Zwei Eheleute nicht weit von Segringen lebten miteinander in Friede
und Liebe, abgerechnet, dass sie bisweilen einen kleinen Wortwechsel
bekamen, wenn der Mann einen Stich hatte. Alsdann gab ein Wort das
andere. Das letzte aber gab gewöhnlich blaue Flecke. Zum Beispiel:
"Frau", sagte der Mann, "die Suppe ist wieder nicht genug gesalzen,
und ich hab' dir's doch schon so oft gesagt." Die Frau sagt: "Mir
ist sie so eben recht." Der Mann bekommt etwas Röte im Gesicht. "Du
unverständiges Maul, ist das eine Antwort einer Frau gegen ihren
Mann? Soll ich mich nach dir richten?" Die Frau erwidert: "Draussen
in der Küche ist das Salzfass. Ein ander Mal koch' dir selber, oder
sieh, wer dir kocht." Der Mann wird flammenrot und wirft der Frau
die Suppe samt dem Teller vor die Füsse. "Da, friss die Tränke
selber!" Jetzt geht's der Frau auf, wie wenn man ein Stellbrett
aufzieht, und das Wasser fliesst in die Läufe, und alle Mühlenräder
gehn an, und sie überschüttet ihn mit Schmähungen und Schimpfnamen,
die kein Mann gern hört, am wenigsten von einer Frau, am
allerwenigsten von seiner eigenen. Der Mann aber sagt: "Ich seh'
schon, ich muss dir den Rücken wieder ein wenig blau anstreichen mit
dem hegebuchenen Pinsel."--Solcher Liebkosungen endlich müde, ging
die Frau zu dem Pfarrherrn und klagte ihm ihre Not. Der Herr
Pfarrer, der ein feiner und kluger junger Mann war, merkte bald,
dass die Frau durch Widersprechen und Schimpfen gegen ihren Mann
selber schuld an seinen Misshandlungen sei. "Hat Euch mein seliger
Vorfahr nie von dem geweihten Wasser gegeben?" sagte er. "Kommt in
einer Stunde wieder zu mir!" Unterdessen goss er reines, frisches
Brunnenwasser in ein Fläschlein, das ungefähr einen Schoppen hielt,
versüsste es mit Zucker und liess ein Tröpflein Rosenöl darein
träufeln, dass es einen lieblichen Geruch gewann. "Dieses
Fläschlein", sagte er zu ihr, "müsst Ihr in Zukunft immer bei Euch
tragen, und so Euer Mann wieder aus dem Wirtshaus kommt und will
Euch Vorwürfe machen, so nehmt ein Schlücklein davon und behaltet's
im Munde, bis er wieder zufrieden ist. Alsdann wird seine
Wunderlichkeit nie mehr in Zorn ausbrechen, und er wird Euch keine
Schläge mehr geben können." Die Frau befolgte den Rat; das geweihte
Wasser bewährte seine Kraft, und die Nachbarsleute sagten oft
zusammen: "Unsere Nachbarn sind ganz anders geworden. Man hört
nichts mehr."--Merke!