Helen schreibt mit Bleistift schon ganz vorzüglich. Ich lehre sie das
Braille-Alphabet, und sie ist ganz entzückt darüber, daß sie imstande
ist, Wörter herzustellen, die sie selbst fühlen kann.
Ihre Entwickelung ist jetzt soweit vorgeschritten, daß sie nach allem
fragt. Was? warum? wann?, namentlich warum? -- so geht es den ganzen
Tag über, und je mehr ihre Intelligenz wächst, desto dringender werden
ihre Fragen. Ich entsinne mich, wie lästig ich immer das ewige Fragen
der Kinder meiner Bekannten fand, aber jetzt weiß ich, daß diese Fragen
von dem zunehmenden Interesse des Kindes an den Ursachen der Dinge
herrühren. Das »Warum« ist das Tor, durch das es die Welt des Denkens
und der Ueberlegung betritt. ~How does carpenter know to build house?
Who put chickens in eggs? Why is Viney black? Flies bite -- why? Can
flies know not to bite? Why did father kill sheep?~ Natürlich stellt
sie viele Fragen, die nicht so verständig sind wie diese. Ihr Denken
geht nicht logischer vor sich als das von Durchschnittskindern. Im
ganzen gleichen ihre Fragen denen, die ein aufgewecktes Kind von drei
Jahren stellt; aber ihre Wißbegierde ist äußerst groß, -- ihre Fragen
fallen nie lästig, obgleich sie mein geringes Maß von Kenntnissen und
meinen Scharfsinn auf eine harte Probe stellen.
Vorigen Sonntag bekam ich einen Brief von Laura [Bridgman]. Sagen Sie
ihr, bitte, meinen herzlichsten Dank dafür, und teilen Sie ihr mit, daß
Helen ihr einen Kuß schickt. Ich las den Brief beim Abendessen, und
Frau Keller rief aus: Sie sehen, Fräulein Annie, Helen schreibt schon
jetzt beinahe ebensogut! -- Es ist wahr.
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