Chor der Armen

Der Lichtraum sank. Ein Loch gähnt ihm nach,

Wir atemlos starrn --

Es stecken darin steife Gesichter

Wie Zähne scharf, ein wuchriges Maul,

Das dick mit erstickend bequemem Gesetz

Und Verordnung polstert den Abgrund.

Doch wissen wir lang, es beißt wie ein Tier,

Gehorchen wir nicht und sehen es fremd

An, so fremd wie wir sind.

Und schleudern ihm stumm ins schallende Haus

Auf Tribünen voll Speichel des Tagesprogramms,

Auf Zungen, wo klappernd ein Schild klebt: Ich

Spreche für Hunderttausend -- schleudern

Ins Auge, das ausweicht zum Fenster hinaus,

In den Aufbau der Bravos und klingelnden Lärm

Die Fackel des Blicks,

Der fragt: _Vertrittst du den Menschen?_

Ich nackt, ganz nackt, arm und nackt,

Ich reich und doch arm und nackt,

Ich stählern das Haar von Hunger gesträubt,

Ich den Spalt in der Stirn, die vom Lichtanprall sprang,

Ich durchgraben die Schläfe von Qual im Glück,

Vom ruhlosen Gedanken, der schöpft und strömt,

Ich Tänzer im Nichts, in Traum und Buch,

Ich, Milch in der Brust, die küßte den Schmerz,

Ich von williger Liebe schmal und verblüht,

Ich knochiger Rest des verschenkten Golds,

Ich Mauer für Händler, ich Wiese dem Tier,

Ich schwarz vom Kampf mit Nacht und Gewalt,

Vom nie mich durchdringenden Kerker.

Und seht auch mich, mit Maschinen zerfleischt,

Den Blick unversehrt,

Mich taub von Fabrik, das Ohr voll Gesang,

Mich gekreuzigt von Mann zu Mann, mit fernem Schoß,

Mich jung genagelt ans lange Büro

Mit fernem Gesicht,

Mich alt, doch im Untergang euch brennend nah,

Mich, die Füße ins Loch der Holzbank gezwängt

Doch lehrerlos federnd zum Himmel.

Und ich bin schwach und schlage mein Herz,

Es arbeite noch für dich, und ich,

Den Flüstern erschreckt, lasse den Tod

Wie Dampfhammer mir in die Ohren schrein,

Ich gegen das Maul, das Geister bespuckt,

Werfe mich Schüchternen rasend, und ich

Durchbohre mein Glück mit Schicksal.

Ich spreche und stehe in Einsamkeit

So wahr wie vor andern, und ich bin schön

Um ein Tier zu erfreun, ich sterbe im Fest,

Ich blühe im Schlamm, ich nicke entzückt,

Wenn Gebärde das Dunkel des Innern erschließt,

Ich enthülle mein Haupt den Häuptern.

Wir Nackten und Armen, so fühlen wir nicht

Sachen, nur Kampf, der daran sich fühlt!

Gewißheit des Menschen, ragend erkämpft

An der schwankenden Erde der Sachen.

Umrandete Welt umfängt grenzenlos

Ein Mensch und außer sich, reich an sich,

An riesigem Schmuck

Der Armut und Kraft,

Gewillt und willig dem Schicksal.

So brennt er in Blitzen des kurzen Besitz

Als Sonne, allein rings und ist rings alles

Und ist nackter Mensch, der über sie auf

Sich schwingt und bewältigt die Welten.

Die Nackten: Eine Dichtung · 第 11 / 12 题