Aber auch bei uns waren die Verluste sehr schwer. Kossel, de

Anmerkungen zur Transkription

Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter

oder kursiver Text ist _so ausgezeichnet_. Im Original in

Antiqua gesetzter Text ist ~so markiert~.

Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des

Buches.

Otto Inhülsen / Wir ritten für Deutsch-Ostafrika

21.–30. Tausend

Otto Inhülsen

Wir ritten

für

Deutsch-Ostafrika

[Illustration]

v. Hase & Koehler / Verlag / Leipzig

Umschlaggestaltung und Bildschmuck von Hanns Langenberg, Leipzig

Die erste Auflage dieses Werkes erschien unter dem Titel:

Abenteuer am Kilimanjaro

Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, vorbehalten

Copyright 1926 by Koehler & Amelang G.m.b.H. in Leipzig

Satz und Druck der Offizin Haag-Drugulin in Leipzig

Titeldruck Breitkopf & Härtel, Leipzig

Inhaltsverzeichnis

Kriegsausbruch 5

Auf Posten Weber 8

Es wird Ernst 16

Der Geburtstag der Berittenen 9. Schützenkompanie 18

Kriegssafari zum Urwaldposten Olmolog 19

Alleinherrscher im Urwald 24

»Siafu!!!« 32

Auf Grenzwacht 37

Unsere Kavallerie braucht englische Reittiere 42

Ein Konkurrenzunternehmen 50

Mutter der Kompanie 52

Bilder und Typen aus dem Lagerleben 55

Die Kavalleriebrigade und die Zebraspuren 78

Große Kampfpatrouille zur englischen Magadbahn 80

Ausbildung im Garnisondienst 104

Als Fliegerersatz über dem englischen Bezillager 107

Durch den ostafrikanischen Großen Graben ins Winterhochland 114

Nach Engaruka verpumpt 147

Der Hunderttausend-Tonnen-Hammer fällt 157

Der Gewaltmarsch zur Mittellandbahn während der großen

Regenzeit 173

An der Kondoa-Front 183

Der Todesritt der Berittenen 9. Schützenkompanie 202

[Illustration]

Kriegsausbruch

Mein Vater fing mich in Bremen ein, als ich im Jahre 1879 zum ersten

Male nach Afrika auswanderte. Ich war damals elf Jahre alt und wollte

in Afrika Löwen schießen. Für die Löwenjagd hatte ich eine alte

Pistole aus Vaters Waffensammlung und sechs reine Taschentücher,

als Reiseproviant ein Glas Eingemachtes aus Mutters Speisekammer

mitgenommen. Für mich lief diese Sache tragisch aus.

Als ich 35 Jahre später zum fünften Male auswanderte – ich war

inzwischen in Indien, Australien und in der Transvaal gewesen und

hatte eben ein paar Monate zur Erholung in Deutschland verlebt; jetzt

trieb mich die Abenteuerlust nach Ostafrika –, da fand ich auf der

großen Viehfarm Olmolog, deren Leitung ich am 15. Juli 1914 übernahm,

hoch oben am Nordwestabhang des Kilimandscharo, dicht am Urwald und

unmittelbar an der englischen Grenze, in Fülle das, was ich mir in der

Jugend gewünscht hatte. Allnächtlich umschlichen die Löwen, die aus der

Steppe vom Amboseli-See und den höhlenreichen Löwenklippen heraufkamen,

mein Haus. Sie holten mir die Hunde weg von der Baraza [Veranda] und

das Jungvieh aus der Boma [Umzäunung]. Gleich bei einem meiner ersten

Ausritte begegnete mir einer ganz in der Nähe des Gehöfts sogar am

hellen lichten Tage.

Auf der Frommen Helene, so genannt, weil sie sich von dem störrischsten

Maulesel der Welt im Laufe vieler Jahre in das faulste Exemplar ihrer

Spezies hineingealtert hatte, ritt ich, natürlich in sausendem Schritt,

den Weg zum Steinbruch der Farm. Plötzlich stand uns (ich meine Helena

und mir) an einer Wegebiegung eine Löwin auf zehn Schritt gegenüber.

Ich hatte kein Gewehr bei mir und war sehr erstaunt. Die Löwin schien

auch erstaunt, aber noch erstaunter war die Fromme Helene. Sie löste

die für alle Beteiligten peinliche Situation, machte kurz kehrt und

jagte in einem solchen Tempo zum Gehöft zurück, daß ich schließlich

doch am meisten staunte, und zwar über die Geschicklichkeit, mit der

Helene bisher zu verheimlichen gewußt hatte, daß sie außer Schritt noch

andere Gangarten kannte. Die Löwin machte ebenfalls kehrt und sockte

ab. Menschenfresser ist in jener wildreichen Gegend der Löwe nicht.

[Illustration]

Damals kam ich nicht dazu, mich mit der Löwenfrage weiter zu befassen.

Von meinem Nachbar Otto Weber – Nachbar, weil er nur vier Reitstunden

um den Berg herum südlich von mir eine Viehfarm hatte – kam ein

Bote nach dem andern: Kriegserklärung Österreichs an Rußland! –

Kriegszustand in Deutschland! – Kriegserklärung Deutschlands an

Frankreich! – Englands Eintritt in den Krieg gegen Deutschland! Was

sagt doch die Kongo-Akte?

Dann kam der junge fröhliche Kossel, der Assistent des Farmers und

Majors a. D. Schlobach, dessen Farm an die von Otto Weber grenzte.

Kossel meldete mir, daß ich eingezogen und der Stellungsbefehl

unterwegs wäre, daß ich der Abteilung des Major Schlobach zugeteilt sei

und daß ich mich auf dessen Befehl mit dem Vieh von der Grenze nach

Farm Weber zurückzuziehen hätte. Dort, sagte er, wäre ein Farmerposten

von einigen Gewehren eingerichtet worden. Major Schlobach hätte sich

mit seinem Vieh weiter südlich auf die Farm Geraragua zurückgezogen und

sammele dort um sich und sein Vieh alles, was sich in der Gegend an

Mannschaften, Reittieren und Gewehren auftreiben lasse.

Der junge Kossel, ein Mecklenburger vom reinsten Wasser, war begeistert

für den Krieg und bedauerte nichts mehr, als daß er nicht zu Hause im

Osten oder Westen das Vaterland verteidigen helfen könnte. Er half mir

beim Umzug, und am nächsten Morgen befanden wir uns mit Vieh, Schafen

und Eseln auf dem Trek nach Farm Weber.

Daß die Kongo-Akte nicht respektiert werden würde, glaubte damals

noch kein Mensch bei uns; denn die Nachrichten, die uns im Hinterland

erreichten, waren nur spärlich, und erst nach mehreren Tagen erfuhren

wir, daß am 8. August 1914 die Engländer den Funkturm bei Daressalam

von See aus beschossen hatten und damit die Feindseligkeiten eröffneten.

[Illustration]

Auf Posten Weber

Das Kriegsglück hatte es gut mit mir im Sinn gehabt. Auf der Farm

Weber oder »Posten Weber«, wie es offiziell hieß, fand ich, was man im

Manöverleben Sektquartier nennen würde. Dies ist bildlich aufzufassen.

Sekt gab es dort nicht, aber dafür eine von der liebenswürdigsten

Gastgeberin geleitete, echt deutsch-afrikanische Häuslichkeit und

Gemütlichkeit. Und Webers lebten gut. Überhaupt habe ich, außer Indien,

noch keine Kolonie kennengelernt, in der, was Essen, Trinken und vor

allem Bedienung anbelangt, so aus dem Vollen gelebt wurde, wie in den

Städten, auf den Pflanzungen und Großfarmen in Deutsch-Ostafrika.

Die Besatzung ergänzte sich nach und nach aus Leutnant Freund,

Vizewachtmeister Trommershausen, Unteroffizier Rimpler und mir. »Posten

Weber« war längere Zeit der exponierteste Posten unserer Front. Und

doch war Frau Weber nicht zu bewegen, ihre Person nach Geraragua oder

Moschi in Sicherheit zu bringen.

Für uns war es gut so. Frau Webers frischer, fröhlicher Mut und nie

versiegender Humor ließen niemals eine gedrückte Stimmung aufkommen.

Es steht außer Zweifel, daß man ihr mit vollem Recht die Ehre des

Titels Postenführer zuerkannte. Die Frau, die es an der Front

aushält, die nicht nur die Garnison des Postens, sondern auch alle

durchkommenden Patrouillenreiter so gut futtert, wie Frau Weber es

tat, die nicht nur für den Leib, sondern auch für Geist und Gemüt

des Vaterlandsverteidigers so gut zu sorgen weiß, wie Frau Weber es

verstand, dient dem Vaterlande soviel, wenn nicht mehr als mancher

Soldat. Es kam so weit, daß keine Patrouille das befestigte Lager von

Geraragua verließ, ohne auf dem Ausritt und, wenn es irgend anging,

auch auf dem Rückmarsch den »Posten Weber« zu passieren. Alle Kameraden

von Geraragua haben ihre Beine wieder und wieder unter Frau Webers

geschmackvoll dekorierten und reich beladenen Tisch strecken und sich

von ihr bemuttern lassen dürfen. Was das heißt, wenn man eine lange

Patrouille vor sich hat oder dreckig, halb verdurstet und ausgehungert

von einer solchen zurückkommt, haben wir alle kennengelernt. Frau

Weber übte auch fleißig mit dem Revolver und einem Damenkarabiner. Sie

war fest entschlossen, den Angriff englischer Massai, der ja jeden

Augenblick bevorstehen sollte, persönlich mit abschlagen zu helfen.

Als Tochter eines Medizinalrates in Deutschland geboren, muß Frau Weber

schon in jungen Jahren ein mütterliches Herz für die Menschheit gehabt

haben. Sie wurde Krankenschwester. Als Schwester Hedwig war sie dann

Oberin am Hospital zu Tanga. Dort ereilte sie das Schicksal, das keiner

Krankenschwester in Deutsch-Ostafrika erspart blieb und das ständigen

Grund zur Klage seitens der Hospitalverwaltung gab. Ja, du lieber Gott,

was war da zu machen! Länger als zwei Jahre konnte man die Schwestern

dem Hospital nicht verpflichten, und eine bessere Frau als eine frühere

Krankenschwester war damals schwer zu finden. Heute ist das anders.

Heute gibt es hilfsbereite und tüchtige Mädel genug.

Unsere kriegerische Tätigkeit auf »Posten Weber« war vor allem auf die

Abwehr des erwarteten Massai-Massenangriffs gerichtet. Zuerst bauten

wir vor der offenen, völlig ungeschützten Veranda des Herrenhauses

einen Wall aus Findlingen. Die Schwierigkeit dieses Baues bestand

eigentlich nur darin, daß diese Mauer weder die Verandapfosten

eindrücken noch Frau Webers Rosen beschädigen durfte. So sorgsam waren

wir zu Anfang des Krieges noch bemüht, Eigentum zu schonen!

Als wir mit diesem Kugelfang fertig waren, gingen wir zum Bau von

Verteidigungswerken größeren Stils über. Die große rechteckige Viehboma

wurde mit Draht- und Dornenverhauen umgeben, und an zwei diagonal

gegenüberliegenden Ecken der Boma wurden mit Schießscharten versehene

kugelsichere Türme errichtet, so daß man aus jedem eine Lang- und eine

Kurzseite des Verhaus bestreichen konnte. In der Voraussetzung, daß

die Massai ihren Angriff nach guter Stammessitte in der Hauptsache

gegen die Viehboma richten würden, sollte ihnen hier eine Niederlage

beigebracht werden.

[Illustration]

Gleichzeitig war ein Heliographenverkehr mit Geraragua und mit dem

weiter unterhalb auf einem Hügel gelegenen »Posten Krantz« eingerichtet

worden. Unser Heliographenapparat bestand bei Tage aus der Sonne,

meinem Rasierspiegel und einem Kistendeckel. Letzterer hatte ein rundes

Loch, das auf die Empfängerstation eingerichtet war. Vor dem Loch im

Kistendeckel befand sich eine Pappscheibe an einem Holzhebel, den ein

Mann zur Erzeugung der Blitzzeichen tippte. Der zweite Mann, der auch

ein Neger sein konnte, stand mit meinem Rasierspiegel fünf Schritte

rückwärts, fing Sonnenstrahlen auf und sandte sie vermittelst des

Spiegels in konzentrierter Form durch das Loch im Kistendeckel. Wenn

der zweite Operateur nicht vorbeikonzentrierte, der erste im Eifer

die Morsezeichen nicht vergaß, und endlich der Empfänger aufpaßte,

funktionierte die Sache tadellos. Mehr als fünfmal brauchte eine

Meldung selten gegeben zu werden.

Der Nachtapparat war noch einfacher. Wir bedienten uns einer

Safarikiste mit Loch und Pappscheibe wie oben, in deren Innerem eine

Azetylenwagenlampe stand. Um die Verbindung mit den andern Posten

aufnehmen zu können, mußten wir unsern Heliographenapparat auf einem

nahen steilen und hohen Berg aufstellen, und einer vom Posten mußte

Tag und Nacht oben sein. Erst später bekamen wir zwei Signalwatote

[Negerschüler] mit einem richtiggehenden Helioapparat.

Eine weitere Aufgabe des »Postens Weber« war, die dort internierten

Buren zu bewachen. Das kam so.

An der Nordgrenze der Kolonie wohnten auf zerstreut liegenden Farmen

eine Anzahl früherer Trekburen, die nach dem Burenkriege eingewandert,

aber englische Untertanen geblieben waren.

Wie die einzelnen Buren in ihrem Herzen gesinnt waren, ob den Deutschen

oder den Engländern zugeneigt, konnte man bei Kriegsausbruch nicht

wissen. Im Bezirk Aruscha ließ man sie ruhig und unbelästigt auf

ihren Farmen sitzen und Eier, Hühner und sonstige Farmprodukte an

die Etappe Aruscha liefern. In unserm Bezirk Moschi machte man das

Gegenexperiment: hier wurden alle Buren mit Frau und Kindern auf

»Posten Weber« interniert.

Hier bauten sie sich in der befestigten Viehboma Lehmhütten und bezogen

sie mit Weib und Kind; ihr Vieh stellten sie mit in die Boma ein. Sie

waren in der Mehrzahl ruhige, nette Leute, die später fast alle auf

deutscher Seite mitkämpften. Einer von ihnen, Piet Nievenhuizen, wurde

Feldwebel und ist bis zum Schluß der Feindseligkeiten in Afrika als

Pfadfinder und Führer der Person unseres Oberst attachiert gewesen, dem

er mit Leib und Seele ergeben war.

»Posten Weber« war der geeignete Platz, alle die Geraraguakameraden

nach der Reihe kennenzulernen. Denn alle kamen sie auf ihren

Patrouillen dort durch. Beritten waren sie alle, und ein größeres

Allerlei von Reittieren auf einem Haufen habe ich in meinem Leben sonst

nirgends gesehen. Da waren Pferde. Einige wirkliche Pferde und viele

solche, die es überhaupt nicht gibt oder geben sollte. Die besten

waren noch einige Somaliponys. Am zahlreichsten vertreten war die

Kreuzung zwischen Pferdehengst und Eselstute, die man überall in der

Welt Maulesel nennt. Nur in Deutsch-Ostafrika nennt man sie hartnäckig

Maultier; eigentlich ist das Maultier die Kreuzung zwischen Eselhengst

und Pferdestute, und später im Kriege bekamen wir auch einige Exemplare

dieser Gattung. Da wir uns aber an so feinen Unterschieden nicht

stoßen wollen und für das Kreuzungsprodukt zwischen Pferd und Esel

in Deutsch-Ostafrika nun einmal die Bezeichnung Maultier üblich ist,

spreche ich in Zukunft auch nur vom Maultier. Da waren große Maultiere

und kleine Maultiere, Maultiere mit glattem Haar und Maultiere so

wollig wie ein Pudel. Da waren Maultiere, die allein gingen, und

solche, die nur in der Kolonne mitgingen. Einzelne ließen sich satteln,

bei andern waren fünf Mann nötig, um den Sattel aufzuzwingen. Wer diese

Maulböcke und ihre Anstalten im August 1914 kannte und dann ein Jahr

später die Berittene 9. Schützenkompanie ausrücken sah, hätte es nie

für möglich gehalten, daß ein Teil ihrer Reittiere dieselben Maultiere

sein könnten – so gepflegt, glatt und einexerziert schritten, trabten

und galoppierten sie dahin. Ähnlich wie die Reittiere war auch die

Reitausrüstung der Abteilung Geraragua mannigfacher Art. Es gab einige

wirkliche Sättel und Zaumzeuge und viele, die man nur aus Höflichkeit

als solche ansprechen konnte. Es waren Sättel dabei, die Noah schon

mit in die Arche nahm, und Zaumzeuge, an denen nur das verrostete

Trensengebiß noch Original war.

Aber was macht das alles, wenn man die Kameraden betrachtet, die auf

diesen Reittieren auf »Posten Weber« angeritten kamen! Da waren die

beiden schönen Männer der Gegend, die Lieblinge der Damenwelt, Hugo

König und mein Kollege Jacobsen. Darüber, welchem von beiden der Apfel

des Paris zu reichen sei, konnten sich die Damen nicht einigen. Beide

hatten so was, so was – na, da verstehe ich mich nicht darauf. Hugo

König, der »schöne Hugo« genannt, erklärte uns wieder und wieder,

wo der »springende Punkt« der Kriegslage zu suchen sei. Er war

Kriegsfreiwilliger und gerne der Generalstäbler von Geraragua. Mit ihm

kam sein Bruder Fritz, Mitglied des Gouvernementsrates, eine Autorität

in Kolonialfragen. Es kam der Weltensegler, Millionär und Jagddilettant

Elven, mit der fixen Idee behaftet, ganz Deutsch-Ostafrika müsse

als ein Jagdreservat für Millionäre angesehen werden. Es kamen der

Gouvernementslandwirt Mittag, der verkörperte Agrarier, und sein

Kollege Münz aus Württemberg, dessen Deutsch kein Norddeutscher

verstehen konnte. Es kamen Leutnant Kaufmann und sein Bruder Hans,

letzterer kaum siebzehn Jahre alt. Es kamen die Farmassistenten Frank,

Fränkel und das Mtoto [Kind] der Abteilung, der sechzehnjährige

Schönbohm. Es kamen Leutnant Kühn und zuweilen auch seine Frau und ihr

Bruder Satow. Es kam der Dichter und Unteroffizier Müller, der eine

Hornbrille trug wie die Alchimisten in alten Kupferstichen.

Es kam Richard L. Sauerbrunn, Farm-, Pflanzungs- und Dukabesitzer[1] am

Berg. Er kam in geheimer Mission. Er hatte persönliche Beziehungen zu

den Massai jenseits der Grenze gehabt, wollte diese für die deutsche

Sache zu gewinnen suchen und sie veranlassen, mit ihren riesigen

Viehherden auf deutsches Gebiet überzutreten. Er zog dahin und kam

nicht wieder. Eine Patrouille wurde ihm nachgehetzt, aber sie fand ihn

nicht mehr. Er war der erste Kriegsgefangene, den wir an unserer Front

verloren.

Sauerbrunns Schicksal habe ich erst später, im Kriegsgefangenenlager zu

Ahmednagar, von ihm selbst erfahren. Er hatte seine Geschäftsfreunde

nicht mehr jenseits der Grenze vorgefunden. Die Engländer kannten die

Firma Richard L. Sauerbrunn anscheinend. Sie hatten seine Massaifreunde

von der Grenze zurückgezogen und durch Massaipatrouillen aus dem

Hinterlande ersetzt. Von diesen fand sich Sauerbrunn plötzlich umringt.

Sie speerten ihn in Arme und Beine und schlugen ihm mit ihren Keulen

den Unterkiefer aus dem Gelenk sowie Löcher in den Kopf. Da Sauerbrunn

trotzdem nicht tot war, schleppten ihn die Massai zehn Tage lang mit

sich durch das Pori, um ihn endlich einem englischen Posten an der

Ugandabahn auszuhändigen. Daß Sauerbrunn nicht an Blutvergiftung

einging, verdankte er nur seiner Zähigkeit. Seine eiternden Wunden

desinfzierte er mit zu Staub zerriebenen Holzkohlen, die er sammelte,

wenn die Massai ihr Fleisch fertig geröstet hatten. Essen konnte er

nicht. Er lebte von schlechtem Wasser und hin und wieder etwas saurer

Milch. Er hat dann wochenlang im Lazarett in Nairobi gelegen und wurde

schließlich, gut geflickt und eingerenkt, nach Indien geschafft.

Dort, im A-Camp in Ahmednagar, hat Sauerbrunn in selbstlosester

Weise unermüdlich für das Wohl seiner Mitgefangenen gesorgt. Er war

der Vermittler zwischen Camp und englischer Verwaltung in allen

Verpflegungsangelegenheiten und leitete musterhaft die große allgemeine

Campküche. Jeden Vormittag, den Gott in der Gefangenschaft werden

ließ, übersetzte Sauerbrunn den um ihn versammelten Gefangenen die

englische Tageszeitung mit einer Routine, die ihresgleichen sucht.

Mit nie versagendem Humor und unerschütterlichem Glauben an den

Endsieg der deutschen Sache flocht er Zwischenbemerkungen launiger und

patriotischer Art in die Übersetzung des Zeitungstextes ein, daß das

Gelächter und Hurra seiner Zuhörer durch das Lager schallte. Er hielt

auch Vorlesungen abends unter dem Baum am Waschhaus oder im Konzert-

und Theatersaal aus Wellblech, und wenn sich auch noch viele andere um

das Gefangenenlager verdient gemacht haben, so darf ich doch sicher

sagen, daß Richard L. Sauerbrunn der Liebling des A-Lagers war.

Alle ritten sie über »Posten Weber«, fütterten dort ihre Tiere und

sich selbst. Es kam auch Vater Krantz, ein früherer Burenkommandant.

Auf seinem Moritz, dem Pferd mit der faustgroßen, permanent offenen

Druckstelle am Widerrist, sprengte Krantz effektvoll auf den Hof und

warf sich wie der Jüngste vom Tier. Ehe er in Hörweite war, begann

Krantz schon die Arme übereinanderzurollen und seine Kriegspläne

auszukramen. Aus deutschen Massai wollte er an der ganzen Grenze ein

Aufklärungs-, Spionage- und Nachrichtenkorps organisieren, mit ihm

selbst als Zentralorgan und belebendes Herz. Die Massai sollten dann

immer vorneweg, immer vorneweg am Feinde sein. Die berittenen Farmer

und Pflanzer sollten dann, von seinen Massaispionen geführt, den Feind

umgehen und in der Flanke angreifen. »Und« – er rammte einen imaginären

Karabiner in die rechte Schulter – »dann immer: päng, päng! Und« – er

rammte denselben Karabiner in die linke Schulter – »wenn das rechte

Auge ermüdet ist, dann immer links: päng, päng!« Aufrollen sollten wir

die Feinde. Nach der Küste zu aufrollen, bis das Land zu Ende sei und

sie alle ins Meer stürzten. Wieder rollten seine Arme, diesen Prozeß

plastisch darstellend.

Es kam endlich der Kaffeepflanzer und frühere Oberleutnant zur See

Büchsel, ein neuer Stern, der neben Krantz an unserer Front aufging.

Büchsel kam bei Webers durch auf dem Marsche zum Longidogebirge,

etwa Kilometer nordwestlich unseres Postens gelegen, um dort mit

Kameraden aus dem Aruschabezirk, berittenen Pflanzern und Farmern, ein

Patrouillenkorps zu gründen. Er bezog oben im Gebirge, am Urwaldrande,

ein Lager, das nach ihm später den Namen Büchsellager führte. Von hier

ritt er Patrouillen über die Grenze in Richtung Erok, Ingito, englische

Magadbahn, stellte die Wasserstellen, die Stärke der feindlichen Posten

fest und berichtete darüber an das Kommando.

[Illustration]

Fußnoten:

[1] duka = Laden.

Es wird Ernst

Am 15. August 1914 war der Ort Taveta, östlich vom Kilimandscharo auf

englischem Gebiet gelegen, von unsern an jener Front operierenden

Truppen genommen worden. Nun sollte, durch Büchsels Patrouillenkorps

vorbereitet, auch an unserer Front, westlich vom Kilimandscharo, die

Offensive beginnen.

In Geraragua erschien zu diesem Zweck Kapitänleutnant Niemeyer auf der

Bildfläche. Er erhielt den Befehl der berittenen Geraraguaabteilung;

Major Schlobach sollte als Etappenkommandant in Geraragua

zurückbleiben. Bald traf auch Hauptmann Tafel mit der 10. Feld-, d. h.

Askarikompanie in Geraragua ein und übernahm den Oberbefehl über alle

dort versammelten Truppen.

Am Spätnachmittage des 18. September setzte sich Abteilung Tafel, also

die 10. Feldkompanie und die berittene Abteilung Geraragua, in Marsch

zum Longidogebirge und traf dort am 21. September ein. Geführt von dem

Patrouillenkorps Büchsel, ging es am 24. September nach Norden über

die Grenze. Der feindliche Posten Kichwa cha tembo an der Magadbahn

sollte ausgehoben und die Bahn gesprengt werden. Nach einem Nachtmarsch

wurde um sieben Uhr morgens in einem Koongo am Fuße des Ingitoberges

haltgemacht, um zwei Stunden zu ruhen.

Nach den mir später in der Gefangenschaft von englischer Seite

gemachten Mitteilungen war eine starke englische berittene Patrouille,

bestehend aus etwa 66 Buren und Farmern aus Britisch-Ostafrika,

schon seit Stunden den Spuren der Abteilung Tafel nachgeritten. Die

Marschordnung der letzteren auf schmalem Pfade war: eine berittene

Spitze, die Feldkompanie mit Trägern und endlich das Gros der

berittenen Abteilung. Dies hatte zur Folge, daß die Spuren unseres

Fußvolkes durch Reittierspuren völlig wieder zugedeckt worden waren.

Die Engländer glaubten daher, einer unserer gewöhnlichen berittenen

Patrouillen gefolgt zu sein. Sie überrannten den aufgestellten Posten

und eröffneten auf kurze Entfernung ein überraschendes Feuer auf

die ruhenden Deutschen. Im Gebüsch – einige englische Buren saßen

sogar in den Bäumen – in guter Deckung gegen Sicht, hatte der Feind

die Situation zuerst völlig in der Hand, und die schweren Verluste

auf unserer Seite ereigneten sich in der Hauptsache zu Anfang dieses

überraschenden Überfalles, bei dem es Kugeln regnete, ohne daß ein

Feind zu sehen war. Dies dauerte aber nicht lange. Die Feldkompanie,

auf deren Anwesenheit der Feind nicht vorbereitet war, entwickelte sich

schnell, ließ die beiden Maschinengewehre spielen und nahm unmittelbar

darauf den Feind mit dem Bajonett in der Flanke an. Gleichzeitig gingen

unsere Europäer frontal sprungweise vor.

Unsere Askari im Bajonettangriff, das ist so ’ne Sache. Was vom

Feinde noch laufen konnte, lief. Von den 86 Feinden sind nur 14

unverwundet aus dem Gefecht herausgekommen, und die englischen Buren in

Britisch-Ostafrika wollten seitdem vom Kriege an der Front nie wieder

recht was wissen. Der Feind ließ außer vielen toten auch 26 lebendige

Reittiere mit guten Ausrüstungen auf dem Gefechtsfelde zurück und trug

dadurch zur besseren Berittenmachung und Equipierung unserer Abteilung

bei.

[Illustration]

Aber auch bei uns waren die Verluste sehr schwer. Kossel, der lustige

junge Mecklenburger, der Unternehmer Rotbletz, der Lehrer Breitkreuz

sowie die Farmer Hartmann und Grötzinger hatten ihr junges Leben

hier lassen müssen, 6 andere waren, zum Teil schwer, verwundet. Bei

40 berittenen Europäern: Verlustziffer also 25 Prozent. Auch die

Feldkompanie hatte schwer gelitten. Der Liebling aller, Leutnant Walde,

war am Maschinengewehr gefallen, der tapfere Hauptmann Tafel schwer

verwundet; auch Feldwebel Nickel und der Unteroffizier Mieth waren

verwundet. 12 Askari waren tot und 18 verwundet. Auch viele Träger

waren tot, verwundet oder ausgerissen. An die Verfolgung des Feindes

konnte nicht gedacht werden.

Die Feuertaufe war bestanden. Der Todesengel hatte gewürgt, und schwer,

bleischwer lastete plötzlich der ganze Ernst des Krieges auf den

Gemütern der sonst so fröhlichen Gesellen. Es dauerte Tage, ehe sie

dieser Beklemmung ganz Herr wurden.

Das Longidogebirge wurde von der 10. Feldkompanie und der berittenen

Abteilung Geraragua besetzt gehalten. Das Kommando führte zuerst

Hauptmann Richter, dann Hauptmann Kraut, mit dem auch noch die 11. und

21. Feldkompanie dort eintrafen.

Der Geburtstag der Berittenen 9. Schützenkompanie

Nunmehr habe ich von einem auch für die Leser wichtigen

kriegsgeschichtlichem Datum erster Ordnung zu vermelden: dem 20.

Oktober 1914. Er ist der Stiftungstag der Elitetruppe, der ich

anzugehören die Ehre hatte und von der ich fortan erzählen werde, bis

zu ihrem Todesritt am 27. Juli 1916, an dem sie im Feuerüberfall und

Handgemenge bei Meia-Meia aufgerieben wurde.

An jenem Tage wurden die Mannschaften mehrerer Einzelposten sowie

das Patrouillenkorps Büchsel mit der berittenen Abteilung Geraragua

zusammengeschlossen zur »Berittenen 9. Schützenkompanie«. Man darf sich

durch die Zahl »Neunte« nicht irreführen lassen – in Wirklichkeit war

sie die erste und zunächst einzige berittene; das »Neunte« erklärt

sich daher, daß alle aus Europäern gebildeten Truppenteile zum

Unterschied von den Askari- oder Feldkompanien als Schützenkompanien

bezeichnet wurden. So ist jener Stiftungstag der »Neunten« zugleich

der Gründungstag der deutsch-ostafrikanischen Kavallerie überhaupt,

und diese ist hervorgegangen aus unserer Farmerabteilung Geraragua,

die mit ihren paar Reittieren begann. Erst später erhielt die

»Neunte« Konkurrenz in der »Berittenen Achten«, mit der wir die

stolze afrikanische Kavallerie»brigade« bildeten. Natürlich hat die

»Achte«, die wir »die Fliegenden Hunde« nannten, nie an die »Neunte«

herangereicht.

Damit sich aber der Leser nicht etwa übertriebene Vorstellungen von

unserer »Brigade« macht, möchte ich doch noch hinzufügen, daß die

größte Anzahl von Europäern, die die »Neunte« in ihrer Glanzzeit auf

dem Papiere hatte, einige siebzig betrug. Ihre größte Gefechtsstärke

bestand Mitte 1915, einschließlich der inzwischen dazugekommenen

Askari, aus 56 Gewehren. An solchen Zahlen sind ihre Taten zu messen.

Das Verzeichnis, das ich mir von allen Europäern, die meiner Kompanie

im Laufe der zwei Jahre ihres Bestehens angehörten, angelegt habe,

weist 75 Namen auf. Als unser Oberst am 15. November 1918 den

Waffenstillstand für Afrika abschloß, waren von den 75 nur noch

Hauptmann Meyer, die Unteroffiziere Obst und Truppel und Piet

Nievenhuizen dabei.

Kriegssafari zum Urwaldposten Olmolog

Wenn die Zeit der Siege und der militärischen Erfolge, und nicht

etwa die spätere Zeit des zähen, hartnäckigen Widerstandes unter nie

dagewesenen Strapazen und Entbehrungen, als die »große« zu bezeichnen

ist, dann kam jetzt die größte, die glorreichste Zeit des Krieges in

Deutsch-Ostafrika, von der wir noch lange nachher zehrten. An drei

Fronten griffen die Engländer, die ungeheure Verstärkungen an Truppen

und Material von Indien herbeigeschafft hatten, gleichzeitig mit weit

überlegenen Massen an, und überall wurden sie abgeschlagen.

An dem gleichen Tage, dem 3. November 1914, an dem die Schlacht bei

Tanga, die uns unsterblichen Ruhm und enorme Beute brachte, begann,

an dem die Engländer bei Taveta einen Scheinangriff machten, den ein

Zug Askari aufhielt, saßen plötzlich am frühen Morgen 2000 Engländer

und Inder auf dem Nordostkamm des Longidogebirges und um acht Uhr

bestreuten ihre Schrapnells bereits die deutschen Stellungen auf dem

Südwestkamm des Gebirges. Bis neun Uhr abends dauerte das Gefecht,

dann zog sich der Feind zum Erok zurück. Der schneidige Hauptmann

Stemmermann hatte ihn mit seiner 11. Askarikompanie am Spätnachmittag

in der Flanke mit Erfolg angegriffen und seine Siegeszuversicht

gründlich erschüttert.

Obwohl der Angriff des Feindes abgeschlagen war, wurde doch das

Longidogebirge wenige Tage nach dem Gefecht von unsern Truppen geräumt.

Am Nachmittag des 11. November und die ganze folgende Nacht hindurch

bezogen die drei Feldkompanien und die Berittene 9. Schützenkompanie

mit ihren Bagageträgerkolonnen Lager unterhalb des Krantzhügels zu

beiden Seiten des Engare Nairobi.

Am selben Tage traf auch unser Kommandeur, Oberstleutnant v.

Lettow-Vorbeck, der Sieger von Tanga, ein. Er kam bald auf den

Krantzhügel herauf, um sich das Gelände anzusehen und die beste

Verteidigungsstellung auszusuchen. Lange stand er, umgeben von seinem

Stabe, auf dem höchsten Punkte des Hügels und sah zum Longidogebirge

hinüber. Man sah ihm die Trauer an, daß jene Stellung mit vier

herrlichen Wasserstellen, der Schlüssel unserer Front, trotz

siegreichen Gefechts hatte geräumt werden müssen. Es war das erste

Stück deutscher Erde, das der Besetzung durch den Feind preisgegeben

wurde!

Nach längerer Beobachtung des Geländes lud mich unser Oberst mit

den Worten: »Wir sind beide nicht mehr die Jüngsten« ein, auf einem

Haufen leerer Säcke neben ihm Platz zu nehmen, und teilte mir mit,

wie er über mich disponiert habe. Hier sei für mich nichts zu tun;

der Krantzhügel (von jetzt ab der Telephonhügel genannt) solle zur

befestigten Stellung ausgebaut werden. Ich solle den Urwaldposten

Olmolog (meine alte Farm!), den zur Zeit Leutnant Kühn mit sechs

Reitern meiner Kompanie und einigen Massaikriegern besetzt hielt, mit

90 Massaikriegern beziehen und Grenzwacht halten. Der Schütze Pfützner

solle mich begleiten. Auf Veranlassung unseres Oberst bekam ich ein im

Longidogefecht erbeutetes Lee-Medford-Gewehr, zwei Einundsiebziger und

Munition für meinen neuen Posten geliefert.

Am nächsten Morgen traten Pfützner und ich in aller Frühe die Safari

zum Olmolog an. 60 Ilmuran, d. h. Massaikrieger, waren bei mir, 10

waren schon auf dem Posten und 20 sollten mir in Kürze folgen. Außer

den Ilmuran hatten wir 25 Träger, unsere Boys und 40 Schlachtochsen

mit. Natürlich aßen wir bei Mutter Weber zu Mittag.

In dunkler Nacht langten wir am Urwaldrand an. Hier war vorläufig

Schluß. Der Urwaldrand ist dort am Kilimandscharo meistens so dicht

mit Unterholz, Gestrüpp und Schlingpflanzen durchwachsen, daß er

zu einer undurchdringlichen Mauer werden kann. Man muß sich mühsam

mit dem Buschmesser durchschlagen, bis man einen Elefantenpfad oder

Nashornwechsel findet, der ungefähr in der Richtung läuft, die man

einschlagen will. Tiefer in den Urwald hinein ist das Reisen nicht

ganz so beschwerlich, aber ohne einen Vortrupp mit Buschmessern kommt

man auch dort nicht recht vorwärts. In dunkler Nacht, und noch dazu

mit Ochsen, in den Urwald einzudringen, wäre sehr schwer gewesen, auch

waren Mensch und Vieh vom langen Marsch rechtschaffen müde. Ein Feuer,

das wie ein Stern meilenweit in die Steppe hineingeleuchtet hätte,

durften wir nicht machen; das Zelt aufzuschlagen, lohnte nicht mehr, da

in wenigen Stunden der Morgen dämmern mußte. So blieb nur übrig, sich

in seine Decke zu rollen, zähneklappernd dem Geschnatter der Nachtaffen

zuzuhören und den Morgen abzuwarten.

Leutnant Kühn, den ich ablösen sollte, hatte seinen Posten irgendwo

tief im Urwalde hinter der Farm Olmolog – so hatte mir wenigstens

mein Kompanieführer gesagt. Näheres wußte der scheinbar auch nicht.

Nun hieß es, den Posten finden. Früh am nächsten Morgen lag die ganze

Welt um mich im dichten, feuchten Nebel. Fernsicht: zehn Schritt. Die

Luftlinie von meinem Nachtlager bis zum »Posten Kühn« konnte kaum

mehr als fünf Kilometer betragen. Wenn ich nur ungefähr gewußt hätte,

in welcher Richtung der Posten lag! – Da! Was war das? Zwei Schritte

vor mir sprang ein Stück Wild auf von der Größe unseres Damwildes und

verschwand wie ein Blitz im Gestrüpp und Nebel. Ein Buschbock war es.

Kein Herdentier wie alles Steppenwild, hält er sich gern am Rande des

Urwaldes auf. Die Eingeborenen schätzen sein Fleisch nicht und essen es

nur, wenn sie sonst hungern müßten. Tatsächlich hat sein Fleisch einen

penetranten, beinahe ekelerregenden Wildgeschmack.

Ich beschloß, vorläufig mich am Urwaldrande entlang in nördlicher

Richtung durchzuschlagen und gleichzeitig nach Wasser zu suchen; denn

die Ochsen waren durstig. Pfützner führte. Ihm folgten einige Träger

mit Buschmessern, dann die Ochsen, die, von Massai getrieben, die

Bresche erweiterten, durch die die Lastenträger nun bequemer vorwärts

kamen. Den Schluß dieser Karawane im Nebel bildete ich. Krieg, mein

Hund, so genannt, weil er am Tage der Kriegserklärung geboren war,

jagte in seinem jugendlichen Unverstand und Eifer Baumschliefer

[Baumratte] auf die Bäume und die Kwale [Rebhuhn] aus dem Busch, bis

er in Siafu [große braune Ameise] hineingeriet und heulend bei mir

Schutz suchte. Er ruhte nicht, bis er vor mir auf dem Sattel saß und

sich knurrend den ungewohnten Urwaldboden von oben ansehen konnte. Die

Nachtaffen waren zur Ruhe gegangen. Dafür kollerten jetzt in jeder

Richtung die langschwänzigen Colobusaffen. Sie jagten sich in den

Bäumen und schimpften im tiefen Baß auf die Eindringlinge.

Nur langsam brachen wir uns Bahn durch das dichte Gestrüpp. Drei

Stunden ging es so unter tropfenden Bäumen im dichten Nebel weiter.

Ein Wasserloch hatten wir gefunden und die Tiere getränkt. Allmählich

lichtete sich der Nebel, bis er ganz der Macht der Sonne wich. Nun hieß

es, die Augen offen halten. Die Kameraden im versteckten Urwaldlager

mußten doch auch ihren Morgenkaffee kochen, und ganz ohne Rauch würde

das nicht abgehen, da alles Brennholz hier oben feucht war. Irgendwo

über den Baumkronen mußte sich jetzt, als der Nebel immer höher am

Kilimandscharo hinaufkroch und nur hier und da über besonders tiefen

Schluchten Schwaden zurückließ, Rauch entdecken lassen. Richtig!

Dort, halbrechts vor uns, noch ein gutes Stück in den Urwald hinein,

wurde leichter Rauch gesehen. Eingeborene Wachagga, die Bewohner des

Kilimandscharo, gab es auf dieser Seite des Berges nicht, auch zum

Honigausbrennen kamen sie nicht so weit um den Berg herum. Dort, wo der

Rauch war, mußte unser Posten sein oder – das Lager einer englischen

Schleichpatrouille. Also auf den Rauch losgehalten. Ich ritt mit

einigen mit Buschmessern bewaffneten Trägern voraus und hieß Pfützner

mit der großen Karawane, deren Durchbruch durch das Unterholz nicht

ohne allerhand Lärm abging, mir nach zehn Minuten folgen.

Vom Urwaldrande abbiegend, traf ich bald auf eine Bergwiese, die

hellgrün mitten im dunklen Walde lag und deren hohes, hartes Gras

meinem Reittiere bis an die Ohren reichte. Mollig warm und licht war es

dort nach all der Feuchtigkeit und Dunkelheit des Waldes. Ein Serval,

eine kleine Leopardenart, den nach den Strapazen der nächtlichen Jagd

die ersten Strahlen der Morgensonne verlockt haben mochten, auf einem

gefallenen Baumstamm zu ruhen und sich zu wärmen, schlich durch das

hohe Gras ab. Vögel, die an Größe und Gestalt dem heimischen Häher

gleichen, mit tiefblauen Rumpf- und Schwanzfedern und hellroten,

quadratischen Flügeln huschten geräuschlos über die Waldwiese weg –

ihren Namen kenne ich nicht. Große Schwalbenschwänze, schwarz und blau

schillernd oder gelb mit schwarzen Strichen und Flecken, flogen am

Rande der Lichtung von Busch zu Busch. Alle Geschöpfe suchten Licht und

Wärme.

Nach diesem kurzen Lichtblick drang ich wieder in den Urwald ein.

Endlich ließ ich auch die Träger mit meinem Reittiere und Hunde zurück

und schlich mich der Stelle näher, wo der Rauch gesichtet worden

war. Unnötige Vorsicht! Ein Träger des Postens, auf dem Rücken eine

Milchkanne, die mir sehr bekannt vorkam, lief mir arglos in die Arme.

Er sollte Trinkwasser holen, und die Milchkanne stammte unten von

meiner Farm. Er gab mir nähere Auskunft, wo der Posten lag, und doch

hörte ich die Kameraden schon lange schwätzen und lachen, ehe ich ihr

Lager fand. So tief im Gebüsch versteckt standen ihre Zelte unter

mächtigen, von Feuchtigkeit triefenden Bäumen. Dort wurde es sicher

den ganzen Tag weder warm noch trocken. Die Kameraden schienen dies

auch zu empfinden; denn sie waren froh, abgelöst zu werden. Nach einem

gemeinsamen warmen Frühstück von Kongonifleisch rückten sie sofort ab.

Alleinherrscher im Urwald

Die kleine Regenzeit stand bevor. War es jetzt schon kalt und feucht

hier oben im Urwalde, 2200 Meter über dem Meeresspiegel, wie würde das

erst in der Regenzeit werden! Dort, wo auch an nebel- und regenfreien

Tagen weder Licht noch Wärme hinkam, beschloß ich, nicht zu bleiben.

Was Rheumatismus ist, wußte ich, und ganz verklammen wollte ich doch

auch nicht. Die Lage des Postens gefiel mir, so versteckt sie an und

für sich war, auch aus militärischen Gründen nicht. Man sah dort nichts

von dem Gelände, das ich überwachen sollte. Für den Führer eines

Europäerpostens mochte dieser Umstand keine Bedeutung haben, er konnte

seine Leute ausschicken und sich auf ihre Beobachtungen verlassen. Als

Führer von Massaikriegern glaubte ich anders handeln zu müssen. Ich

mußte mein Lager am Urwaldrande haben, so daß ich einerseits vom Lager

aus selbst das Gelände beobachten, andererseits die vorgeschobenen

Massaiposten leicht kontrollieren konnte.

[Illustration]

Ich brach daher mit meiner Karawane gleich nach Mittag wieder auf

und suchte mir einen sonnigen Platz auf einer Waldwiese am Rande des

Urwaldes aus. Mein Zelt, die Hütten der Boys und Träger sowie die

Feuerstellen wurden so gelegt, daß sie gegen Sicht aus der Steppe

gedeckt waren. Hingegen brauchte ich nur wenige Schritte von meinem

Zelt zu gehen, um das ganze weite Vorgelände zu übersehen. Die Feuer

durften nur nachts und am Tage nur, solange der Nebel lag, unterhalten

werden, damit ihr Rauch uns nicht verriet. Mit zwei modernen Gewehren

und zwei Einundsiebzigern, für die ich mir die Negerschützen erst noch

ausbilden mußte, konnte ich an einen längeren Widerstand nicht denken.

Meine Aufgabe hier war ja auch nicht, Schlachten zu schlagen oder

Armeen aufzuhalten.

Die Massaikrieger rechneten in dieser Beziehung überhaupt nicht

mit. Sowie es knallte, verschwanden sie. Ich nehme ihnen das an und

für sich nicht weiter übel; denn nur mit Speer, Keule, Schwert und

Schild ausgerüstet gegen moderne Feuerwaffen anzulaufen, muß kein

besonders schönes Gefühl sein. Mir schienen aber die als kriegstüchtig

berühmten und berüchtigten Massai doch einen viel feiner entwickelten

Selbsterhaltungstrieb zu besitzen als irgendeine andere Negerrasse. Der

Krieg in Deutsch-Ostafrika hat – gar nicht zu reden von den prächtigen

regulären Askaritruppen – unzählige Beispiele persönlicher Tapferkeit,

Kaltblütigkeit und anhänglicher Treue an ihren Bana seitens Neger aller

Stämme geliefert. Von den Massai allein kann ich dies weder aus eigener

Erfahrung sagen, noch habe ich je von einem solchen Fall gehört. Der

Massai ist uns und wir sind ihm fremd geblieben. Ihn kümmert nur sein

Vieh, und als Viehräuber scheut er auch Gefahren und selbst den Tod

nicht.

Wenn man von den heutigen Massai auf ihre Ahnen schließen darf, so

dürften letztere ihre Machtstellung in Deutsch-Ostafrika weniger durch

ihre überlegene Tapferkeit als durch größere Heimtücke und Gaunerei

erworben haben. Liefen sie gegen einen Stamm an, der gleich schlau und

gleich gut bewaffnet war, wie z. B. die Wachagga am Kilimandscharo,

dann wurden sie abgeschlagen.

Da es über dem Herrichten meines Lagers inzwischen Abend geworden war,

schickte ich für diese Nacht eine starke Massaipatrouille zum Gehöft

Olmolog hinunter, um dieses und die Wasserstelle in seiner Nähe zu

beobachten. Am nächsten Tage sollten die Stellungen für vorgeschobene

Feldwachen ausgesucht werden. Im Lager wurden drei intelligentere

Träger zu einem Nachtwächterdienst organisiert. Dies war ein Notbehelf.

Pfützner und ich wollten täglich Patrouillen reiten, folglich konnten

wir nicht auch Nachtwachen schuften. Die Trägernachtgarde wurde

eingerichtet, um unser Gewissen zu beruhigen und damit alles, was unter

den gegebenen Umständen möglich war, getan war.

Wir hatten unser Zelt zwar nicht direkt auf einen Elefantenwechsel

gesetzt, aber durch die Waldwiese, auf der wir lagerten, führte ein

solcher, und ganz frische Losung lag auch dort. Leoparden waren am

Urwaldrande ebenfalls häufig genug. Daß der Feind uns aus eigener

Initiative nachts finden und ausheben könnte, war sehr unwahrscheinlich

– fanden wir doch selbst, wenn wir nach Dunkelwerden von Patrouille

zurückkamen, anfangs nur mit Mühe unser Lager wieder. Die einzige

wirkliche Gefahr lag darin, daß meine Massai unser Lager verrieten

und den Feind nächtlicherweile heranführten. Hiergegen ließen sich

freilich überhaupt keine Schutzmaßregeln treffen. So wurden also

die Nachtwächter, die wir zu ihrem großen Stolz unsere Ruga-ruga

[Hilfskrieger] nannten, mit dem Einundsiebziger ausgebildet, damit

doch jemand da sei, der zu den durchkommenden Elefanten und Leoparden

husch-husch sagen konnte. Wie alle Nachtwächter hielten sie sich

entweder in der Nähe des Zeltes auf und gaben ihr Wachsein durch

erkünsteltes Gehuste und Gepruste zu erkennen, oder sie schliefen

irgendwo weit weg im Gebüsch, damit ich ihr Schnarchen nicht hören

sollte. Das zweite war mir das liebere; dann konnte ich doch auch

ungestört schlafen.

So, nun saß ich also im Urwald auf Grenzposten, weit, weit weg von

allen, die ein höheres Gehalt bezogen. Wie schön das ist, wird mir

jeder Soldat nachfühlen. Kein Feldtelephon, kein Heliographenapparat

auf dreißig Kilometer im Umkreise – Kinder, war das schön!

Der Schütze Pfützner, der mit seiner Minna – keine Angst! Minna hieß

sein Maultier – mein einziger Gefährte war, erwies sich als ein

durchaus zuverlässiger, verständiger und umgänglicher Mann, mit dem

sich abends gelegentlich ein Artillerieskat spielen ließ. Ich habe

vergessen, wie die Berechnung bei diesem Skat zu zweien ist, aber ich

schulde Pfützner heute noch achtzehn Flaschen Bier als Endresultat von

fünfmonatigem Spiel. – Wir spielten um Bier, nicht etwa, weil wir Bier

gehabt hätten. Im Gegenteil, wir sehnten uns nur sehr danach, und darum

spielten wir um Bier. Es war eine angenehme Illusion, am Schluß eines

Spielabends sagen zu können: »So, wenn wir jetzt Bier hätten, sollte

uns die gewonnene Flasche gut munden! Bier müßte hier oben im kühlen

Urwald, nachdem es im eiskalten Quellwasser kalt gestanden hat, recht

trinkbar sein. Im heißen Küstenklima ist es nicht das richtige Getränk;

da soll man, wenn man seine Leber lieb hat, nur Whisky trinken. Hier

oben aber, im rein europäischen Klima, würde uns eine Flasche Bier

nichts schaden.« So argumentierten wir gerne und beschlossen, das

Spielresultat nach dem Kriege gemeinsam auszutrinken.

Der Mensch denkt und Gott lenkt. Dieser Vorsatz, das Bier gemeinsam

zu trinken, kann nie mehr zur Ausführung kommen – jedenfalls nicht

in dieser Welt. Der gute Pfützner, der inzwischen Unteroffizier

geworden war, ritt am 1. August 1916 bei der Station Kidete an der

Mittellandbahn auf eine Mine. Die Kameraden begruben seine Überreste,

wie eine Tafel anzeigt, links von der Station unter einem großen Baum.

Er war ein braver Mensch, ein guter Kamerad und ein pflichttreuer

Soldat.

An jenem ersten Abend im Urwaldlager spielten wir noch nicht

Artillerieskat. Eine wichtige Frage lag noch zur Beratung vor: die

der Verpflegung. Für die Träger und Massai war gesorgt. Die ersteren

bekamen täglich ihr Maismehl und zweimal in der Woche Fleisch, die

Massai, die nie Pflanzenkost genießen, täglich ihr Fleisch. Wenn

der Proviant zu Ende ging, brauchte ich nur bei der Etappe neuen

anzufordern. Aber wir Europäer bekamen täglich unsere drei Rupien

Verpflegungsgeld und sollten für uns selber sorgen. Nun gab es zwar in

unserm Lager am Krantzhügel auch damals schon ein Magazin, in dem man

kaufen konnte, wenn zufällig was drin war, aber für die auf Außenposten

Kommandierten war es kaum je möglich, rechtzeitig den Anschluß zu

erreichen. Zu unserm Glück waren wir nicht auf dieses Magazin allein

angewiesen. Für mich sorgte in mütterlicher Treue Frau Weber, zu der

ein flinker Bote in einem Tage hin- und herlaufen konnte, und Pfützner

hatte seine kurz vor dem Kriege angefangene Farm am Kingoribach,

zwischen Kilimandscharo und Meru. Er bekam wöchentlich eine Sendung

Farmprodukte von seinem schwarzen Aufseher. Wild gab es in der Steppe

vor dem Posten in Herden zu Tausenden und, da die Massai den Kopf des

Ochsen nicht essen (warum, habe ich nicht ergründen können), hatten wir

mehr Ochsenzungen und -hirn, als in der Speisefolge gut unterzubringen

war.

Später, als es aussah, als ob ich nie wieder von diesem Grenzposten

würde abgelöst werden, legte ich mir oben im Urwald einen Gemüsegarten

an. Außer Radis und Kopfsalat habe nicht ich, sondern mein Nachfolger

geerntet. Erfahrungsgemäß wird man von einem Posten immer gerade dann

abgelöst, wenn der Gemüsegarten anfängt, Ertrag zu bringen.

Die Verpflegungsfrage war somit geregelt und entwickelte sich

historisch weiter. Wir lebten, wenn auch nicht so gut wie ich

früher bei Mutter Weber, doch immer noch recht gut, und nachdem wir

aus einigen Wellblechplatten vom Gehöft Olmolog ein Magazin für

Eingeborenen- und Reittierverpflegung gebaut hatten, waren wir die

Sorge um das tägliche Brot einstweilen los.

Am nächsten Morgen in aller Frühe ritten Pfützner und ich in Begleitung

der Massaigruppenführer los, um geeignete Beobachtungsposten

für die Massai auszusuchen. Eine dieser Feldwachen, die auf dem

Lagumisherakrater, hätte ich am liebsten selbst bezogen, so herrlich

ist es da oben.

Der Lagumishera, ein 1957 Meter hoher Vorkraterberg des

Kilimandscharogebirges, hat den besterhaltenen Krater, den ich

kennengelernt habe. Ich habe viele und große und viel größere Krater

gesehen, aber keinen, der aus der Steppe so regelmäßig kegelförmig

aufsteigt und dessen Wände ringsum so gut erhalten sind. Der Berg ist

dicht mit niederem Wald und Busch bestanden, nur der Kraterrand ist

frei von Vegetation.

Von der Seite meines Urwaldpostens, d. h. von Südwest, führt ein

Nashornwechsel zum Krater, in dem ein kleiner See liegt, hinauf, so

bequem zu reiten, als ob ihn ein Verschönerungsverein angelegt hätte.

Alle losen Steine sind weggeräumt und alles im Wege stehende Buschwerk

ist abgebrochen. Er hat nur den einen Übelstand, daß sein Anfang nicht

leicht zu finden ist. Denn er fängt nicht am Fuß, sondern erst auf

der halben Höhe des Berges an, dort, wo der Aufstieg beginnt steil zu

werden. Bis dahin hat das Nashorn, das zum Wasser im Krater will, noch

im Wandern gefressen, bald hier, bald dort, ohne einen bestimmten

Wechsel einzuhalten. Erst da, wo die Steigung ihm unbequem zu werden

anfängt, hat es sich im Zickzack den den Berg erklimmenden, ganz

bestimmten Wechsel ausgetreten. Ganz außer Puste will auch das Nashorn

beim Wasser nicht ankommen. Wer diesen Nashornwechsel hinaufreitet,

muß es aber so einrichten, daß nicht gerade im selben Augenblick ein

Nashorn vom Wasser in die Steppe zurückkehrt. Platz, einander harmlos

auszuweichen, ist auf dem Wechsel nicht. Ein Nashorn füllt ihn genau

aus, und besondere Höflichkeit darf man von ihm nicht erwarten.

Wir ritten für Deutsch-Ostafrika · 第 1 / 17 段