Eines Tages wurde in Rheinfelden ein junger Mensch wegen eines
verübten Diebstahls an den Pranger gestellt, an das Halseisen, und
ein fremder, wohlgekleideter Mensch blieb die ganze Zeit unter den
Zuschauern stehen und verwandte kein Auge von ihm. Als aber der Dieb
nach einer Stunde herabgelassen wurde von seinem Ehrenposten und zum
Andenken noch 20 Prügel bekommen sollte, trat der Fremde zu dem
Hatschier, drückte ihm einen Kleinen Taler in die Hand und sagte:
"Setzt ihm die Prügel ein wenig kräftig auf, Herr Haltunsfest! Gebt
ihm die besten, die Ihr aufbringen könnt"; und der Hatschier mochte
schlagen, so stark er wollte, so rief der Fremde immer: "Besser!
Noch besser!" und den jungen Menschen auf der Schranne fragte er
bisweilen mit höhnischem Lachen: "Wie tut's, Bürschlein? Wie
schmeckt's?"
Als aber der Dieb zur Stadt war hinausgejagt worden, ging ihm der
Fremde von weitem nach, und als er ihn erreicht hatte auf dem Weg
nach Degerfelden, sagte er zu ihm: "Kennst du mich noch, Gutschick?"
Der junge Mensch sagte: "Euch werde ich so bald nicht vergessen.
Aber sagt mir doch, warum habt Ihr an meiner Schmach eine solche
Schadenfreude gehabt und an dem Pass, den mir der Hatschier mit dem
Weidenstumpen geschrieben hat, so ich doch Euch nicht bestohlen,
auch mein Leben lang sonst nicht beleidiget habe." Der Fremde sagte:
"Zur Warnung, weil du deine Sache so einfältig angelegt hattest,
dass es notwendig herauskommen musste. Wer unser Metier treiben
will, ich bin der Zundelfrieder", sagte er, und er war's auch--"wer
unser Metier treiben will, der muss sein Geschäft mit List anfangen
und mit Vorsicht zu Ende bringen. Wenn du aber zu mir in die Lehre
gehen willst, denn an Verstand scheint es dir nicht zu fehlen, und
eine Warnung hast du jetzt, und so will ich mich deiner annehmen und
etwas Rechtes aus dir machen." Also nahm er den jungen Menschen als
Lehrjungen an, und als es bald darauf unsicher am Rhein wurde, nahm
er ihn mit sich in die spanischen Niederlande.