Meine Großmutter antwortete ihm mit folgenden Zeilen:
"Mein lieber Wolf!
"Du mußt Dir eine Antwort auf Deinen herrlichen -- mir herrlichen --
Brief gefallen lassen; es giebt auch mit 70 Jahren Lichtstrahlen, wie
sie das 17te beleuchten, aber es sind nur Blitze, und unter einem
solchen stand die Landschaft meines Jugendlebens vor mir, Deine Mutter,
die ich nie aufgehört habe zu lieben, Du als Knabe, dunkle Wolken und
nun milder Regen. Das mußte erst wieder still bei mir werden. Ich hoffte
auch auf einen Brief meiner Enkelin, um zu erfahren, weß Geistes Kind
der Theaterdirektor ist, ob verstehend oder nur berechnend, -- sie hat
aber noch nicht geschrieben, und ich glaube in Deinem Sinn gehandelt zu
haben, als ich ihm gleich bei Lilys Anfrage, ehe ich Dir schrieb, sagen
ließ, Du seist verreist, ich rate zu keiner direkten Anfrage, gab ihm
auch nicht Deine Adresse. So bist Du, ohne ihn zu kränken, aus dem Spiel
und frei, eventuell hervorzutreten. Ich verstehe Deine Auffassung -- ich
fühle ganz die letzten Zeilen Deines Briefes -- dann siegt aber doch die
ungeheure Scheu vor den Krallen des Lebens, und wir behalten unsere
Narben und unsere Ruhe!
"Ich kann es nicht lassen, die Erlinde nur noch eifriger, eingehender
und mit Berücksichtigung der Bühne zu lesen; da könnte allerdings nur
Deine Hand die Bühnenfähigkeit geben. Gestrichen dürfte wenig werden,
aber verbunden viel, sowohl in den einzelnen Scenen, die in lebendigere
Beziehungen zueinander treten müßten, als in den Personen. Ich kann
nicht leugnen, daß ich glaube, nur in Weimar würde man Erlinde ganz
verstehen und mit Sorgfalt und Liebe zur Aufführung bringen, so daß das
nahe und ferne Publikum ein Verständniß dafür bekäme. Ich hätte gern
noch einen Stern in Euer Wappen gebracht und das Licht dazu war da -- es
lagen nur Nebel dazwischen, aber sie haben es verhindert,
durchzudringen.
"Mein lieber Wolf, das soll kein Zureden sein; mir würde so bang werden
wie Dir, daß Du Dir neue Schmerzen für Seele und Körper bereiten
könntest; es liegt die Atmosphäre einer ganz anderen Welt zwischen Dir
und den Menschen; was sie Dir bieten, achtest Du zu gering, und das
'Sesam, thu dich auf', das zu Deinen Schätzen führt, vertraust Du
wenigen an ..."
Er antwortete nicht auf diesen Brief. Monate später sandte er diese
Zeilen, deren Buchstaben noch größer, noch zitteriger sind.
"Ich schreibe Dir Briefe in Gedanken; ich kann sie Dir aber nicht
senden, weil wir auf der Erde sind, und später kannst Du sie nicht mehr
erhalten, weil wir drüben nicht lesen können.