Er saß an ihrem Lager, und Stunde um Stunde verstrich. --

Dann kam die Wärterin und löste ihn ab.

Er blieb im Nebenzimmer und legte sich auf die Chaiselongue, wo er

nach langem Wachen in einen Halbschlummer verfiel, aus dem er bei dem

geringsten Geräusche aufschreckte, um gleich wieder vor Müdigkeit in

Schlaf zurückzufallen. --

20

Grau und fahl stieg der Morgen auf.

Der Tag schien seine Wimpern träge und schläfrig aufzuschlagen.

Der Himmel war völlig bezogen, und schwere Nebel schleiften über die

Erde hin.

Gegen Morgen hatte sich Willy, da die Kranke ruhig war, schlafen

gelegt, und es war hoch an der Zeit, als er sich erhob.

Er schickte zu Mignon hinüber, um ihr, wie er versprochen hatte,

Nachricht zu geben.

Als der Diener zurückkam, meldete er, daß auch der Professor heute

früh heimgekehrt sei.

Mignon sandte ihm eine Karte, in der sie ihm mitteilte, sie wolle noch

heute dem Vater alles gestehen. Sie könne die Ungewißheit nicht länger

ertragen.

Willy erschrak. Jetzt mußte sie die volle Wahrheit erfahren.

Einmal mußte es ja doch sein. Es war auch ~so~ gut.

Der Gedanke, wie das auf sie wirken mußte, trat zurück vor der

Tatsache, daß Petri wieder anwesend war.

Daran hatte er noch nicht gedacht.

Was sollte jetzt geschehen? ...

Wenn Petri erfuhr, daß die Mutter erkrankt war, so war es

unausbleiblich, daß er sofort herüberkam, um sich persönlich zu

erkundigen.

Wie sollte das werden?

Willy fühlte nicht mehr die Kraft, ihm als Ankläger gegenüberzutreten.

Seine Energie war gebrochen.

Er hatte ihr das halbe Versprechen gegeben, daß alles noch gut werden

würde.

Einen Augenblick kam ihm der Gedanke, ihn zu benachrichtigen: er

~wisse~ alles und werde jetzt, wo die Mutter krank liege, nicht

dulden, daß er sich ihr nähere.

Mutter!.. · 第 42 / 62 题