In einer niederländischen Stadt in einem Wirtshaus waren viele Leute
beisammen, die einander einesteils kannten, zum Teil auch nicht.
Denn es war ein Markttag. Den Zundelfrieder kannte niemand. "Gebt
mir auch noch ein Schöpplein", sagte ein dicker, bürgerlich
gekleideter Mann zu dem Wirt und nahm eine Prise Tabak aus einer
schweren, silbernen Dose. Da sah der Zundelfrieder zu, wie ein
windiger, gewürfelter Gesell sich zu dem dicken Mann stellte, ein
Gespräch mit ihm anfing und ein paarmal wie von ungefähr nach der
Rocktasche schaute, in welche der Mann die Dose gesteckt hatte. Was
gilt's, dachte der Frieder, der führt auch etwas im Schild?
Anfänglich stand der Gesell. Hernach liess er ein Schöpplein kommen,
setzte sich auch auf den Bank und sprach mit dem Dicken allerlei
kuriose Sachen, woran dieser Mann viel Spass fand. Endlich kam ein
Dritter. "Exküse", sagte der Dritte, "kann man auch noch ein wenig
Platz hier haben?" Also rückte der windige Gesell ganz nahe an den
dicken Mann hin und diskurierte immer fort: "Ja", sagte er, "ich
habe mich ein Rechtes verwundert, als ich in dieses Land kam und
sah, wie die Windmühlen so flätig vom Winde umgetrieben werden. Bei
mir zulande geht das ganze Jahr kein Lüftlein. Also muss man die
Windmühlen anlegen, wo die Wachteln ihren Strich haben. Wenn nun im
Frühjahr die Milliontausend Wachteln kommen vom Meer her aus Afrika
und fliegen über die Mühlenräder, so fangen die Mühlen an zu gehen,
und wer in dieser Zeit nicht kann mahlen lassen, hat das ganze Jahr
kein Mehl im Haus." Darüber geriet der dicke Mann so ins Lachen,
dass ihm fast der Atem verging, und unterdessen hatte der schlaue
Gesell die Dose. "Aber jetzt hört auf", sagte der Dicke. "Es tut mir
weh im Kreuz", und schenkte ihm von seinem Wein auch ein Glas ein.
Als der Spitzbube ausgetrunken hatte, sagte er: "Der Wein ist gut.
Er treibt. Exküse", sagte er zu dem Dritten, der vorne an ihm sass,
"lasst mich einen Augenblick heraus!" Den Hut hatte er schon auf.
Als er aber zur Tür hinausging und fort wollte, ging ihm der
Zundelfrieder nach, nahm ihn draussen auf die Seite und sagte zu
ihm: "Wollt Ihr mir auf der Stelle meines Herrn Schwagers seine
silberne Dose herausgeben? Meint Ihr, ich hab's nicht gemerkt? Oder
soll ich Lärmen machen? Ich hab Euch schonen wollen vor den vielen
Leuten, die drin in der Stube sitzen." Als nun der Dieb sah, dass er
verraten sei, gab er zitternd dem Frieder die Dose her und bat ihn
vor Gott und nach Gott, stille zu sein. "Seht", sagte der Frieder,
"in solche Not kann man kommen, wenn man auf bösen Wegen geht. Euer
Leben lang lasst es Euch zur Warnung dienen. Unrecht Gut faselt
nicht. Ehrlich währt am längsten." Den Hut hatte der Freister auch
schon auf. Also gab er dem Gesellen noch eine Prise Tabak aus der
Dose und trug sie hernach zu einem Goldschmied.