Dann wurde die Tür ungestüm aufgerissen, und nun standen sie sich
gegenüber ...
Einen Augenblick kochte es in ihm. Unwillkürlich ballten sich seine
Fäuste.
Es war, als ob er sich auf ihn stürzen wollte.
Einen Augenblick nur, eine Bewegung des Schreckens, der instinktiven
Abwehr.
Aber Mignon hatte die Bewegung gesehen.
Sie riß sich von ihm los und warf sich an die Brust ihres Vaters,
der sie beim Namen gerufen hatte, warf sich ihm mit heftiger Geberde
entgegen, als wolle sie ihn vor einer drohenden Gefahr schützen. --
Die beiden Männer sahen sich an, und sie wußten ohne ein Wort, daß sie
sich nichts mehr zu sagen hatten ...
Petri sah es an Willys Augen, daß es kein Geheimnis mehr zwischen
ihnen gab.
An ihm vorüber sah er durch die offene Tür in das Halbdunkel des
Krankenzimmers und sah, während er sein Kind fester an sich preßte,
als ob die Kranke sich aufrichte.
Wie Todfeinde hatten sie sich gegenüber gestanden, Auge in Auge, und
hielten stumme Abrechnung miteinander.
Dann streckte der Mann seine Hand vor, suchend, tastend, sein ganzes
Wesen schien sich zu ändern, er stand da wie ein Bittender, und indem
er auf das Kind niedersah, das er mit dem andern Arm umschloß, sagte
er leise:
»Willy! ..«
Aber der wehrte ihm, und als ob jener zu der Mutter eindringen könne,
stellte er sich vor die offene Pforte, wie zum äußersten entschlossen.
»Nein! ... Nein! ...«
Er knirschte es zwischen den Zähnen durch, fast unhörbar.
Aber der andere hörte es, und er wußte, daß er in diesem Augenblicke
nichts gegen dieses harte, unerbittliche Nein! vermochte.
Er gab es auf zu bitten, denn er fühlte, wie ihm Mignon schwer und
schwerer im Arm hing.
Mit einem letzten, Versöhnung suchenden Blicke hob er sein Kind auf,
das besinnungslos in seinem Arm lag, und trug es hinaus in den Schnee,
-- aus dem Hause, aus dem ihn sein Sohn hinauswies ...
Er hatte kein Recht, ihm zu trotzen, jetzt nicht; er konnte nur als
ein Bittender wiederkehren, und er wußte, daß Bitten hier jetzt kein
Gehör finden konnten.
Willy stand noch immer vor der Tür, trotzig abwehrend, daß seiner
Mutter niemand nahe kommen sollte.
Dann aber löste sich die Erbitterung in ihm.