»– Gute Nacht.«

Unmittelbar darauf dachte er: Das war eine Gelegenheit! Sie ist

unwiederbringlich verpaßt.

Unwiederbringlich? Wie er es zuvor mit der Methode der Wetten versucht

hatte, so versuchte er es jetzt mit der Methode des gemeinsamen

Theaterbesuchs. Eine Woche später sollte der »Vampyr« von Marschner

gegeben werden. Er hatte eine Schwäche für diese Oper, gerade wegen

ihres verschrieenen schaurig-romantischen Stoffes. Er liebte das

Düstre, Grauenvolle wie das Sonnig-Behagliche, das starrend Erhabene

wie das Komisch-Gemütliche, bis zum Putzigen und Ulkigen herab, wie er

alle Tage und Nächte, alle Lichter und Schatten der Welt liebte. Er

liebte Dante Alighieri und Fritz Reuter, und er haßte die

flachköpfigen Ästhetiker, die beim Aufbau ihrer Systeme immer eines

vergaßen, entweder den Dante oder den Reuter.

Frau Mansfeld mocht’ es im stillen unpassend finden, daß ein junges

Mädchen mit einem ihm nicht verlobten jungen Manne allein ins Theater

ging und sich von ihm nach Hause geleiten ließ. Aber solche Ängste

kannte Hilde nicht; sie hatte nur die feine Erziehung, die ein feines

Herz gibt. Also holte sie jubelnd ihr Portemonnaie und zahlte Asmussen

eine Mark zwanzig auf den Tisch; denn soviel kostete der Eintritt zum

dritten Rang.

Aber der »Vampyr« hatte genau dieselbe Wirkung wie der »Freischütz«,

insofern, als Asmus sich wieder vor Hildens Tür mit nichts als einem

(zwar bewegten Herzens gesprochenen) Danke verabschiedete und sich

dann auf dem einsamen Heimwege mit Vorwürfen und nicht gerade

schonenden Titulaturen überhäufte.

Und auch der Verfasser kann nicht umhin, hier zum Entsetzen aller

Literaturaufseher »die Kunstform zu durchbrechen« und der Leserin zu

versichern, daß er ihre Entrüstung über diesen Herrn Semper vollkommen

teilt. Aber was soll der Verfasser tun? Er kann seinen Helden nicht

anders machen, als er ist.

Endlich brachte ein trüber, wolkenschwerer Novemberabend die

Entscheidung.

Semper der Jüngling · 第 227 / 292 题