Und voller Entsetzen wich er zurück. --

Er hatte den Tod noch nie gesehen, und er mußte immer in dieses

bleiche, kalte Gesicht starren, in diese halbgeöffneten Augen mit dem

gebrochenen Blicke, die er ihr nicht zu schließen wagte.

Ihm graute vor dem Tode.

Und das Entsetzen war so übermächtig lähmend, daß der Schmerz nicht in

ihm aufkommen konnte. --

21.

Er war wie gelähmt; allein endlich hatte er es doch über das Herz

gebracht, ihr den letzten Liebesdienst zu erweisen.

Dann, ohne den Mut zu finden, es den andern zu sagen, setzte er sich

an den Tisch, stützte den Kopf in die Hände und schluchzte auf in

wilder, endloser Qual.

Noch lag Haß in seinem Herzen gegen den Mann, der eben hier

eingedrungen war, den er von der Schwelle des Zimmers hatte fortweisen

müssen.

Er war es ja gewesen, der ihm alles geraubt hatte, seinen Glauben,

seine Liebe; so daß der Tod ihn jetzt nicht mit Schmerz, sondern nur

mit Entsetzen erfüllen konnte, daß er ihn fast wie eine Erlösung

willkommen hieß. --

Hinter seinem Rücken hatte sich der Tod eingeschlichen. Während er

sich um seine aufgeregte Schwester gesorgt hatte, war seine Mutter

gestorben.

Vielleicht hatte sie noch gehört, wie abwehrend er seinem Vater

entgegengetreten war. --

Die ganze Welt schien ihm aus den Fugen zu sein. Er wußte nicht

mehr, was Recht und was Unrecht war. Alles um ihn herum war

zusammengebrochen, und nun stand er allein da und kannte sich nicht

mehr aus in dieser fremden Welt, die ihn mit Angst und Grauen erfüllte.

Nun war die Mutter tot. Sie nahm das Geheimnis mit ins Grab. Allein in

seinem Herzen stand es aufgerichtet, drohend, und marterte und quälte

ihn und ließ ihm nicht einen Augenblick Ruhe.

Während er so im Sessel saß und nachgrübelte, fiel sein Blick durch

die weit offenstehende Tür auf den zierlichen Schreibtisch.

Dort hatte er einst den Brief gefunden.

Dort lag noch alles wie damals, wirr durcheinander.

Mutter!.. · 第 51 / 62 题