haben, und wohl allen wird er mehr oder minder durch Beschreibung und
Illustrationen bekannt geworden sein. Dies von dem großen Tierfreund
Carl Hagenbeck unter tätiger Mitarbeit seiner beiden Söhne geschaffene
„Tierparadies“ hat bereits für die Neuanlage von zoologischen Gärten
-- ich erinnere an München und Rom -- als Vorbild gedient. Die
hier vertretene Methode, die darauf ausgeht, den gefangenen Tieren
gewissermaßen ein Stück ihrer verlorenen Heimat wieder künstlich
zu ersetzen, hat auch auf dem Gebiete der Tierhaltung bahnbrechend
und vorbildlich gewirkt. Alle die vielen Anziehungspunkte, die der
Garten bietet, aufzuzählen, ist hier nicht der Platz. Ich erwähne nur
außer dem reichhaltigen und gutgepflegten Tierbestand das ständige
Kommen und Gehen neuer Tiertransporte, die große im Hauptrestaurant
befindliche Geweih- und Gehörnsammlung, die von Herrn Joseph Pallenberg
ausgeführten Rekonstruktionen von Dinosauriern, die Vorführung von
Tierdressuren, Vertretern exotischer Völker und Kinoaufnahmen aus
Urwald und Steppe, Wüste und Eismeer. Ein solches Unternehmen mußte in
jeder Hinsicht sich einen Weltruf erringen, und es ist kein Wunder,
daß die jährliche Besucherzahl des Gartens bis über eine Million
gestiegen ist. Daß die Anlage zu einem Anziehungspunkt für Künstler
und Wissenschaftler werden mußte, ist ja wohl zu verstehen; aber auch
sonst haben ihr hervorragende Persönlichkeiten aus den verschiedensten
Gesellschaftskreisen und Berufen stets ein reges Interesse dargebracht.
Auch der deutsche Kaiser, der ja als großer Tier- und Jagdfreund
bekannt war, kam alljährlich gelegentlich der Kieler Woche mit Gefolge
nach Stellingen. Bei seinem Besuche im Jahre 1913 wurde mir die Ehre
zuteil, durch Herrn Heinrich Hagenbeck Sr. Majestät vorgestellt
zu werden. Der Kaiser zog mich in ein halbstündiges Gespräch, das
sich hauptsächlich um Wild und Jagd in Ostafrika, aber auch um die
wirtschaftlichen Verhältnisse der Kolonie drehte. Besonderes Interesse
zeigte Se. Majestät für die beiden jungen Nashörner „Liesel“ und
„Lola“ sowie für die von mir mitgebrachten zehn Masais, die in vollem
Kriegsschmuck ihre heimischen Waffentänze zur Vorführung brachten.
An diesen Tag, an dem ich unserem früheren Herrscher Angesicht zu
Angesicht gegenüberstand, denke ich stets mit Stolz zurück, aber auch
mit Wehmut. Wie hat sich seit wenigen Jahren alles geändert! Der einst
so mächtige Imperator lebt in fremdem Lande in der Verbannung und die
deutsche Fahne weht nicht mehr über unserem lieben Ostafrika. Wie lange
hat es gedauert, bis das deutsche Volk einsehen lernte, welchen Schatz
es in dieser Kolonie besessen hat. Die Erkenntnis ist zu spät gekommen.
Das Kapitel Weltgeschichte, das von den Tagen eines Peters und Wissmann
bis zu denen eines Lettow-Vorbeck unter afrikanischer Tropensonne
geschrieben wurde, trägt für uns die Überschrift:
„Ein verlorenes Paradies!“
[Illustration:
Skizze
zum Fangkral
Oldonje-Sambu.
]
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