Helen ist ein wunderbares Kind. Ich habe mir alles aufgezeichnet, was
sie in der vergangenen Woche gesagt hat, und dabei gefunden, daß sie
über sechshundert Wörter kennt. Damit soll jedoch nicht gesagt sein,
daß sie sie stets richtig gebraucht. Mitunter zeigt sich in ihren
Sätzen ein vollständiger Wirrwarr, aber dieser findet sich bei allen
Kindern, wenn sie den Versuch machen, ihre halbfertigen Vorstellungen
mit Hilfe willkürlicher Sprachformen auszudrücken. Sie besitzt den
richtigen Sprachtrieb und zeigt große Gewandtheit bei dem Anpassen des
Ausdrucks an ihre Gedanken.
In der letzten Zeit hat sie großes Interesse an Farben bewiesen. Sie
fand in ihrem Lesebuche das Wort »~brown~« und wollte seine Bedeutung
wissen. Ich sagte ihr, ihr Haar sei braun, worauf sie fragte: ~Is
brown verv pretty?~ Nachdem wir im ganzen Hause umhergegangen waren
und ich ihr die Farbe jedes Gegenstandes, den sie berührte, angegeben
hatte, schlug sie vor, nach den Hühnerställen und den Scheunen zu
gehen; ich sagte ihr jedoch, sie müsse bis morgen warten, ich sei sehr
müde. Wir saßen in der Hängematte; aber für die Ermüdete war hier an
kein Ausruhen zu denken. Helen wollte durchaus »~more colour~« kennen
lernen. Ich möchte gern wissen, ob sie eine unbestimmte Vorstellung
von Farben -- einen Erinnerungseindruck von Licht und Ton besitzt. Es
scheint, als müsse ein Kind, das bis zu seinem neunzehnten Monat sehen
und hören konnte, etwas von seinen ersten Eindrücken zurückbehalten
haben, und sei dies auf noch so undeutliche Weise. Helen spricht viel
von Dingen, die sie durch das Gefühl nicht hat wahrnehmen können. Sie
stellt viele Fragen über den Himmel, Tag und Nacht, das Meer und die
Berge. Sie hat es gern, wenn ich ihr mitteile, was ich auf Bildern
sehe.
Aber ich scheine den Faden meiner Erzählung verloren zu haben. ~What
colour is think?~ lautete eine der rastlosen Fragen, die sie an mich
richtete, während wir uns in der Hängematte hin- und herschaukelten.
Ich sagte ihr: Wenn wir froh sind, so sind unsere Gedanken heiter; sind
wir aber unartig, so sind sie traurig. Rasch wie der Blitz antwortete
sie: ~My think is white, Viney’s think is black~. Sie sehen, sie
glaubte, die Farbe unserer Gedanken entspräche unserer Hautfarbe.
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