Auf eine so sonderbare Weise ist Glück im Unglück und Unglück im
Glück noch selten beisammen gewesen wie in dem Schicksal zweier
Matrosen in dem letzten Seekrieg zwischen den Russen und Türken.
Denn in einer Seeschlacht, als es sehr hitzig zuging, die Kugeln
sausten, die Bretter und Mastbäume krachten, die Feuerbrände flogen,
da und dort brach auf einem Schiff die Flamme aus und konnte nicht
gelöscht werden. Es muss schrecklich sein, wenn man keine andere
Wahl hat, als dem Tod ins Wasser entgegenzuspringen oder im Feuer zu
verbrennen. Aber unsern zwei russischen Matrosen wurde diese Wahl
erspart. Ihr Schiff fing Feuer in der Pulverkammer und flog mit
entsetzlichem Krachen in die Luft. Beide Matrosen wurden mit in die
Höhe geschleudert, wirbelten unter sich und über sich in der Luft
herum, fielen nahe hinter der feindlichen Flotte wieder ins Meer
hinab und waren noch lebendig und unbeschädigt, und das war ein
Glück. Allein die Türken fuhren jetzt wie Drachen auf sie heraus,
zogen sie wie nasse Mäuse aus dem Wasser und brachten sie in ein
Schiff; und weil es Feinde waren, so war der Willkomm kurz. Man
fragte sie nicht lange, ob sie vor ihrer Abreise von der russischen
Flotte schon zu Mittag gegessen hätten oder nicht, sondern man legte
sie in den untersten feuchten und dunkeln Teil des Schiffes an
Ketten, und das war kein Glück. Unterdessen sausten die Kugeln fort,
die Bretter und Mastbäume krachten, die Feuerbrände flogen, und
paff! sprang auch das türkische Schiff, auf welchem die Gefangenen
waren, in tausend Trümmern in die Luft. Die Matrosen flogen mit,
kamen wieder neben der russischen Flotte ins Wasser herab, wurden
eilig von ihren Freunden hineingezogen und waren noch lebendig, und
das war ein grosses Glück. Allein für diese wiedererhaltene Freiheit
und für das zum zweiten Mal gerettete Leben mussten diese guten
Leute doch ein teures Opfer geben, nämlich die Beine. Diese Glieder
wurden ihnen beim Losschnellen von den Ketten, als das türkische
Schiff auffuhr, teils gebrochen, teils jämmerlich zerrissen und
mussten ihnen, sobald die Schlacht vorbei war, unter dem Knie weg
abgenommen werden, und das war wieder ein grosses Unglück. Doch
hielten beide die Operation aus und lebten in diesem Zustande noch
einige Jahre. Endlich starb doch einer nach dem andern, und das war
nach allem, was vorhergegangen war, nicht das Schlimmste.
Diese Geschichte hat ein glaubwürdiger Mann bekanntgemacht, welcher
beide Matrosen ohne Beine selber gesehen und die Erzählung davon aus
ihrem eigenen Munde gehört hat.