Nein! .. Das durfte nicht sein.
Es war seine Pflicht, jetzt die Briefe zu vernichten, alle! -- so
schnell als möglich.
Er ging auf den Schreibtisch zu, und wie gestern Nacht -- nur
diesesmal mit vollem Bewußtsein -- tastete er an den Schubfächern
herum.
Er sah bald, so konnte er die Schreibklappe nicht öffnen. Mit roher
Gewalt -- das erweckte Verdacht. Und ~das~ durfte nicht sein. Um
keinen Preis!
Den Schlüssel trug die Mutter stets bei sich.
Er mußte also ...
Der Gedanke durchfuhr ihn mit Schaudern.
Das hieß, sich an der Toten vergreifen!
Er wollte rufen. Sie sollten wissen, daß seine Mutter nicht mehr
war. Man würde den Schlüssel finden, und dann bot sich schon eine
Gelegenheit.
Doch nein! -- noch sollte kein Mensch etwas erfahren.
Solange es niemand wußte, schien ihm, als habe er sie noch nicht ganz
verloren. --
Es war alles so still. Sie gingen ahnungslos ihren Geschäften nach,
und ein ~einziges~ Wort würde genügen, um sie alle aufzurütteln;
wie ~ein~ Gedanke genügt hatte, um aus ihm einen anderen Menschen
zu machen.
Er mußte den Schlüssel haben, ehe sie kamen.
Aber er traute sich nicht in das Zimmer zurück, wo die Tote lag.
Endlich entschloß er sich. Es ~mußte~ sein!