Gegen Abend bekam meine Mutter ein leichtes Fieber und schickte mich
fort. Ich ging aber nicht in mein Zimmer, sondern legte mich im
Nebenzimmer auf den Divan und trat jede Viertelstunde auf den Fußspitzen
an ihre Türe, um zu horchen ... Alles blieb still; ich glaube aber kaum,
daß meine Mutter in dieser Nacht ein Auge zugedrückt hat. Als ich am
frühen Morgen zu ihr hineinging, schien ihr Gesicht erhitzt und ihre
Augen hatten einen unnatürlichen Glanz. Im Laufe des Tages fühlte sie
sich etwas besser, doch gegen Abend bekam sie wieder Fieber. Bis dahin
hatte sie hartnäckig geschwiegen, nun begann sie mit hastiger,
ungleichmäßiger Stimme zu erzählen. Sie phantasierte nicht, ihre Worte
hatten einen Sinn, aber keinen Zusammenhang. Kurz vor Mitternacht
richtete sie sich mit einem krampfhaften Ruck im Bette auf (ich saß
neben ihr) und begann mit hastiger Stimme zu erzählen, wobei sie
unaufhörlich schluckweise Wasser trank, matte Bewegungen mit den Händen
machte, mich aber kein einzigesmal ansah. Sie machte Pausen, gab sich
dann wieder einen Ruck und fuhr von neuem fort ... Dies alles war so
sonderbar, als ob sie es im Schlafe täte, als ob sie selbst dabei nicht
zugegen wäre, als ob ein anderer aus ihrem Munde spräche oder sie zu
sprechen zwänge.