Aus einem Gespräch mit ihrem Hohepriester.
Wir feiern das Peßachfest sieben Tage lang. Der erste und der siebente
Tag sind Feiertage, wo wir wie am Sabbath von jeder Arbeit ruhen, die
Tage dazwischen sind Halbfeiertage. Unsere Mazzoth backen wir für jeden
Tag neu, und zwar auf einer Bratpfanne; wir lassen sie nicht säuern,
Salz aber tun wir hinein, denn Salz ist einer der sieben Bünde, die
Gott mit Israel schloß. Es heißt ja: „Laß Salz nicht fehlen, den Bund
deines Gottes.“
Die sieben Tage lang wohnen wir alle in Zelten auf dem Berge Garisim,
jede Familie in einem besonderen Zelt, und da ist noch ein großes
Zelt für die ganze Gemeinde. Bei Sonnenuntergang am Erew Peßach
bringen wir das Peßachopfer auf dem Altare, der jedes Jahr für diesen
Zweck errichtet wird. Zuerst erklären wir Priester der Gemeinde in
hebräischer und arabischer Sprache den Sinn und die Entstehung des
Festes, dann beten wir ein besonderes Gebet in arabischer Sprache für
unsern König und Herrn, den Sultan. Dann schlachten die Schlächter die
Schafe, von jeder Familie eins. Wenn die Tiere abgehäutet, die Gedärme
und die Spannader herausgenommen und Salz daran getan ist, wird ein
hölzerner Spieß durch das Maul durchgestoßen. So wird das Opfer in
eine große Grube gelegt, die im Berge ausgegraben ist und worin Feuer
angezündet wird. Die Öffnung der Grube wird dann mit Lehm verschlossen
und das Peßachopfer darin drei Stunden lang gebraten, das Haupt mit
den Schenkeln und Eingeweiden. Um Mitternacht aber essen wir es mit
Lied und Gesang. Und du magst mir glauben, mein Freund, daß es herrlich
schmeckt wie Manna, besser als alles Gebratene und jede köstliche
Speise, die man an jedem beliebigen Tage bereiten kann. Und doch ist
unser Peßachopfer nur wie eine Ahnung von dem wahren Peßachopfer,
das wir darbrachten und das wir wieder darbringen werden, wenn das
Heiligtum an seinem Platze errichtet sein wird.
Am Morgen des Festtags herrscht eitel Freude bei uns; einer bittet den
andern um Vergebung alles Unrechts, damit Liebe und Freundschaft unter
uns sei. Und im Gemeindezelt trinken wir Wein und essen süße Speisen,
um den Tag recht zu feiern. Am Morgen nach dem Feste aber kehren wir
nach Sichem heim, wie es in der Thorah heißt: „Frühmorgens sollst du
dich wenden und in dein Zelt kehren.“