Sonst hat der Hausfreund nie viel auf Gespenster gehalten, wenn
einem die Gespenster erscheinen; diesmal zwar auch nicht. Denn als
er eines Tages, es war aber Nacht, mit dem Adjunkt und mit dem
Vizepräsident durch den Brassenheimer Wald nach Hause ging; vornehme
Herren schämen sich nicht, mit ihm zu gehen und gut Freund zu sein,
absonderlich bei Nacht, wenn es niemand sieht, und wenn sie selber
froh sind, dass sie jemand begleitet; denn als wir aus dem Wald
kamen, schlug es 12 Uhr in Brassenheim, und die Mitternacht seufzte
in den Bäumen. Ein schwacher Wind wehte durch die finstere Nacht,
und der Himmel war verhängt; nur bisweilen schimmerte der abnehmende
Mond ein wenig durch die Wolken, wo sie am brüchigsten waren.
"Adjunkt", sagte der Vizepräsident, "wisst Ihr nichts zu erzählen?"
"Ja", sagte der Adjunkt: "die Hirschauer wollten Anno 3 eine Brücke
bauen, so stellten sie die Brücke der Länge nach in den Strom, denn
sie sagten: Es sieht besser aus, und wenn ein grosses Wasser kommt,
kann es besser an der Brücke vorbei und nimmt sie nicht mit."
"Adjunkt", sagte der Hausfreund, "sind wohl die Flinten zuerst
erfunden worden oder die Ladstecken?" Der Adjunkt sagte: "Die
Ladstecken. Denn sonst wäre es nicht der Mühe wert gewesen, die
Flinten zu erfinden, weil man sie doch nicht hätte laden können."
Als aber der Adjunkt niessen musste, drehte er den Kopf seitwärts
gegen das Feld und niesst. Indem er den Kopf seitwärts dreht, druckt
er sich auf einmal an den Hausfreund. "Habt Ihr nichts gesehn,
Hausfreund?" sagte er ängstlich und leise. "Eine schneeweisse Wolke
stieg aus der Erde auf, und in der Wolke stand ein schwarzer Mann
und hat mir gewinkt, ich soll kommen." "Warum seid Ihr nicht
gegangen?" sagte der Hausfreund. "Es sind Euch Funken aus den Augen
gefahren, weil Ihr habt niessen müssen." "Er hat das Feuer im Elsass
gesehen", sagte der Vizepräsident. Aber bald verging uns der Spass,
und die Mitternacht schauerte allen durch Mark und Bein. Denn im
nämlichen Augenblick erscheint wieder die weisse Wolke und in der
weissen Wolke die schwarze Gestalt und winkt. Weg war's wieder auf
einmal. "Habt Ihr's jetzt gesehen?" fragte der Adjunkt; "es ist gut,
dass der Herr Präsident bei uns ist, mit uns zweien machte er kurzen
Prozess." Aber der Präsident dachte, es ist gut, dass der Hausfreund
bei mir ist, dass ich mich an ihm heben kann. Denn allen zitterten
die Kniee, und der Mut stieg keinem sonderlich in die Höhe, aber das
Haar. Der Hausfreund will's einstweilen dem geneigten Leser zu raten
geben, was es war. Denn als wir wieder ein wenig zur Besinnung
gekommen waren, obgleich die Erscheinung wenigstens siebenmal
wiederkam, sagte endlich der Präsident: "Hausfreund, Ihr habt doch
am meisten getrunken in Neuhausen, so werdet Ihr auch den meisten
Mut haben; redet den Geist an!" Da rief der Hausfreund: "Alle guten
Geister! Schwarze Gestalt der Mitternacht, wer bist du?" Da rief der
Geist mit Zetergeschrei: "Ich bin der Xaveri Taubenkorn von
Brassenheim. Um unsrer lieben Frauen willen verschont mich!"
Merke: Der Taubenkorn ist ein unbescholtener Gerichtsmann in
Brassenheim und wirtet; also kennt ihn der Hausfreund wohl, und ist
ein lobenswerter Feldmann, dem keine Stunde in der Nacht zu spät
oder zu früh ist für seinen Acker. Als ihn nun der Hausfreund
fragte: "Xaveri, was treibt Ihr für Blendwerk? Seid Ihr mit dem
Bösen im Bund?"--sagte er: "Seid Ihr's, Hausfreund? Nein, ich
streue Ips auf meinen Kleeacker. Der Wind ist gut, und es kommt bald
ein linder Regen." Also, wenn er eine Handvoll Gips auswarf,
entstand die Wolke, ein wenig vom Mond erhellt, und man sah darin
den Xaveri wie einen Schatten, und wenn er die Hand zurückzog,
meinte man, er winke; aber wenn das Gipsmehl verflogen und gefallen
war, sah man nichts mehr.--"Ihr habt mich rechtschaffen
erschreckt", sagte der Xaveri zum Hausfreund, "denn ich habe nicht
anders geglaubt, als es beschreit mich ein Gespenst. Ein ander Mal
lasst Euere Possen bleiben."