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Eine
Gemsjagd in Tyrol
von
Friedrich Gerstäcker.
Mit 34 Illustrationen und 12 Lithographien
nach Originalzeichnungen von C. Trost.
Der Autor behält sich das Uebersetzungsrecht vor.
Leipzig,
Ernst Keil.
1857.
Inhalts-Verzeichniß.
Seite
1. In die Alpen 1
2. Hinauf! 10
3. Aufbruch zur Jagd 23
4. Das Riegeln 31
5. Das Treiben am Joch 41
6. Die Pirsche 48
7. Ragg's Erzählung vom Wilderer 65
8. Ein Sonntag Morgen 75
9. Die Baumgart-Alm 83
10. Die Delpz 107
11. Die Grasberg-Alm 120
12. Das Gemsjoch 127
13. Die Nebeljagd 137
14. Die Nachsuche 148
15. Schluß 155
[Illustration]
1.
In die Alpen.
_Die Gemsjagd!_ -- Welchen eigenen Zauber nur das Wort allein auf mich
ausübt! Kaum nehme ich die Feder in die Hand, und lasse die Erinnerung
zurückschweifen zu jenem wilden fröhlichen Leben, so tauchen auch schon die
grimmen Berge in all ihrer Pracht und Herrlichkeit empor. Wieder sehe ich
jene schroffen Kuppen und Joche, jene Schluchten und Wände hoch über mir
emporragen -- unter mir in schwindelnder Tiefe liegen -- wieder höre ich
in weiter Ferne das Donnern der Lawinen, das Prasseln der aufgescheuchten
Gemsen auf dem lockeren Geröll der Reißen, und wie mit _einem_ jähen Schlag
steht plötzlich jene wunderbare Welt in ihrer ganzen Pracht und Größe
bewältigend um mich her.
Das Herz fängt mir an zu schlagen, als ob ich noch einmal da draußen, halb
in einen Laatschenbusch hineingeklemmt, auf überhängender vorspringender
Felsenspitze klebte, und kaum athmend, mit der gespannten Büchse in der
Hand, in ängstlicher, fast peinlicher Lust, die Sinne zum Zerspringen
angestrafft, des flüchtigen Wildes harrte -- und Alles wird lebendig um
mich her:
In den gelblich schimmernden Lärchentannen, die tief unter mir ihre
halbtrockenen Spitzen heraufstrecken, rauscht und murmelt der Wind,
schüttelt und schaukelt die elastischen zähen Zweige der Krummholzkiefer,
und fegt den Staub aus den trockenen Ritzen und Spalten der weiten Klamm,
die sich neben mir, mit ihren gähnenden Schluchten tief in den Berg
hineingefressen hat. Dort drüben balgt sich ein Schwarm schreiender
munterer Alpendohlen, und still darüber hin, in stummer gewaltiger
Majestät, zieht ein einzelner Jochgeier -- der braune Steinadler -- seine
luftige Bahn.
Oh komm! -- fort, fort aus dem flachen Land. -- Dort hinten ragen schon die
starren, lichtübergossenen Joche aus dem duft'gen Nebel auf, der wie ein
Schleier auf den Bergen liegt; neben uns rauscht und funkelt die grüne
Isar, und trägt den flüssigen, wie mit leuchtendem Silber übergossenen
Bergcrystall zum niedern Land hinab. Die kleinen zierlichen reinlichen
Häuser mit ihren steinbeschwerten Dächern, hölzernen Veranda's, bunten
Heiligenbildern und Außenwerken von gespaltenen Winterscheiten werden
häufiger; freundlich grüßende Gesichter mit spitzen, feder-geschmückten
Hüten darüber, das unvermeidliche »Regendach« unter dem Arm, begegnen uns,
und jetzt rasselt der Wagen über das Pflaster des Bergstädtchens Tölz
die lange Straße hinab, die wie eine Bildergallerie an beiden Seiten alle
möglichen »Schildereien« aus der biblischen Geschichte und christlichen
Sage zeigt. -- Den Hang nieder geht's, durch eine Planken belegte mit
blauen Hemmschuhspuren gestreifte Gasse über die Isar hinüber, die hier
ärgerlich schäumt weil sie da plötzlich in ein Wehr gedrängt, nun Mühlen
treiben soll, das freie Kind der Berge, und jetzt -- oh wie uns das Herz da
weit wird, und die Brust noch einmal so leicht in der reinen Luft zu athmen
scheint, strecken die alten lieben Berge die Arme aus, uns zu begrüßen.
Und enger, tiefer wird das Thal mit jeder Meile, grüner der Fluß an dem wir
aufwärts ziehen, reiner der Himmel, schmaler der Weg, dem der leichte Wagen
folgt. Schon nickt die Krummholzkiefer, der _Laatschenbusch_ wie sie der
Tyroler nennt, uns von den nächsten Hängen ein freundliches Willkommen
zu, und läutende, trefflich genährte Heerden -- die Lieblingsthiere mit
riesigen Glocken um den Hals -- Schafheerden der Bergamasker Race mit
herunter hängenden Ohren, und Hirten, schwer mit allerlei Alpengeräth
bepackt, begegnen uns in der Straße. Es ist Oktober, und Hirten und Heerden
weichen dem nächst zu erwartenden Schneefall aus. Der hat auch die höchsten
Kuppen des Gebirges schon dann und wann einmal auf ein paar Tage mit seinen
weißen Mänteln überworfen -- nur als ob er sehen wollte, ob ihnen die alten
Kleider vom vorigen Jahr noch passen -- und sie sitzen wie angegossen.
[Illustration]
Es ist Herbst, und die Hirten »drin im Gebirg« haben selbst die letzten
»Unterleger« verlassen, ihre Thalwohnungen aufzusuchen und ihre Heerden vor
Lawinensturz und Wintersturm in Sicherheit zu bringen.
In den Bergen wird's jetzt leer, da Vieh und Heerden sie geräumt, und
wunderhübsch schildert Tschudi das in seiner Alpenwelt:
»Weißt Du doch selber, Alpenwanderer,« sagt er, »was für ein schwermüthig
drückender Ton im Herbst über diesen Felsen liegt, wenn Menschen und
Heerden, Pferde und Hund, und Feuer, Brod und Salz sich in's Thal
zurückgezogen. Wenn Du an der verlassenen und verrammelten Hütte vorüber
steigst, und Alles immer einsamer und einsamer wird, wie wenn der alte
Geist des Gebirges den majestätischen Mantel seines furchtbaren Ernstes
über sein ganzes Revier hinschlüge. Kein befreundeter Athemzug weht Dich
meilenweit an, kein heimischer Ton -- nur das Krächzen des hungrigen
Raubvogels, das Pfeifen des schnell verschwindenden Murmelthiers mischt
sich in das Dröhnen der Gletscher und das monotone Rauschen des kalten
Eiswassers. Die kahlgeweideten Gründe, in denen die kleinen Gruppen der
giftigen Kräuter mit frischen Graskränzen welche das Vieh nicht berührte,
sich auszeichnen, haben die letzten anmuthigen Tinten des Idylls verloren.
Der schwarze Salamander und die träge Alpenkröte nehmen wieder Besitz von
den verschlammenden Tränkbetten der Rinder, und die verspäteten Bergfalter
schweben mit halb zerrissenen und abgebleichten Flügeln durch das Revier,
aus dem die beweglichen Unken in trostlosen Chören die sommerlichen
Jodelgesänge der Hirten wie spottend zu wiederholen scheinen.«
Nicht wahr wie schade, daß der _Jäger_ gerade in diese Berge einzieht, wenn
sie der Hirt mit seinen idyllischen Heerden verläßt, und der Jäger bedauert
das gewiß. --
»Gott sei Dank daß das langweilige Vieh mit seinem Gebimmel endlich
abzieht« murmelt er vergnügt vor sich hin, »jetzt bekommen die Berge doch
endlich einmal Ruh, und man braucht nicht zu fürchten auf jedem Pirschpfad
und Joch, statt einem Rudel Gemsen eine Heerde Schafe anzutreffen.«
Die _Poesie_ der Berge verträgt sich recht gut mit der Jagd, und der ächte
Jäger weiß sie gewiß zu würdigen, denn sein ganzes Leben und Treiben ist
poetisch; aber -- sie darf ihm nur nicht in's Gehege kommen, sonst sind sie
eben die längste Zeit Freunde gewesen. Wo sie die Ausübung seiner Jagdlust
stört, hat sie für ihn aufgehört Poesie zu sein, und -- wenn er sie
nicht zum Teufel wünscht, geschieht dies nur in einzelnen Fällen aus ganz
besonderer Rücksicht.
Aber der Wagen rollt indessen lustig den wenn auch schmalen, doch glatten
Weg entlang, der sich allmählig, dem Lauf der Isar folgend aufwärts zieht.
Die Krummholzkiefer kommt schon bis an den Weg herab, und läuft hinüber,
bis zu dem Stein besäeten Ufer des crystallhellen Bergstroms, in dessen
blitzender Fluth hie und da eine muntere Forelle, leicht und rasch die
Strömung stemmend, aufschwimmt. Noch umgeben uns hohe, aber bis zu ihrem
Gipfel dicht bewaldete, wenigstens bewachsene Berge, -- noch haben wir
die Alpenregion nicht erreicht, und zu nah steigen die uns nächsten Hänge
nebenauf, die dahinter liegenden mächtigeren Kuppen erkennen zu können.
Aber das Gebirg wird schon wilder. -- Rechts von uns ragt eine hohe
schroffe Steinwand von der Sonne mit ihrer flammenden Gluth übergossen, wie
eine riesige Silberstufe auf, nach links zu öffnet sich jetzt das Thal, und
herüber grüßt da plötzlich mit seiner scharfgeschnittenen schneegedeckten
Pyramidenkuppe der Scharfreuter, während weiter nach vorne, wo jetzt
die Riß sich in die Isar gießt der Stuhlkopf, und dahinter der gewaltige
Steinkegel, der »große Falken« sichtbar wird.
[Illustration]
Mit ihnen taucht die Erinnerung an manche wilde Schlucht, an manche
romantische, tief in Berg und Wald hineingedrückte Lagerhütte wieder
auf, die uns da drinnen sehnlich schon erwarten. Dieselben sind ja alte
Bekannte, alte Freunde, und es ist fast, als ob sie die mächtigen Hälse
reckten, und freundlich herüber nickten uns zu grüßen. -- Es war nur
Augentäuschung. -- In grimmer stolzer Majestät stehn sie dort, und bieten
den Jahrhunderten die Stirne. Ob sie Orkane umrasen, ob der Föhn durch
ihre Schluchten tobt, und die Lawine, von ihrem Nacken nieder, donnerndes
Entsetzen in die Thäler wirft, oder ob kosende Frühlingslüfte ihre Hänge
und Wände mit Blüthen decken, was kümmert's sie. Geschlechter gehn und
kommen und vergehn auf's Neu, und starr und trotzig recken sie die Häupter
nach wie vor dem blauen Aethermeer entgegen.
Aber hier sind wir schon im Gemsenrevier. -- Rechts und links hinauf sucht
das Auge unwillkürlich nach einem dunklen Fleck auf dem Grau der Steine,
oder in dem matten Braun der Haidedecke, die kleine Blößen zwischen den
Krummholzkiefern bildet, und die Hand greift rasch und unwillkürlich nach
dem Fernrohr an der Seite, irgend einen erspähten Punkt, und auch nicht
größer eben als ein Punkt, mit dem scharfen Glas mistrauisch näher zu
untersuchen. -- Aber nein; der dunkle Schatten einer alten Wurzel; ein
Erdloch, aus dem sich ein thalabgerollter Stein gebröckelt; ein wunderlich
gebogener Ast ist vielleicht, was das scharfe Auge des Jägers für einen
möglichen Gemsbock gehalten, und mit einem getäuschten »es ist Nichts,«
wird das Glas wieder zur Seite gelegt.
Hier haben wir auch schon die Isar verlassen, und sind in das Rißthal
eingebogen.
Weiter aber noch rollt der Wagen; immer enger wird das Thal, immer wilder
und rauschender die muntere Riß, die hier schon über wildes Steingeröll
hinüber schäumt, und manchen kecken Sprung versucht. Immer steiler
werden die Wände unter denen der Weg sich jetzt wie ängstlich hindrückt.
Menschenwohnungen ließen wir mit der »Fall« in der ein Forsthaus steht
schon längst hinter uns, und nähern uns jetzt dem Distrikt wo, der Meinung
der Flachländer nach »die Füchse einander gute Nacht sagen.« Nur in äußerst
seltenen Fällen zeigt noch hie und da eine verlassene Sennhütte ihr helles
Dach -- die Sennen selber sind mit dem Vieh thalab gezogen.
Wilder wird hier die Landschaft; dunkle Kiefer- und Fichtenwaldung schickt
ihre grünen Schatten bis zum Strom herab, und hier -- wo sich die Wände
fast zusammen drängen, die Riß, in ihr schmales Bett hineingepreßt,
ärgerlich und tobend, tief unter eine darüber hingespannte Brücke,
sprudelnd und schäumend niederspringt, kommen wir zur Grenze. An dieser
Seite steht ein blau und weißer Pfahl, jenseits der Brücke ein anderer, von
dem die Sage behauptet daß er einst schwarz und gelb gemalt gewesen. Jetzt
lehnt er grau und mürrisch im Schatten der dunklen Tannen, und schaut in
den Waldbach nieder, als ob er selber gar nicht so übel Lust hätte hinein
zu springen und mit fort zu schwimmen in's flache Land -- was er auch
vielleicht längst gethan hätte, wenn's eben nicht über eine fremde Grenze
-- in's Ausland ginge.
Warum rollt der Wagen hier noch einmal so leicht, warum hebt sich die Brust
so viel höher, warum schaut das Auge so viel schärfer nach Wild umher an
den Hängen, nach Fährten auf den Weg und in den weichen Waldgrund, der ihn
an beiden Seiten begrenzt? -- Das ist _das eigene Jagdrevier_ -- die Gemse
die hier steht, das Wild das hier in stiller Nacht vorüber zieht, gehört
zu befreundeten Rudeln, und die Berge die hier ihre grünen Arme und graue
Häupter aus- und emporrecken, sind der Tummelplatz ihrer Spiele, und tragen
den gedeckten Tisch für sie.
Jetzt macht der Weg eine Biegung, voraus steigt der »Stuhlkopf« schroff
empor -- das Wasser rauscht lebendiger, einzelne Dächer in dem sich weiter
öffnenden Thal werden sichtbar -- ein kleines Kloster, von mehreren Hütten
umgeben dehnt sich langsam aus und dahinter liegt, dem überraschten
Blick wie aus dem Boden steigend, hineingebaut in die waldigen Berge, den
schäumenden Strom überragend und mit seinen eingeschnittenen hellen Mauern
und flatternden Fahnen gar so freundlich herüberleuchtend, ein reizendes
Jagdschloß, vor dem sich schon ein buntes Gemisch von Jägern, Dienern und
Hunden gesammelt hat, den Herrn und seine Gäste zu begrüßen.
Wie kühn und wacker die Burschen aussehn in ihrer malerischen Tracht, wie
freundlich die gesunden gutmüthigen Gesichter darein schauen, wie glücklich
diese Adler-Augen lächeln den lieben Herrn wieder begrüßen zu können der ja
des Jahrs nur einmal, auf wenige Wochen aus weiter Ferne, zu ihnen kommt.
-- Und nun giebt's wieder Leben in den Bergen.
Und wahrlich malerisch ist die Tracht der Leute. Auf dem Kopf tragen
sie den bekannten Tyroler-Hut mit ein paar nach rückwärts gebogenen
Spielhahnfedern, den Stoß eines Schnee- oder Haselhuhns, und manchmal einen
Gemsbart. Der Hals ist frei und das weiße Hemd wird durch ein schwarz oder
bunt seidenes Tuch locker zusammengehalten. Vortrefflich unter den Hut paßt
aber die graue Joppe -- eigentlich etwas zu dunkel für die Berge, weil die
lichteren Farben viel besser mit dem Grün und Grau der Büsche und Felsen
verschmelzen -- und unter dieser reichen die schwarzen Lederhosen nur bis
zum oberen Rand des Knies, das sie bloß lassen, während unter dem Knie
der dick wollene, meist gewebte grüne oder graue Strumpf beginnt. Die Füße
stecken in mächtigen Bergschuhen, von festem, wenig geschmeidigem Leder,
das den Fuß kräftig zusammenhält, während die darunter eingeschlagenen
Nägel nur durch den bloßen Anblick einem mit Hühneraugen geplagten
Menschenkinde Entsetzen einflößen müßten. Es sind das auch keine
gewöhnlichen Nägel, sondern nach innen scharf abschneidend, nach außen mit
breitem Griff die Sohle fassend und schützend, bilden sie einen
scharfen eisernen Rand um den Schuh herum, und ahmen dadurch die ähnlich
eingeschnittenen Schaalen der Gemse nach. Ohne diese Schuh würde selbst
nicht der an die Berge von klein auf gewohnte Jäger im Stande sein an
den steilen Graslannen und schroffen Hängen, die oft nur kaum zollbreite
Vorsprünge auf ihrer glatten Fläche bieten, fortzukommen. Mit solchem
scharfen Eisenrand schneidet man aber fest und sicher in die Wände ein, und
wenn der Kopf nicht schwindelt, läuft man mit einiger Uebung sicher über
nicht eben ganz senkrechte Wände hin.
Dazu aber braucht man außer den Schuhen noch ein anderes, höchst nöthiges
Instrument, und zwar den Bergstock, der von etwa sechs Fuß Länge, mit oder
ohne eisernen Stachel, gewöhnlich nur roh aus einer Haselstaude geschnitten
und getrocknet, dem Bergwanderer die Hauptstütze und Hülfe bietet. Ohne den
Stock wär' er nur wenig nütz da oben, und weniger beim Auf-, besonders aber
beim Niedersteigen, sichert er den Gang, hemmt den zu raschen Lauf und ist
in der That des Kletternden bester Freund. Besonders nützlich zeigt er sich
an steilen Hängen, wo man ihn wagerecht in Händen hält, mit der Spitze die
Wand berührend, die eine Hand an seinem äußersten Ende untergehalten, die
andere etwa in der Mitte aufgestemmt, das Gewicht des Körpers darauf, vom
Abgrund fort, zu lehnen. Nicht zu steile Lannen läuft der Jäger mit diesem
Stock, indem er ihn hinten einsetzt und sich darauf zurückbiegt, fast in
voller Flucht hinunter. Er dient ihm so als Hemmschuh, mit dessen Hülfe er
jeden Augenblick seinen Lauf einzügeln kann.
Noch darf ich den Bergsack nicht unerwähnt lassen, dann sind wir, sobald
wir die Büchse auf die Schulter werfen, zum Marsch gerüstet, und wenn die
Sonne morgen früh über die Berge schaut, findet sie uns hoch über dem Nebel
droben.
Der Bergsack ist, wie Alles was der Alpenjäger braucht und mit sich trägt,
so einfach, leicht und praktisch wie nur irgend möglich eingerichtet. Er
besteht aus einem grünleinenen Sack, der hinten mit einem starken Seil
auf und zu geschnürt werden kann, und auf dem Rücken, wo er keine
Bewegung hindert, mit zwei Achselbändern getragen wird. Er ist dabei so
zusammengefaltet daß er, wenn der Jäger nur sein Bischen Proviant, seine
Steigeisen, seine Munition und etwas Wäsche oder seine Regenjoppe darin
hat, ganz klein aussieht, soweit läßt er sich aber ausbreiten, mit
Leichtigkeit den größten Gemsbock noch obendrein mit aufzunehmen. Die
»Gams« wird dann so zusammengelegt, daß Kopf und Läufe ineinandergeschoben
oben auf kommen, und nur die äußersten Spitzen der Läufe mit den Krickeln
(Hörner der Gemse) zum Schlitz herausschauen.
[Illustration: Das Jagdschloss.]
2.
Hinauf!
Wir sind gerüstet! -- Drüben im Westen neigt sich schon die Sonne den hohen
Jochen zu, und nach dem rasch eingenommenen Mahl geht es hinauf in die
Berge, zur fröhlichen Jagd.
Wie sich das so wunderbar leicht mit den nackten Knieen steigt -- denn alle
Schützen, ohne Ausnahme haben jetzt schon die Tracht der Gebirgsbewohner
angelegt. -- Wie sich das Bein so frei da biegt, und Arme und Bergstock
mit eifriger Gefälligkeit nachhelfen, den hochaufathmenden Jäger bergan zu
bringen -- und wie die Lungenflügel sich so weit bewegen! Man fragt sich
selber oft erstaunt: »wirst Du denn nur gar nicht müde?« -- denn höher
immer höher hinauf zieht sich der zickzacklaufende Reitsteg dem wir jetzt
folgen. Müde? -- das Wort kennt man kaum in den Bergen, und wenn man
wirklich einmal nach einer gar zu steilen anstrengenden Tour zum Tode
erschöpft glaubt niedersinken zu müssen, und dann den Gliedern nur wenige
Minuten Ruhe gönnt, ist alles Ueberstandene im Handumdrehen vergessen.
Das Jagdschloß liegt schon etwa 3000 Fuß über der Meeresfläche und
steil auf führt der Weg uns nun empor; erst durch prächtige Buchen- und
Ahornwälder, in die hinein die dunkle schlanke Tanne ihre dichten Zweige
reckt, dann kommt die Birke mit dem weißen Stamm, die Espe, Eller,
Eberesche und hie und da ein Krummholzkiefer- oder Laatschendickicht, mit
dem der Jäger wohl bald weit mehr und näher bekannt werden soll, als ihm
manchmal lieb ist. Jetzt wird das jedoch nicht sonderlich beachtet.
Der ausgehauene Weg führt hindurch und man bemerkt entweder die
weitausreichenden zähen Zweige nicht, oder kann sie auch nicht gleich
ordentlich übersehn. Zuviel des Neuen bietet sich überhaupt nach allen
Seiten hin dem Blick, das Einzelne zugleich mit zu erfassen.
Noch aber sind wir fortwährend in diesem Wald bergauf gestiegen, und die
überhängenden Zweige der Tannen, wie das dichte Unterholz mit den Laatschen
zusammen, hindert die Aussicht in's Freie. Höher und höher steigen wir so,
und lauter und lauter rauscht unten im Thal die Riß, die am Fuß des Bergs
nur eben mit leisem Plätschern vorüberquoll, hier aber den Ton, durch die
Wände zusammengedrängt in vollen Accorden nach oben sendet. Reiner wird
hier der Himmel, leichter die Luft und unwillkürlich packt man, im Gefühl
der eigenen Kraft, den Bergstock fester.
Wild giebt es hier freilich noch nicht; der Pfad ist schon an dem Morgen
von den Trägern begangen worden, das Nöthigste an Provisionen, Betten und
Geschirr hinaufzuschaffen, und der Wald ist auch zu dicht, weit darin auf
oder ab sehn zu können -- aber Rothwild spürt sich im Pfad. Hier ist
ein starker Hirsch hinaufgewechselt; dort sind ein paar Stück Wild --
wahrscheinlich ein Alt- und Schmalthier demselben eine Strecke gefolgt
und haben sich dann links hinein in die Klamm oder Schlucht gezogen.
Das Rothwild liebt überhaupt mehr als die Gemse einen bequemen Pfad, und
benutzt die Pirschwege außerordentlich gern.
Höher, immer höher kommen wir hinauf; die Kiefern und Tannen werden
immer niedriger und stehn dünner, die Buchenregion haben wir schon längst
verlassen, wo das fatal raschelnde gelbe Laub den Boden bedeckt, den
pirschenden Jäger zu doppelter Vorsicht nöthigt, und geräuschloses
Anschleichen oft ganz unmöglich macht. Hier beginnt die »Laatsche« ihr
Regiment und eine offene Stelle erreichend, von der aus der Blick frei nach
dem gegenüber liegenden Gebirgshang, über das Thal weg schweifen kann, hebt
ein plötzliches, überraschtes »Ach!« die Brust. Vergessen ist das Steigen,
vergessen Alles um uns her in dem einen, wundervollen Schauspiel, das sich
dem erstaunten, jubelnden Blick da bietet.
[Illustration]
Dort drüben vor uns, dem Blick scheinbar so nah, daß man glauben könnte
mit einer Büchsenkugel die Wände zu erreichen, während sie in der That in
gerader Richtung wohl eine Stunde und weiter entfernt liegen, steigt die
riesige Gruppe des Falken empor, und wie gewaltig ist der Fels gewachsen,
seit wir ihn von unten zum letzten Male sahen. Dort schien er nur ein
breitgedrängter, mit Nadelholz dicht bewachsener Berg, aus dem sich eine
graue Felsenkuppe, nicht eben übermäßig hoch erhob. -- Jetzt, nachdem wir
fast eine Stunde gestiegen, und uns die Umrisse des ganzen Gebirgs scharf
und klar in's Auge fallen, sehen wir daß wir noch nicht einmal die Höhe des
gegenüberliegenden höchsten Fichtenwaldes erreicht, und weit weit darüber
hinaus, wie ein Gebirg von Fels und Schlucht, während der blaue Aether
ihn durchsichtig und leicht umfließt, thürmt sich ein riesiger Block von
Felsenmassen auf, in dem sich wieder Berg und Thäler bilden. Die mächtigen
Tannen die an ihm mehre tausend Fuß emporsteigen, sehn kaum Zoll hoch aus;
die stattlichen Krummholzkiefern deren Büsche von zehn bis funfzehn Fuß
Höhe halten, gleichen grünem Moos, das auf den nackten Flächen liegt, und
schroff und steil, zerspalten und eingerissen mit furchtbaren Schluchten,
für die der Blick noch nicht einmal den Maßstab hat, hebt sich die
colossale Masse unfruchtbaren kahlen Kalkgesteins empor.
Diese Kegel, Kuppen und Joche muß man aber selber erst einmal, wenigstens
zum Theil, bestiegen haben, um einen Begriff ihrer Höhe und Entfernung
zu erhalten. Ueberhaupt täuscht die feine, reine Luft oben auf der Höhe,
selbst beim Schießen, ungemein, und Gegenstände die dem Anschein nach nur
geringe Entfernung haben, weichen zurück, wenn man sich ihnen nähern will.
Bis in's Unglaubliche hinein betrügt man sich ganz vorzüglich, wenn man
irgend einen gegenüberliegenden Hang erreichen will. Ein Berg liegt vor
uns, ein kleines, dem Anscheine nach nicht sehr tiefes Thal dazwischen;
man denkt in einer halben Stunde wenigstens an der anderen Seite sein zu
können, und hat in einer Stunde kaum den unten fließenden Bach erreicht.
An den von Holz entblößten Almen sieht man oft weite offene Flächen, die
so glatt und eben ausschauen, als ob man aus weiter Ferne jeden darüber
springenden Hasen erkennen müßte, und hat man sich endlich über vorher gar
nicht bemerkte Hindernisse mit Mühe und Noth zu ihnen durchgearbeitet, so
findet man Hügel und Thäler in dem was man für glatten Boden gehalten, und
Risse und Spalten in denen ein Reiter unbemerkt und vollkommen gedeckt,
hinreiten könnte. So arg ist die Augentäuschung in den Bergen, und deshalb
wird auch nie ein Gemälde, mag es noch so treu und gewissenhaft, und von
der Hand des größten Künstlers aufgenommen sein, die ungeheuere Größe jener
Berge, das Riesige der Umrisse wiedergeben können, denn dem Beschauer fehlt
eben der Maßstab den er an solch ein Gemälde legen könnte -- täuscht ihn
doch selber die Natur.
Aber wir müssen weiter. Im Gebüsch zwitschert das Goldhähnchen und piept
die Meise und sucht sich ihr Ruheplätzchen für den dunkelnden Abend. Noch
glühen zwar jene Kuppen im Licht der scheidenden Sonne; in den Thälern da
unten, deren Uebersicht uns hier im dicken Unterholze abgeschnitten ist,
lagert sich aber schon die Nacht, zieht sich die weiße Nebeldecke langsam
an den Zipfeln aus Felsenspalte und Waldesschlucht heraus, und schmiegt
sich tief hinein in's weiche Bett.
_Wir_ haben noch ein tüchtig Stück zu steigen; doch mit dem Abend wird die
Luft so kühl und frisch, so geheimnißvoll rauscht dazu der Strom unten im
Thale hin, und zirpt die Grille tief im Dickicht drin, daß man recht gut
noch einmal so rasch vorwärts rücken könnte -- wenn sich eben die Kuppen
hinter uns nicht gar so wundervoll und wechselnd färbten, und den Wanderer
wieder und wieder zwängen stehn zu bleiben, mit durstigem Auge jenes
Götterschauspiel einzusaugen.
Wie der »Stuhlkopf« und die »rothe Wand« dort hinten im rosigen Licht der
untergehenden Sonne glühn, die zwischen den hohen Kuppen der beiden Falken
durch ebenfalls noch ihre Streiflichter wirft, und an dem zackigen Gemsjoch
wie der abgeplatteten Spitze des Sonnenjochs die letzten Strahlen bricht.
Und immer lichter werden dort die Höhn, immer durchsichtiger, duftiger
wird das graue schwere Gestein das, wenn auch scharf abgezeichnet gegen den
reinen Horizont, doch mit dem Aether zu verschwimmen scheint. Und grüner,
dunkler wird der Wald, schattiger das Thal; mit tieferem Blau färbt sich
der Himmel und düsterer und wilder wird drüben der Bergeswall, der jetzt
nur noch die dunkeln Schattenwände zeigt und in den innern Conturen schon
in einander fließt. Einzelne Sterne blitzen am Himmel auf, und wie sich im
Westen dort am hellen Aetherrand mit schwarzen schroffgerissenen Linien
die oberen Joche abschneiden, liegt die andere Welt in tiefer, schweigender
Nacht. Stärker rauscht dazu der Strom, als ob er eiliger hinaus wollte aus
den dunkeln Thälern, in's Freie nieder. Heimlicher säuselt der Wald von
einem leichten Süd-West bewegt, der flüsternd, und mit den thaufeuchten
Zweigen kosend, das Thal hinauf weht, und über den ganzen weiten Himmel
ausgegossen, ist plötzlich der Sterne funkelnder Glanz.
Und dort liegt die Pirschhütte; hellblinkend schauen die neuen Breter aus
dem dichten Grün der Laatschen vor; aus dem verhangenen Fenster schimmert
Licht, und nebenan leuchtet aus einem anderen kleinen Haus der Feuerschein
vom Kamin der Jäger herüber. Die Schweißhunde schlagen an; die Jäger die
ein paar Stunden vorausgeschickt waren, springen vor die Thür, und der
Herr betritt, freundlich grüßend, zum ersten Mal wieder und mit leuchtendem
Blick sein Pirschhaus zu Steileck, die stille Jägerhütte in den Alpen.
Zur Toilette braucht's da oben wenig Zeit, die ist in den Bergen rasch
beendet, und jetzt kommt eigentlich der schönste Augenblick: Der Jägerrath,
der Bericht der Leute wie's in den Bergen steht, und was am Besten jetzt zu
thun sei, dem scheuen Wilde beizukommen.
»Rainer soll herein kommen!«
Wenige Minuten später geht die Thür auf und Rainer, der grad' vom Essen
aufgesprungen ist tritt, sich noch geschwind den Mund in der Thür wischend,
in's kleine Gemach. Er war schon eine Zeit lang vorher heraufgeschickt
worden, das Terrain, das er selber aus früheren Jahren genau kennt, zu
recognosciren, die verschiedenen Joche und Klammen, wie die eingerissenen
scharfen Schluchten -- Gräben, wie die breiten Seitenthäler genannt werden
-- abzuäugen, und von den verschiedenen dort stationirten oder mit der
Ueberwachung beauftragten Jägern Erkundigungen einzuziehen.
Rainer ist aber an sich selber eine viel zu interessante Persönlichkeit,
ihn so ohne Weiteres, und ohne etwas nähere Beschreibung einzuführen.
Bei Tafel unten im Schloß im schwarzen Frack, schwarzen langen Hosen und
steifer Halsbinde mit aufwartend, giebt es kaum eine steifere, unbeholfener
aussehende Figur als ihn, und wie verwandelt ist der Mann, wenn er in
die freie Bergtracht hinein, und mit Knieen und Hals aus den beengenden
Kleidern herausfahren kann. Es ist ordentlich als ob er mit
der Tyroler-Joppe und dem spitzen Hut, den kurzen Hosen und den
eisenbeschlagenen Schuhen auch einen anderen Menschen angezogen -- und das
geschah auch in der That. Jede seiner Bewegungen ist frei und natürlich,
und das charakteristisch geschnittene Gesicht mit dem blonden, sorgfältig
gepflegten Bart, die klugen, hellen Augen und der sehnige Körper, machen
ihn zu einem tüchtigen Repräsentanten des ganzen Jägervolks.
[Illustration]
Seine Worte setzt er freilich manchmal, als ob er doch noch im schwarzen
Frack stäcke, und ich weiß auch nicht ob er sich selber nicht vielleicht
ganz gern darin sieht, -- wenn das der Fall wäre hätte er unrecht.
Rainer hat die Schweißhunde unter sich, und selber einen kleinen Dachs, der
sogar in den Alpen seinesgleichen auf der Fährte sucht. Bergmännle spielt
eine zu bedeutende Rolle auf der Nachsuche, ihn unerwähnt zu lassen, und
manches angeschossene Stück hat der kleine unerschrockene und unverdrossene
Teckel schon gefunden und gestellt.
»Nun Rainer wie steht's? ist noch 'was da?«
»Nu ich denk' Hocheit -- s' sieht gut aus;« lautete die vergnügt lächelnde
Antwort, und Rainer holt sich indeß mit den Augen seinen Dank für die gute
Botschaft von sämmtlichen Gesichtern.
»So? -- hast Du Gemsen gesehn?«
»Sehn thut man gerade nicht viel, aber spüren überall -- nur noch nicht
recht oben auf den Alpen. Es ist noch zu warm, und sie stehn drin in den
Gräben.«
»Aber Du hast doch auch welche _gesehn_?«
»Ei ja wohl. Gestern war ich drüben an dem Leckbach, da standen drei Rudel
auf den Reißen, eins von zwölf, eins von sieben und eins von funfzehn
Stück. Capitalgemsen und eine Menge Kitzgeisen dazwischen.«
»Und keine Böcke?«
»Nachher guckt ich in die Delpz nur so von oben hinein, da standen dicht
unter der Wand drei Capitalböcke -- Einer schußrecht; und unten drin war
ein Rudel von elf Stück -- und noch zwei Böcke.«
Des Herrn Augen leuchteten.
»Also es _giebt_ Gemsen?«
»Ich sollt's meinen,« sagt Rainer mit vergnügtem Gesicht. »Und besonders
viel Kitzen hab' ich gesehn. Der Weinseisen hat auch gestern zwei starke
Rudel an der Luderstauden[1] gespürt, und einen mordmäßig starken Bock
gesehn. Er soll Krickeln aufgehabt haben _so_ hoch, und der Bart hat
ordentlich in Wind geweht.«
[1]: Luderstauden heißen dort die Alpenerlbüsche.
»Wo war das?«
»Gleich dort oben auf dem Roßkopf.«
»Das ist der alte Bursch,« lacht der Jagdherr, »der uns schon drei Jahre
zum Besten gehabt hat; der ist zu schlau, den bekommen wir nicht.«
»Nu, vielleicht fallirt's ihm doch einmal,« sagt Rainer, eins seiner
schwarzen-Frack Worte riskirend.
»Nun, und drüben am Grasberg? -- an der Fleischbank oben, und in den
Gräben?«
»Gemsen sind überall,« lautet die Antwort, »man sieht sie aber da herum nur
selten, weil sie in den Dickichten drin stecken.«
»Hast Du am Waldeck etwas gespürt?«
»_Leer_ ist's nicht,« weicht hier Rainer vorsichtig aus, denn
wahrscheinlich wird dort morgen zuerst gejagt, und er möchte nicht gern zu
große Erwartungen wecken, obgleich er auch dort Gemsen gesehen hat.
»Und drüben am Heimjoch, in der Laures und am Blunzjoch drüben?«
»Das ist ein Hauptplatz,« sagt Rainer und wird warm dabei -- »der Wastel
ist vorgestern mit dem großen Ragg drüben gewesen. -- Am Eiskönig soll's
ordentlich lebendig sein.«
»Also auf dieser Seite sieht's gut aus, und wie steht's drüben? Ist das
Pirschhaus im Laritter Thal fertig?«
»Sie hämmern noch drüben,« meint der Gefragte etwas kleinlaut, »soll aber
heute oder morgen fertig werden.«
»Und im Leichwald; am Falken?«
»Da wimmelt's,« versichert Rainer. -- »Am Falken -- das giebt ein
Haupttreiben, da stehn wenigstens 200 Gemsen.«
Der hohe Herr zieht ein bedenkliches Gesicht und schüttelt den Kopf, Rainer
aber, durch den Zweifel gekränkt fährt eifrig fort »Hocheit, sollen mir den
Hals abschneiden, wenn's nicht wahr ist.«
Da von dem Anerbieten für jetzt noch kein Gebrauch gemacht wird, ergeht er
sich dann in näherer Beschreibung des Terrains und der dortigen Rudel, die
allerdings das Außerordentlichste verspricht. Beiläufig muß ich aber hier
nur bemerken, daß dies berühmte Falkentreiben später wirklich gemacht wurde
und statt der 200 Stück versprochenen Gemsen, _sieben_ darin waren, aber
nicht zum Schuß kamen. Rainer erwähnte dabei nichts weiter von seinem Hals.
»Und wie steht's mit dem Rothwild?« geht nun die Frage auf den anderen
Zweig der Jagd über, der allerdings jetzt nicht zur Ausübung kommt, da die
Jahreszeit für die Hirsche schon zu weit vorgerückt ist, und diese schon
fast sämmtlich abgebrunftet haben.
»Drüben am Roßkopf haben zwei starke Hirsche noch gestern geschrien; an
dem Leckbach drei -- Hirsche hört man überall und Wildpret spürt sich auch
überall auf den Pirschwegen.«
»Aber viel eingegangen ist doch im letzten Winter?«
»Acht Stück sind im Ganzen gefunden,« lautet die traurige Bestätigung, denn
der Winter war gar zu streng, der Schnee zu tief und dauernd, und das
arme Wild konnte nicht dagegen ankämpfen. Starke Hirsche selbst wurden,
im Schnee stehend, todt entdeckt, und auch viel Rehwild war eingegangen.
Rehwild hält sich überhaupt nur spärlich in den Bergen.
»Und was machen wir morgen?« lautet jetzt die direkt auf die Gegenwart
bezughabende Frage -- »was hast Du Dir gedacht?«
»Nun ich dachte so -- wenn Hocheit vielleicht morgen oben die Fleischbank
trieben oder den Waldeckelgraben -- leer ist's nicht, und schießen thäten's
gewiß; dafür bin ich beinah ganz überzeugt.«
»Und wie wollt Ihr's treiben?«
»Nun ich dachte so, daß der Wastel und Weinseisen mit dem großen Ragg vom
unteren Pirschweg den Graben dußemang heraufstiegen und sich nur manchmal
sehn ließen und ich mit dem Martin dann die Wand von drüben herein
brächte.«
»Und ich soll mich dann oben an den Graben stellen?«
»So war meine Meinung -- wenn Sr. Hocheit was Besseres wissen --«
»Und da treibt Ihr mir die Gemsen ruhig in den Seitengräben hinauf; denn
daß Ihr sie nicht bis oben hin bringt, wißt Ihr, und ich stehe zum Spaß
dort zwei oder drei Stunden lang.«
»Wenn's da nicht wenigstens vier, fünfmal schießen, sollen Sie mir den Hals
abschneiden,« erbietet sich Rainer zum zweiten Mal leichtsinniger Weise --
»die anderen Schützen stellen wir dann an der hervorderigen Seite oben und
unten hin.«
»Nun gut,« sagt der Herr resignirt, »dann kommen die Herren wenigstens zum
Schuß, _ich_ aber stehe zur Abwehr da oben. Du wirst sehen.«
Rainer macht eine halb verzweifelte, halb unglückliche Geberde über das
schmerzende Mistrauen, schweigt aber --
»Sonst noch etwas?«
»Draußen« sagt Rainer, der überhaupt dem Gespräch eine andere Richtung zu
geben wünscht »steht der neue Jäger von der Au. Hocheit haben ihn hieher
beordert, und er wünscht unterthänigst den Grund seines Daseins zu wissen.«
»Er soll nur kommen.« Alle lachten.
Rainer ist entlassen, und gleich darauf tritt ein anderer erst kürzlich
einberufener Jäger aus den entfernteren Thälern, mit einer kurz
abgeknickten Verbeugung, aber mit offenem, freundlichen Gesicht herein,
und bleibt nicht etwa schüchtern an der Thür stehn, sondern geht gerade auf
seinen Herrn zu.
»Nun, Johann, wie steht es bei Euch da drüben?«
»Gut,« sagte der Mann mit einem kurzen, ihm eigenthümlichen Kopfnicken,
indem er seinen Hut in der Hand rasch herumdreht -- »es macht sich mit den
Gemsen.«
»Sind starke Rudel drüben?«
»Nu ja,« nickt der Jäger und lehnt sich mit dem Ellbogen zutraulich auf die
hohe Lehne desselben Stuhles, auf dem der Herr sitzt. Dieser lächelt still
vor sich hin, läßt aber den Mann gewähren. Es ist ein braver Bursch und
wenn er die Sitte draußen im Land nicht kennt, weiß er dafür desto besser
in seinen Bergen Bescheid. »Es giebt schon hübsche Rudel drüben, und
besonders viel Kitzgeißen das Jahr.«
»Und der Winter hat ihnen nichts gethan?«
»Ih -- ich denk,« lächelt der Jäger kopfschüttelnd, »wenn nicht einmal eine
oder die andere von einer Lawine erwischt wird -- im Uebrigen hat's keine
Noth.«
Es folgt jetzt ein ausführlicher, ziemlich befriedigender Bericht
des dortigen Gems- und Wildstandes, und der Jäger wird endlich wieder
freundlich entlassen.
Die Nacht ist jetzt weiter vorgerückt, und die heutige noch ungewohnte
Anstrengung, mit der feineren reineren Bergluft macht auch ihr Anrecht
geltend, als der Ruf »da schreit ein Hirsch!« von draußen, halbflüsternd
aber doch laut genug hereintönt, die Aufmerksamkeit rasch dorthin zu
lenken. --
Wir treten hinaus vor die Thür. -- Wie still die Nacht hier auf den Bergen
liegt. Nur das Rauschen des Stromes tönt herauf, und das einzelne Zirpen
einer Grille mischt sich in das leise heimliche Flüstern und Rascheln der
Zweige. -- Drüben liegen in schweigender Majestät schwarz und düster
die mächtigen Bergrücken wie schlummernde Riesen -- kein Laut weiter
unterbricht die Todtenstille.
»Huh -- a -- h!« tönt da langsam und faul, aber tief und gewaltig der
Brunftschrei eines starken Hirsches weit aus dem unten liegenden Thal
herauf.
»Das ist ein braver Hirsch,« geht der leise geflüsterte Ruf, den
Schreienden nicht etwa zu stören und »da ist noch Einer« ruft Martin,
als drüben vom »Roßkopf« herüber ein anderer schwächerer herausfordernd
antwortete.
Wie wunderbar das in dem stillen Walde klingt; wie seltsam feierlich, und
doch so wild. Nur das Herz des Jägers füllt der Ton mit unbeschreiblichem
Entzücken. -- Was ist Nachtigallenschlag, was irgend eine Symphonie
dagegen, die sonst im Lande drin vielleicht sein Herz entzückt. _Das_ ist
Musik, das zittert durch die Nerven, und macht das Herz rascher schlagen,
das Auge glühn und leuchten.
-- Jetzt ist wieder Alles still -- da noch einmal tönt der Ruf herauf, aber
weiter nach rechts. Der alte Bursch unten hat die Ausforderung angenommen
und zieht hinüber nach dem andern Hang, den Gegner zu bekämpfen oder zu
vertreiben. -- Nun ist Alles ruhig; -- nur die Grille zirpt fort, und der
Bergstrom unten rauscht sein volltönendes brausendes Lied durch die stille
Nacht. --
Es ist das überhaupt ein eigenthümliches Gefühl, das den aus dem unteren
Land heraufgekommenen Jäger die erste Nacht erfaßt -- diese ungewohnte
heilige Stille der Natur. Kein Wagenrasseln, kein Nachtwächterruf, kein
Glockenschlag, kein lauter Tritt der durch öde Straßen hallt -- es ist
Alles Frieden und Ruhe, als ob hier oben gar keine Leidenschaften
tobten und stürmten. Nur das leise Flüstern des Laubes legt mit sanftem,
wohlthuenden Finger den Schlaf auf unsere Augen -- und wie gut schläft
sich's in den Bergen.
[Illustration: =Das Aufsteigen.=]
3.
Aufbruch zur Jagd.
-- -- -- Draußen schlägt ein Hund an -- der langsame Schritt eines Jägers
auf dem Steinboden wird laut; -- durch das verhangene Fenster dringt
der erste dämmernde Schimmer des jungen Tags -- der erste freudige Bote
begonnener Gemsenjagd.
Frisch und stärkend schlägt die kühle Morgenluft in das weit geöffnete
Fenster und dort? -- träume ich denn noch oder wach' ich, und _kann_ das
wundervolle Bild das dort, den staunenden Blicken ausgebreitet in all
seiner Pracht und Herrlichkeit liegt, Wahrheit -- Wirklichkeit sein?
Gerad gegenüber, und hoch in die reine duftige Morgenluft hineingebaut,
ragen die grauen lichtumflossenen Kuppen der Falken hinein -- rechts hebt
der Stuhlkopf sein breites mächtiges Joch, und tief da unten, weit zwischen
beiden hinein, und im Hintergrund von einer schroffen wallartigen Wand, dem
Carvendelgebirge begrenzt, zieht sich ein tiefes grünes Thal, in das der
Schöpfer zu dieser frühen Morgenstunde all seine wunderbarsten Tinten
und Schatten, von all der zauberhaften Pracht der Alpenwelt übergossen,
hineingeworfen hat.
Vom Carvendelgebirge nieder springt der Johannisbach wie ein
silberschlängelnder Faden zwischen dichtem Waldesteppich durch, der rechts
und links in leichten wellenförmigen, selten schroffauflaufenden Hügeln die
Seitenwand erklimmt. Kleine saftgrüne Grasflächen, hie und da mit Spuren
hineingestreuter Hütten und Einfriedungen sind dazwischen sichtbar, und
über dem Ganzen liegt ein leichter, durchsichtiger blauer Duft, der in dem
dunklen Grün der Tannen über dem Silber des Baches, über dem Lichtgrau der
in die Wälder hineinragenden Reißen seine Schattirung wechselt, während
klar und schroff die hohen nackten Kuppen und Joche der umschließenden
Gebirge dies wunderbare Meer von Licht und Farbenpracht überragen. --
Jetzt plötzlich erglühen diese in dem ersten Strahl der aufgehenden Sonne,
während ihre Zacken in ganz fremdartigem Licht und Raumtäuschung die
weiten Schatten werfen, und unten im Johannisthal zittert, von den oben
hellerleuchteten Wänden reflectirt, ein mattes rosiges Licht über
das bläulich dunkle Grün der Waldung, das gegen den fremden Schimmer
anzukämpfen scheint. Farben führen aber nur auf schlechten Bildern
und geschmacklosen Kleidern Krieg mit einander; in der Natur ist Alles
Harmonie. In wenigen Minuten ist das Ganze zu einem Rosenduft verschmolzen,
in dem die tiefe Landschaft glühend liegt. Wie aus dem Grund heraus heben
sich dabei die dunkleren Schatten der Waldung mit ihren eingerissenen
und jetzt weit schärfer hervortretenden schwarzen Schluchten und Spalten;
klarer schneidet sich der silberhelle blinkende Bach heraus, auf dem das
Auge jetzt schon die kleinen schneeweißen Schaumwellen erkennen kann. --
Der Rosenhauch geht in einen helleren, lichteren Duft über, und wie die
Sonne drüben hinter dem Sonnenjoch emporsteigt und ihre Strahlen hell und
mächtig in die Thäler wirft, schwinden die zitternden Tinten der Morgenluft
in ihrem Schein und -- es ist _Tag_.
Heiliger Gott, wie ist deine Welt so schön und reich, daß du selbst in die
geheimsten Schluchten dieser Erde solch wunderbare Pracht gestreut. Worte
fehlen da auch, solcher Allmacht gegenüber, und wie die Lerche draußen im
Land wirbelnd ihr frohes Dankgebet zum Himmel trägt, wie der duftende Baum
sein Weihrauchopfer haucht, wie die Berge, im Wiederglanz des himmlischen
Lichts höher und freudiger erglühn, so bringt die zitternde Thräne im
Menschenauge, bringt das jubelnde Herz in Menschenbrust dem unerkannten
Wesen über uns seinen stillen Dank, den es mit Worten und Gebeten nimmer so
heiß, so glühend sprechen könnte.
Und doch vergessen ist im Nu die vor uns ausgebreitete Pracht und
Herrlichkeit. --
»Da drüben steht ein Hirsch!« ruft mit seiner heiseren Stimme Martin (kein
_Tyroler_ Jäger), der ein Auge wie der Falke hat -- »und dahinter noch zwei
Stück Wild!« Zu gleicher Zeit zieht er das immer händige Perspectiv hervor
und richtet es nach dem Hang des Roßkopfs hinüber, der in einer Entfernung
vor uns liegt als ob ihn eine Büchsenkugel leicht erreichen müßte.
Vergebens aber sucht das Auge, noch nicht an diese Lichttäuschung in der
Ferne gewöhnt, durch die offenen Blößen des dort ziemlich lichten Waldes,
nach dem gemeldeten Wild. Nirgends läßt sich auch nur das geringste
Lebendige erkennen.
»Dort weiter oben steht auch noch ein Altthier mit einem Schmalthier, und
links davon ein Sechsender. -- Donnerwetter, ist das da unten ein
starker Hirsch!« murmelt Martin dabei vor sich hin, indem er durch sein
ausgezogenes »Bergspectiv« (wie es die Tyroler nennen) hinüber schaut.
»Aber wo? um Gottes Willen?«
»Gerad dort drüben auf der offenen Stelle; dicht neben der umgefallenen
Tanne, wo der gelbe Fleck im Boden ist -- gleich links darüber.« --
Der gelbe Punkt? -- wenn man nach einem Kaninchen ausgeschaut hätte, würde
man etwa ein lebendes Wesen von _der_ Größe in _der_ Entfernung erwartet
haben, und jetzt ist das ein starker Hirsch, zehn- oder zwölfendig, der
sich dort ruhig an der Lanne im Walde äst, und nur manchmal nach den, nicht
weit über ihm stehenden Thieren auf äugt. Jetzt wird der Blick auch erst
auf die verhältnißmäßige Größe der Bäume aufmerksam, die da drüben wie
zierlicher Nipptischschmuck, trotz der Entfernung in der reinen Luft mit
jedem kleinen ausgezackten Zweig fast sichtbar, stehn, und steigt man zu
ihnen hinüber, zu mächtigen Stämmen anwachsen.
Das Wild äst sich indessen langsam in die Dickung hinein -- wird wieder auf
einer kleinen Blöße sichtbar, und verschwindet endlich in den Laatschen.
Aber die kostbare Zeit verschwindet ebenfalls, und rasch wird das leichte
Frühstück eingenommen, das nur ein kleines Intermezzo draußen nicht etwa
stört, sondern eher noch würzt.
[Illustration]
Der rothe Schweißhund, Pirschmann, von guter tüchtiger Race -- ob aus
misverstandenem Eifer oder Langeweile -- es läßt sich kaum vermuthen aus
eigennützigen Zwecken -- hat den etwas primitiv angelegten Keller auf
seiner nächtlichen Runde entdeckt, und der dort niedergelegte Kern eines
gekochten Schinkens war verschwunden. Pirschmann läugnete allerdings
hartnäckig, oder weigerte sich wenigstens, wozu er auch nicht gezwungen
werden konnte, gegen sich selber zu zeugen; und Rainer dem die Ueberwachung
der Hunde übertragen, bekam vom Mundkoch die von ein oder dem andern
verdiente Nase.
Aber keine Zeit ist's mehr für solche Dinge. Die Jäger stehn draußen
gerüstet, den Bergsack auf dem Rücken, den Stock in der Hand, die
Büchsflinte oder den Wender über der linken Achsel; die Sonne scheint voll
auf die markigen malerischen Gestalten, auf die offenen treuherzigen, und
oft doch so verschmitzten Züge, und geduldig harren sie des Zeichens zum
Aufbruch. --
»Und nun vorwärts!« ruft der Herr der Jagd, der in der leichten
Jägertracht, den Bergstock in der Hand, nur statt des spitzen zum Pirschen,
seiner Höhe und dunklen Farbe wegen nicht einmal ganz praktischen Tyroler
Hutes, eine einfach graue sehr leichte Mütze trägt. Die Jäger reißen, als
er an ihnen freundlich grüßend vorübergeht, rasch die Hüte herunter, und
während er den schmalen Pirschpfad voranschreitet folgen mit so wenig
Geräusch als möglich, die übrigen Schützen und Jäger in bunter Reihe und
ächt indianischem Marsch, Einer hinter dem Andern. -- Bietet der schmale
Weg doch oft kaum Raum für den einen Fuß. --
Langsam windet sich so der Zug bergauf. Der Tyroler Jäger und überhaupt der
Alpenjäger hat einen langsamen aber stäten Schritt; den aber behält er bei,
ob er eine sanfte Anhöhe, oder eine steile Wand ersteigt. Ruhig setzt er
Fuß vor Fuß, der Brust dazwischen Zeit zum Athmen lassend; aber er rastet
nie. Wenn er nicht pirschen geht, wo die ganze Jagd nur im Vorschleichen
und wieder Halten und Umheräugen und Lauschen besteht, fällt's ihm nicht
ein sich auszuruhen, Stunden lang, -- er müßte denn eine schwere Last mit
sich tragen. Die ächten Bergsteiger haben auch alle einen etwas vorwärts
gebogenen Gang, aber desto sichereren Schritt, und Schwindel kennen die
Leute nicht. Bricht ihnen nicht einmal an gefährlicher Stelle ein Stein
unter den Füßen weg, oder schleudern über ihnen losgegangene Gemsen auf
ihrer Flucht nicht lockeres Geröll auf sie nieder, das sie mit in den
Abgrund nimmt, so wandern sie auf ihren schwindelnden Bergpfaden und an
den hängenden Wänden so sicher hin, wie der Bewohner des flachen Landes
auf seinen breiten Straßen. Der Gefahr müssen sie aber doch stets in's Auge
sehn; der Tod lauert auf sie in mancherlei Gestalt und Art, und _weil_ sie
das wissen und ihm doch begegnen, deshalb auch ist ihr Blick so frei und
offen, ihr Schritt so fest und keck und männlich.
Jetzt haben wir den oberen Pirschpfad erreicht, und von der Stelle, an der
wir einen Augenblick halten, sehn wir das, vor einer halben Stunde etwa
verlassene Pirschhaus wie ein kleines aus Marzipan gebackenes Zuckerwerk
tief hinter uns im Schatten der Bäume liegen. Hell schimmert das Dach aus
der dunklen Umgebung vor, und heller noch jener schneeweiße Punkt der sich
daneben zeigt. Es ist der Mundkoch, der mit seiner weißen Jacke, Schürze
und Kappe vor seiner Thür stehend, die Jäger noch mit den Blicken am
Berggelände suchen will. Aber die Erd- und Steinfarben gekleideten
Gestalten sind lange aus seines Auges Bereich, und ihre Umrisse
verschwimmen mit dem Boden auf dem sie stehn.