Es klang wie das laute Klopfen eines Totenwurms. --

Wie sollte er ihm sagen, daß sie tot sei, seine Mutter! ...

Wie würde der alte, gebrochene Mann es aufnehmen?

Er selbst war noch so jung. Ein ganzes Leben voller Kampf, voll weher

Herzenseinsamkeit lag vor ihm.

Die Zukunft breitete sich farblos vor ihm aus, wie die kühle

Schneedecke da draußen, die immer dichter und dichter wurde. --

Unaufhörlich wirbelten die tanzenden weißen Flocken vom Himmel und

kreisten wirr durcheinander.

Der Wind trieb sein neckisches Spiel mit ihnen, griff sie vom Boden

auf, warf sie in die Luft und jagte sie weiter und weiter. --

Unaufhörlich, ohne Ende, fielen immer neue herab.

Der Himmel wob der frosterstarrten toten Erde ein fleckenloses, weißes

Leichentuch, unter dem alles Lebendige begraben wurde, bis daß der

neue Frühling neues Leben weckte ...

22.

Und der Frühling kam mit schmeichelnden Lüften und bunter Blumenpracht.

In der kleinen Villa der Sophienstraße war es stiller geworden als je.

Willy hatte sich ganz der Krankenpflege des Doktor Braun zu widmen,

der nach dem Tode seiner Frau allen Lebensmut verloren hatte.

Er sollte durchaus nach dem Süden, allein er konnte sich nicht dazu

verstehen.

Ein paarmal hatte er gefragt, weshalb eigentlich der Professor nichts

mehr von sich hören ließ. Willy konnte ihm nur mitteilen, daß er mit

der schwerkranken Mignon nach der Schweiz gereist war.

Die Gedanken des jungen Mannes weilten oft bei dem Mädchen, das seine

Schwester war. Er sehnte sich nach ihr; denn kaum, daß er sie gefunden

hatte, war sie ihm auch schon entrissen.

Ein heftiges Fieber war infolge der Aufregung bei ihr ausgebrochen,

und ihr erschüttertes Gemütsleben stand in größter Gefahr.

Petri war völlig gebrochen. All seine Sorge richtete sich auf das

Kind, denn er gab jede Hoffnung auf, Willy zu versöhnen. Er hatte

keinerlei Versuche mehr gewagt. Vielleicht, daß die Zukunft sie einmal

wieder näher brachte. --

Für Willy begann eine Zeit grausamer Qual; aber er fand die Kraft,

sein Versprechen zu halten.

Kein Wort verriet dem Kranken, was in der Seele des jungen Mannes

vorging. Er plauderte über die Mutter, er hörte die Erinnerungen

seines Vaters an, der von der Toten wie von einer Heiligen sprach, und

so verwischte sich denn auch in ihm allmählich der Eindruck dieser

letzten ereignisvollen Tage.

Mutter!.. · 第 60 / 62 题