IX.

Und dann diese Geräusche! Diese Unruhe die ganze Nacht hindurch, das

war perfid!

Aus dem französischen Viertel kamen verlotterte Banden mit Dirnen der

Freudenhäuser bis in unsere Gegend. Wüstes Gebrüll, Pfeifen, Johlen

näherte sich den Fenstern und entfernte sich wieder. Betrunkene,

die das Café verliessen, hielten lange Monologe, furchtbar klangen

die Lästerworte der Säuferwahnsinnigen. Daran konnte man sich nicht

gewöhnen! Die Häuser ragten schief und winklig in die Strassen, die

dadurch gebildeten Ecken und Vorsprünge warfen jedes laut gesprochene

Wort mehrfach als Echo zurück. Gellende Rufe hallten aus der inneren

Stadt; bald schärfer, bald leiser wurden sie aufgenommen und

weitergegeben. Man wusste keine Ursache dafür. Dann war es wieder

still, bis merklich ein Hüsteln und Kichern anhub. Nachts durch die

Gassen Perles zu wandern war eine Qual. Hier taten sich schauerliche

Abgründe für geschärfte Sinne auf. Aus den vergitterten Fenstern

und Kellerlöchern klagte und stöhnte es in allen Tonarten. Hinter

halb geöffneten Türen hörte man ein gepresstes Ächzen, so dass man

unwillkürlich an Erdrosselungen und Verbrechen denken musste. Ging

ich mit angstvollen Schritten nach Hause, höhnte es hinter mir her

in tausend- -- nein zehntausendfacher Weise. Die Torwege gähnten den

Eiligen an, als wollten sie ihn verschlingen. Unsichtbare Stimmen

lockten zum Flussufer, Blumenstichs Magazin lächelte schadenfroh, die

Molkerei glich einer verborgenen, heimtückischen Falle, selbst die

Mühle war nicht still, geschwätzig plapperte sie die ganze Nacht. Vor

Angst gejagt flüchtete ich mich noch manches Mal auf dem Heimweg ins

Kaffeehaus. Meine arme Frau fürchtete sich inzwischen allein zu Hause.

Da knisterte ein Schrank oder es sprang ein Glas entzwei. Aus allen

Ecken des Zimmers glaubte sie furchtbare Worte zu hören; oft fand

ich sie beim Nachhausekommen in krankhaften Einbildungen feucht vor

Angstschweiss. Diese schlaflosen Nächte wirkten zerstörend auf ihre

Nerven, bald sah sie überall lebende Schatten und Gespenster.

Immer wieder war es die undefinierbare Substanz, man roch und fühlte

sie schliesslich mit dem ganzen Körper. Bei Tage wollte niemand etwas

gesehen haben, die Stadt war wie gewöhnlich tot, leer, träge.

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