XII.

Mutius lag nicht mehr auf dem Teppich. Er saß in Reisekleidern in einem

Sessel, sah aber aus wie eine Leiche, wie beim ersten Besuch Fabius'.

Der gleichsam zu Stein gewordene, erstarrte Kopf lag auf der

Sessellehne, die gelben, leblos ausgestreckten Hände ruhten auf den

Knien. Die Brust hob sich nicht. Auf dem mit getrockneten Kräutern

bedeckten Boden, vor dem Sessel, standen einige flache Schalen mit einer

dunklen Flüssigkeit, der ein starker, beinahe erstickender Geruch von

Moschus entströmte. Um jede Schale ringelte sich, ab und zu mit den

goldenen Augen funkelnd, eine kleine kupferrote Schlange; und gerade vor

Mutius, zwei Schritte vor ihm, ragte die lange Gestalt des Malaien,

bekleidet mit einem bunten Brokatgewand, umgürtet mit einem Tigerschwanz

und mit einem hohen Hute, einer Art gehörnter Tiara auf dem Kopfe.

Diesmal war er aber nicht unbeweglich: bald machte er andächtige

Verbeugungen und schien zu beten, bald richtete er sich in seiner ganzen

Größe auf und stellte sich sogar auf die Zehen; bald breitete er

gemessen die Arme aus, bald bewegte er sie gebieterisch oder drohend in

der Richtung nach Mutius hin, zog die Brauen zusammen und stampfte mit

den Füßen. Alle diese Bewegungen machten ihm offenbar große Mühe,

verursachten ihm sogar Schmerz, denn er atmete schwer, und der Schweiß

lief ihm vom Gesicht herab. Plötzlich erstarrte er mit angehaltenem Atem

auf einem Flecke, runzelte die Stirne, spannte alle Muskeln seiner

geballten Hände an, als ob er die Zügel hielte ... und zu

unbeschreiblichem Entsetzen des Fabius hob sich Mutius' Kopf, wie von

den Händen des Malaien angezogen, langsam von der Sessellehne ... Der

Malaie ließ die Hände sinken, -- und Mutius' Kopf fiel sofort schwer

zurück; er hob wieder die Arme, -- und der Kopf folgte gehorsam seinen

Bewegungen. Die dunkle Flüssigkeit in den Schalen begann zu kochen, die

Schalen selbst begannen leise zu klirren, und die kupferroten Schlangen

rollten sich wellenförmig um jede Schale. Nun machte der Malaie einen

Schritt vorwärts, zog die Brauen in die Höhe, riß die Augen ungeheuer

weit auf und nickte mit dem Kopfe gegen Mutius ... und die Lider des

Toten begannen zu beben, klebten sich ungleichmäßig auseinander, und

unter ihnen zeigten sich die Pupillen, trübe wie Blei. Das Gesicht des

Malaien erstrahlte in stolzem Triumph und in fast gehässiger Freude; er

öffnete weit seine Lippen, und aus der Tiefe seiner Kehle drang ein

langgedehnter, heulender Ton ... Auch die Lippen Mutius' öffneten sich,

und ein schwaches Stöhnen erzitterte auf ihnen als Antwort auf jenen

unmenschlichen Schrei ...

Nun hielt es Fabius nicht länger aus: es war ihm, als ob er irgend

welchen teuflischen Beschwörungen beiwohnte! Er schrie gleichfalls auf

und stürzte, ohne sich umzusehen, Gebete vor sich murmelnd und sich

bekreuzigend, schnell nach Hause.

Visionen und andere phantastische Erzählungen · 第 58 / 80 题