Einmal kam ich aus dem Kaffeehaus und kletterte die Stufen zu meiner
Wohnung empor. Auf unser verabredetes Zeichen öffnete meine Frau. Sie
sah verweint und angegriffen aus. Auf dem Tische lag das Lederetui mit
dem Bilde Pateras.
„Warum liegt das hier? Ist etwas passiert?“
„Ich habe +ihn+ gesehen -- ja -- diesen da!“ sie sprach abgerissen
und verwirrt. „Ich begreife noch gar nichts, aber eine Täuschung ist
unmöglich, +diese Augen+ kann es nicht zweimal geben.“
„Aber ich bitte dich, erkläre dich genauer.“
Und nun erzählte sie stossweise mit fliegendem Atem:
„Vom Markte kommend wollte ich gerade in die Lange Gasse einbiegen --
es dämmerte schon stark, daher beeilte ich mich heimzukommen. -- Da
hörte ich hastige Schritte hinter mir, es war ein Laternenanzünder --
beim Überholen streifte er mich fast. -- Zugleich wandte er sich einen
Augenblick um und sprach leise: Entschuldigung! Doch wie entsetzlich,
denke dir -- -- dein Freund Patera war es.“ -- --
Die letzten Worte schrie sie förmlich, Tränen rannen ihr die Wangen
hinab. Schluchzend barg sie ihren Kopf an meiner Schulter. Selbst
aufs höchste erschrocken, mühsam mich beherrschend, suchte ich sie zu
beruhigen. „Du täuschst dich“, ich sprach so gleichgültig als es mir
möglich war, „du täuschst dich bestimmt! Die Dämmerung ... im Zwielicht
ist das so leicht möglich. Und dann, wo denkst du hin? Patera, der
Eigentümer von allem hier, er wird doch nicht als gewöhnlicher
Laternenanzünder herumlaufen?“
Meine Stimme war unsicher, mir war selbst sehr bange.
„O sprich nicht so, du machst es nur noch schlimmer! Sein Gesicht war
ganz bewegungslos wie eine Wachsmaske, nur die Augen!..... Es lag ein
blinder Glanz darin!..... Ein Schauder verfolgt mich noch, denke ich
daran!“ Ihre Hand war heiss und fiebrig, ich drang darauf, dass sie
zu Bett ging. Dabei suchte ich sie durch dummen Kaffeehausklatsch zu
erheitern. Es war mir aber unmöglich, ihre Gedanken von dem Erlebnis
abzulenken. -- Auch ich hatte Angst.
Das Leben wurde jetzt immer verteufelter und aufreibender. Trotz der
schleichenden Gleichförmigkeit der Tage gab es kein Ausruhen, nicht
einmal der nächsten Stunde war man sicher.
Ich bekam das Traumreich allmählich satt. Natürlich das Erlebnis meiner
Frau war Halluzination. Ha, Patera, mein Freund, der hatte anderes zu
tun, als Fastnachtsscherze auszuführen. Gleichviel, eine Halluzination
ist immer ein Mahnruf, die gepeinigten Nerven melden sich.