LII. Kapitel.

Hilde verliebt sich in Semper den Älteren, bekennt sich zu Chamisso

und entpuppt sich als eine alte Bekannte.

Mit der Bekanntmachung ihrer Verlobung hatten sie es nicht im

geringsten eilig; ob die Welt sie für Brautleute hielt oder nicht, war

ihnen beiden grenzenlos gleichgültig. Aber seinen Eltern wollt’ er’s

nicht länger verbergen, obwohl ihn Zweifel befielen, wie sie es

aufnehmen würden. Eigentlich zweifelte er nur an dem Beifall seiner

Mutter. Ludwig Semper, das wußte er, so leer ihm das Haus ohne seinen

Asmus werden mochte, würde Asmussens Erwählte willkommen heißen, bevor

er sie gesehen; aber Rebekka –? Mütter sind eifersüchtig, und überdies

war er erst 23 Jahre! Sie wird schelten, dachte er. Aber sie schalt

nicht; sie schüttelte nur den Kopf und sagte: »Junge, Junge, du bist

ja noch so jung!«

»Aber Mutter!« rief Asmus lachend und faßte sie bei beiden Schultern,

»du hast ja auch jung geheiratet!«

»Ja, das war damals auch ganz anders!« rief sie.

Ludwig Semper konnte dieser Geschichtsauffassung nicht beipflichten;

er wußte noch, wie junge Herzen schlagen, und sagte, Asmus möge seine

Braut am Sonntag nur mitbringen.

Und an diesem Sonntag feuchtete er keinen Tabak an und grübelte er

nicht; er hatte seinen guten schwarzen Rock angezogen und ein feines

weißes Tuch umgelegt – denn ein gesteifter Kragen durfte ihm nicht an

den Hals kommen – und ging munter und aufgeräumt im Hause umher, und

wenn er sich allein wußte, sah er mit strahlenden Augen in die Ferne

und summte vor sich hin: »Tränen, vom Freunde getrocknet.« Und als es

hieß: »Sie kommen!« und die Tür aufging und Asmus rief: »Da ist meine

Braut!« da stand Ludwig Semper da wie ein herrlicher, gütiger

Nordlandskönig, dem sein Erbe die junge Königin zuführt; er streckte

seine warme kräftige Hand aus und sagte nichts als:

Semper der Jüngling · 第 244 / 292 题