Ein Wald von guten Geistern dicht umflüstert mich
Wie ein Vertrauens wertes zugehöriges Tier --
O ihr Vergessenen, Fremden, _Unvertretenen_,
Und unsichtbar wie Lüfte über Ländern hin,
Für alle Welten stimmend, doch in eurem Volke
Überzählig, im Gesetze nie genannt,
Weil ihr bei jeder Wahl ja schutzlos übrig bleibt --:
So blickt an diesem Hause -- nicht an mir vorbei!
Dort bröckeln schon die schwärzlichen Gestalten ab
Und ducken sich, vom heiligen Worte Mensch gekreuzt,
Verschwindend --. Aber purpurrot von Ungeduld,
Wild und bescheiden aufgerichtet: bleibe ich!
Und zügle mich und sage: Wohl seid ihr allein
Die wahre Welt, o ihr ins Herz Entzückenden,
Und Seligkeit, die, um zu sein, nicht sterben muß,
Und seid ja auch die Irdischen wie Himmlischen
Und duldet, auch zyklopisches Geschick zu sein,
In dem ein helles Auge mitten aus der Stirn,
Ein Wille, stammt und opfert seines Stoffes Scheu.
Zu lieben auf der Möglichkeiten Leibern wird
Mit ewig jungem Samen euer Geist nicht matt --
Ihr seid so neu
Und auch des Ganzen niemals satt:
Und daß ihr doch so starr untätig seid!
Ihr Wundersamen -- so allein?
Ihr streckt die Menschenarme weit
Hinauf aus eurer Wohnungen gekreuzten Reihn,
So marmorn parallel euch meidend zur Unendlichkeit?
Wohl rühret ihr einander mit den Herzen an,
Doch dies ist nicht genug,
Verwebt auch eurer Schicksalshäupter Licht und Flug!
Und laßt es nun die Erde fühlen, daß ihr mehr
Als jene seid, kein Volk sich euch vergleichen kann.
Und gegen jedes riesenhohle Kuppelhaus
(Darin ihr so gut fehlt, ihr füllt das Offne aus)
Zusammenziehet euren Bann! gegen des Scheins
Vertreter, o Partei der Sterne,
Ihr müßt euch ja nur zeigen, denn ihr seid schon eins,
Müßt nur den inwendigen Glanz aufwenden
Und euren Blick, der erst am Firmament
Sich traf, ins ungewölbte Leben senden,
Tief in euch greifen, wo es brennt
Von Wirklichkeit,
Und opfern aus den eigenen guten Sternen
Dem Kampf! euer Denken
Dem Kampf ums himmlisch Menschliche!
Die willenlose Erde
Mit eurer Schicksalswilligkeit durchtränken,
Ausstoßen eurer leise singenden Sphären Schrei,
Damit euer Ewiges unsterblich sei,
Und daß auch dieser wuchtigen Welt
Wucht gegenüberrückt,
Der Schwebenden gesammelte Schwere sich eindrückt
Und Hülle und Besitztum von ihr füllt.
Denn euch allein
Ist es gegeben, Schein
Von allem abzuheben, -- ich auch fühlte
In eurem Sang letztes Kleid.
Niederstürzen von meinem Gesicht,
Die fremden Zutaten, die seit der Kindheit
Mich bedeckten mit Schutt der Zeit,
Daß die eigenen Säulen mir
Immer schwerer sich öffneten,
-- Gruben sich auf!
Und dieser Lügen täglicher Schmutz,
Die letzte der Hüllen ist nun nieder,
Die Fäuste, die mich lähmend packten,
Die steinerne Bemäntelung auch des Elternhauses,
Denn ich begriff euch ganz. O nur
Dies unterscheidet mich von euch, ihr Nackten:
Daß ich es sage!
Und glaube, dieser Wunsch sei nicht wider den Sinn,
Den innig ich zu wünschen wage:
Verwirklicht euch!
Laßt euch -- euch nicht verloren gehn,
Setzt eure Schönheit ein in die Gewalten,
Die Erde macht mit eurem Sehen sehn!
Und ihr Entblößten, auch des Führers bloß,
Die aufgesprungene Frühlinge durchfliedern,
Und die mit aller Seel und Kraft
Vor mir stehn, mit allen weißen Gliedern
Eures Schicksals, namenlos besonnt,
Und eingefaßt nur geisterhaft
Vom ewig unfaßbaren Horizont,
Euer Schoß ein Meer, zum Himmel ohne Deich --:
Ihr seid reich,
Und darum kann ich euch reich machen,
Lenken in ein Land,
Das blühend liegt über der Sündflut Sachen.
Ihr -- sichtbar -- sichtbar,
Und sehet selbst euch grenzenlos erhellt,
Ihr laßt zwischen euch und Schöpfung nichts mehr klaffen.
Denn euer Leiden, euer Jubeln, ganzgeschwellt,
Euer ganz Überwaltigtsein: ist schon die Welt --
Und ihr sollt ihre Wirklichkeit
Nur noch erschaffen!
Weil ihr nicht Gott sondern Menschen seid.
Es dämmert, blinkt,
Wind wirft der Stoß der Sonne auf,
Der Boden summt, die Erde beginnt sich zu drehn,
Der Morgen steigt aus tiefem Ton.
Doch eure Häuser, mit des Mondes fliehendem Licht,
Schließen mir erstarrend wieder ihr Gesicht,
In blinden Stein entschwindet ihr -- ummauert schon --
Und ich will gehen
Und euch im Tage wiedersehen --
Und glauben:
Daß in eines neuen Reiches Tag,
In hallendem Haus,
Von Weltenfenstern hell wie freier Himmel,
Wir plötzlich gleich Gewählten stehen --
Weil unser Kampf, der fest hinaus
Ins Sichtbare aus unserer Seele springt
Und nun sein Feld entfaltet als die Fahne
Gelingt -- und in dem großen Haus
Die Rede immer leiser klingt,
Doch donnert Tat und nie genug getane
Liebe, nie genug geliebter Geist,
Der jedes nun geschriebene Gesetz durchdringt,
Das immer neuen Jubelsturmes angenommen
Stets Freiheit heißt.
An die gebeugten Rücken Flügel heftend winkt
Der Geist sie ewig-täglich aus der langen Blendung
Hinweg und in das nackte Licht hinan --:
Und mit dem strahlenden Gesicht
Des Schicksals und des Menschen
Vertritt ihn dann
_Das gute Volk_, noch unerfüllter Sendung.