Unter meinen Jugendbekannten war ein sonderbarer Mensch, dessen
Geschichte wohl wert ist, der Vergessenheit entrissen zu werden.
Ich habe mein möglichstes getan, um wenigstens einen Teil der
seltsamen Vorkommnisse, die sich an den Namen Claus Patera knüpfen,
wahrheitsgetreu, wie es sich für einen Augenzeugen gehört, zu schildern.
Dabei ist mir etwas Eigentümliches passiert: während ich gewissenhaft
meine Erlebnisse niederschrieb, ist mir unmerklich die Schilderung
einiger Szenen untergelaufen, denen ich unmöglich beigewohnt und die
ich von keinem Menschen erfahren haben kann. Man wird hören, welcherlei
seltsame Phänomene der Einbildungskraft die Nähe Pateras in einem
ganzen Gemeinwesen hervorbrachte. Diesem Einfluss muss ich meine
rätselhafte Hellsichtigkeit zuschreiben. Wer eine Erklärung sucht,
halte sich an die Werke unserer so geistvollen Seelenforscher.
Ich lernte Patera vor sechzig Jahren in Salzburg kennen, als wir
beide in das dortige Gymnasium eintraten. Er war damals ein ziemlich
kleiner, doch breitschultriger Bursche, bei dem höchstens der
schöngelockte Kopf antiken Zuschnittes auffallen konnte. Mein Gott,
wir waren damals wilde, lümmelhafte Buben, was gaben wir viel auf
Äusserlichkeiten? Trotzdem muss ich erwähnen, dass mir heute noch, als
betagtem Mann, recht gut die etwas vorstehenden, übergrossen Augen von
hellgrauer Farbe im Gedächtnis geblieben sind. Aber wer dachte denn in
jenen Zeiten an das „Später“?
Nach drei Jahren vertauschte ich das Gymnasium mit einer anderen
Lehranstalt, der Verkehr mit meinen ehemaligen Kameraden wurde immer
spärlicher, bis ich schliesslich von Salzburg fort in eine andere Stadt
kam und für viele Jahre alles, was mir dort bekannt war, aus den Augen
verlor.
Die Zeit floss dahin und mit ihr meine Jugend, ich hatte so manches
Bunte erlebt, war nun schon ein Dreissiger, verheiratet und schlug mich
als Zeichner und Illustrator schlecht und recht durchs Leben.