31. Juli 1887.

Helen schreibt mit Bleistift schon ganz vorzüglich. Ich lehre sie das

Braille-Alphabet, und sie ist ganz entzückt darüber, daß sie imstande

ist, Wörter herzustellen, die sie selbst fühlen kann.

Ihre Entwickelung ist jetzt soweit vorgeschritten, daß sie nach allem

fragt. Was? warum? wann?, namentlich warum? -- so geht es den ganzen

Tag über, und je mehr ihre Intelligenz wächst, desto dringender werden

ihre Fragen. Ich entsinne mich, wie lästig ich immer das ewige Fragen

der Kinder meiner Bekannten fand, aber jetzt weiß ich, daß diese Fragen

von dem zunehmenden Interesse des Kindes an den Ursachen der Dinge

herrühren. Das »Warum« ist das Tor, durch das es die Welt des Denkens

und der Ueberlegung betritt. ~How does carpenter know to build house?

Who put chickens in eggs? Why is Viney black? Flies bite -- why? Can

flies know not to bite? Why did father kill sheep?~ Natürlich stellt

sie viele Fragen, die nicht so verständig sind wie diese. Ihr Denken

geht nicht logischer vor sich als das von Durchschnittskindern. Im

ganzen gleichen ihre Fragen denen, die ein aufgewecktes Kind von drei

Jahren stellt; aber ihre Wißbegierde ist äußerst groß, -- ihre Fragen

fallen nie lästig, obgleich sie mein geringes Maß von Kenntnissen und

meinen Scharfsinn auf eine harte Probe stellen.

Vorigen Sonntag bekam ich einen Brief von Laura [Bridgman]. Sagen Sie

ihr, bitte, meinen herzlichsten Dank dafür, und teilen Sie ihr mit, daß

Helen ihr einen Kuß schickt. Ich las den Brief beim Abendessen, und

Frau Keller rief aus: Sie sehen, Fräulein Annie, Helen schreibt schon

jetzt beinahe ebensogut! -- Es ist wahr.

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Die Geschichte meines Lebens · 第 52 / 70 题