Ich erwähnte soeben, daß ich zuweilen unter Einwirkung von verworrenen
Gedanken und Träumereien einschlief. Ich schlief überhaupt viel, und
Träume spielten in meinem Leben eine große Rolle; fast jede Nacht hatte
ich Träume. Ich vergaß sie nie, ich maß ihnen große Bedeutung zu, ich
hielt sie für Vorbedeutungen und suchte sie mir auszulegen; einige
Träume kehrten von Zeit zu Zeit wieder, was mir immer wunderbar und
seltsam erschien. Besonders beunruhigte mich ein Traum: Mir träumte, ich
ginge durch die schmale, schlechtgepflasterte Gasse einer alten Stadt,
zwischen vielstöckigen Häusern mit spitzen Dächern. Ich suchte meinen
Vater, der gar nicht gestorben war, sondern sich aus irgendeinem Grunde
vor uns verborgen hielt und in einem dieser Häuser wohnte. Und ich trete
in ein dunkles niedriges Tor, durchschreite einen langen, mit Brettern
und Balken angefüllten Hof und gelange schließlich in ein kleines Zimmer
mit zwei runden Fenstern. Mitten in diesem Zimmer steht mein Vater in
einem Schlafrocke und raucht eine Pfeife. Er sieht ganz anders als mein
wirklicher Vater aus: er ist schlank, hager, schwarzhaarig, hat eine
Hakennase, mürrische, durchdringende Augen; er mag etwa vierzigjährig
sein. Er ist sehr unzufrieden, daß ich ihn aufgefunden habe; auch ich
freue mich gar nicht über diese Begegnung und stehe unentschlossen da.
Er wendet sich etwas ab, beginnt etwas zu brummen und mit kleinen
Schritten auf und ab zu gehen ... Dann entfernt er sich allmählich von
mir, immer noch brummend, und blickt immerfort über die Achsel nach mir
zurück; das Zimmer erweitert sich und verschwindet im Nebel ...
Plötzlich wird mir ängstlich beim Gedanken, daß ich meinen Vater wieder
verliere, ich stürze ihm nach, -- sehe ihn aber nicht mehr -- und höre
nur noch sein böses Brummen ... Mein Herz steht still -- ich erwache und
kann lange nicht wieder einschlafen ... Den ganzen folgenden Tag denke
ich an diesen Traum und kann ihn mir selbstverständlich nicht erklären.