»Sind Sie mir eigentlich böse, Fräulein Chavonne?«

»Warum sollte ich Ihnen böse sein?« fragte sie ebenso leise, mit

starren Augen geradeausblickend. Und alles, was sie noch sprachen,

klang leise wie der Regen, der gleichmäßig herabtroff und gegen den

sie keinen Schutz begehrten.

»Sie haben mir eigentlich kein Wort über mein letztes Gedicht gesagt,«

begann Asmus wieder. »Da glaubte ich, daß Sie mir zürnten.«

»Wie wäre das möglich?« sprach sie noch leiser, mit bebender Stimme.

Wiederum schwiegen sie eine kurze Weile.

Ihr Kopftuch hatte sich verschoben, und um es zu ordnen, zog sie leise

ihren Arm aus dem seinen. Im selben Augenblick ließ er seinen Arm

sinken; ihre Hände berührten sich, und Asmus faßte Hildens Hand.

Nun ist es ein seltsames Ding: Arm in Arm gehen die fremdesten

Menschen miteinander; aber Hand in Hand gehen nur Kinder und Liebende.

Ein höherer Wille hatte ihre Hände ineinander gelegt und gesagt: Ich

will, daß ihr euch findet.

Das gab Asmus Sempern einen heiligen Mut, und zitternd sprach er:

Semper der Jüngling · 第 229 / 292 题