Eine merkwürdige Abbitte

Das ist merkwürdig, dass an einem schlechten Menschen der Name eines

ehrlichen Mannes gar nicht haftet, und dass er durch solchen nur

ärger geschimpft ist.

Zwei Männer sassen in einem benachbarten Dorf zu gleicher Zeit im

Wirtshaus. Aber der eine von ihnen hatte bösen Leumund wegen

allerlei, und sah ihn und den Iltis niemand gern auf seinem Hof.

Aber beweisen vor dem Richter konnte man ihm nichts. Mit dem bekam

der andere Zwist im Wirtshaus, und im Unwillen und weil er ein Glas

Wein zuviel im Kopfe hatte, so sagte er zu ihm: "Du schlechter

Kerl!"--Damit kann einer zufrieden sein, wenn er's ist, und braucht

nicht mehr. Aber der war nicht zufrieden, wollte noch mehr haben,

schimpfte auch und verlangte Beweis. Da gab ein Wort das andere, und

es hiess: "Du Spitzbub! du Felddieb!"--Damit war er noch nicht

zufrieden, sondern ging vor den Richter. Da war nun freilich

derjenige, welcher geschimpft hatte, übel dran. Leugnen wollt' er

nicht, beweisen konnt' er nicht, weil er für das, was er wohl

wusste, keine Zeugen hatte, sondern er musste einen Gulden Strafe

erlegen, weil er einen ehrlichen Mann Spitzbube geheissen habe, und

ihm Abbitte tun, und dachte bei sich selber: Teurer Wein! Als er

aber die Strafe erlegt hatte, so sagte er: "Also einen Gulden kostet

es, gestrenger Herr, wenn man einen ehrlichen Mann einen Spitzbuben

nennt? Was kostet's denn, wenn man einmal in der Vergesslichkeit

oder sonst zu einem Spitzbuben sagt: Ehrlicher Mann?" Der Richter

lächelte und sagte: "Das kostet nichts, und damit ist niemand

geschimpft." Hierauf wendete sich der Beklagte zu dem Kläger um und

sagte: "Es ist mir leid, ehrlicher Mann! Nichts für ungut, ehrlicher

Mann! Adies, ehrlicher Mann!" Als der erboste Gegner das hörte und

wohl merkte, wie es gemeint war, wollte er noch einmal anfangen und

hielt sich jetzt für ärger beleidigt als vorher. Aber der Richter,

der ihn doch auch als einen verdächtigen Menschen kennen mochte,

sagte zu ihm, er könne jetzt zufrieden sein.

Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes Eine Auswahl aus verschiedenen Quellen · 第 108 / 197 题