Zu Mittag kam sie ins Speisezimmer und war sehr milde und freundlich;
sie klagte aber noch immer über Mattigkeit. Doch ihre Unruhe, ihr
ständiges Erstaunen und die heimliche Angst von früher hatten sich
verflüchtigt; und als Fabius am nächsten Tage von neuem an ihr Bildnis
ging, fand er in ihren Zügen jenen reinen Ausdruck wieder, dessen
vorübergehendes Verschwinden ihn so sehr beunruhigt hatte ... Und sein
Pinsel flog leicht und sicher über die Leinwand.
Das Leben der Gatten kam ins frühere Geleis. Mutius war für sie
verschwunden, als ob er überhaupt nie existiert hätte. Wie nach einer
stummen Übereinkunft vermieden es Fabius wie Valeria, über ihn zu
sprechen und sich sogar nach seinen ferneren Schicksalen zu erkundigen.
Mutius war tatsächlich verschwunden, wie in die Erde versunken. Fabius
hielt es einmal für seine Pflicht, Valeria zu erzählen, was in jener
entscheidenden Nacht vorgefallen ... Doch sie erriet wahrscheinlich
seine Absicht; sie hielt den Atem an und schloß die Augen, als ob sie
einen Schlag erwartete ... Und Fabius verstand sie und verschonte sie.
An einem schönen Herbsttage beendigte Fabius sein Cäcilienbild; Valeria
saß vor der Orgel, und ihre Finger irrten über die Tasten ... Plötzlich
ertönte gegen ihren Willen unter ihren Fingern jenes Lied der
triumphierenden Liebe, welches einst Mutius gespielt hatte, und im
gleichen Augenblick fühlte sie in sich zum ersten Male seit ihrer
Verehelichung das Beben eines neuen, keimenden Lebens ... Valeria
erbebte und hielt an ...
Was bedeutete das? Hatte etwa ...
* * * * *
Bei diesem Worte endigte die Handschrift.