Teufel und Tränen

Ich bin nicht in meiner Stadtwohnung, sondern irgendwo in einer Villa am

Meer. Ich wohne nicht allein, mit mir zusammen wohnt T. Jeden Morgen baden

wir im Meere, erst er, dann ich.

Unsere Petersburger Köchin Karassjewna erzählt:

»Nach dem andern Herrn fische ich aus dem Meere ganz winzige Teufelchen

heraus, aber nach Ihnen, gnädiger Herr, einen Teufel von dieser Größe!«

Ich weiß nicht, was ich der Köchin darauf sagen soll: die Alte hat die

Hände auseinandergespreizt und will mir zeigen, wie groß der Teufel war,

den sie herausgefischt hat. Ich blicke von ihr weg und schaue auf die

Birke: vor dem Haus steht eine alte Birke.

Neben der Birke steht ein weißes Pferd. Ich schaue auf das Pferd. Ein Spatz

fliegt vorbei, hüpft dem Pferd auf den Kopf und beginnt ihm die Augen

auszupicken. Und er pickt sie ihm gänzlich aus. Blut fließt aus den

Augenhöhlen.

Neben der Birke steht das weiße Pferd, das Blut fließt. Und ich weine, und

meine Tränen fließen wie das Blut.

Prinzessin Mymra: Novellen und Träume · 第 35 / 57 题