Mutius lag nicht mehr auf dem Teppich. Er saß in Reisekleidern in einem
Sessel, sah aber aus wie eine Leiche, wie beim ersten Besuch Fabius'.
Der gleichsam zu Stein gewordene, erstarrte Kopf lag auf der
Sessellehne, die gelben, leblos ausgestreckten Hände ruhten auf den
Knien. Die Brust hob sich nicht. Auf dem mit getrockneten Kräutern
bedeckten Boden, vor dem Sessel, standen einige flache Schalen mit einer
dunklen Flüssigkeit, der ein starker, beinahe erstickender Geruch von
Moschus entströmte. Um jede Schale ringelte sich, ab und zu mit den
goldenen Augen funkelnd, eine kleine kupferrote Schlange; und gerade vor
Mutius, zwei Schritte vor ihm, ragte die lange Gestalt des Malaien,
bekleidet mit einem bunten Brokatgewand, umgürtet mit einem Tigerschwanz
und mit einem hohen Hute, einer Art gehörnter Tiara auf dem Kopfe.
Diesmal war er aber nicht unbeweglich: bald machte er andächtige
Verbeugungen und schien zu beten, bald richtete er sich in seiner ganzen
Größe auf und stellte sich sogar auf die Zehen; bald breitete er
gemessen die Arme aus, bald bewegte er sie gebieterisch oder drohend in
der Richtung nach Mutius hin, zog die Brauen zusammen und stampfte mit
den Füßen. Alle diese Bewegungen machten ihm offenbar große Mühe,
verursachten ihm sogar Schmerz, denn er atmete schwer, und der Schweiß
lief ihm vom Gesicht herab. Plötzlich erstarrte er mit angehaltenem Atem
auf einem Flecke, runzelte die Stirne, spannte alle Muskeln seiner
geballten Hände an, als ob er die Zügel hielte ... und zu
unbeschreiblichem Entsetzen des Fabius hob sich Mutius' Kopf, wie von
den Händen des Malaien angezogen, langsam von der Sessellehne ... Der
Malaie ließ die Hände sinken, -- und Mutius' Kopf fiel sofort schwer
zurück; er hob wieder die Arme, -- und der Kopf folgte gehorsam seinen
Bewegungen. Die dunkle Flüssigkeit in den Schalen begann zu kochen, die
Schalen selbst begannen leise zu klirren, und die kupferroten Schlangen
rollten sich wellenförmig um jede Schale. Nun machte der Malaie einen
Schritt vorwärts, zog die Brauen in die Höhe, riß die Augen ungeheuer
weit auf und nickte mit dem Kopfe gegen Mutius ... und die Lider des
Toten begannen zu beben, klebten sich ungleichmäßig auseinander, und
unter ihnen zeigten sich die Pupillen, trübe wie Blei. Das Gesicht des
Malaien erstrahlte in stolzem Triumph und in fast gehässiger Freude; er
öffnete weit seine Lippen, und aus der Tiefe seiner Kehle drang ein
langgedehnter, heulender Ton ... Auch die Lippen Mutius' öffneten sich,
und ein schwaches Stöhnen erzitterte auf ihnen als Antwort auf jenen
unmenschlichen Schrei ...
Nun hielt es Fabius nicht länger aus: es war ihm, als ob er irgend
welchen teuflischen Beschwörungen beiwohnte! Er schrie gleichfalls auf
und stürzte, ohne sich umzusehen, Gebete vor sich murmelnd und sich
bekreuzigend, schnell nach Hause.