Es ist nichts lieblicher, als wenn bisweilen gekrönte Häupter sich
unerkannt zu dem gemeinen Mann herablassen, wie König Heinrich der
Vierte in Frankreich, sei es auch nur zu einem gutmütigen Spass.
Zu König Heinrichs des Vierten Zeiten ritt ein Bäuerlein vom Lande
her des Weges nach Paris. Nicht mehr weit von der Stadt gesellt sich
zu ihm ein anderer, gar stattlicher Reiter, welches der König war,
und sein kleines Gefolge blieb absichtlich in einiger Entfernung
zurück. "Woher des Landes, guter Freund?"--"Da und da her."--"Ihr
habt wohl Geschäfte in Paris?"--"Das und das; auch möchte ich gerne
unsern guten König einmal sehen, der so väterlich sein Volk liebt."
- Da lächelte der König und sagte: "Dazu kann Euch heute Gelegenheit
werden."--"Aber wenn ich nur auch wüsste, welcher es ist unter den
vielen, wenn ich ihn sehe!"--Der König sagte: "Dafür ist Rat. Ihr
dürft nur achtgeben, welcher den Hut allein auf dem Kopf behaltet,
wenn die andern ehrerbietig ihr Haupt entblössen." Also ritten sie
miteinander in Paris hinein, und zwar das Bäuerlein hübsch auf der
rechten Seite des Königs. Denn das kann nie fehlen. Was die liebe
Einfalt Ungeschicktes tun kann, sei es gute Meinung oder Zufall, das
tut sie. Aber ein gerader und unverkünstelter Bauersmann, was er tut
und sagt, das tut und sagt er mit ganzer Seele und sieht nicht um
sich, was geschieht, wenn's ihn nichts angeht. Also gab auch der
unsrige dem König auf seine Fragen nach dem Landbau, nach seinen
Kindern, und ob er auch alle Sonntage ein Huhn im Topf habe,
gesprächige Antwort und merkte lange nichts. Endlich aber, als er
doch sah, wie sich alle Fenster öffneten und alle Strassen mit
Leuten sich füllten und alles rechts und links auswich und
ehrerbietig das Haupt entblösst hatte, ging ihm ein Licht auf.
"Herr", sagte er und schaute seinen unbekannten Begleiter mit
Bedenklichkeit und Zweifel an, "entweder seid Ihr der König oder ich
bin's. Denn wir zwei haben noch allein die Hüte auf dem Kopf." Da
lächelte der König und sagte: "Ich bin's. Wenn Ihr Euer Rösslein
eingestellt und Euer Geschäft versorgt habt", sagte er, " so kommt
zu mir in mein Schloss. Ich will Euch alsdann mit einem
Mittagssüpplein aufwarten und Euch auch meinen Ludwig zeigen."
Von dieser Geschichte her rührt das Sprichwort, wenn jemand in einer
Gesellschaft aus Vergessenheit oder Unverstand den Hut allein auf
dem Kopf behält, dass man ihn fragt: "Seid Ihr der König oder der
Bauer?"