XIV.

Zu Mittag kam sie ins Speisezimmer und war sehr milde und freundlich;

sie klagte aber noch immer über Mattigkeit. Doch ihre Unruhe, ihr

ständiges Erstaunen und die heimliche Angst von früher hatten sich

verflüchtigt; und als Fabius am nächsten Tage von neuem an ihr Bildnis

ging, fand er in ihren Zügen jenen reinen Ausdruck wieder, dessen

vorübergehendes Verschwinden ihn so sehr beunruhigt hatte ... Und sein

Pinsel flog leicht und sicher über die Leinwand.

Das Leben der Gatten kam ins frühere Geleis. Mutius war für sie

verschwunden, als ob er überhaupt nie existiert hätte. Wie nach einer

stummen Übereinkunft vermieden es Fabius wie Valeria, über ihn zu

sprechen und sich sogar nach seinen ferneren Schicksalen zu erkundigen.

Mutius war tatsächlich verschwunden, wie in die Erde versunken. Fabius

hielt es einmal für seine Pflicht, Valeria zu erzählen, was in jener

entscheidenden Nacht vorgefallen ... Doch sie erriet wahrscheinlich

seine Absicht; sie hielt den Atem an und schloß die Augen, als ob sie

einen Schlag erwartete ... Und Fabius verstand sie und verschonte sie.

An einem schönen Herbsttage beendigte Fabius sein Cäcilienbild; Valeria

saß vor der Orgel, und ihre Finger irrten über die Tasten ... Plötzlich

ertönte gegen ihren Willen unter ihren Fingern jenes Lied der

triumphierenden Liebe, welches einst Mutius gespielt hatte, und im

gleichen Augenblick fühlte sie in sich zum ersten Male seit ihrer

Verehelichung das Beben eines neuen, keimenden Lebens ... Valeria

erbebte und hielt an ...

Was bedeutete das? Hatte etwa ...

* * * * *

Bei diesem Worte endigte die Handschrift.

Visionen und andere phantastische Erzählungen · 第 60 / 80 题