Dienstag den 31. October bin ich mehr vor den

Herren Commissären gewesen und was ich den 22. und 24. October

ausgesagt, unterschrieben.

Samstag den 4. November, diese Nacht ist der Hosprofoß im Zimmer

gelegen.

Dienstag den 7. November, daran ich das Hochwürdige Sacrament

empfangen.“

Des Pflegers Tagebuch endet mit diesem Tage. Wie dem Gefangenen zu Mut

gewesen, wie scharf er die Situation durch das Erscheinen des

Hosprofoßen und dessen Nächtigung im gleichen Zimmer erfaßte, geht aus

den erhalten gebliebenen Abschiedsbriefen in erschütternder Weise

hervor.

„Herr Ehinger.

Freundlicher herzlieber Vater und Frau Mutter lasset Alles fleißig

zahlen, man ist euch viel für mich schuldig und danke auch Gott aller

Zuthaten. Befehle alle dem lieben Gott, bitte was ich wider euch

gethan, durch Gottes Willen um Verzeihung und nehme hiemit herzlich

Urlaub.“

„Lieber Herr Schwager Zechentuer, ich nehme hiemit von euch und euerer

Hausfrau, meinen Kindern eurem Vater und sonst allen meniglich

treulich Urlaub, habe ich was euch oder anderen zuwider gethan, bitte

ich durch Gottes Willen um christliche Verzeihung, auch daß ihr euch

die Holzwerkssachen und von dannen herrührenden Rechnungen zu meiner

Hausfrau und Kinder Besten wollet angelegen, auch in allen mein liebes

Weib und Kinder besohlen sein lassen, Gott wird es vergelten, ich muß

sterben, ich muß mich dazu richten, Gott verleihe mir ein gnädiges

und geduldiges, und wie ich ohne Zweifel hoffe und glaube, am jüngsten

Tage mit allen christgläubigen Seelen eine freudenreiche Auferstehung

zum ewigen Leben. Amen. Amen. Amen.“

„Bitteres Scheiden von meinen lieben Weib und Kindern, auch eurer

Hausfrau, Vater und andere meine liebe Herren und Freunde. Gott ist

ein Erkenner aller Menschenherzen, der weiß, ob ich recht oder unrecht

um das Leben gebracht werde, freundlicher lieber Herr Schwager

Zehentner, mir, dann dem Stefan Guthundt und Hansen Keil ist gestern

Abends, jeden absonderlich, daß wir morgen früh mit dem Schwert ohne

sonderlich Haltung einiges Rechts in der Stille und Geheimniß

hingerichtet werden, verlesen worden. Ach Herr Gott verleihe uns

Geduld, ein seliges Ende und das ewige Leben. Amen. Behüthe Gott

meniglich vor solcher Gefahr, das ist der Lohn meines schier

40jährigen vielmehr bei Tag und Nacht ausgestandenen Dienst, Gott sei

es geklagt, also beschlossen, die Zeit meines Lebens ist kurz, bin ich

guter Hoffnung, es werde mir Niemand mit Grund nichts Unehrbares oder

Unredliches nachreden können, wollet mich defendiren, noch einmal

durch Gottes Willen bittend für mein liebes Weib und Kinder werdet die

Belohnung bei Gott finden. Actum 7. November, bis auf welche Zeit ich

19 Wochen in großen Banden und Bekümmerniß gefangen gewesen und 2 Uhr

Nachmittags ist meine letzte Schrift, will sterben wie ein frommer

Christ, es kann oder mag nich anders sein. Nehmet von mir meniglich

Urlaub, wider wenn ich gethan, bittet, daß mir dieselben verzeihen,

ich verzeihe auch meniglich hier im Leben und nach meinem Tode.“

Das Ungeheuerliche geschah, der greise Pfleger Kaspar Vogel ward in

aller Stille durch das Schwert hingerichtet. Sein Geständnis, den Bauern

eine demütige Bittschrift um Steuernachlaß angeraten zu haben, ward von

den Kommissären schon als crimen angesehen, das sich todeswürdig erwies,

da erhärtet wurde, daß der Ratschlag Vogels gelautet habe, es solle das

Gericht Zell zugleich mit anderen Gerichtssprengeln zum Landesfürsten

supplizieren.

Dieses auf so schwachen Füßen stehende Urteil fand die landesherrliche

Bestätigung. Wolf Dietrich wollte der Steuer-Rebellion im Gebirge ein

gewaltsam rasches Ende bereiten und ein Exempel statuieren, das die

Gemüter für immer im Bann halten solle.

Die blutige Bestrafung des Aufstandes rief Entrüstung und Wut hervor,

zugleich aber auch Furcht vor dem unbeugsamen Fürsten, es ward im ganzen

Lande still.

Die Steuergewaltigen hatten den Sieg erzwungen und konnten nach Willkür

einschätzen; die Furcht vor blutiger Strafe schüchterte gründlich ein.

Wie von der Hofkammer eingeschätzt, die Steuern dekretiert wurden, zeigt

die bittere Bemerkung des Chronisten Steinhauser: „Man hat auch keinem

nichts mehr abgeschrieben, wenn er schon vermeldet hat, daß er ärmer

sei worden; aber wenn er reicher worden ist, so hat er solches allweg in

der Steuerzeit anzeigen müssen, hat er anders gewollt, daß seine

Verlassenschaft seinen Erben nach seinem Absterben bleibe. Denn man hat

nach eines Abwerben alsbald (sein Haus) gesperrt und inventirt und das

allerschlechteste und geringste geschätzt und in einen Anschlag und

Hauptsumma gebracht, welche fast viel gemacht hat.“

Celsissimus: Salzburger Roman · 第 14 / 27 题