18. September 1887

Helen ist ein wunderbares Kind. Ich habe mir alles aufgezeichnet, was

sie in der vergangenen Woche gesagt hat, und dabei gefunden, daß sie

über sechshundert Wörter kennt. Damit soll jedoch nicht gesagt sein,

daß sie sie stets richtig gebraucht. Mitunter zeigt sich in ihren

Sätzen ein vollständiger Wirrwarr, aber dieser findet sich bei allen

Kindern, wenn sie den Versuch machen, ihre halbfertigen Vorstellungen

mit Hilfe willkürlicher Sprachformen auszudrücken. Sie besitzt den

richtigen Sprachtrieb und zeigt große Gewandtheit bei dem Anpassen des

Ausdrucks an ihre Gedanken.

In der letzten Zeit hat sie großes Interesse an Farben bewiesen. Sie

fand in ihrem Lesebuche das Wort »~brown~« und wollte seine Bedeutung

wissen. Ich sagte ihr, ihr Haar sei braun, worauf sie fragte: ~Is

brown verv pretty?~ Nachdem wir im ganzen Hause umhergegangen waren

und ich ihr die Farbe jedes Gegenstandes, den sie berührte, angegeben

hatte, schlug sie vor, nach den Hühnerställen und den Scheunen zu

gehen; ich sagte ihr jedoch, sie müsse bis morgen warten, ich sei sehr

müde. Wir saßen in der Hängematte; aber für die Ermüdete war hier an

kein Ausruhen zu denken. Helen wollte durchaus »~more colour~« kennen

lernen. Ich möchte gern wissen, ob sie eine unbestimmte Vorstellung

von Farben -- einen Erinnerungseindruck von Licht und Ton besitzt. Es

scheint, als müsse ein Kind, das bis zu seinem neunzehnten Monat sehen

und hören konnte, etwas von seinen ersten Eindrücken zurückbehalten

haben, und sei dies auf noch so undeutliche Weise. Helen spricht viel

von Dingen, die sie durch das Gefühl nicht hat wahrnehmen können. Sie

stellt viele Fragen über den Himmel, Tag und Nacht, das Meer und die

Berge. Sie hat es gern, wenn ich ihr mitteile, was ich auf Bildern

sehe.

Aber ich scheine den Faden meiner Erzählung verloren zu haben. ~What

colour is think?~ lautete eine der rastlosen Fragen, die sie an mich

richtete, während wir uns in der Hängematte hin- und herschaukelten.

Ich sagte ihr: Wenn wir froh sind, so sind unsere Gedanken heiter; sind

wir aber unartig, so sind sie traurig. Rasch wie der Blitz antwortete

sie: ~My think is white, Viney’s think is black~. Sie sehen, sie

glaubte, die Farbe unserer Gedanken entspräche unserer Hautfarbe.

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Die Geschichte meines Lebens · 第 56 / 70 题