Alles, was ich durchgemacht und erlebt hatte, war wohl auf meinem
Gesichte zu lesen, als ich nach Hause zurückkehrte. Als ich ins Zimmer
der Mutter trat, richtete sie sich plötzlich auf und sah mich so
hartnäckig-fragend an, daß ich, nachdem ich ohne Erfolg versucht hatte,
irgendeine harmlose Erklärung vorzubringen, ihr schließlich schweigend
den Ring überreichte. Sie wurde entsetzlich blaß, ihre Augen öffneten
sich ungewöhnlich weit und wurden ebenso leblos wie bei ihm. Sie schrie
schwach auf, taumelte, ergriff den Ring, fiel mir halb ohnmächtig an die
Brust und bohrte ihre wahnsinnigen, weit geöffneten Augen in mich. Ich
umfaßte sie mit beiden Armen und erzählte ihr stehend, ohne mich zu
rühren und ohne Überstürzung mit ruhiger Stimme alles, was ich wußte:
von meinem Traum, von der Begegnung und von allem. Sie hörte mich bis zu
Ende an, ohne mich auch nur mit einem Worte zu unterbrechen, ihr Atem
ging immer schneller, und plötzlich wurden ihre Augen wieder lebhaft und
senkten sich zu Boden. Dann steckte sie sich den Ring auf den
Goldfinger, trat etwas zur Seite und holte Mantel und Hut. Ich fragte
sie, wohin sie gehen wolle. Sie sah mich verwundert an, wollte
antworten, aber die Stimme versagte ihr. Sie zuckte einige Male
zusammen, rieb sich die Hände, als ob sie sich erwärmen wollte und sagte
schließlich: »Wir wollen gleich hingehen.«
»Wohin denn, Mütterchen?«
»Wo er liegt ... ich will sehen ... ich will ihn erkennen ... ich werde
ihn erkennen ...«
Ich versuchte es ihr auszureden, aber sie hätte beinahe einen
Nervenanfall bekommen. Ich begriff, daß es unmöglich war, sich ihrem
Wunsche zu widersetzen, und wir machten uns auf den Weg.