Vergleich zu den

Westgegenden noch ziemlich frei schien, ging ich wie gewöhnlich auf

die Straße, wie es gerade meine Geschäfte mit sich brachten, und begab

mich regelmäßig alle Tage oder jeden zweiten Tag in die City zum Hause

meines Bruders, das er meiner Sorge übergeben hatte, um nachzusehen,

ob alles in Ordnung war. Da ich den Schlüssel in der Tasche hatte,

schloß ich meistens das Haus auf und ging durch alle Räume. Denn obwohl

es unglaublich klingt, daß in solchen Zeiten des Elends jemand das Herz

haben sollte zu stehlen und zu rauben, war es doch so, daß alle Arten

von Schändlichkeiten, Liederlichkeiten und sogar Ausschweifungen so

offen als jemals begangen wurden, wenn auch vielleicht nicht so häufig,

weil die Bevölkerung doch aus vielen Gründen abgenommen hatte.

Und nun kam die Seuche auch an die innere Stadt, die eigentliche City.

Dort waren die Inwohner arg zusammengeschmolzen, da sie haufenweise die

Flucht ergriffen hatten und auch den ganzen Juli hindurch noch flohen,

obschon nicht in solcher Anzahl wie zuvor. Im August nahm dann das

Flüchten wieder so zu, daß ich fast glaubte, es würden nur noch Beamte

und Dienstboten in der City zurückbleiben.

Der Hof war schon früher, im Monat Juni, verlegt worden. Er begab

sich nach Oxford, wo er durch die Gnade Gottes bewahrt blieb. Soviel

ich hörte, blieb er von der Seuche gänzlich unberührt, wofür er aber

keine große Dankbarkeit an den Tag legte oder irgendein Zeichen der

Besserung, obwohl es ihm nicht erst gesagt zu werden brauchte, daß

seine offenkundigen Laster nicht wenig dazu beigetragen haben mochten,

dieses schreckliche Gericht über das ganze Volk zu bringen.

Das Aussehen Londons war jetzt wirklich sehr verändert. Ich meine

die ganze Häusermasse, City, Vorstädte, Westminster, Southwark, alles

zusammen. Die eigentliche Stadt, innerhalb der Stadtmauern, war noch

nicht stark verseucht. Aber doch war, wie gesagt, das allgemeine

Aussehen ein anderes geworden. Sorge und Trauer zeigten sich auf allen

Gesichtern, und obschon einige Stadtteile noch ziemlich frei waren,

sahen doch alle Leute sehr bekümmert aus. Immer näher sahen wir die

Seuche kommen, und jeder mußte sich selbst und seine Familie für aufs

äußerste gefährdet halten. Wäre es möglich, jenen, die sie nicht erlebt

haben, diese Zeit ganz vor Augen zu bringen, und den Lesern eine

richtige Vorstellung von dem Grauen zu geben, das überall herrschte,

so müßte es ihnen einen unauslöschlichen Eindruck machen und sie mit

höchster Bestürzung erfüllen. Man kann wohl sagen, daß ganz London

in Tränen schwamm. Zwar gingen die Trauernden nicht auf die Straße,

kleideten sich auch nicht in Schwarz, nicht einmal für die nächsten

Freunde, aber die Stimme der Trauer hallte doch durch alle Straßen.

Das Geschrei der Frauen und Kinder an den Fenstern und Haustüren,

hinter denen die nächsten Anverwandten vielleicht im Sterben oder

schon als Leichen lagen, war so häufig zu hören, während man durch

die Straßen ging, daß es auch dem Mutigsten durch Mark und Bein gehen

mußte. Weinen und Klagen fast in jedem Hause, besonders in der ersten

Zeit der Seuche. Denn später stumpften sich die Herzen ab. Der Tod war

beständig vor unsern Augen, und auch der Verlust der Freunde kümmerte

den nicht mehr viel, der vielleicht schon in der nächsten Stunde das

eigne Leben zu verlieren erwarten mußte.

Die Geschäfte führten mich zuweilen an das andere Ende der Stadt, als

die Seuche dort am stärksten herrschte, und da mir wie übrigens jedem

andern die Sache noch neu war, sah ich mit keiner kleinen Überraschung,

wie verödet die sonst so belebten Straßen waren, in denen man kaum hier

und da einen Menschen antraf. Wäre ich ein Fremder gewesen, hätte ich

manchmal ganze Straßen lang, wenigstens was die Nebengassen betrifft,

kein lebendes Wesen gefunden, um nach dem Wege zu fragen, außer den

Wachleuten, die vor den abgesperrten Häusern aufgestellt waren, welchen

Umstand ich gleich näher erklären werde.

Als ich eines Tages in einer besonderen Angelegenheit in jenem Teile

der Stadt war, bewog mich die Neugier, alles genauer als sonst zu

betrachten. Ich ging daher eine große Strecke weiter, wo ich eigentlich

nichts zu tun hatte. In Holborn waren viele Leute auf der Straße, aber

sie gingen alle in der Mitte, weder rechts noch links, um, wie ich

vermute, ein Zusammentreffen mit jedem zu vermeiden, der etwa aus einem

Hause herauskäme, und auch, um den Gerüchen zu entgehen, die aus den

verseuchten Häusern drangen.

Die Rechtskollegien waren alle geschlossen, und auch im Temple, in

Lincolns Inn oder Grays Inn fand man nur wenige Rechtsanwälte. Es gab

keine Prozesse mehr, also hatten sie nichts zu tun, abgesehen von den

Gerichtsferien, die die meisten dazu benutzten, aufs Land zu gehen.

An einigen Plätzen waren ganze Häuserreihen sorgsam verschlossen. Die

Bewohner waren alle geflohen, nur ein oder zwei Wachleute zu sehen.

Wenn ich sage, daß ganze Häuserreihen verschlossen waren, so meine ich

nicht, daß das auf Befehl der Behörden geschehen war. Eine Menge Leute

waren dem Hofe gefolgt, in dessen Diensten sie standen, und auch andere

waren aus Angst vor der Pest geflohen, so daß manche Straßen völlig

verödet erschienen. Die Furcht war damals in der eigentlichen City noch

lange nicht so groß, denn wenn auch anfangs dort ein unaussprechliches

Entsetzen überhandnahm, ging die Seuche zuerst doch oft wieder zurück,

so daß die Leute wiederholt aufgeschreckt wurden und sich dann wieder

beruhigten, bis sie sich endlich daran gewöhnten. Selbst wenn die

Seuche dann von neuem heftiger auftrat, verloren sie nicht mehr den

Mut, weil sie sahen, daß sie sich nicht sofort in der City, den

östlichen und südlichen Teilen verbreitete. Und außerdem war alles ein

wenig abgestumpft. Es ist nicht zu leugnen, daß eine ungeheure Masse

Volkes geflohen war, aber hauptsächlich aus den westlichen Stadtteilen

und jenen, die man das Herz der City nennt, also vornehmlich reiche

Leute oder solche, die weder Beruf noch Geschäft hatten. Die andern

waren im allgemeinen geblieben, in Erwartung des Schlimmsten, so in

den äußern Bezirken und Vorstädten, in Southwark, Ratcliff, Stepney,

Rotherhithe und da herum, bis auf die wenigen Wohlhabenderen, die

unabhängig waren.

Man darf nicht vergessen, daß beim Ausbruch der Seuche London mit all

seinen Vorstädten richtig überfüllt an Menschen war. Wenn auch seither

die Bevölkerung weiter mächtig zugenommen hat, so waren doch damals,

nach Beendigung des Krieges, Auflösung der Heere, und Wiederherstellung

der Monarchie die Leute haufenweise nach London gekommen, um sich

dort geschäftlich niederzulassen oder bei Hofe Anstellung, Belohnung

für geleistete Dienste und was dem mehr ist, zu suchen. Man nahm an,

daß auf solche Weise die Stadtbevölkerung um mehr als 100000, ja, wie

manche behaupteten, aufs Doppelte gestiegen war. Strömten doch all die

zugrunde gerichteten Familien der Königspartei hier zusammen, all die

verabschiedeten Soldaten, die sich nun um irgendeinen Handel umsahen,

und auch außerdem eine Masse Menschen. Denn der Hof erschien in Pracht

und neuem Glanze, das Geld flog nur so hinaus, und die Befriedigung

über die Wiederherstellung des Königtums zog nicht wenige Familien nach

der Hauptstadt.

Aber nun wieder zurück zum Beginn dieser erstaunlichen Zeit, als die

Angst des Volkes erst im Entstehen war. Mehrere seltsame Ereignisse

kamen dazu, sie zu verstärken, und wenn man sie nebeneinander hält, muß

man sich wirklich wundern, daß nicht das ganze Volk, wie ein Mann, die

Heimstätten verließ und sich aus einem Orte flüchtete, den der Fluch

des Himmels getroffen hatte, mit allem, was in ihm lebte, vom Erdboden

zu verschwinden. Ich will nur einiges davon anführen, von dem vielen,

mit dem die Hexenmeister und Schlauköpfe einen solchen Schwindel

trieben, daß ich nicht erstaunt gewesen wäre, wenn alle, besonders die

Frauen, die Stadt verlassen hätten.

Vor allem war es ein Schweifstern oder Komet, der mehrere Monate

vor der Pest am Himmel erschien, gerade wie damals vor der großen

Feuersbrunst. Die alten Weiber und jener Teil des stärkeren

Geschlechts, den ich auch alte Weiber nennen möchte, beobachteten

damals, aber natürlich erst, als beide Heimsuchungen vorüber waren,

daß die beiden Kometen unmittelbar über die Stadt hinweggezogen waren,

und das so nahe über den Häusern, daß es offensichtlich für die Stadt

etwas Besonderes zu bedeuten hatte. Ferner hieß es, daß der Komet, der

vor der Seuche erschien, von blasser, matter, flauer Farbe gewesen

wäre, sich auch sehr langsam, feierlich und schwerfällig bewegt habe,

während der Komet, der die Feuersbrunst anzeigte, hell, glänzend und

sprühend ausgesehen hätte und sich schnell und wütend bewegt habe.

Woraus hervorgeht, daß der eine eine langsam verlaufende, aber schwere,

schreckliche und verderbliche Heimsuchung anzeigte, wie es die Pest

ist, der andere aber ein plötzliches, schnell hereinbrechendes Unglück,

nämlich die Feuersbrunst. Einige Leute behaupteten sogar, beim raschen

Vorüberziehen des Feuerkometen, dessen Bewegung sie mit den Augen

folgten, ein gewaltiges, sausendes Getöse vernommen zu haben, wie aus

weiter Entfernung, so daß es gerade noch hörbar war.

Ich selbst habe beide Himmelskörper gesehen und muß gestehen, daß auch

ich so weit von dem allgemeinen Glauben angesteckt war, um in ihnen die

Vorboten und Warnungen des göttlichen Gerichtes zu erkennen, besonders,

als auf den ersten die Pest folgte. Als ich dann den zweiten erblickte,

konnte ich nicht anders als glauben, daß Gott die Stadt noch nicht

genügend gestraft hätte.

Die Furcht des Volkes wurde noch mehr gesteigert durch den Aberglauben

jener Zeit, die, ich weiß nicht auf was hin, mehr für Vorhersagungen,

astrologisches Gerede, Träume und Altweibergeschwätz empfänglich

war, als irgendeine vorher oder nachher. Ob diese unselige Neigung

ursprünglich durch die Narreteien jener Leute genährt wurde, die

dadurch Geld verdienten, indem sie allerlei Prophezeiungen und

Horoskope drucken ließen, weiß ich auch nicht, aber sicher ist es, daß

alles Gedruckte auf das Volk einen tiefen Eindruck machte, solches Zeug

wie Lilys Almanach, Gadburys Astrologische Prophezeiungen, Poor Robins

Kalender und ähnliches mehr, ebenso wie vorgebliche Andachtsbücher.

Eins von ihnen trug den Titel: Zieh aus von ihr, mein Volk, damit du

nicht zum Mitschuldigen an ihren Seuchen werdest; ein anderes hieß:

Guter Rat, ein drittes: Britisches Memento usw. Alle oder fast alle

sagten offen oder verschleiert das Verderben der Stadt voraus. Manche

Leute stellten sich so begeistert, daß sie, Prophezeiungen ausrufend,

durch die Straßen liefen, unter dem Vorgeben, sie wären gesandt, der

Stadt Buße zu predigen. Einer besonders schrie in den Straßen wie Jonas

in Ninive: Noch 40 Tage, dann wird London zerstört werden! Ganz genau

weiß ich allerdings nicht mehr, ob er 40 Tage oder ein paar Tage sagte.

Ein anderer trieb sich, bis auf eine Unterhose splitternackt, herum und

rief wie jener Mann, von dem Josephus erzählt, der vor der Zerstörung

Jerusalems »Wehe Jerusalem« schrie, Tag und Nacht: O des großen und

schrecklichen Gottes! Mehr sagte er nicht, sondern wiederholte nur

immer wieder dieselben Worte mit einer Stimme und einem Gesicht, in

denen sich das Entsetzen malte, während er unaufhörlich weiter rannte,

ohne jemals stehen zu bleiben, sich niederzusetzen oder irgendeine

Nahrung zu sich zu nehmen, wenigstens nach dem, was ich von ihm gehört

habe. Ich sah den armen Teufel mehrmals auf der Straße und würde ihn

angeredet haben, aber er wollte weder mit mir noch irgend jemand sonst

etwas zu tun haben, sondern fuhr nur fort, sein schauerliches Geschrei

von sich zu geben.

Durch derartige Vorfälle wurde das Volk aufs äußerste erregt,

besonders, als wie schon berichtet, in den öffentlichen Sterberegistern

zwei oder drei Pestfälle in St. Giles erschienen.

Zu all dem kamen noch die Träume der alten Weiber, oder richtiger: die

Auslegungen der alten Weiber der Träume anderer Leute. Sie machten

Haufen von Menschen geradezu verrückt.

Einige hörten Stimmen, die sie ermahnten fortzugehen, denn es würde

eine solche Seuche in London ausbrechen, daß die Lebenden nicht mehr

imstande wären, die Toten zu begraben. Andere sahen Erscheinungen in

der Luft, und ich glaube, ich darf von beiden, ohne die Gefühle des

Mitleids zu verletzen, sagen, daß sie Stimmen hörten, die niemals

sprachen und Erscheinungen sahen, die nicht da waren. Aber die

Einbildungskraft der Leute war nun einmal wie besessen, und kein

Wunder, daß die, die beständig in die Wolken schauten, endlich Umrisse

und Gesichter und Erscheinungen sahen, die aus nichts als Dunst und

Qualm bestanden. Die einen schrien, sie sähen eine Hand, die ein

Flammenschwert mit der Spitze über die Stadt hielte, aus der Wolke

hervorkommen; andere erblickten in der Luft Bahren und Särge, die

zum Begräbnisplatz zogen. Dann wieder Leichenhaufen, die unbeerdigt

herumlagen, -- was eben die Phantasie des armen verwirrten Volkes

gerade hervorbrachte.

Ganze Bücher könnte ich mit den Erzählungen solcher Leute anfüllen von

dem, was sie täglich gesehen hatten. Und dabei glaubte jeder so fest

an das, was er erblickt zu haben vorgab, daß man keinem widersprechen

durfte, ohne ihn zum Feinde zu machen oder einerseits roh und

unmanierlich, oder frivol und oberflächlich gescholten zu werden. Eines

Tages, ehe sich die Pest noch über St. Giles hinaus verbreitet hatte,

sah ich mitten auf der Straße einen Haufen Menschen. Aus Neugier ging

ich hin und sah, daß sie alle in die Luft starrten, um das gewahr zu

werden, was ein altes Weib dort erblickte, nämlich nach ihren eigenen

Worten, einen weißgekleideten Engel, der ein feuriges Schwert über

seinem Haupte schwang. Sie beschrieb die Gestalt bis ins einzelne mit

jeder Bewegung, und die Leute waren voll Begier, sie auch zu sehen, bis

endlich einer schrie: Ja, ich seh’s ganz deutlich, da ist ein Schwert,

wie’s nur eins gibt; einer sah den Engel, ein anderer sein Gesicht und

rief: Was für eine wundervolle Gestalt; und so sah der eine dies und

der andere das. Ich schaute ebenso eifrig wie die anderen hinauf, wenn

auch wahrscheinlich mit weniger Bereitwilligkeit, mir etwas einreden

zu lassen, aber ich konnte nichts sehen als eine weiße Wolke, die auf

der einen Seite glänzte, weil auf die andere die Sonne schien. Das

Weib versuchte, mir’s zu zeigen, konnte mich aber nicht zum Geständnis

bringen, daß ich etwas sah. Denn ich hätte lügen müssen, wenn ich

behauptet hätte, ich sähe etwas. Worauf das Weib mich anblickte und

meinte, ich lache sie aus, was aber wiederum nur in ihrer Phantasie

geschah, weil’s mir wirklich nicht ums Lachen war, sondern ich bei mir

überdachte, wie sich die armen Leute durch ihre eigene Einbildungskraft

ins Bockshorn jagen ließen. Die Frau wandte sich nun mir zu, nannte

mich einen unheiligen Burschen und Spötter, und rief, es sei eine Zeit

von Gottes Zorn, sein schreckliches Gericht rücke näher und solche,

wie ich, die ihn mißachteten, sollten hinausziehen und zugrunde gehen.

Die herumstehenden Leute schienen ebenso aufgebracht als das Weib

selber, und da ich sah, ich könnte sie doch nicht überreden, daß ich

sie nicht ausgelacht hätte, und eher Mißhandlungen befürchten mußte,

ging ich meines Weges und ließ die Engelserscheinung ebenso wirklich

sein wie die des Kometen.

Noch eine andere Begegnung hatte ich am hellichten Tage, in einem engen

Durchgang von Petty-France in dem Bishopsgate-Kirchhof, an einer Reihe

von Armenhäusern vorbei. Dabei muß ich bemerken, daß es zwei Kirchhöfe

im Kirchspiele von Bishopsgate gibt, den einen zwischen dem Platz von

Petty-France und der Bishopsgate-Straße, der gerade bei der Kirchtüre

aufhört, den andern an dem engen Durchgang, wo die Armenhäuser zur

Linken bleiben und eine kleine Mauer mit Holzplanken darauf den Weg

rechts begrenzt, während die Stadtmauer noch weiter rechts liegt.

In diesem Durchgang nun stand ein Mann, der durch die Holzplanke in

den Kirchhof hineinspähte und so viele Leute um ihn herum, daß man

sich gerade noch durchzwängen konnte. Der Kerl sprach mit allem Eifer

zu ihnen, und während er bald dahin bald dorthin zeigte, behauptete

er einen Geist über einen Grabstein schreiten zu sehen und beschrieb

ihn in Gang, Haltung und Aussehen so genau, daß er um alles in der

Welt nicht begriff, wie nicht jeder sonst ihn ebensogut sehen sollte.

Plötzlich rief er aus: Da ist er! Jetzt geht er da! Nun dort! Jetzt hat

er sich umgedreht!, bis er die Leute endlich so beschwatzt hatte, daß

einer sich einbildete, er sähe nun auch den Geist. Und so kam er jeden

Tag und verursachte förmlich einen Auflauf in diesem engen Durchgang,

bis es auf der Kirchenuhr elfe schlug und der Geist gerade so, als ob

er abgerufen würde, verschwand.

Ich schaute überall herum, und zwar genau in dem Augenblicke, als der

Mann hindeutete, konnte aber auch nicht den Schatten einer Erscheinung

erblicken. Aber der arme Teufel tat so bestimmt, daß die Leute

Nervenzufälle bekamen und schließlich zitternd und voll Schrecken sich

fortschlichen, bis bald nur mehr ganz wenige, die von der Geschichte

wußten, sich trauten, den Durchgang zu benutzen. Bei Nacht aber hätte

sich niemand, und hätte er’s noch so wichtig gehabt, durchgewagt.

Dieser Geist machte, wie der Mann versicherte, Zeichen gegen die

Häuser, gegen den Boden und die Leute, offenbar, um anzudeuten, daß sie

haufenweise in diesem Kirchhof begraben würden. Wenigstens verstanden

sie’s so. Es kam auch, wie’s der Geist vorhergesagt hatte, und

vielleicht sah der Mann Dinge, an die ich niemals geglaubt habe. Ich

selbst konnte nichts davon entdecken, so sehr ich mich auch anstrengte.

Man versuchte wohl das Drucken solcher Bücher, die die Leute nur in

Verwirrung setzten, zu verbieten, und jene, die sie in Umlauf brachten,

zu bestrafen, aber zu rechten Maßregeln kam es doch nicht, da die

Regierung, soviel ich weiß, das Volk nicht weiter aufbringen wollte,

das so schon am Ende seiner Vernunft war.

Auch mit jenen Geistlichen kann ich mich nicht einverstanden

erklären, die durch ihre Predigten das Gemüt ihrer Zuhörer noch mehr

niederdrückten, statt es zu erheben. Manche taten es zweifellos, um den

Mut der Leute zu stärken und sie zur Buße anzuhalten. Aber diesen Zweck

erreichten sie doch kaum, jedenfalls nicht verglichen mit dem Schaden,

den sie anrichteten.

Ein Unfug hat immer einen anderen im Gefolge. Diese Furcht und Angst

der Leute brachte sie auf tausend törichte, abgeschmackte und schlimme

Dinge, wozu sie von den wirklich bösen Elementen noch ermutigt

wurden. Sie rannten zu Wahrsagern, Hexenmeistern und Astrologen, um

ihr Schicksal zu erfahren oder, wie man gewöhnlich es nennt, um sich

ihr Schicksal sagen und sich die Nativität stellen zu lassen und zu

ähnlichem Unsinn, und diese Narretei brachte in der Stadt im Augenblick

einen Schwarm vorgeblicher Magier hervor, die sich der Schwarzen

Kunst und weiß Gott, was sonst noch alles, rühmten und behaupteten,

mit dem Teufel besser zu stehen, als es wohl wirklich der Fall war.

Dieses Geschäft wurde so offen und allgemein betrieben, daß man an den

Türen Anzeigen lesen konnte: Hier wohnt ein Wahrsager; hier wohnt ein

Astrologe; hier wird die Nativität ausgerechnet. Der Bronzekopf Bruder

Bacons, das gewöhnliche Zeichen solcher Art Leute, war fast überall in

jeder Straße zu sehen, oder auch das Zeichen der Mutter Shipton oder

der Kopf Merlins und mehr dergleichen.

Mit was für sinnlosem und lächerlichem Blödsinn diese Teufelsorakel

die Leute zu ihrer Befriedigung vollstopften, weiß ich zwar nicht,

aber sicher ist, daß jeden Tag zahllose Menschen vor ihren Türen sich

herumdrängten, und sobald sich nur einer dieser Burschen in einer

Samtjacke und schwarzem Mantel, der gewöhnlichen Kleidung dieser

Beschwörer, auf der Straße zeigte, folgten ihm die Leute in Scharen und

stellten während des Gehens allerlei Fragen. --

Die armen Dienstboten hatten eine recht schlechte Zeit, wie ich noch

nach und nach berichten werde. Es war vorauszusehen, daß eine ungeheure

Anzahl von ihnen entlassen würde, und tatsächlich war es auch so. Eine

Menge von ihnen gingen zugrunde, besonders die, denen die falschen

Wahrsager Hoffnungen gemacht hatten, daß sie im Dienst bleiben und von

ihren Herrschaften aufs Land mitgenommen werden würden. Hätte sich

nicht die öffentliche Wohltätigkeit dieser armen Geschöpfe angenommen,

wie es sich auch gehört in solchen Fällen, so wären sie von der ganzen

Bevölkerung in der allerschlechtesten Lage gewesen. --

Mit solchen Dingen beschäftigte sich das gewöhnliche Volk monatelang,

als die Sorgen erst anfingen und die Pest noch nicht richtig

ausgebrochen war, aber ich darf auch nicht vergessen, daß der bessere

Teil der Bevölkerung sich ganz anders benahm. Die Regierung ermutigte

ihre Andachtsübungen, und bestimmte öffentliche Gebets-, Buß- und

Fasttage, an denen die Sünden laut bekannt und die Gnade Gottes

angerufen wurde, um sein schreckliches Gericht, das über unseren

Köpfen hing, abzuwenden. Man kann kaum beschreiben, mit welcher

Bereitwilligkeit die Leute aller Berufe diese Gelegenheit begrüßten,

wie sie sich in die Kirchen und zu den Versammlungen drängten, daß

man nicht bis zu den Türen der allergrößten Kirchen gelangen konnte.

In mehreren Kirchen wurden morgens und abends täglich Bittgebete

abgehalten, ebenso wie Gebetstage an anderen Orten, und zu allen diesen

Veranstaltungen erschienen die Leute mit ungewöhnlicher Andacht. Auch

einzelne Familien, selbst wenn sie nicht desselben Glaubens waren,

hielten Fasttage, zu welchen nur die nächsten Verwandten zugelassen

waren. Mit einem Wort: alle, die wirklich fromm und glaubenseifrig

waren, gaben sich in echt christlicher Weise dem Werk der Reue und

Bußfertigkeit hin, wie es einem christlichen Volke geziemte.

Auch die Öffentlichkeit zeigte, daß sie sich an diesen Dingen

beteiligen wolle, ja sogar der Hof, der in aller Lust und Freude lebte,

stellte sich, als ob ihn die allgemeine Gefahr wirklich bekümmerte.

Schauspiele und Possen, die, nach der Mode am französischen Hofe,

eingeführt worden waren und immer beliebter wurden, durften nicht

mehr gespielt werden. Die Spiel- und Tanzhäuser wie die Musikhallen,

die sich ständig vermehrt hatten und bereits die Sitten des Volkes

zu untergraben drohten, mußten geschlossen werden, und die Kasperl-

und Marionettentheater, Seiltänzer und was dergleichen Leute mehr

sind, die beim gewöhnlichen Volke beliebt sind, machten selbst zu, da

niemand mehr etwas von ihnen wissen wollte. Denn die Leute hatten nun

an anderes zu denken, Grausen und Sorge malten sich auf den Gesichtern

selbst der Rohesten. Alle hatten den Tod vor Augen, und jedem war nun

das Grab näher als Lustbarkeit und Unterhaltung.

Das waren wohl heilsame Betrachtungen, die, wenn man es richtig

verstanden hätte, das Volk auf seine Knie gezwungen hätte, um seine

Sünden zu bekennen und den barmherzigen Schöpfer um Gnade anzurufen und

sein Mitleid in solcher Zeit der Heimsuchung zu erflehen, wie es einst

in Ninive geschah. Aber beim niederen Volke schlugen sie nun ins andere

Extrem um. Zuvor schon gedankenlos und leichtfertig, griff es nun in

seiner Unwissenheit, Torheit und Angst zu den sinnlosesten Mitteln. Es

lief, wie schon erwähnt, um die Zukunft zu erfahren, zu Beschwörern,

Hexenmeistern und sonstigen Schwindlern, die es in beständiger Furcht

und Unruhe erhielten, um Geld aus ihm herauszulocken. Ebenso wild

war es hinter Quacksalbern und Marktschreiern her und ließ sich

von jedem alten Kräuterweib mit Pillen, Tränken und Schutzmitteln

vollstopfen, daß nicht nur das Geld hinausflog, sondern auch statt des

Seuchengiftes ein anderes Gift in den Körper hineinkam. So machten

die, die sich vor der Pest schützen wollten, sich erst recht für die

Ansteckung empfänglich. Anderseits kann man es kaum glauben oder sich

vorstellen, wie die Straßenecken und Hauswände über und über mit

Anschlagzetteln von Ärzten bedeckt waren, mit Anzeigen von unwissenden,

quacksalbernden Burschen, die die Leute einluden, sie aufzusuchen und

ihnen Schutzmittel anpriesen. Die Sprache solcher Anpreisungen war echt

marktschreierisch. Z. B.: Unfehlbar vorbeugende Pillen gegen die Pest;

untrügliche Schutzmittel gegen die Ansteckung; höchst vortreffliche

Tränke gegen die Fäulnis der Luft; genaue Anweisung sich im Falle der

Ansteckung zu verhalten; Antipestpillen; unvergleichliche noch niemals

zusammengestellte Mixtur gegen die Seuche; Universalmittel gegen die

Pest; das einzig echte Pestwasser; das königliche Gegenmittel gegen

alle Arten der Ansteckung, und noch eine ganze Anzahl mehr, die ich

nicht anführen kann, da ich sonst ein eigenes Buch schreiben müßte.

Andere wieder klebten Anzeigen an, um sich den Leuten für Rat und Hilfe

im Falle der Ansteckung zu empfehlen. Auch da gab es Titel, die sich

gewaschen hatten, wie die folgenden:

Hervorragender hochdeutscher Arzt, eben von Holland gekommen, wo er

sich während des ganzen Verlaufs der großen Pest aufhielt, letztes Jahr

in Amsterdam, hat Haufen von Leuten geheilt, die wahrhaftig an der Pest

erkrankt waren.

Italienerin von Stande, gerade von Neapel angelangt, besitzt ein

besonderes Geheimnis, um die Ansteckung zu verhindern, das sie durch

ihre tiefe Wissenschaft entdeckte, und womit sie bei der letzten Pest,

an der 20000 in einem Tage starben, wundervolle Kuren vollführte.

Alte Dame, die mit großem Erfolg während der Londoner Seuche von 1636

ihre Kunst ausübte, gibt Rat nur an Frauen. Sprechstunde usw.

Erfahrener Arzt, der lange das Studium der Gegenmittel gegen alle Arten

von Giften und Ansteckungen betrieb, hat sich nach vierzigjähriger

Praxis eine solche Geschicklichkeit erworben, daß er, mit Gottes Hilfe,

jedermann vor der Ansteckung irgend welcher Seuche schützen kann. Arme

werden umsonst behandelt.

Ich führe das nur als Beispiele an, von denen ich noch ein paar

Dutzend geben könnte, ohne meinen Vorrat zu erschöpfen. Doch mögen

diese genügen, um einen Begriff von der Gemütsverfassung dieser Zeit

zu geben. Nicht nur, daß ein Haufen von Schwindlern und Geldschneidern

den armen betrogenen Leuten das Geld aus der Tasche stahl, wurden sie

auch mit gräulichen und gefährlichen Mitteln vergiftet. Einige mit

Quecksilber, andere mit ebenso schädlichem Zeug, das weit entfernt

war, die versprochenen Wirkungen hervorzubringen und im Falle einer

Ansteckung dem Körper eher schadete als nützte.

Doch von einem Schlich eines dieser Quacksalber muß ich doch noch

erzählen, mit dem er die armen Teufel an sich heranlockte und sie um

ihr Geld brachte. In einem Nachtrag stand auf den Zetteln, die er auf

der Straße austeilte, in dickgedruckten Buchstaben: Behandlung der

Kranken umsonst.

Natürlich drängten sich die Leute zu ihm, worauf er ihnen die schönsten

Reden hielt, sie auch auf ihren Gesundheitszustand hin untersuchte

und ihnen manche Ratschläge gab, die freilich nicht viel wert waren.

Sie kamen immer darauf hinaus, daß er eine Medizin besitze, die

allmorgendlich genommen, jeden, bei Verpfändung von des Doktors Leben,

vor der Pest schützen würde, selbst wenn er mit kranken Leuten in einem

Hause wohnte. Natürlich brannten nun alle darauf, dieses Mittel zu

haben, aber der Preis war sehr hoch, ich glaube, 2½ Schillinge. »Aber

Herr,« sagte eine arme Frau, »ich bin eine Armenhäuslerin, und werde

vom Kirchspiel erhalten, und Ihr sagt, daß die Armen Eure Hilfe umsonst

haben.« -- »So ist es, gute Frau,« entgegnete der Doktor, »wie’s hier

gedruckt steht: ich gebe meinen Rat, aber nicht meine Medizin!« --

»Dann, Herr,« sagt sie, »ist es eine Schlinge für die Armen; Ihr gebt

ihnen wohl Euren Rat umsonst, nämlich den Rat, Eure Medizin für ihr

Geld zu kaufen, wie es jeder Händler mit seinen Waren macht.« Darauf

fing sie zu schimpfen an und blieb den ganzen Tag vor seiner Türe

stehen, indem sie allem Volk, das kam, ihre Geschichte erzählte, bis

der Doktor, als er sah, daß sie ihm alle Kunden vertrieb, sich genötigt

sah, sie nach oben zu rufen und ihr eine Schachtel seiner Medizin für

nichts zu geben, die ihr wahrscheinlich auch zu nichts taugte.

Aber die Verwirrung, in der sich das Volk befand, war eben geeignet,

es für das Gerede jedes Schwindlers empfänglich zu machen. Zweifellos

zogen diese quacksalbernden Burschen einen großen Gewinn aus der

Torheit der bejammernswerten Leute, denn das Gedränge vor ihren Türen

und das Gelaufe zu ihnen war viel größer als vor den Wohnungen von Dr.

Brooks, Dr. Upton, Dr. Hodges, Dr. Berwick oder sonst irgendeinem der

damals berühmtesten Ärzte, und ich habe mir sagen lassen, daß einige

dieser Marktschreier durch ihre Medizinen nicht weniger als 5 Pfund im

Tage verdienten.

Aber noch eine andere Verrücktheit gab es, die über all dies

hinausging, und eine gute Vorstellung von dem vertrackten Gemütszustand

des Volkes in jener Zeit gibt. Es lief noch hinter einem weit

schlimmeren Pack von Betrügern her als alle die schon erwähnten waren,

die es doch nur täuschten, um Geld aus ihm herauszuziehen, so daß die

Schlechtigkeit ganz auf ihrer Seite war und nicht bei den Betrogenen.

Bei dem aber, was ich jetzt erzählen werde, waren beide Teile gleich

schuldig. Das war das Tragen von Amuletten, Beschwörungsformeln,

Zaubermitteln und, was weiß ich, sonst noch für Zeug, um den Körper

gegen die Seuche »fest« zu machen, so als ob die Pest nicht von Gott

geschickt worden wäre, sondern gleichsam von einem bösen Geiste

hervorgebracht würde, gegen den man sich durch kreuzförmige Striche,

astrologische Zeichen, mit so und so vielen Knoten zusammengebundene

Papiere, auf die gewisse Worte und Zeichen geschrieben waren, schützen

könne. Für besonders wirksam galt das Wort Abracadabra, dreiecks- oder

pyramidenförmig geschrieben, so nämlich:

~A B R A C A D A B R A

A B R A C A D A B R

A B R A C A D A B

A B R A C A D A

A B R A C A D

A B R A C A

A B R A C

A B R A

A B R

A B

A~

Andere trugen das Zeichen der Jesuiten in einem Kreuz:

~I H

S~

und noch andere machten nichts als ein gleichschenkeliges Kreuz:

+

Ich könnte einen großen Teil meiner Zeit aufwenden, um gegen solche

Narrheiten zu eifern, denn sie bedeuten wirklich eine Leichtfertigkeit

in einer Zeit derartiger Gefahr und Volksverseuchung, aber meine

Aufzeichnungen wollen hauptsächlich die Tatsache als solche festlegen.

Wie viele dieser armen Teufel später die Wirkungslosigkeit von all

diesem Zeug herausfanden, wie viele in den Leichenkarren fortgeschafft

und mitsamt ihren Amuletten und ihrem teuflischen Quark um den Hals in

die Massengräber geworfen wurden, das wird im folgenden noch besprochen

werden.

Alles dies war die Folge von der Kopflosigkeit, die das Volk ergriffen

hatte, nachdem das erste Gerücht von der Pest sich ausbreitete, also

ungefähr um Michaeli 1664, dann besonders, als die beiden Männer in St.

Giles Anfang Dezember starben, und später noch einmal im Februar. Denn

als nun die Seuche offenbar weiter um sich griff, begannen die Leute

bald den Unsinn einzusehen, sich solchen unnützen Kerlen anzuvertrauen,

die ihnen nur das Geld aus der Tasche zogen. Dann schlug ihre Angst in

Stumpfheit und eine Art von Fühllosigkeit um, da sie nicht wußten, was

sie tun oder lassen sollten, um sich Erleichterung zu verschaffen. Sie

rannten von einem Nachbarn zum andern, oder auch in den Straßen herum,

von einer Tür zur andern und riefen fortwährend: Herr, hab’ Mitleid mit

uns, was sollen wir tun?

Ich glaube jetzt selbst, daß gleich nach dem ersten Auftreten der

Seuche die Behörden die Lage des Volkes in ernsthafte Erwägung zogen.

Ich werde gleich berichten, was geschah, um die Ordnung in Hinsicht auf

die Bevölkerung und die verseuchten Familien aufrechtzuerhalten. Aber

was den geistigen Gesundheitszustand anbetrifft, muß erwähnt werden,

daß ich selbst das verrückte Wesen der Leute beobachtet habe, die wie

Wahnsinnige hinter den Quacksalbern, Schwindlern, Wahrsagern und

Hexenmeistern her waren. Der Lordmayor, ein sehr gewissenhafter und

frommer Mann, bestimmte Ärzte und Bader zur Hilfe für die Armen, wenn

sie krank wurden und befahl insbesondere dem Ärztekollegium, Leitsätze

für billige Heilmittel bei allen Symptomen der Seuche herauszugeben.

Das war auch wirklich eine der besten und richtigsten Maßregeln, die zu

jener Zeit getroffen werden konnte; denn dadurch vertrieb man das Volk

von den Türen der Quacksalber und bewahrte es davor, jedes Gift wahllos

als Medizin hinunterzuschlucken und sich den Tod statt der Genesung zu

holen.

Die Anweisung der Ärzte wurde in einer Sitzung des ganzen Kollegiums

ausgearbeitet, und da sie hauptsächlich zum Gebrauch der Armen und zur

Anwendung billiger Heilmittel berechnet war, wurde sie veröffentlicht

und Abzüge an jeden gegeben, der davon haben wollte. Da sie überall

im Wortlaut zu lesen ist, brauche ich den Leser damit nicht weiter zu

belästigen.

Noch muß ich schildern, welche Maßregeln von den Behörden für die

allgemeine Wohlfahrt getroffen wurden, um die Weiterverbreitung der

Seuche zu verhindern, wenn sie einmal ausgebrochen war. Ich werde oft

genug Veranlassung haben, von der Umsicht der Behörden zu reden, ihrer

Wohltätigkeit und Sorgfalt für die Armen, ihrem Bemühen, die Ordnung

aufrechtzuerhalten, Nahrungsmittel herbeizuschaffen und dergleichen

mehr, als die Seuche nun wirklich zunahm. Aber zuerst will ich die

Maßregeln beschreiben, die für die verseuchten Familien in Kraft traten.

Ich erwähnte schon früher das Absperren der Häuser, und es muß gerade

darüber mehr gesagt werden. Wenn auch dieser Teil der Geschichte der

Pest vielleicht der allertraurigste ist. Aber auch das Ärgste darf

nicht verschwiegen werden.

Anfang Juni etwa begannen der Lordmayor von London und das

Ratskollegium ihr besonderes Augenmerk auf die Ordnung in der Stadt zu

richten.

Die Friedensrichter von Middlesex hatten im Auftrage des

Staatssekretärs die Absperrung der Häuser in den Kirchspielen von

St. Giles in the Fields, St. Martin, St. Clement Danes usw. verfügt,

und zwar mit gutem Erfolge. Denn in mehreren Straßen, wo die Seuche

ausgebrochen war, erlosch sie wieder, als man die verseuchten Häuser

streng bewachte und dafür sorgte, daß die Verstorbenen sofort nach

ihrem Tode begraben wurden. Es wurde auch beobachtet, daß die Pest

früher in jenen Kirchspielen nachließ, wo sie zuerst am heftigsten

gewütet hatte, als in Bishopsgate, Shoreditch, Aldgate, Whitechapel,

Stepney und anderen, und es zeigte sich, daß die dort frühzeitig

ergriffenen Maßregeln ein gutes Mittel waren, der Seuche Einhalt zu tun.

Die Absperrung der Häuser war eine Maßregel, die, soweit ich

unterrichtet bin, zum ersten Male während der Pest von 1603, als

König Jakob I. auf den Thron kam, angewendet wurde. Damals wurde die

Vollmacht, Leute in ihren eigenen Häusern abzusperren, durch eine

Parlamentsakte gewährleistet, deren Titel lautete: Beschluß über die

mildtätige Unterstützung und Behandlung von an der Pest erkrankten

Personen. Auf diese Parlamentsakte stützte sich die Anordnung des

Lordmayors von London und des Ratskollegiums, die am 1. Juli 1665

herauskam, als die Zahl der Verseuchten innerhalb der City noch klein

war. Sie betrug damals für die 92 Kirchspiele nur vier. Einige Häuser

waren bereits abgesperrt worden, und mehrere Kranke hatte man in das

Pesthaus über Bunhill Fields hinaus, auf dem Wege nach Islington,

gebracht. Durch derartige Maßregeln hatte man erreicht, daß die

Sterblichkeit in der City sich auf nicht mehr als 28 belief, während

die Gesamtsterblichkeit innerhalb einer Woche schon an ein Tausend

ging. So war die City verhältnismäßig besser dran als irgendein

Stadtteil während der ganzen Pestzeit.

Diese Verfügungen des Lordmayors wurden gegen Ende Juni veröffentlicht

und traten am 1. Juli in Kraft. Sie lauteten:

Beschluß beraten und herausgegeben vom Lordmayor und

Ratskollegium der Stadt London in Betreff der Ansteckung durch

die Pest, 1665.

Nachdem während der Regierung des Königs Jakob, glücklichen

Gedenkens, eine Parlamentsakte erschien über die mildtätige

Unterstützung und Behandlung von an der Pest erkrankten

Personen, wodurch den Friedensrichtern, Bürgermeistern,

Landvögten und anderen Oberbehörden Gewalt verliehen wurde,

innerhalb ihres Amtsbezirkes Leichenbeschauer, Visitatoren,

Wachleute, Aufseher und Totengräber zu bestimmen für die

verseuchten Personen und Orte und sie auf die Pflichten

ihres Ortes zu vereidigen, das gleiche Gesetz sie auch

ermächtigte, weitere Verfügungen zu treffen, die ihnen in der

gegenwärtigen Notlage als wünschenswert erscheinen möchten,

so wird hiermit nach reiflicher Überlegung als besonders

wirksam zur Verhinderung und Vermeidung der Ansteckung (so es

dem allmächtigen Gott gefällt) verordnet, daß die folgenden

Amtspersonen ernannt und die Verfügungen genau beobachtet

werden.

Die Pest zu London · 第 7 / 40 题