LXII.

Auf Ihr freud- und leidvolles Schreiben, theuerster Freund, will ich,

da sich nichts entscheiden läßt, zwischenredend wenigstens einiges

vermelden.

Unser werther und thätiger von Müller ist nach dem Rhein gereist,

und wenn er auch hier wäre würde er auf Ihr höchst schätzenswerthes

Anerbieten nichts erwiedern können. Wir erhalten die Briefe von Berlin

durchstochen, wie sonst nur von Constantinopel, von Nordosten droht uns

ein unsichtbares ungeheures Gespenst, von Südwesten ein halbsichtbares,

aufgeregter Völkerschaften von welchem Übel sogar in Leipzig die

gefährlichen Symptome nicht fehlen. Und so haben wir nur Ihrer edlen

Weise zu folgen, still und gefaßt auf unserm Flecke zu seyn und das

Unvermeidliche über uns weg, und, wenn das Glück gut ist, an uns

vorbeygehn zu lassen.

Mehr nicht für heute und nur das Wenige zum, gewissermaßen unnöthigen,

Zeugniß: daß wir in wahrer hochachtungsvoller Theilnahme Ihnen

unausgesetzt zur Seite sind.

_und so fortan!_

~_Time and hour runns through the rougest day!_~

Weimar

den 11. Septbr.

1831.

Goethes Briefe an Leipziger Freunde · 第 213 / 214 题