"Mein Brief war gesiegelt, da öffnete ich das Zeitungsblatt und fand die
Todesnachricht des Grafen Vaudreuil! Nichts konnte mir unerwarteter
sein, heute noch dachte ich an ihn, an seine Liebenswürdigkeit und
freute mich seiner Bekanntschaft, nun ist auch er hinübergezogen in das
'stille Land' ... Was wird jetzt aus Ihrer kleinen Marguerite, die er so
liebte! Könnte Sie doch zu Ihnen!"
Aus dem folgenden Jahre stammt ein acht Seiten langer Brief, der nichts
ist als ein einziger Gefühlserguß und durch Jennys Geständnis ihres
traurigen Herzensschicksals hervorgerufen wurde. Er beginnt:
Ludwigslust, den 4. Febr. 1835.
"Mein Herz trieb mich zu Ihnen, liebe vertrauensvolle Jenny, seit Sie
meinem Blick erschienen sind, wie viel mehr, seit Ihre holde reine Seele
der meinigen ihr Leben, ihr theuerstes Geheimniß anvertraute und damit
Gegenliebe dem liebedürstenden Gemüthe bewies ... Ja, ich irre sicher
nicht, Sie wußten es längst, welchen wehmüthigen Lebensglanz Ihr Brief
auf mein Herz geworfen hatte, Sie wußten, wie innig ich Sie liebe, seit
ich mit Ihnen geweint ..."
Die Verbindung zwischen beiden blieb über alle Freuden und Leiden des
Lebens hinaus bestehen, wenn es auch zweifellos ist, daß hier, wie im
Verkehr mit Prinzeß Augusta, Jenny die Gebende war, die anderen die
Empfangenden. Ihre Briefe, von denen leider so wenige erhalten blieben,
sind stets die stärksten Emanationen ihrer Seele gewesen. Die Form des
Briefes wählte sie auch da am liebsten, wo ein größeres Publikum der
Adressat war, wie z. B. im "Chaos" und später im "Wilhelmsthaler
Journal". Für die Hofgesellschaft war dies ein literarischer Mittelpunkt
geworden, wie das "Chaos" es für Ottiliens Kreis gewesen war. Manche
jener schwärmerischen Briefe der Herzogin Helene fanden Aufnahme darin;
da jedoch das Blatt nicht gedruckt wurde, ging der größte Teil seines
Inhalts verloren.
Von Jennys Beiträgen dagegen ist viel erhalten geblieben: Reflexionen,
Erinnerungen an Personen und Bücher, Erzählungen, Märchen, auch
Familiensagen und Anekdoten, die von den verschiedenen Gästen erzählt
und von ihr festgehalten worden waren. Gerade diese kennzeichnen die
Richtung einer Zeit, der die napoleonische Epoche noch so nahe war, daß
Lebende sich ihrer erinnern und von ihr erzählen konnten, und in der
Kriege aller Art die Gemüter erregten. Alte Offiziere Napoleons
erzählten von ihm; andere, wie Prinz Friedrich Schwarzenberg und Alfred
von Pappenheim, berichteten von ihren Erlebnissen in den italienischen,
polnischen und türkischen Feldzügen, oder im griechischen
Freiheitskrieg. Auch die romantisch-mystische Neigung der Zeit kam zu
ihrem Recht: der eine wußte von dunklen Schicksalen zu berichten, die
wie ein ehernes Fatum über bestimmten Familien schweben, oder von
geheimnisvollen Einwirkungen einer unsichtbaren Welt. Und während so die
bunten Bilder des Lebens und der Phantasie an den geistigen Augen der
Zuhörer vorüberzogen, saßen die jungen Mädchen still im Kreise und
stickten Vergißmeinnicht und Rosen mit glänzenden Perlen auf
Brieftaschen und Geldbeutel für die, die ihrem Herzen nahestanden. Nur
Jenny stützte zumeist, ihrer Gewohnheit gemäß, das Köpfchen auf die
feine, schlanke Hand, denn sie konnte sich nie mit dem, was man
weibliche Handarbeit nennt, befreunden, die ihrem künstlerischen
Geschmack widerstand. Lieber nahm sie den Bleistift und das Skizzenbuch
und porträtierte die Anwesenden. Ihr Talent dafür war ein nicht
gewöhnliches. C. A. Schwerdgeburth, der das letzte Porträt Goethes
zeichnete, war ihr Lehrer, und eine Mappe voller Bildnisse aus dem Ende
der zwanziger Jahre spricht noch heute für den Lehrer wie für die
Schülerin.
Erfindungs- und Darstellungsgabe zeigen ihre kleinen Erzählungen für das
"Wilhelmsthaler Journal", wenn auch der schwärmerisch-sentimentale
Inhalt sie uns heute schwer genießbar macht. Was sie dagegen in der Form
freundschaftlicher Briefe an Erfahrung und Lebensweisheit bot, läßt es
erstaunlich erscheinen, daß ein so junges Mädchen die Verfasserin sein
konnte. Zwei dieser Briefe mögen hier folgen. Im ersten, der Antwort auf
ein in den Schleier der Anonymität gehülltes Schreiben Karl Alexanders,
gibt sie sich als alte Frau. Er lautet:
"Wie gut steht es der Jugend, wenn sie ihre Spiele, ihr Lachen, ihre
Thorheit vergißt, um dem trüben, ernsten Alter ihr Leben und ihre Farbe
zu borgen; sie gleicht dem Epheu, der mit seinem frischen Grün den
färbenden Stamm umschlingt, dem wilden Wein, der sich zärtlich um die
Ruinen der Jahrhunderte windet. Sie kommen zu mir mit der Güte der
ersten Jugend, mit den liebenswürdig höflichen Formen der großen Welt:
Sie bitten um Verzeihung wegen Ihrer Gabe, Sie entschuldigen sich Ihrer
Liebenswürdigkeit wegen, mit dem Mantel der Demuth wollen Sie Ihre
Gefälligkeit bedecken, für die Sie mir den Dank zu ersparen suchen;
trotzdem sollen Sie ihn haben und offenherzig haben: ich danke Ihnen
für Ihren reizenden Brief, ich danke Ihnen, daß Sie einen jener
glücklichen Augenblicke erfaßt haben, die ich dem Anschein nach für
dauernd halten würde, die dem Ausdruck der Gedanken so günstig sind; ich
danke Ihnen sogar für den Krieg, den Sie gegen die Einsamkeit und das
Gefühl eröffnen -- denn, haben Sie nie von jenem magischen Trank gehört,
der plötzlich verjüngt, von jenen Streichen mit dem Zauberstab, die jene
Hexerei der Zeit, Alter genannt, verbannen? Nun denn, mein Herr, Ihre
Worte enthalten diese magische Kraft; meine Krücke werfe ich fort, ich
richte den gebeugten Rücken auf, meine grauen Haare färben sich wieder,
meine Stimme wird stark und jung und ruft Ihnen den Kriegsruf entgegen;
jawohl, den Kriegsruf, denn Sie haben den Trost und die Freude meines
ganzen Lebens angegriffen; Einsamkeit, dunkle Wälder, Gedanken, die das
Herz erforschen und unter der sichtbaren Form der Thaten in das tägliche
Leben eingreifen; das alles verdammen Sie mit dem einen Wort:
Sentimentalität. Erinnern Sie sich der Worte von Casimir de la Vigne an
Lamartine:
_Pourquoi donc trop séduit d'une fausse apparence_
_Nommer la liberté, quand tu peins la licence?_
Mein Herz erkennt diese Entheiligung des Gefühls, Sentimentalität
genannt, nicht an: zwar ergeht sie sich gern in der Natur, hat stolze
Worte für die Schönheit des Waldes, heiße Thränen für den Tod einer
Blume, doch das wahre Gefühl allein hat Kraft und Thaten. Die Natur in
ihrer Pracht und Schönheit hat für diese Kinder des menschlichen Geistes
zwei verschiedene Sprachen, sie sagt der Sentimentalität: 'Athme dieses
weiche, unbestimmte Glück der Lüfte, der Sonne, der Blumen ein, mache
eine Ode daraus, singe ein Lied dafür, und vor allem entsinne dich alles
dessen, was andere in ähnlicher Lage empfunden haben, um auszusprechen,
wenn du nicht so fühlst,' dann wirft sie ihr einige Reime, wie 'Herzen
-- Schmerzen, Thränen -- Sehnen' in den Schoß, macht ihr ein Recept
nach ihrem Geschmack: träumerisches Schmachten, Blicke gen Himmel, süße
Traurigkeit und, siehe da, die Sentimentalität ist fertig! Sie braucht
weder Vernunft noch Stärke, sie kümmert sich weder um die Seele noch um
den Nächsten, sie badet sich wohlgefällig in dem echten oder künstlichen
Genuß des Augenblicks -- ich überlasse sie Ihnen, mein Herr, wir wollen
sie zusammenrichten, und alle Kräfte unseres Geistes sprechen ein
furchtbares 'Schuldig' gegen sie aus.
"Aber das ist nicht die Lehre der Natur, der Einsamkeit für das echte
Gefühl; diese Sprache ist in anderen Sphären entstanden, ihre Worte
verlangen Thaten: 'Mein Donner, mein Sturm predigt Dir Gottes Macht,
meine Tannen und Eichen predigen Dir seine Größe, meine Felsen, die
Pfeiler der Schöpfung, predigen Dir seine Kraft; mit den Strahlen der
Sonne sendet er Dir seine Liebe und Güte, in jede Blume, in jede
Vogelfeder hat er die heiligen Gesetze ewiger Ordnung eingetrieben, und
Du, Widerschein seines Geistes, Du wagst es, schwach und schüchtern zu
sein; erhebe Dich aus Deinem kleinen irdischen Leid, schau um Dich, auf
dieser reichen Erde gibt es Wesen, die hungern, die frieren, geh, hilf
ihnen; Du hast Brüder, die Dich beleidigten, Dein Herz brachen, Dein
Leben zerrissen, geh, vergieb ihnen; siehst Du furchtbare Irrthümer,
schreckliche Verirrungen, geh und bekämpfe sie; Du seufzt, Du wankst
unter der Last Deiner Thränen; schnell, trockne sie, und dann vorwärts,
vorwärts ohne Furcht! Der Neid, der Leichtsinn, die Selbstsucht schlagen
Wurzel in Deinem Herzen, reiße dieses Unkraut aus, Du darfst nicht,
nein, Du darfst nicht schwach und klein sein inmitten der
Unendlichkeit!'
"Die Natur hat dem Gefühl ihre Predigt gut gelehrt -- nicht wahr, sie
verdient die Priesterweihe, wir werden ihr die erste freie Oberaufsicht
anvertrauen; ich freilich werde verlieren, da ich sie bisher allein
meines Hauses Hüter, meinen Lehrer und Beichtvater nannte, aber ich
opfere mich der Gesammtheit und werde ihren Worten folgen, die sie zu
allen spricht.
"Während meiner langen Wanderungen zog dieser unsichtbare Priester meine
Seele vor Gericht, wir sprachen miteinander über mein Leben, über meine
Schmerzen und die Schmerzen anderer, wir theilten sie in zwei Hälften
und nannten die eine Schicksal; sie enthielt alles Leid, das wir nicht
ändern können; die andere Hälfte trug verschiedene Titel, wie:
Pflichten, die zu erfüllen, Fehler, die zu vermeiden sind, und zum
Schluß den Wahlspruch: kämpfen! Und wenn ich mich in Theorien verlor,
wenn Gedanke sich auf Gedanke thürmte, so hoch, daß die Erde drohte zu
verschwinden, hielt mein Führer mich zurück und zeigte mir eine Tanne,
die sich stark und gerade zu den Wolken erhob.
"'Höre die Geschichte dieses Baumes,' sagte er, 'vergiß nicht, eine
Lehre für Dich darin zu finden, und wende sie, die von oben kam, hier
unten an. Auf seinen Flügeln trug der Westwind die Samen zweier Tannen
bis zu jenem Hügel, und bald entschlüpfte das Leben dem Kerker und
erschien grün und frisch in den Strahlen der Sonne. Die eine von ihnen
war bezaubert vom Anblick des blauen Himmels, von seinem wunderbaren
Glanz, und beschloß, sich bis zu ihm zu erheben. Sie strengte alle ihre
Kräfte an, sie wuchs, zum Neide ihrer Nachbarn, mit fabelhafter
Geschwindigkeit zu nie gesehener Höhe. So lange nur der Zephyr mit ihr
spielte, freute sie sich ihres Wachsthums, doch als der Sturm nahte,
schlug sein hochgeschwungenes Scepter mit einem einzigen Schlag den
ehrgeizigen Stamm zu Boden. Sein Genosse war viel kleiner als er; er
hatte, während er wuchs, nie seinen Ursprung vergessen und fest die
Wurzeln in die Erde gesenkt; er widerstand dem Sturm, er wuchs empor, er
sah Jahrzehnte ihn bewundern, doch nie in seinem höchsten Ruhm vergaß er
die Erde. Des Himmels heiliges Licht nährte ihn, doch was er empfing,
gab er der Erde als Kraft und Gesundheit zurück, sie brachte seinen
Wurzeln den Saft und er gab ihn als Schönheit und Größe dem Himmel
wieder.'
"Ich liebte die Lehren meines Predigers, ich dachte ihrer stets, und ich
schämte mich sehr, wenn ich bei der Rückkehr von meinen langen einsamen
Spaziergängen keinen guten Rath für den, der ihn bei mir suchte, kein
Hilfsmittel für den Leidenden, keinen Trost für meinen Kummer gefunden
hatte, kurz, wenn ich keinen Gedanken der That aus meinen dunklen
Wäldern heimbrachte. Wie gut verstand ich die Sage der Alten von der
Göttin der Wälder, deren Diener auf glühenden Kohlen schritten, ohne
sich zu verbrennen; die Kohlen sind die Proben des Lebens, die ihre
geflügelten Füße kaum berühren. Und doch bin ich ein Weib, der Kreis
meiner Thätigkeit ist eng begrenzt; es kommt vor, daß ich nur mein Herz
zu untersuchen habe, daß mein Rath, meine Hilfe nicht gefordert wird,
dann denke ich manchmal an alles das, was mein Prediger mir zu sagen
hätte, wenn ich über andere gestellt wäre, wenn ich einer jener Männer
wäre, die von Tausenden gesehen werden, an denen die Hoffnung von
Tausenden hängt, von denen sie mit Recht Glück und Trost verlangen; wie
viel würde er zu thun haben, um mich von Stadt zu Stadt führen, ihre
Einrichtungen, ihre Leiden, ihre Wünsche kennen zu lernen, um meine
Gedanken von der Hauptstadt zum Dorf, von Verbrechen des einen zur
Arbeit des anderen zu führen; zu wissen, ob der Bürger Handel treiben,
der Bauer sein Feld bestellen kann, ob die Behörden der Gerechtigkeit
dienen, die Tatkraft das Grundgesetz des Landes ist, was der Boden trägt
und tragen könnte; ferne Reiche aufsuchen, um dort zu finden, was dem
meinen nützlich und angenehm sein könnte; die Universitäten, die Schulen
im Auge behalten, um in der jungen Generation den Samen einer ernsten
Erziehung zu säen, den Keim einer einfachen, starken Moral
einzupflanzen.
"Doch genug der Predigt! Vorwärts ihr kleinen Nymphen des Waldes, ihr
kleinen Dämonen der Unterwelt, ihr kleinen Elfen der Blumen und des
Wassers, zu euren Tänzen, euren Spielen und Possen! Bringt uns die
Freuden eurer Wälder und Haine, naht euch auf den Sonnenstrahlen, die
durch die Blätter tanzen, die sich hinter Baumstämmen verstecken und die
sich, wenn man sich gut mit ihnen stellt, auf dem Papier, dem Antlitz,
den Augen niederlassen; schnell eine Wendung, und die Schatten breiter
Blätter zeichnen sich auf dem Schoß, ein leiser Westwind rührt den Zweig
und wieder tanzt der Sonnenstrahl vor Dir, entreißt Dir neckisch den
eben gewonnenen Gedanken und entflieht mit ihm. Du streichst mit der
Hand über die Stirn, Du erfaßst ihn wieder, Du bringst ihn zu Papier --
husch -- ein kleiner Dämon wirft Dir eine Hand voll geflügelter
Teufelchen zu: rote, grüne, blaue, bunte, vielfarbige, kurze und lange,
kleine und große, eine ganze Sammlung niedlicher Käfer, des Ansehens
wert. Jetzt gilt's ein wenig träumen -- da schleudert ein Dämon, ein
böser Dämon einen mächtigen Raubvogel durch die Lüfte gerade auf eine
arme Taube zu, nun fühlst Du die Erschütterung des Trauerspiels in
Deiner Seele, Dein Herz schlägt, Du nimmst die Partei der Schwachen, Du
möchtest der Unschuldigen zurufen: Komm zu mir, ich kann Dich
beschützen! -- aber der Räuber und seine Beute sind verschwunden, der
Ausgang bleibt Dir unbekannt -- man denkt noch einen Augenblick an den
Tod, an die rohe Gewalt, an das Unglück, um zu seinem Buch
zurückzukehren. Man läßt die Käfer summen, die Sonnenstrahlen auf der
Stirn tanzen, man sieht nicht einmal nach dem Eichhörnchen, das sich vor
unserem Anblick erschreckt, man will lesen -- Nymphen, Dämonen, Elfen
tanzen und spielen, man beachtet sie nicht, da sammeln sie einen Vorrath
süßer Gerüche, sie suchen in den Tannen, den Blumen, im Heu, in der Luft
und kehren beladen zurück -- lebt wohl, Fleiß, Buch, Ernst, tiefe
Gedanken -- die Träume kommen wieder und all die kleinen Geister der
Natur triumphieren! O, diese lieben kleinen Schauspieler, die Niemand
bezahlt, diese reizenden Feuerwerke, die keinen Pfennig kosten, diese
geistreichen Unterhaltungen ohne Verleumdung und Klatsch, diese
frischen, strahlenden Gewänder, die keinen zu Grunde richten, dieser
liebliche Duft in all den weiten Räumen, diese herrlichen Konzerte der
selbstlosen kleinen Sänger! -- Nun, mein Herr, was sagen Sie zu den
heimlichen Freuden dieser melancholischen Einsamkeit? Ich biete Ihnen
Oper, Drama, Ballet, Feuerwerk, ich biete Ihnen Unterhaltung, Predigt
und Farben und Diamanten, soviel Sie wollen, und lebende Blumen und
wahre Freuden, und all das stark und schön und groß, und doch habe ich
noch die Seele des Freundes vergessen, der dazu gehört, das Herz, das
ein Theil des unseren ist, die Augen, die die unseren widerspiegeln, die
sanfte Hand, die unsere Thränen trocknet; ich will nicht davon sprechen;
für den, der es erfuhr, ist es bekannt, daß Gott uns über solche Freuden
schweigen heißt, er gab uns keine Worte, um sie auszudrücken.
"Ich bin nur eine alte Prophetin an dem Altar des Lebens, der Kummer hat
mich inspiriert, im Kummer vertrieb ich mir selbst die Mittel dagegen
und ich habe sie erprobt. Sie, Sie sind jung, es ist gut, es ist
natürlich, daß Sie die Städte und die Welt und die Sonne und die
lachende Landschaft lieben, deren Freuden keine Mysterien sind; doch all
das thut den Augen weh, die viel geweint haben, sie brauchen Schatten
und Stille; nach einem erfahrungsreichen Leben zieht mein Alter die
Bäume den Thürmen und Dächern, die Dekorationen des Schöpfers denen der
Menschen vor.
"Doch ich sehe voraus, daß mein Predigen, mein Klagen und Fabeln die
Faden Ihrer Geduld fast ganz zerrissen hat; zunächst den, welchen Sie
meinem Alter gewährten, wie meinem Geschlecht und meiner Freundschaft;
so halte ich mich nur noch an dem einen starken Faden Ihrer Güte, wenn
dieser mich nicht aus dem Abgrund der Ungnade emporzieht, bleibt mir
keine andere Hilfe und ich verliere die Hoffnung, mich ferner nennen zu
dürfen